Midsommar Teil 2 – wie ich Midsommar feierte

Wie gesagt, standen die Midsommarfeierlichkeiten direkt nach der Jugendreise an. Das bedeutete Donnerstagabend zuhause ankommen, Rucksack auspacken und kleineren Rucksack gleich wieder einpacken. Dann Freitag morgen viel zu früh, als das man sich bereits erholen konnte, wieder aufstehen und den Zug nach Kalmar nehmen, wo ich dann die anderen treffen sollte.

Am Bahnhof angekommen und mit allen glücklich vereint, teilte sich die Gruppe auf, in diejenigen, die bequem mit dem Auto fahren durften (unter den Glückspilzen ausnahmsweise mal ich ^^) und den anderen, die in den schon längst viel zu überfüllten Bus steigen sollten, letztlich aber doch auf den nächsten Bus warten mussten.

Unser Ziel war der Ort Köpingsvik. Bis wir allerdings dies im Vorfeld einmal entschieden hatten sind wirklich zwei Wochen vergangen. Immer wieder waren wir unsicher, ob dies wirklich der richtige Ort für unser erstes Midsommar sei. Jeder von uns, hatte sich ausführlichst erkundigt, bei schwedischen Bekannten und Kollegen, welcher Ort wohl der Beste sei.

Die Antwort, dass man in der Region Dalarna wohl die traditionellsten und schönsten Feiern miterleben kann, war uns allen zwar einleuchtend, allerdings brachte uns der Gedanke an eine 10 Std Anreise mit Bus und Zug wieder davon ab.
Öland kam sehr schnell zur Sprache. Viele Schweden feiern auf einem der vielen Campingplätze auf Öland, zusammen mit Freunden und Familie. Klingt ja auch gut, aber das sind ja dann eher geschlossenen Feiern.
DAS Midsommarfest, zu dem viele junge Schweden im Alter von 18-25 hinströmen, findet jährlich in Köpingsvik statt, hieß es. Das klang gut. Jedoch, so warnten uns viele, sei es sehr sehr gefährlich dort. Vor zwei Jahren, hätten zwei Jugendliche dort einen abgestochen…Wir malten uns schon die schlimmsten Szenarien aus, konnten uns allerdings doch nicht so richtig vorstellen, dass die sonst so ruhigen, ja fast schon trägen und langweiligen Schweden, den Elan haben, agressiv zu sein.
Wir haben wirklich lange überlegt. Uns dann aber davon überzeugt, dass die Sicherheitsmaßnahmen erhöht wurden und beschloßen nicht zuviel zu trinken und aufzupassen.

In Köpingsvik angekommen musste die Gruppe „Auto“ eine halbe Ewigkeit auf die anderen warten, die in ihre Spinnereien vertieft, natürlich die Bushaltestelle verpasst haben und 3km weiter erst ausgestiegen waren. Das hätte uns eigentlich nichts ausgemacht (ein wenig schadenfroh waren wir auch), allerdings sollten die typischen, traditionellen Tänze schon um 15 Uhr losgehen. Und in sowas sind die Schweden ja doch dann immer sehr punktgenau.
Um 15.10 Uhr waren wir dann alle auf dem Festgelände. Der Baum stand bereits in seiner vollen Birken und Blumenpracht und wurde umtanzt von einer Horde Mütter mit Kleinkindern und einiger Campingbewohnern in unserem Alter, die sich wohl schon seit dem voherigen Abend in einem Dauerrausch befanden. Den Tanz „små grodorna“ der soo typisch sein soll und den ich unbedingt sehen wollte, dachte ich zumindest, konnten wir wohl noch nicht verpasst haben…
Zwar etwas geknickt, dass wir es nicht mehr geschafft hatten, uns einen so wunderschönen Blumenkranz zu binden, aber doch angesteckt von der Freude über den so lang ersehnten Sommer, tanzten wir einige Tänze mit um den Baum. Ein Dansband (das ist eine Art schwedischer Country) spielte Traditionelles, sowie Sommerhits. Eigentlich sind wir ständig nur im Kreis um den Baum gelaufen, manchmal gehoppst und haben geklatscht. Nach 50 min war dann alles vorbei..einfach so…und den Tanz „små grodorna“ den haben sie wohl doch zum Anfang direkt gespielt gehabt. Sowas auch. Wer bringt den schon das Highlight gleich am Anfang?!!

Nachdem sich dann der Großteil der Gäste über die kostenlose Erdbeer-Sahne-Torte hergemacht haben, haben wir heimlich ein paar Birkenzweige und Blumen des geschmückten Maibaumes „geliehen“ und uns dann doch noch herrliche (unsere ersten, deswegen herrlich, auch wenn nicht sonderlich schön) Kränze gebunden.
Danach ging es für uns zum Strand, wo wir zusammen gepicknickt und die wunderschöne Sicht auf den Kalmarsund genoßen haben.

Nach einigen Rangeleien und Sumokämpfen im Sand, machten wir uns zum Campingplatz, ohne genau zu wissen, was uns jetzt eigentlich erwarten würde, und was wir eigentlich vorhaben.

Zunächst einmal war ich wirklich geschockt. Schweden ist sehr sauber. Man sieht kaum Müll irgendwo rumliegen, und es wird auch kaum welcher auf die Straße geworfen. Die Schweden sind sehr korrekt. Was ich dort auf dem Campingplatz sah erschütterte mich in meinem Bild des reinlichen Schwedens. Überall Bierdosen, Müll ohne Ende, Essensreste, dazwischen betrunkene, schlafende Schweden, daneben lauthals lallende Schweden,… Die selbe Situation in Deutschland, wäre nicht im geringsten so grotesk gewesen. Hier hat sich wieder einmal bestätigt, dass betrunkene Schweden, das Gegenteil „ihrer-selbst“ sind. Versuchen sie sonst, so wenig wie möglich aufzufallen, durch Lautstärke, „unpassendes“ Verhalten, Vulgarität, so sind sie es im betrunkenen Zustand eben umso stärker.
Das ganze schien eine riesen Orgie.

Von irgendwoher kam noch lautere Musik, als von den anderen Zelten. Wir suchten den Ort nicht lange. Und fanden einen Campingwagen, vor dessen Eingang eine Anlage aufgebaut war. Da wir ja eh nicht wussten wohin, blieben wir einfach dort, stellten unsere Sachen ab, und begannen zu tanzen. Etliche Versuche Vorbeigehende zum Mittanzen zu motivieren, scheiterten jedoch. Vielleicht daran, dass die Vorbeigehenden einfach schon zu betrunken waren und gerade noch knapp vorbeigehen konnten. Die Gruppe Schweden, denen die Anlage gehörten, störte sich jedoch nicht an uns. Wir wurden sogar nach Musikwünschen gefragt und es schien ihnen zu gefallen, dass die Party bei ihnen stattfand.

Wie immer blödelten wir beim Tanzen rum. Was dann dazu führte, dass ich umknickte, irgendwie. Naja wie das ebenso ist, wenn man nicht mehr ganz so alle Sinne beisammen hat. Leider schwoll mein Knöchel dann auf Ei-Größe an. Machte aber auch nichts (erstmal). Ich bin dann noch irgendwie über den Campingplatz gehumpelt, habe mich mit allen möglichen Leuten unterhalten, ungefähr 10 mal Bier abgelehnt und auf einem Campinwagen getanzt (wie auch immer ich da hochgekommen bin).
Irgendwann sind wir dann nach Kalmar zurück mit dem Auto. Und ich war einfach nur froh, dass ich schlafen konnte. Davon, dass die anderen noch Ewigkeiten in der Wohnung rumgesprungen und geblödelt haben, habe ich absolut gar nichts mehr mitbekommen.

Der Knöchel war noch eine ganze Woche angeschwollen, und das Laufen war zunächst eine Qual. Danach folgte ein Bluterguss einmal rund um die Ferse. Aber da ich ja gleich nach Midsommar mit der Schwimmschule angefangen habe, hatte ich keine Zeit mich in meinem Leiden zu sulen, und hab das ganze ignoriert. Ein Freund hier meinte, es sähe nach Bänderriss aus. Habe ich aber eh nicht geglaubt. Und jetzt funktionniert alles wieder prima ^^

Und drüber schmunzeln kann ich auch.

Und ja, Midsommar ist wirklich wie 1. Mai. Nur ohne Wandern und noch eine Nummer extremer.
Vielleicht sollten wir das nächste mal auch einen Maibaum aufstellen?!! 😉

Midsommar Teil 1 – wie „die Schweden“ Midsommar feiern

Nach der Gotlandsreise stand dann auch direkt das nächste große Event statt. Und zwar Schwedens größte Feier überhaupt: MIDSOMMAR!!!

Hier nun ersteinmal ein grober Bericht darüber, wie Midsommar allgemein in Schweden gefeiert wird, und wie die Schweden selber Midsommar beschreiben.

