Polska – jeden (eins)

Mein nächstes Kapitel spielt außerhalb der eigenen gewohnten Landes- und Lebensgrenzen, und so berichte ich nun von dem Nicht-ganz-weit-weg-Land und meinen ersten Erlebnissen…

 

Kassel 16.02.2014, Werraweg zu Wilhelmshöhe, nach Berlin, über die unsichtbare polnische Grenze und Ankunft in Poznań.

Meine Marta, meine Mentorin, holte mich vom Bahnhof Poznań Główny ab. Viele hundert Złoty wurden dem Bankomat entnommen, es wurde ein Taxi bestellt und 20 min später stand ich in meinem neuen zu Hause in Polen. Es machte einen gemütlichen und vielversprechenden Eindruck auf Marta und auf mich. Ich willigte beim Vermieter ein. Erste Miete bar in die Hand.

Nach dem ersten Piwo in traditionellem Ambiente im Zentrum der Stadt, lähmte mich die Müdigkeit und ich fiel in eine erste ruhige Nacht.

 

Die erste Woche verstrich mit Zweifeln, Hoffnungen und viel Zeit zum Nachdenken und Entdecken. Marta und ich trafen uns für Vino, für Sightseeing, für kleine Ausflüge in unsere spannenden jungen Leben, die das Wandern und Reisen gemein hatten. Erste Floskeln und Wörter kamen leichter über die Lippen.

Samstag Abend landete Johann, ebenfalls ein deutscher ERASMUS-Student im selben Haus, in dem auch ich wohne. Der erste Kontakt zum ersten „Leidensgenossen“ war hergestellt.

Erst die Ruhe vor dem Sturm. Und dann traf der Sturm wie erwartet ein:

Mit dem Start des ERASMUS-Programms begaben wir uns auf die Ein-halbes-Jahr-feiern-im-billigen-Polen-Party (mein inoffizieller Titel)!

Es begann mit der Uni-Einführung, die sich nicht verkneifen konnte, uns von der Suche nach der großen Liebe vorzuschwärmen. Den ausländischen Mädchen wurden die wahren polnischen Männer nahe gelegt, die männlichen Teilnehmer wurden davor gewarnt, wegen ihrem Exotic-Factor von den polnischen Mädchen nicht ausgenutzt zu werden.

Es war zum Schmunzeln ;-)………, aber freuten uns dann sehr über das großartige Angebot für die Polnisch-Sprachkurse.

Montagnacht: Party, Piwo, Tanz, viel Spaß und Kater am folgenden Tag. Den gibt es hier leider auch. 😉

Am nächsten Tag die ersten Kurse besucht, darunter TEATR wie ich es liebe. Dann Polish Dinner; Barszcz (Rote Beete Suppe) und Pierogi (Teigtaschen mit Füllung); beides typisch polnisch, beides leider nicht von Mutti gekocht, deshalb nur ok. (Selbstgemacht ist es ein Gedicht!)

Die Tram-Party ließen Johann und ich „aus Versehen“ ausfallen. Zum Glück! DJ in der Straßenbahn ist mir dann doch ein bisschen to much…

Es folgte der berühmte Pącek (Krapfen, Berliner, Kreppel, Eierkuchen) -Tag in Polen. Also wir Erasmus-Mädels auf zu den selbstgemachten Leckereien und Kawa czy Herbata dazu, Kaffee oder Tee. Mit ein paar Mädels versteht man sich schon richtig gut.

Und dann mit Vorfreude zur Brauerei-Führung. Enttäuscht hinaus. Das Bier war gut, die Führung dieses kapitalistischen Dreckvereins hätte ich mir gerne erspart. Zu viel Pathos und sichtbare Ausbeute der Arbeiter. Von wegen ramontische kleine Brauerei mit anschließender Verkostung (NUR ein Piwo für jeden)…. Nur der Flaschen-Reinigungs-Befüllungs-Track war wie in der Sendung mit der Maus. Kindheitsgefühle und pure Faszination war wahrscheinlich in uns allen zu sehen.

Es folgte zum Einleuten des Wochenendes die Party amerykańscy. Der American Dream in Polen, mit Football-Spielern und Cheerleadern. Ohjej!

Samstag gab es dann eine Stadtführung durch die wirklich sehr schönen Teile der Altstadt, mit ein bisschen Geschichte und Hintergrundinfos gewann die Stadt noch mehr Charme.

Denn das muss man wirklich sagen: Poznań ist wirklich eine sehr schöne Stadt, es gibt soviel zu entdecken und zu stauen. Und mit diesem Gefühl endete meine erste ERASMUS-Woche. Man muss ja nicht jeden Party feiern. Aber: die Polen, die Stadt Poznań und die Uni UAM heißen einen hier sehr herzlich willkommen! Und gut Fußball spielt das Team Poznan Lech hier auch! 4:0 gewonnen am Samstag! Das kann ja nur gut werden!

 

Nach dieser Woche beginnt nun der „richtige“ Unialltag. Ich bin gespannt und bleibe offen und wissbegierig für neue Erlebnisse und die schöne Sprache.

Winnie