Midsommar wird traditionell an dem Wochende gefeiert, das zwischen dem 20. und 26. Juni liegt. Die astronomische Sommersonnenwende findet am 21. ganz selten am 20. Juni statt, aber das wissen wir ja alle 🙂

Am Freitag des Midsommarfestes, der Midsommarafton heißt, werden früh am morgen Wildblumen gepflückt, aus denen dann die typischen Kränze gebunden werden. Frauen und Kinder (und in der heutigen Zeit bestimmt auch die Männer) schmücken die „majstång“ mit Blumen und Birkenzweigen. Je nach Region sieht die Maistange, die auch als Maibaum bezeichnet wird, anders aus. Die Silbe „maj“ stammt von dem Wort „maja“ ab, was soviel heißt, wie „mit Blumen geschmückt“.
Begonnen werden die Feierlichkeiten, die meist mit Verwandten und Freunden in gemütlicher Runde auf dem Land stattfinden, mit dem Mittagessen. Gegessen wird dann traditionell „Sill“ (meist säuerlich eingelegter Fisch(Matjes, Hering)) mit „Potatis“ (Kartoffeln). Knäckebrot darf natürlich auch nicht fehlen.

Und dort beginnen dann auch die ersten Trinkspiele. Für jeden Fisch, den man isst, wird ein Schnaps getrunken. Nicht selten kommt der Heimgebrannte in Benzinkanistern auf den Tisch. Danach folgen ein paar Spiele für die Kinder (Kubb u.ä.). Und natürlich weitere Trinkspiele..So zum Beispiel eins bei dem eine Flasche Wasser oder Cola, oder was eben da ist, aufgestellt wird und dann wird aus 4-5 m Entfernung ein Ball mit einem Schlagholz geschlagen. Wird die Flasche getroffen und fällt um, muss die gegnerische Mannschaft trinken. Derjenige der geschlagen hat, muss die Flasche schnell wieder aufstellen. Der nächste aus der eigenen Mannschaft ist an der Reihe den Ball zu schlagen. Jedes Team hat eine gewisse Zeit (1-2 min) um die Flasche so oft wie nur möglich umzukegeln.

Am Nachmittag, während der Alkoholpegel ganz langsam sinkt, wird dann die Majstång aufgerichtet und es wird sowohl zu traditionellen Weisen, sowie zu aktuellen Sommerhits, um den Baum getanzt. Besonders lustig und beliebt ist der Tanz „små grodorna“, bei dem die Schweden wie „kleine Frösche“ um den Baum hüpfen und Quaken.

Wenn dann gegen Abend, der Alkholspiegel soweit gesunken ist, dass man so langsam wieder anfängt klar zu denken, wird gegrillt. Und während des Essens beginnt man dann wieder zu trinken. Und dann wird beisammen gesessen, gefeiert, getanzt und getrunken, bis zum nächsten Morgen.

Die Sonne geht in den meisten Regionen in Schweden gar nicht unter. Und in Südschweden, wo sie für eine Zeit lang nicht zu sehen ist am Horizont, dämmert es die ganze Nacht hindurch.

Ein alter Midsommarbrauch ist es, dass unverheiratete Mädchen, in der Nacht der Midsommarfeier, Blumen von sieben verschiedenen Wiesen pflücken und sie unter ihr Kopfkissen legen. In der Nacht, so der Volksglaube, träumen sie von ihrem zukünftigen Ehemann.

Der Samstag – und das erklärt sich in gewisser Weise von selbst – besteht aus Ausnüchtern.

P.S.: „Midsommar Teil 2 – wie ich Midsommar feierte“ folgt demnächst

Gotlandsäventyret – eine Jugendreise

Gotland, die zweitgrößte Insel der Ostsee, liegt nordöstlich von der Insel Öland, und ist mit seiner atemberaubenden Landschaft und seiner Artenvielfalt an Wildblumen und Vögeln, sowie der Weltkulturerbe-Stadt Visby, mehr als nur einen Besuch wert.

Die Insel, die sich nach der letzten Eiszeit zu ihrer heutigen Form entwickelt hat, besteht hauptsächlich aus einem Kalksteinplateau. Ursprünglich einmal Meeresgrund zu Zeiten des Superkontinenten Pangäa (vor etwa 300-150 Mio Jahren), birgt der Kalkstein unzählige Fossilien. Man braucht sich wortwörtlich nur danach zu bücken.
Die höchste Erhebung misst 82 m. Dies sowie ein gut ausgebautes Netz an Radwegen, und natürlich die herrliche Landschaft, machen Gotland zu einem Paradis für Fahrradfahrer.

Und dies – langes drumherum, kurzer Sinn – war die Mission unserer Jugendreise „Gotlandsäventyret 2011“. Auf ging es von Oskarshamn mit der Fähre Richtung Ferne (naja 3 Std). Für vier Tage machte sich unsere gemütliche Gruppe von vier Betreuern (darunter ich ^^) und 18 Jugendlichen, die sehr zu loben sind, da sie sich alle vorbildlichst verhalten haben, auf Richtung Gotland.

Jeden Tag hatten wir mehrere Aktionen auf unserem Programm stehen. So zum Beispiel ein Robinsonäventyr am Strand, bei dem es in verschiedenen Teams verschiedene Aufgaben zu lösen gab.
Oder auch „Kneipbyn“, was zum einen ein super Erlebnisbad ist mit etwa 15 verschiedenen Wasserrutschen, wovon es einige echt in sich haben, und zum anderen auch ein Freizeitpark (zugegebener Maßen eher für kleinere Kinder). Allerdings steht dort DIE Villa Kunterbunt, in der die weltberühmten Pippi-Filme gedreht wurden. Schon beim Betreten des Eingangs kommt in einem der Entdecker- und Abenteuerdrang hervor und man wird wild wie Pippi und freut sich über jedes Detail der Inneneinrichtung. Mitten im Wohnzimmer steht dann ein lebensgroßes Hartplastpferd. Bei meinem Versuch auf „kleinen Onkel“ aufzuspringen, bin ich natürlich mit einem Platscher gegen den Bauch rücklängs abgeprallt. So klein ist der nämlich gar nicht…

Eine andere Superaktion, die ich nur aus Schweden kenne, nennt sich „Boda Borg“. Hier arbeitet man im Team. Man kann sich das Ganze so wie eine harmlose Variante von „Cube“ vorstellen. Natürlich ohne Sterben..aber teils mit nervenzerreibenden Aufgaben. Es geht in verschiedene Räume, die nach drei verschiedenen Schwierigkeitsgraden eingeteilt sind (grün, rot und schwarz, wobei schwarz viel Körpereinsatz erfordert). Die Räume haben Namen wie McDonalds, Piratenschatz und Spielplatz. Sobald man einen Raum betritt verbleiben einem 2 min Zeit um zusammen ersteinmal herauszufinden, was zum Teufel man eigentlich in diesem Raum tun soll, und um es dann so schnell wie möglich und so smart wie möglich durchzuführen. Dabei gibt es in manchen Räumen Denkaufgaben, in anderen darf man den Boden nicht berühren, sonst tritt man in eine Lichtschranke und muss von vorne beginnen. Ziel ist es, innerhalb der Zeit die Aufgabe zu lösen, sodass sich eine weitere Tür, zu einem weiteren Raum öffnet. Wieviele solcher einzelnen Räume eine Strecke hat, weiß man vorher nicht. Wobei es zwischen 2 bis 8 Räumen variieren kann. Und manchmal findet man sich aufeinmal ein Stockwerk höher wieder…Versagt man in einem Raum, so muss man zum ersten Raum zurückkehren und von Neuem beginnen. Im letzten Raum öffnet sich statt einer Tür ein Stempelkasten und man kann, als Beweis für den lang erkämpften Erfolg, sein Kärtchen stempeln.

Visby ist zwar ziemlich touristisch, aber auf alle Fälle sehenswert. Nicht ohne Grund gehört die Stadt zum Weltkulturerbe. Die meisten Häuser, der, von einer Efeu bewucherten, Stadtmauer umgebenen Stadt aus dem Mittelalter, sind in einem ausgezeichneten Zustand und beherbergen eine Vielzahl an unterschiedlichen Kunsthandwerken und gemütlichen Cafés, vor denen Musikanten Konzerte geben. Auch der botanische Garten ist eine Pracht. Das ganze Ambiente Visbys erinnert mehr an eine Stadt des Mediteranée als eine schwedische Provinzstadt.

Die lange Abgeschottetheit der „Gotländningar“ ist noch heute in dem gotländischen Dialekt zu hören. Oder eigentlich kann man sagen, die Anpassung an das Amtsschwedisch, hat sich in der Gotländischen Sprache, dem „Gutniska“ niedergeschlagen. Jedenfalls klingt das ganze sehr lustig.

Der Wind weht sturmartig und der Wellengang der Ostsee gleicht dem eines leicht unruhigen Tages am Atlantik. Ein paar Schnepfen stolzieren durch die Anlage, in der wir Ferienhütten gemietet haben. Im Vorbeifahren freue ich mich an der Vielzahl an Orchideen und Wildblumen die am Wegesrand wachsen, und auf den Weideflächen, der für Gotland typischen langlockigen, schwarzen Schafe. Die habe ich allerdings nicht gesehen.

Insgesamt sind wir in den 4 Tagen unseres Aufenthalten, 106 km Rad gefahren (und das meistens mit typisch gotländischen Gegenwind, der dazu führt, dass man gefühlt immer aufwärts fährt, und das bei fast null Steigung), 40 km gelaufen, haben Massen Aktivitäten gehabt, und eine Menge Spaß.

Und eins steht für mich fest: ich werde zurückkehren, zu dieser Insel, die mich schon nach so kurzer Zeit voll in ihren Bann gezogen hat.

Helsingfors

Das letzte Maiwochenende stand unser Trip nach Helsingfors an. So wird die Stadt, die geprägt ist von schwedischen sowie vorallem russischen Einflüssen, auf Schwedisch genannt. In den meisten anderen Sprachen heißt sie wohl einfach Helsinki.

In einer Gruppe von 10 Freiwilligen ging es mit der Fähre über Nacht, die Scherengärten vor Stockholm durchstreifend, übers Meer an der Insel Aland vorbei, von deren Existens ich bis dahin nie gehört hatte, gen Osten. Dort verbrachten wir einen herrlichen Tag voller Überraschungen, eine Nacht im Hostel und einem Vormittag mit einem langen Spaziergang durch die Stadt, bevor es dann wieder zurück auf das Schiff ging, was uns zurück in die „Heimat“ brachte.

Soviel um das ganze mal grob zu umreißen. Ich hatte die Ehre Robert kennenzulernen (siehe Bericht: So klein ist doch die Welt…), der, wie ich sagen muss, ein viel besserer Schreiber ist, als ich es bin. Und da ich zurzeit ohnehin viel um die Ohren habe, dachte ich mir, ich verweise hier an dieser Stelle mal auf seinen Bloq. Dort findet ihr einen herrlichen Bericht über unser gemeinsames Wochenende. Und viele, viele andere spannende Berichte über seine Abenteuer hier in Schweden.

http://schwedischegardinen.wordpress.com/2011/06/01/helsinki-i-an-bord-einer-festung-mit-unterhaltungszwang/

http://schwedischegardinen.wordpress.com/2011/06/01/helsinki-i-an-bord-einer-festung-mit-unterhaltungszwang/

http://schwedischegardinen.wordpress.com/2011/06/07/helsinki-iii-planlos-durch-die-stadt/

my favourite volunteer

Die Motivation zum Schreiben kommt und geht in Schüben und manchmal hat man zwar Lust zu berichten, aber man findet nichts, von dem man sich denken kann, dass es erwähnenswert genug ist, um darüber zu schreiben.

Nun geht die Zeit hier in Schweden aufs Ende zu und mein Kopf ist voller unvergesslicher Momente, mein Herz voller Gefühle und Freude.

Und jetzt, vor zwei Wochen, als ich endlich einmal zur Ruhe gekommen bin, und draußen in der herrlichen Natur Schwedens Energie tanken konnte, habe ich mir gedacht, es wäre doch schön, diese Momente mit euch zu teilen. Und auch ein wenig zu berichten, von den Leuten die ich hier in mein Herz geschloßen habe.

Die wohl wichtigste Person hier in Schweden für mich ist ohne Zweifel Viki. Viktoria ist Ungarin und kommt aus Budapest. Sie arbeitet in Budapest in einem Projekt zur Reintegration von Langzeitarbeitslosen. Hier in Schweden arbeitet sie mit Recycling, sowie im Jugendzentrum. Emmaboda ist ,ebenso wie Högsby, ein Kaff. Doch auch ihr gefällt das Leben in Mitten der Natur.

Ihr absolutes Lieblingsausdrücke sind „favourite“ und „it’s soooo cute!!“. Lustig ist das immer besonders dann, wenn wir Musik hören, da das ihre größte Passion ist. Ich persönlich habe ja nie eine Ahnung wie Interpret, Song geschweige denn Album heißen, aber Viki ist ein einziges Fachlexikon. Bei jedem neuen Lied hört man nur ein „OHHH!!! That’s my favourite song!!“. Bei jedem wohlgemerkt 🙂 Ist ja auch schön, wenn man immer den Geschmack trifft!!

Mit Viktoria kann ich über alles reden. Besonders gut natürlich über die typischen Frauenthemen ^^
Den Altersnterschied von 9 Jahren merkt man nur manchmal, und auch nur gering. Denn Viki macht ebenso gerne wie ich die verrücktesten Sachen und zusammen lachen wir die ganze Zeit! Ob wir gerade auf der Tanzfläche Dirty Dancing nachtanzen, noch im Halbschlaf Karaokeversionen auf Youtube singen und alle damit wecken, oder aber kichernd auf einer Bank in der Innenstadt sitzen und den Fashion-Stil der männlichen Bevölkerung begutachten. Denn da sind die soo schüchternen Schweden (und die sind wirklich unglaublich schüchtern und verklemmt) ganz schön gewagt. Und ich habe wohl schon jegliche Hosenfarbe gesehen…

Sie ist nicht nur die wichtigste Freundin hier in Schweden für mich, sondern auch eine gute Freundin fürs Leben geworden, und einen Besuch in Budapest steht schon fest in meiner Planung fürs nächste Frühjahr.

Norden, Högsby, weiter im Norden, Abisko

Einigen habe ich ja bereits vor meiner Reise nach Abisko von meinem Vorhaben erzählt, für den Rest hier eine kurze Erklärung:
Zusammen mit einer Gruppe von insgesamt 12 Freiwilligen, hieß es Anfang März den hohen Norden erkunden. Genauer Abisko, welches nochmal eine Stunde nördlich von Kiruna liegt. Abisko ist ein kleiner Ort mit 200 Einwohnern (von denen ich maximal 10 gesehen habe während der 4 Tage in denen ich dort war). Abisko ist nicht nur der Vorort eines großen und bekannten Nationalparks, sondern gilt auch als mit einer der besten Plätze in der Welt, um die Nordlichter zu sehen. Und genau das war unser Plan. Abenteuerurlaub in Lappland!!!

Und das war wirklich ein Abenteuer!! Das fing schon mit der Hinfahrt an. Nach Lappland dauert es von Högsby aus aber so seine 25 Stunden Zugfahrt. Schliesslich sind es ja auch 1.700km, also noch weiter, als von Högsby aus mit dem Auto nach Kassel. Und das im Zug! Ohne große Pausen ging es also dann ab Stockholm im Nachtzug, leider auf der Hinfahrt ohne Bettreservierung, was doch etwas ungemütlich war und für Verspannungen gesorgt hat, nach Abisko.
Die Zeit haben wir uns mit einem total bescheuertem Kartenspiel vertrieben, bei dem es darum geht dass zwei Spieler die Regeln kennen, während alle anderen diese herausfinden müssen. Die Regeln, von denen ich immer noch keinen blassen Schimmer habe, entsprechen ungefähr dem Niveau von Max&Mikes-Spiel, oder dem Spiel mit den Eskimos, Fischen und Eisbären.

Wir kamen Freitag Nachmittag an und habe gleich am ersten Tag eine Menge fantastischer Erlebnisse gehabt. Nachdem wir eine gefühlte Ewigkeit im Supermarkt verbracht hatten, mit der üblichen Diskussion, was soll es zu essen geben und „ich mag dies..ich mag das nicht“-Einrufen, und der wohl einzigen simplen immer funktionnierenden Lösung „Pasta & Tomatensoße“, haben wir den Abend mit einer typischen schwedischen Holzfeuersaune, mit anschließendem Bad im Schnee begonnen. Bei einer typischen schwedischen Sauna wäscht man sich in der Sauna mit warmen Wasser und Seife, bevor es ans Schwitzen geht. Ist der Punkt erreicht, an dem man das Gefühl hat, innerlich zu verbrennen, wird gemeinschaftlich, im Adams und Evaskostüm aus der Sauna gerannt, sich in den Schnee geschmissen und einmal hin und hergewälzt. Herrlich!! Nicht nur lustig zum Anschauen! Danach fühlt man sich herrlich frisch, erholt und voller Energie.
Diese Energie setzten wir gleich in einen Spaziergang hinunter See, welcher wirklich eine betrachtliche Größe hat und vollends zugefroren war, um. Zu unserer größten Freude konnten wir bereits auf dem Weg nach unten das beobachten, was wir uns zu sehen so sehr gewünscht hatten. Ein NORDLICHT!!!
Auf dem zugefrorenen See liegend, den Blick gen Himmel gerichtet, tanzte das blau-türkisgrüne Nordlicht über unsere Köpfe hinweg. Und es war wirklich atemberaubend schön. In dem Moment machte sich Glückseligkeit und vollkommene Harmonie in mir breit. Das ganze Universum schien im Gleichgewicht zu sein und um uns herum herrschte eine endlose Stille..ein unvergesslicher Moment.

Den Samstag fuhren wir mit dem Zug nach Kiruna, um dort eigentlich eine Minentour mitzumachen, bei der man durch enge Gänge kriechen und tolle Grotten sehen sollte. Leider war diese Tour für genau den Tag schon ausgebucht, aber wir könnten gerne an einem anderen Tag kommen. Da das Eishotel uns auch zu teuer war, da man ersteinmal ein Taxi und dann auch noch Eintritt hätte bezahlen sollen, war der Plan ersteinmal die Holzkirche, welche durchaus sehenswert war, anzuschauen und später 45min zu einem Aussichtspunkt zu laufen, das ganze dann mit einem regionaltypischen Mal abzurunden, bevor es dann mit dem Taxi wieder zurückgeht nach Abisko (Nach Abisko gibt es pro Tag genau 3 Züge, wovon der letzte um 14 Uhr fährt).
Natürlich kam alles dann anders als geplant. Die Kirche war schon nett. Allerdings eben auch schnell gesehen. Zwei der anderen Freiwilligen, die so oder so für jeden Preis zum Ice hotel gefahren wären, hatten jedoch durch Glück sich eine kostenlose Mitfahrgelegenheit in einem Rentnertouribus ergattert und fuhren dann doch zum Ice Hotel, wo sie sich dann unverschämter Weise auch noch reingeschmugelt haben….clever die beiden 😉
Wir anderen hatten dann doch keine Zeit mehr zu dem Aussichtspunkt zu laufen, da wir für die nächsten zwei Tage noch einkaufen mussten und die Geschäfte schon um 16 Uhr schlossen. Also dann statt Vergnügen Verantwortung für die Gruppe. Auch ok.
Das Abendessen in dem Restaurant in Kiruna hat dann für den recht öden, enttäuschenden Tag in Kiruna, entschädigt. Zwar waren die Preise sehr teuer mit fast 30€ für eine Hauptmahlzeit und ein Glas Wasser, aber geschmeckt hat es…und es war schließlich auch keine normale Kost. Auf dem Programm standen Rengeschnetzeltes in Champignonsoße mit Dillkroketten, Elchsteak in Lingolnsoße mit Kartoffelgratin (oder gratäng – wie es auf schwedisch heißt) und Rödingfilet in Chablisoße mit Mohrüben und ebenfalls Dillkroketten. Meine Wahl viel auf letzteres, wobei ich gestehen muss, dass ich wenigstens einmal Elch und Ren probieren wollte, trotz meiner Abneigung gegen Fleisch…allerdings hat es mich dann doch eher geekelt davor, als dass ich mich auf den Geschmack konzentrieren hätte können. Röding ist übrigens eine Fischart, die nur in Gewässern dort im hohen Norden zu fangen ist..und sehr deliziös 😀
Das Taxi musste dann erst aus Luleå kommen und lies ganze 2 Stunden auf sich warten…sehr schlechte Infrastruktur dort im hohen hohen Norden. Aber schließlich ist es ja auch ein Stückweit das, was man dort oben sucht. Ursprünglichkeit, Ruhe, Wildnis, Natur!!!

Für den Sonntag war eine Reise über die Grenze in die nächste Stadt auf norwegischer Seite geplant. Dafür waren wir extra früh aufgestanden um den ersten Zug zu erwischen, um genug Zeit zu haben. Der Zug kam nicht. Der Ersatzbus auch nicht. Nach einer Stunde warten am Bahnsteig, in der wir die ersten Schritte eines Hannah Montana Tanzes eingeübt hatten (ich sag nur Jugendarbeit), genoßen wir ein zweites Frühstück und entschieden uns, den Tag mit cross country skiing zu verbringen. Dazu ist zu sagen, dass vielleicht 4 aus der Gruppe, überhaupt schoneinmal auf Skiern standen. Ein herrlicher Tag. Wir haben die ganzen 5 Stunden, die wir im Nationalpark, bei schönstem Sonnenschein und herrlichen Landschaften, unterwegs waren, nur gelacht. Für einen Abhang haben wir geschlagene 30 min gebraucht, da alle zwei Meter jemand hingefallen ist. Die Frage war eigentlich immer nur, wie lange es dauert, bis der nächste fällt. 😀 😀 😀

Am Schluss hat sich die Gruppe geteilt. Einige fuhren zurück zum Hostel und ein kleinerer Teil (mich eingeschlossen) wollte zu „dem Canyon“ fahren, der ja eigentlich gar nicht mehr „so weit weg“ sein sollte. Wir also los und erstmal keine Ahnung wie weit das eigentlich ist und wo’s genau lang geht. Also habe ich dann mal einen der wenigen Einwohner gefragt, die mir begegnet sind. Dieser meinte, ach das sei nicht weit, zu Fuß bräuchte er 10/15 min und wir würden ja flott und schnell aussehen, wir wären bestimmt schnell da. Aha. Ok. Nach einer halben Stunde ständigen Auf und Abs waren nicht nur meine Energie, sondern eindeutig auch meine Nerven am Ende. Da uns dann noch jemand übern Weg lief, frug ich auch diesen netten, schwedischen Herren, der uns bestätigte, nein nein es sei nicht mehr weit, nur noch so etwa 10 min zu Fuß!!! An diesem Punkt habe ich dann die Tour zum Canyon abgebrochen und bin zurück zu denen, die schon gemütlich mit einem Tee im Hostel saßen. Diejenigen, die weitergefahren waren, kamen 2 Stunden nach mir im Hostel an. Die jämmerlichen Fotos vom Canyonchen haben mich dann in meiner Entscheidung nur bestätigt.

Bevor es dann wieder zurück nach Högsby ging, stand am Montag noch ein weiteres Abenteuer an: die HUNDESCHLITTENTOUR!!!
Zu der gebuchten Tour zählte sogar das Spannen der Hundeschlitten. Danach hat alles nach Hund gerochen… Nach einer sehr genauen Erklärung, wie man sich während der Fahrt, bei welchen Terrain, wie hin und herlehnen muss, und wie man ja nicht bremsen sollte, wie man das Geschirr anlegt und worauf es generell zu achten gilt, hatte ich das Gefühl, Hundeschlittenfahren ist zu schwer, als dass irgend ein Laie das je schaffen könnte. Aber ich muss sagen, wir haben uns doch alle recht gut geschlagen. Und ziemlich cool fühlt man sich auch, wenn man im Schneeanzug auf einem Hundeschlittengespann steht und sich von wildkläffenden Huskeys mit blauen Augen durch die beeindruckende Wüste aus Schnee und kleinwüchsigen Birken ziehen lässt.

Nach drei Tagen voller Spaß, frischer Luft, beeindruckender Landschaft und unvergesslicher Erlebnisse, ging es dann von Montag bis Dienstag 25 Stunden zurück im Zug. Ich glaube das war vorerst die letzte ewiglange Zugfahrt.
Zwar fahre ich dieses Wochenende nach Göteborg, aber die 4 Stunden im Zug kommen mir nun so unglaublich kurz vor.
Ein wirkliches Abenteuer, und hoffentlich nicht das letzte hier in Schweden!

viele liebe Grüße raus in die Welt,
Julia

PS: ich vermisse euch!

Krank -.-

Na toll! Jetzt scheint das erste mal seit langem die Sonne und der Himmel ist strahlend blau, bis türkisfarben, und ich bin KRANK!!! Doof. Ok zugegebenermaßen ist es mit -10°C draußen auch nicht so angenehm, aber den ganzen Tag rumsitzen, schlafen und nichtstun war noch nie mein Ding.
Dabei hätte ich jetzt eigentlich soviel zu tun im Jugendzentrum. Schließlich wollte ich ja eigentlich im Januar mit den Arbeiten an der Personaltoilette abschliessen. Nun gut. Dann eben erst Anfang Februar. Aber ich kann ja ein wenig berichten, was ich so nach den drei Wochen Urlaub daheim, feines gemacht habe…

Zuerst einmal muss ich sagen, dass es eine sehr spannende Erfahrung war „Urlaub“ zuhause zu machen. Auf einmal war man einfach wieder in seinem so lange gewohnten Umfeld, mit der Familie, all den Freunden, und es war so vertraut, als wäre man nie weg gewesen. Als wäre Schweden nur ein langer Tagtraum gewesen. Schon die Fahrt vom Flughafen nach Kassel kam mir eher so vor, als wären wir nur gerade zu Besuch bei meinen Großeltern gewesen. Weihnachten mit der Familie war herrlich, und ich hätte mir auch nicht vorstellen können, stattdessen ohne Familie in Schweden zu sein. Nicht wegen dem Weihnachtstrubel, sondern einfach, weil Weihnachten immer die ganze Familie zusammenkommt.
Während der Zeit habe ich gemerkt, wie sehr ihr mir doch alle fehlt! Ich habe die Zeit wirklich genossen. Aber ich habe auch Momente gehabt, in denen ich gezweifelt habe, ob es so eine gute Idee war nachhause zukommen zwischendurch, eben weil ich erst dadurch wieder richtig gemerkt habe wie sehr ich alle vermisse. Nicht, dass es mir in Schweden nicht gefällt. Ich habe hier ja auch super nette Freunde. Aber es fehlt eben dieses besondere etwas.

Jedenfalls war es ein sehr komisches Gefühl wieder hier in Schweden zu sein. Auf der einen Seite wieder fort von allen und auf der anderen Seite habe ich aber auch das Gefühl gehabt, dass ich doch schon ein bisschen zuhause bin hier. Vorallem meine eigene kleine Wohnung zu betreten war herrlich. Wobei das erste Wochenende doch sehr einsam war, da ich nicht einfach mal schnell mit meiner Schwester quatschen, mit meiner Mutter einkaufen gehen konnte, oder der Helge einfach mal spontan zum Kaffeetrinken vorbeigekommen ist.
Das erste Wochenende war also geprägt von Langeweile, Heimweh und totalem Schlappheitsgefühl. Zum Glück fing dann Dienstag wieder die Arbeit an. Ich habe dann auch, da zu Beginn noch nicht so viele Jugendliche spitz gekriegt hatten, dass das Jugendzentrum wieder offen ist, endlich mal konsequent an meinem Projekt ‚Personal sieht rot‘ weitergearbeitet…(zugegebenermaßen ist mir der Name gerade erst eingefallen, aber er gefällt mir und er passt 😀 ) Und ich weiß jetzt, wieviel Arbeit es ist, eine 2m² große Fläche mit vorher in viele tausende kleine Scherben zerbrochenen Fliesen und Spiegeln zu bekleben, oder wie auch immer man das mit dem Mosaik an die Wand pappen nennt. Eigentlich wollte ich das Kunstwerk Personal sieht rot diese Woche ja dann beenden..Schliesslich sind noch ein paar Ausbesserungsarbeiten fällig..aber nun gut..
Nachdem ich dann gottseidank mit dem Mosaik fertig war (ich bin nur knapp einem Fliesentrauma entkommen), habe ich dann erstmal mitgearbeitet an den ersten Veränderungen außerhalb der Personaltoilette.
Wir, also Detlef, meine Kollegin und ich, haben uns nämlich überlegt, das Jugendhaus in einer großen Aktion umzugestalten. Das hängt auch damit zusammen, dass wir umräumen mussten, weil wir zusätzlich zu einem neuen Projektor, einem riesen Flachbildfernseher, einem zweiten Billiardtisch und einer xBox auch noch einen Airhockeytisch bekommen haben. (Soviele tolle neue Sachen – Wo kommt all das Geld für sowas her? Ich dachte die Kommune sei mit eine der ärmsten in Schweden??)
Und da wir schonmal am Umräumen waren und für dieses Jahr zusätzliche Gelder bezuschusst bekommen haben, haben wir uns gedacht, ein Café muss her, wo die Eltern gemütlich ihren Kaffe (aus einem Kaffeeautomaten mit frisch gemahlenen Bohnen) trinken und auf ihre Kinder warten können, die zum Beispiel gerade Ballettunterricht haben. Die ersten Veränderungen haben wir schon bewirkt. So haben wir nun an zwei Wänden eine herrliche schwarz-weiße Fototapete mit Hochhäusern in New York. Wobei wahrscheinlich alle Einwohner Högsbys in einem solchen Gebäude Platz hätten, und sich womöglich nicht einmal über den Weg laufen würden. 😀 😀 😀 Ich liebe „lilla Högsby“

Vor zwei Wochen fing dann auch die Schule an. Ich hatte ja schon im Dezember mit dem Sprachkurs erfolgreich abgeschlossen. Da ich aber schon geahnt habe, wie sehr es mich langweilen würde, meine Vormittage zu verschlafen, habe ich mich zum GRUV -Kurs angemeldet. Grundlegende Erwachsenen Ausbildung. Sehr weise Entscheidung. Nicht nur dass es sinnvoll ist, weiter an meinem schwedisch zu feilen und das Niveau etwas anzuheben, es macht richtig Spaß und meine alten Klassenkameraten aus dem Sprachkurs sehe ich dort auch wieder. Neben Schwedisch im GRUV-Kurs, habe ich auch Kunst und Chemie auf gymnasialen Niveau belegt. Wobei man das mit dem Gymnasium, wie wir es kennen nicht vergleichen kann. Es ist mehr eine Art Berufsschule aber gleichzeitig gibt es auch einen Gymnasiumzweig, der dann den Zugang zu Hochschulen ermöglicht. Ich bin sehr froh dass ich durch den Kunstunterricht nun einen festen Zeitraum habe, indem ich mich ausschließlich mit verschiedenen Techniken beschäftigen kann. Und Chemie, das macht einfach Spaß! (ok mir zumindest 😛 ) Und so unterschiedlich sind die Begriffe ja gar nicht im Schwedischen. Das Niveau ist allerdings noch sehr niedrig und es werden eigentlich nur Grundlagen gepaukt. Richtiges Verstehen, so mein Eindruck, wird von den Schülern nicht gefordert. Das finde ich etwas enttäuschend. Aber vielleicht sind zwei mal drei Stunden Chemie noch nicht genug um eine Aussage zu treffen.

Ansonsten waren die letzten Wochenenden geprägt von Partys und Reisen. So war vor zwei Wochen Geburtstagsfeier von unser Spanierin in der Truppe. Da sie in Mörbylanga auf Öland wohnt, bedeutete das 2 Std Hinreise. Ist in Schweden aber eigentich ganz normal. Fast so, als würde ich in Kassel mal eben nach Kaufungen fahren. Dort waren dann auch Freiwillige aus Göteborg und Malmö zu Besuch, die ich teilweise schon vom Seminar in Stockholm und teilweise noch nicht kannte. Da Rosa in einem Studentenheim wohnt, haben sich unserer Feier noch eine Truppe Seeschiffskapitänstudenten angeschlossen, die gerade erst von einer zweimonatigen Tour in Afrika wiedergekehrt waren. Sehr international also 😀
Und da eine Feier keine Feier ist und wir sowieso mal die Freiwilligen Anna (Österreicherin) und Owen (Engländer) in Linköping besuchen wollten, und die beiden auch noch um die selbe Zeit Geburtstag hatten, sind wir letztes Wochenende also nach Linköping gefahren. Für mich ebenfalls 2 Std entfernt. Auch hier waren wieder die Göteborger dabei (dabei müssen die ja jedesmal 4-5 Std reisen o.O). Von Linköping, übrigens mit ca. 97.500 Einwohnern 7.größte Stadt in Schweden, habe ich leider nur die Innenstadt gesehen. Allerdings hat die auch einige sehr schöne Gebäude zu bieten, teilweise noch aus dem 12. Jahrhundert, wie zum Beispiel die ältesten Teile des Doms.

Kein Wunder das mein Körper, bei dem nun wieder regelmäßig frühem Aufstehen und den häufigen Feiern am Wochenende nun gesagt hat „jetzt ist erstmal Pause angesagt“. Nagut dann hör ich mal auf meinen Körper und lieg den ganzen Tag faul rum. Wie langweilig!! Dabei könnte ich soviel tun. Zum Beispiel endlich mal die Feuerpois mit Feuer ausprobieren!! Wobei da wohl besser jemand dabei sein sollte zum eventuellen Löschen..

Soviel erstmal dazu! Ich stell euch mal ein paar Fotos von der Toilette rein 😛

Grüße aus dem mal wieder kälteren Schweden (aktuelle Ortstemperatur -8°C),
Julia

Wintertraum

Von allen Seiten kriege ich nun mit, dass es so langsam auch in Deutschland anfängt zu schneien. Im Internet sprechen sie sogar schon von Schneechaos! Wobei ich mir ehrlich gesagt nicht vorstellen kann, was eigentlich mit einem Schneechaos gemeint ist. Chaos deutet ja nur auf unzureichende Vorbereitung und Organisation hin. Anders wäre der Zustand den ich im Moment hier in Schweden erleben darf, als absolutes Chaos zu sehen…dabei ist das nur der Anfang und bis jetzt sind die Leute, die im Wald leben noch nicht eingeschneit. Ein bisschen froh bin ich ja schon, darüber, dass ich nun direkt in Högsby wohne und alles zu Fuss erreichen kann. Ich stell mir gerade vor wie es wär, im jetzt bereits schon kniehohem !! Schnee ein mal quer durch den Garten zum Plumpsklo zu müssen….

Ich wohne nun schon einen Monat in der neuen Wohnung und habe mich schon ausgesprochen gut eingelebt. Nach vielen Stunden kreativen Schaffens sieht nun auch mein Wohnzimmer recht gemütlich aus. Und wer kann schon behaupten, dass er einen selbstgebastelten Lampenschirm im Wohnzimmer hängen hat?! Ich muss sagen, ich geniesse es richtig, hier in Schweden Zeit zu finden, soviel zu basteln und zu schaffen (:

Das Projekt Personaltoilette geht auch (zwar langsam aber immerhin) voran. Nun sind schon alle zu bemalenden Flächen abgeklebt und teilweise schon mit roter Farbe ausgemalt. Ich würde ja gerne mal mehr Fotos zeigen, aber da ich bis jetzt einfach noch nicht die Muße und das Interesse hatte mir eine eigene neue Digicam zu kaufen, muss ich auf meine alte Kamera zurückgreifen, was etwas umständlich ist, da ich weder sehen kann, welche Einstellung ich wähle, noch wie das Foto eigentlich aussieht…eigentlich ganz spannend!

Das Konzert der Camerata Nordica war unglaublich gut! Es hat mir wirklich sehr gut getan mal wieder solch ein kulturelles Ereignis zu besuchen. Die Camerata Nordica gehört zu den renommiertesten Streichorchestern Schwedens. Und das zurecht.

Am Wochenende war ich in Kalmar. Dort war im Schloss ein Weihnachtsmarkt mit lauter handwerklichen und kulinarischen Sachen. Die Kulisse war traumhaft schön, da es schon dunkel war und alles durch Lichterketten und Kerzen beleuchtet.Der Schnee, und dann natürlich im Schloss mit Verkäufern, die teilweise Kleidung der Renaissance anhatten. Schön. Allerdings auch ziemlich voll, was dann eher etwas stressig war.
Wir, dass heisst drei der anderen Freiwilligen und ich haben uns danach noch in einer Schneeballschlacht (was auf schwedisch noch viel härter klingt, da sie einen ganzen Krieg draus machen: „snöballskrig“ ) ausgetobt. Bei soviel schönem Schnee und der herrlichen Stimmung, die in der Luft liegt, da kommen ganz schnell die Spieltriebe in einem hoch. Und die Kälte, die vergisst man dann schnell. Dabei sind es zurzeit um die -10°C tagsüber.

Nun sind es auch nur noch 21 Tage (heute mit eingerechnet ^^) und dann komme ich erstmal für 2 ½ Wochen Nachhause. Ich werde jeden Tag schon ungeduldiger und freue mich schon wahnsinnig. Vielleicht wird das dadurch noch verstärkt, dass meine liebe Mammi mir einen Adventskalender zugeschickte hat, der 24 Tage bis zu meinem Rückflug hat 😀 Danke!

Es ist schon ein komisches Gefühl. Auf der einen Seite habe ich mich hier nun sehr gut eingelebt. Ich verstehe mich gut mit den Jugendlichen im Jugendhaus. Wir haben nun ein paar mal Dancesessions gemacht. Unteranderem habe ich nen paar Breakdancemoves ausprobiert..haha das muss echt lustig ausgesehen haben. Ich mache oft was mit den Freiwilligen, nächste Woche ist zum Beispiel international gemixtes Weihnachtsessen, also gemeinsames Kochen, hier in Högsby ^^ und jeden Montag gehe ich nun zur Linedancegruppe hier in Högsby (:
Auf der anderen Seite vermisse ich euch alle sehr. Nicht, dass ich hinterher gar nicht mehr zurückwill nach Schweden…Also Mike, wie gesagt, nen bisschen darfst du mich ärgern 😀 😀 😀

Einige sehe ich ja schon bald. Den anderen wünsche ich schonmal schöne Weihnachten!

Ebenfalls viel Neues…

Nun ist seit meinem letzten Bericht schon eine ganze Weile vergangen. Es ist soviel passiert, dass ich gar nicht weiß wo ich anfangen soll. Nur ich weiß auch, wenn ich das Bericht schreiben noch weiter herauszögere, dann wird es ja auch nicht weniger, was es zu berichten gibt, und ausserdem möchte ich ja auch berichten, was hier so passiert.

Ich war vor etwa einem Monat auf dem On-arrival Training in Stockholm. Das Seminar an sich war nicht sonderlich spannend, da ich das meiste schon vom Predeparture-Training kannte. Ich habe aber viele neue Leute kennengelernt, die überall in Schweden verteilt ihren Freiwilligendienst machen. Das ist wirklich sehr praktisch, wenn man günstig rumreisen will. Die Stadt wirkte auf den ersten Blick ähnlich zusammengewürfelt, wie Kassel. Stockholm hat seinen ganz eigenen Charme. Überall ist das Wasser um einen herum. Stockholm wird auch das Venedig des Nordens genannt. Boote sind sogar offizielle öffentliche Verkehrsmittel. Leider hatten wir das Seminar etwas weiter ausserhalb, deswegen konnten wir während der Seminarwoche nicht soviel von Stockholm sehen.
Ich bin dann noch mit ein paar anderen Freiwilligen zwei Tage lang bei EVSlern in Stockholm geblieben. Die dreier WG aus einem Franzosen, einem Spanier und einer Niederländerin war sehr energiegeladen und es gab ständig Aktion.
Am Samstagabend sind wir dann auch alle zusammen auf eine „private“ schwedische Studentenparty gegangen. Über mehrere Bekanntschaften fand sich nämlich ein Verantwortlicher, der uns noch auf die Gästeliste geschrieben hat. Wenn Schweden feiern gehen, dann ist das allerdings was ganz anderes. Die kommen schon so betrunken zur Feier, dass ein Drink reicht bis zum Vollrausch. Kein Wunder, dass sich die Schwedinnen aufreizen ohne Ende, wenn die Schweden gar nichts mehr wahrnehmen. Ich habe um 24 Uhr schon einen jungen Schweden die Treppe mit dem Kopf voran runterfallen sehen. Ich glaube, dass hat er noch nicht einmal mehr richtig mitbekommen. Es ist dementsprechend auch ziemlich schwer Schweden kennenzulernen, weil sie, wenn sie ausgehen, eh nichts mehr mitkriegen und sonst zu schüchtern sind. Wir, also die internationale Gruppe aus EVSlern haben jedenfalls unseren Spaß gehabt und ordentlich getanzt. Allerdings musste ich um 1.30 Uhr feststellen, dass Schweden kein Durchhaltevermögen haben. Auf einmal gingen alle Lichter an. Ich war echt empört, schießlich fühlte ich mich gerade erst richtig eingetanzt! Aber es ist hier in Schweden üblich, dass um 2 Uhr alles dicht macht. Kein Wunder also, dass die Schweden so viel in so kurzer Zeit drinken…
Von den vielen Museen der Kapitalen habe ich leider kaum was gesehen. Das nehme ich mir für meinen nächsten Besuch in Stockholm vor. Was wir uns aber angeschaut haben, war das Freilichtmuseum „Skansen“, welches nicht nur das Leben in den verschiedenen Gebieten Schwedens vor etwa 100-200 Jahren zeigt, sondern auch einen Zoo mit nordischen Tieren beinhaltet. Da habe ich dann auch zum zweiten mal einen Elch gesehen. Zum Glück lag diesmal ein Zaun zwischen uns!!

Nach meinem Aufenthalt in Stockholm fingen dann auch endlich die Kurse an. Vor der ersten Chorstunde die ich geben sollte, war ich sehr aufgeregt, schliesslich habe ich selber zwar jahrelange Chorerfahrung und weiß worauf es ankommt, aber einen Chor zu leiten ist noch einmal etwas ganz anderes. Aber als ich dann gemerkt habe, dass ich selber an mich mal wieder viel höhere Ansprüche gestellt habe, als nötig und vorallem, als die Kinder, war ich etwas beruhigter. Und als sie dann voller Freude in der 2. Chorstunde „Hejo, spann den Wagen an“ singen wollten, wusste ich, dass ihnen der Chor genauso viel Spaß macht wie mir. In der Ballettgruppe, die ich nun so gar zweimal die Woche gebe, sind nach anfänglich 5 Schülern, nur noch zwei übriggeblieben. Die anderen drei sind noch kurzfristig zu Showdance übergelaufen – Verräter. Naja das gute ist, dass ich nun das Niveau steigern und das Tempo anziehen kann. Denn die beiden sind wirklich gut! Und es macht soviel Spaß das strahlen in ihren Augen zu sehen. Am 9. Dezember ist dann auch eine Aufführung geplant, von allen Kursen die im Jugendhaus angeboten werden. Das heisst ich werde mit dem Chor etwa drei Lieder singen und eine kleine Ballettchoreo aufführen mit den beiden. Allerdings heisst das auch, dass ich mir die Choreographie noch ausdenken muss…

Zusätzlich zu der ständigen Vorbereitung der Kurse musste ich in letzter Zeit noch vieles anderes vorbereiten. So war zum Beispiel letzten Freitag in Oskarshamn, was nur 30km von Högsby entfernt liegt, Kulturnacht. Dort sollten alle Freiwilligen meiner koordinierenden Organisation (also immerhin 10), Plakate oder PPP über ihr Heimatland vorstellen. Das fand ich für Deutschland unverschämt viel Arbeit, weil ich nicht finde, dass man die ganzen verschiedenen Kulturen, Bräuche, Landschaften, etc. , die es in Deutschland gibt, auf ein einziges Plakat bringen kann. Also habe ich versucht zu zeigen, dass es sehr viele Unterschiede von Region zu Region gibt, und dass Hessen keine Bayern sind!!! Das war dann allerdings mit mehr Arbeit verbunden.

An besagter Veranstaltung gab es dann verschiedene Auftritte von Gitarrenschülern, Tanzgruppen, etc., unteranderem einen Workshop in Streetdance, wo ich lernen musste, dass ich noch untalentierter bin für diese Art von Tanz, als ich dachte 😛 , ein Auftritt von Schülern eines Gymnasiums mit Musikrichtung, was mich mehr als beeindruckt hat (warum war ich nicht auf so einer Schule?!), und letztlich dann noch ein Konzert von einem, der im Jugendzentrum in Oskarshamn arbeitet.
Das war ein Punkrockkonzert. Die Musik war auch echt nicht schlecht. Aber ich habe einfach noch nie langweiligeres Publikum gesehen. Es waren etwa 40 Leute in einem kleinen Raum, wovon zwar viele schon sehr ausgeflippt aussahen, aber nur etwa zwei auch wirklich ausgeflippt sind. Die anderen standen da und haben an ihrem Bierchen genippt, wenn überhaupt, und höchstens mal mit dem Fuß mit gewippt…Gott diese verklemmten Schweden. Die müssen sich auch gedacht haben wir spinnen, als aufeinmal 10 mehr oder weniger wild tanzende und springende EVSler die Tanzfläche stürmten.

Generell mache ich sehr viel mit den anderen Freiwilligen. Hauptsächlich am Wochenende, weil wir ja alle verstreut über die Region wohnen. Aber dann treffen wir uns mal hier mal da, gehen aus, kochen zusammen und feiern. Es tut gut, ab und zu Leute im eigenen Alter um sich herum zu haben. Die Jugendlichen im Jugendhaus sind doch meist eher jünger und meine Mitschüler im Sprachkurs waren teilweise früher selbe mal Lehrer, geniessen jetzt aber ihren Ruhestand. Wobei das nicht heisst, dass ich mich mit denen nicht verstehe. Im Gegenteil, wir werden am Samstag zusammen das Fest der Kulturen in einem Nachbarörtchen besuchen und heute Abend fahre ich zusammen mit einem Ehepaar aus meinem Sprachkurs nach Oskarshamn auf ein Konzert der „Camerata Nordica“.

Mit der Sprache komme ich mehr als super gut zurecht. Ich bin selber überrascht wie schnell ich Schwedisch lerne. Zwar ist mein Wortschatz noch etwas einfach und ich mache natürlich noch Fehler, aber ich verstehe alles und kann auch das was ich sagen will ausdrücken und das sogar schon recht fliessend! Das macht echt Spaß. Und nicht nur mein Schwedisch wird besser, sondern auch mein Englisch. Schließlich reden wir das ja unter Volontären.

Das wohl wichtigste Ereignis ist abe mein Umzug in meine neue Wohnung gewesen. Seit zwei Wochen wohne ich nun endlich direkt in Högsby, was viele Bequemlickeiten mit sich führt, wie morgens vor der Sprachschule länger schlafen können, flexibler sein, da es zwei Minuten bis zum Bahnhof sind, selbstständig und unabhängig sein, und und und. Sogar das Wäschewaschen macht Spaß im Moment (:
Die Wohnung ist auch wirklich ein Traum! Richtig groß und hell (was hier in Schweden sehr wichtig ist, bei dem sowieso schon raren Tageslicht im Winter) und ich habe sogar eine Terrasse. Meine Möbel sind zwar nicht die schönsten, aber ich habe schon begonnen, kreative und innovative Umgestaltungen vorzunehmen, um die Wohnung schön und gemütlich einzurichten.

Auch wenn das alleine Wohnen wunderbar ist, und ich es voll und ganz geniesse, war das erste Wochenende alleine in der Wohnung doch etwas einsam. Ich hatte vier Tage frei, da wir die Woche zuvor Herbstferien hatten und volles Kinderbespaßungsprogramm. Allerdings hatte ich noch kein Internet in der Wohnung und musste immer ins Jugendzentrum laufen, was immerhin seine 20 min dauert, um dort Kontakt mit der Welt aufzunehmen. Das Wetter war kasselgrau und -nass. Da kommt man dann schon ins Grübeln, ob es gerade das Richtige ist, was man macht, ob man nicht lieber woanders sein sollte und hingehört. Ich glaube in diesem Jahr, vorallem diesem Winter, der wohl noch lang genug wird, werde ich sehr viel Zeit haben zum Nachdenken…

Aber dafür bin ich ja auch unterwegs…eller hur?

Soviel erstmal mal wieder von mir. Wurde Zeit mich mal aufzuraffen. Aber ich denke euch geht es vielleicht genauso, dass man solangsam richtig dort ist mit den Gedanken auch, wo man sich körperlich schon seit längerem befindet, und es einem wirklich schwer fällt, anderen alles was man erlebt und was einen bewegt, zu erzählen.

kram
Julia

P.S.: Achso, ihr seit bestimmt neugierig: Nein, es schneit im Moment nicht. Es ist recht warm sogar. Aber wir hatten schon im Oktober, wohlgemerkt mitte Oktober das erste Mal Schnee!!!

Ahh wo ist die Zeit hin…???

Hej hej alle zusammen!

Ich lese eben die vielen tollen Berichte aus Spanien, Berlin und Nordirland und schaue dann mal auf das Datum des Berichts von Jojo und muss doch feststellen, dass wir schon Oktober haben und ich doch tatsächlich schon vier Wochen nun hier im herrlichen Schweden bin. Ich habe das Gefühl die Zeit rast nur so dahin. Meine Güte so schnell wollten Schulwochen nie vergehen…

Ich bin ständig unterwegs, beschäftigt und auch am Wochenende steht eigentlich immer etwas an. Wenn ich mir überlege was ich schon alles gemacht habe kommt da einiges zusammen. Seit meinem letzten Bericht war ich in Kalmar, habe fünf verschiedene Arten des Freundschaftsambänderknüpfens erlernt, angefangen die Personaltoilette umzugestalten, gefühlte hunderte Brote gebacken, mich mit Helge, Benni und Jan im über 300km entfernten an der Westküste liegenden Stenungsund getroffen (ein Higlight ^^), meine erste Sprachprüfung nach nur zweieineinhalb Wochen Schule abgelegt, war auf Öland zum Erntedankfest und werde nun morgen zum Vorbereitungsseminar nach Stockholm fahren.

Keine Angst: es geht mir trotzdem gut und ich werde auch nicht tot umfallen, weil ich zu viel tue (: dafür bin ich ja hier, um etwas zu erleben.

Zunächsteinmal zu Kalmar. Das ist hier in dem ‚Län‘, was hier sowas ist wie ein Bundesland vom Administrativen her, die grösste Stadt. Und das mit 35 000  Einwohnern. Aber wie gesagt, wenn man von Högsby nach Kalmar kommt ist das schon richtig Großstadt. Kalmar liegt direkt an der Ostsee, weshalb es dort immer sehr windig ist. 1397 als die Hanse drohte zu viel Machteinfluss in den nordischen Ländern zu gewinnen, schloss Schweden mit Dänemark und Norwegen die Kalmarer Union, welche im Kalmarer Schloss, besiegelt wurde. Direkt neben dem Schloß befindet sich auch ein super neuer schwarzer Klotz, der ein Kunstmuseum beinhaltet. Ich werde mir wohl im dunklen kalten Winter mal die Zeit nehmen, dort reinzuschneien. In der Innenstadt gibt es lauter kleine Geschäfte und Butiken aneinandergereiht und am Hafen kann man in Fischrestaurants zu mittag essen.

Kalmar Slott Kalmars Fußgängerzone

Wie ich schon erwähnt habe stand diese Woche meine erste Prüfung an. Was etwas ungewöhnlich ist, da ich ja erst seit zweieinhalb Wochen Schwedischunterricht hatte. Andere, sowie zum Beispiel ein Eriträer aus meinem Kurs, versuchen schon seit einem Jahr diesen Test zu machen. Ich muss zugeben, dass ich es von Anfang an einfacher hatte, weil das Schwedische dem Deutschen sehr ähnlich ist, zumindest was das Vokabular anbelangt. Sogar die gleichen Wortbilder finden sich in den beiden Sprachen. Zum Beispiel heisst ‚Släpt°ag‘ wie man sich vllt denken kann ‚Schleppzug‘ und wird auch im gleichen Zusammenhang (z.Bsp. nörgelnde Kinder) verwannt. Die Aussprache, Melodie und vorallem die Grammatik sind jedoch komplett anders. Oder wüsstet ihr wie man ähnlich dem Deutschen sjuksköterska ausprechen soll? (das bedeutet übrigens Krankenschwester). Der Test fand jedenfalls an zwei Tagen statt. Am Donnerstag kam das Hör- und Leseverstehen dran sowie die Aufgabe in einem Brief aus meinem täglichen Leben hier in Schweden zu berichten. Das Hörverstehen bereitete mir etwas sorgen im Vorfeld, die aber doch sehr unbegründet waren da jeder ewiglangsam ausgesprochene satz auch zweimal wiederholt wurde. Das Leseverstehen war auch recht simpel. Am Freitag kam dann die mündliche Prüfung, in der es einfach hiess, erzähl mal wer du bist. Toll. Erzähl mal wer du bist. Und das auf Schwedisch. Hat allerdings dann doch ganz gut geklappt..und ich bin auch nicht wie befürchtet knallrot angelaufen und in Hitzewallungen verfallen, wie befürchtet. Nachdem ich die Prüfung hinter mir hatte, fiel dann doch ein naja sagen wir Broken grosser Stein von meinem Herzen. Dabei weiss ich gar nicht warum ich mir deswegen selber so einen Stress gemacht habe, weil eigentlich weiss ich ja, dass es total egal ist, ob ich nun diesen Monat die Prüfung nächsten oder in zwei Monaten die Prüfung mache. Naja mal abgesehen von den Unterrichtszeiten, die sich dadurch dass ich nun in den Fortgeschrittenenkurs komme, um angenehme 3 Std nach hinten verschieben (: Also viel mehr Zeit für erholsamen Schlaf. Ich hoffe ich finde dann auch noch die Kraft und Muße morgends regelmässig zu Joggen.

An der Arbeit komme ich mehr und mehr in Kontakt mit den Jugendlichen. Ich finde es schön, dass ich mich jetzt schon zumindest ein wenig mit ihnen unterhalten kann. Auf der einen Seite ist es zwar schön, dass ständig irgendwer zu mir kommt und Aufmerksamkeit verlangt und mit mir entweder ein Freundschaftsarmband flechten oder Fangen spielen möchte, aber auf der anderen Seite ist es manchmal doch anstrengend, wenn dann fünf Leute aufeinmal einem auf schnellem Schwedisch etwas erzählen möchten, noch alles mitzubekommen. Es gibt immer viel zu tun. Wie zum Beispiel backen mit den Jugendlichen zusammen, oder neue Flechttechniken ausprobieren. Ich habe nicht nur drei Jugendlichen, darunter ein siebenjähriges Mädchen und ein Siebzehnjähriger, beigebracht Spiralförmig geknotete Bänder knüpfen, sondern habe auch selbst schon an die fünf verschiedene Techniken erlernt und kombiniere gerade und experimentiere mit den Farben und Mustern (:  (:  (: das ist echt schön!!! Und absolut nicht langweilig. Nebenbei arbeite ich ab und zu an der Umgestaltung der Personaltoilette, die ich neulich erstmal zur Grundierung weiss gestrichen habe, wobei ich die Tür abschleifen musste und sie dann weiss lackieren wollte, was dann mit einer praktischen Lerneinheit über „wie sie besser nicht ihre Tür lackieren sollten“ endete. Statt die Farbe Schicht für Schicht in Bahnen aufzutragen habe ich einfach solange gesprüt bis eine etwas dickere Schicht auf der Tür war. Naja Resultat war, dass die Dose nach der Hälfte der Tür alle war und der obere Teil ein schönes aber nicht gewolltes Wölckchenmuster hatte…man lernt aus seinen Fehlern, sag ich da nur.

Am Wochenende vor dem letzten, traf ich mich mit Helge, Benni und Jan in Stenungsund. Dort waren die Jungs auf einen Campingplatz gefahren, damit ich die Möglichkeit hatte sie zu finden. Nachdem Helge und ich Donnerstag telefoniert hatten und ich Freitags die Tickets gebucht hatte, fuhr ich Samstag morgen los und kam nach sehr schnell vorübergehenden 7 Std in der Stadt, die eigentlich nur eine Strasse ist, an. Stenungsund liegt direkt an einem der Fjorde Norwegens und ist nur noch wenige Kilometer von der Grenze zu Norwegen entfernt. Die Jungs, die gerade unser vegetarisches Abendessen gekauft hatten und Lättöl, da die Systembolaget (das schwedische Alkoholparadies) schon geschlossen hatte, holten mich vom Bhf ab und dann gings ab zum Campingplatz und in die Kote, die wir zugegebenermassen auch nicht mehr wirklich außer wenn es notwendig war, verliessen. So richtig „was“ gemacht haben wir eigentlich nicht. Aber das war ja auch das schöne. Nichts tun, beisammensein, Munschkin und Würmer spielen und SINGEN. Herrlich. Vorallem die „ich bin der Helge und…“-Aktionen vom Benni und die Kommentare vom Helge zurück. Es war einfach so normal beisammenzusein, dass ich erst im Nachhinein realisiert habe, dass wir uns gerade in Schweden also mehrere hunderte Kilometer von der Heimat entfernt getroffen haben! Und das mal nur so für ein Wochenende. (Übrigens finde ich könnten die drei hier auch noch einen kleinen Fahrtenbericht reinschreiben !!!)

Meine zweite bzw dritte, wenn man Kalmar miteinrechnet, Reise in kürzester Zeit, habe ich dann dieses WE zusammen mit Detlef, Maria und Kindern, unternommen. Jedes Jahr findet auf der Insel Öland, welche durch eine Brücke nach Kalmar mit dem Festland verbunden ist (strassentechnisch mein ich), ein Erntedankfest statt. Dabei geht es nicht nur um den Küribs, der dann in jeglicher Form und Grösse und an jeder Ecke verkauft wird, sondern auch um Handwerk und Kunst jeder Art. Eine Woche lang ist dann überall geöffnet, Kunsthandwerker stellen aus, es gibt Märkte, Gallerien haben geöffnet und an der Ruine der ehemaligen königlichen Sommerresidenz, unweit der neuen, findet unteranderem der Tag des Schafes statt, den wir besuchten. Da wurden Schafe getrieben, geschoren, es gab Schaffelle jeder Art zu kaufen und Kunsthandwerk natürlich auch. Dazu kam dann noch ein mittelalterlicher Markt und eine Modenschau mit Wollpullis, -schals, -mützen und ja auch mit mittelalterlicher Gewandung ^^
Ich konnte einfach nicht widerstehen und habe mir ein paar wollpulswärmer gekauft. Es war ja auch kalt an dem Tag!!!
Eigentlich wollten wir auch noch zu einem Maislabyrinth. Es konnte uns aber niemand sagen, wo genau auf Öland das nun eigentlich sein sollte, deshalb sind wir noch zu einem Kunsthandwerkermarkt in einem Dorf, welches noch sehr gut erhaltene alte Häuser hat, gefahren. Öland ist landschaftlich nochmal ganz anders als Smaland. Es gibt überhaupt keine Erhebung (ok einen kleinen Hubel oder so) und es gibt ewig weite offene Wiesen und Weiden auf denen die Kühe frei rumlaufen. Überall gibt es Windmühlen. Nordöland gehört übrigens zu den zwar windigsten aber auch sonnenreichsten Gegenden in Schweden.

Morgen starte ich dann in meine Woche in Stockholm. Dort findet das On-arrival training statt. Das erste Seminar hier in Schweden. Allerdings werden dort nur vier Freiwillige aus meiner (un)mittelbaren Umgebung (Das mit den Entfernungen ist hier so eine Sache) dabei sein. In den vier Wochen die ich schon hier bin habe ich mich erst einmal mit einem anderen Freiwilligen getroffen. Allerdings gab es für weitere Treffen ja auch keine Zeit. Ich bin ja schon froh wenn ich mal einen Moment für mich habe und nicht ständig jemanden um mich herum. Das wird sich aber denke ich die Woche in Stockholm nicht vermeiden lassen. Aber dafür wird es bestimmt mega spassig, aufregend, spannend und toll einfach nur. Ich freue mich schon sehr auf Stockholm. Bisher habe ich es nur von der Autobahn aus gesehen. Da wir etwas ausserhalb tagen sozusagen, weiss ich nicht wieviel wir die ersten tage und insgesamt von stockholm sehen werden. Ich habe da das Seminar Freitag aufhört, gleich noch zwei Tage dran gehangen. Zusammen mit Viktoria aus Ungarn werde ich Freitagnachmittag bis Sonntagmittag noch Stockholm auf eigene Faust erkunden. Mal sehen was wir auf dem Seminar alles machen werden, so richtig eine Ahnung habe ich davon noch nicht, aber Detlef sprach davon, dass üblicherweise alle Voluntäre in den Hochseilgarten gehen…ich bin gespannt!!!

Es gibt so unendlich viele kleine Sachen die ich noch erzählen könnte, aber es ist doch etwas schwer euch an alledem teilhaben zu lassen und euch nicht mit kleinen Details zu langweilen. Aber ich denke ihr habt wenigstens ein bisschen einen Eindruck von dem was ich hier erlebe… 😀

Liebe Grüße aus dem heute warm herbstlich güldenen Schweden!!
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[ich erlaube mir mal die Fotos einzufügen-moik.]