Dies und Das

Hello again,

eigentlich ist nicht soviel neues und spannendes passiert, aber doch Einiges was ich gern mit euch teilen möchte.

In Glenfield hab ich das erste Mal die berühmt berüchtigte Geburtstagstradition mitbekommen, Alice (ein Minileader) ist 18 geworden und zur Feier dieses Ereignisses wurde sie an einen Laternenpfahl gebunden, mit Eigelb, weiß und schalen überschütet, das ganze hübsch garniert mit Mehl, saure Milch (sonst pappts und stinkts ja nicht so gut),Ketchup und Senf (für einen farbigen Anblick) und zum höhepunkt noch mit einem glas chicken tikka masalla verschönert. Ihr könnt euch sicherlich vorstellen wieviel spaß dass (vor allem für aktive Zuschauer) war und  ich hoffe auch sehr Alice davon überzeugen zu können, dass ich ein paar Bilder von ihr  reinstellen kann 🙂 .

Nach soviel anstrengung durften wir dann das süße Leben eines Freiwilligen und eine gratis Ganzkörper Aromamassage genießen. Eine PAKT Mutter hatte nämlich nach „Opfern“ gefragt die sie  massieren kann, da sie gelernte Masseuse ist und jetzt wieder ins Berufsleben einsteigen möchter und davor ein wenig trainieren wollte. Bei dem Angebot haben wir natürlich nicht nein gesagt und es war einfach unglaublich entspannend =)

Im Moment verändern  sich außerdem ein paar der Projekte . In Woodburn  haben wir jetzt immer einen Familiennachmittag, bei dem die Eltern mit den Kindern zusammen spielen sollen, bzw es gibt besondere Projekte, im Moment zum Beispiel zum chinesischen Neujahr. Letzte Woche ist Pam eine Chinesin, die aber schon seit langem hier wohnt, gekommen und hat uns viel über Symbole, die Tierzeichen  und z.b. den Drachentanz erzählt, außerdem haben wir ein wenig mit den älteren kindern drachen oder tiger gebastelt und diese Woche lehrt sie uns chinesisch zu kochen =).

Irgendwann sollen Jorge und ich dann unsere Länder vorstellen, also was würdet ihr als was typisch Deutsches verstehen, was man spannend und abwechslungsreich mit Kindern erarbeiten kann? Ich kann leider keinen Fußplattler(meine Chefin hatte nach irgendeinem traditionellen Tanz gefragt) und ne traditionelle Tracht habe ich aus Kassel leider auch nicht mitgebracht ^^ hmmm vielleicht sollt ich einfach was über die Pfadfinder erzählen und Stockbrot machen^^.

Und in Glenfield hab ich jetzt mein eigenes Projekt: Jojo’s Mural was im endeffekt heißt wir bemalen die Jungentoilette. Im Moment ist die Idee ein Universum mit Planeten mit unterschiedlichen Themen zu gestalten, zb. mit nem Feuerspeienden Drachen, Hochhäusern und seltsamen Aliens, nicht zu vergessen dem vieläugigen Fisch der gerade einen Menschen frisst xD

Ansonsten ist im Moment das JAhr der Freiwilligen und wir EVS Voluntäre überlegen im Moment wie man Freiwiligen Dienste  mehr promoten kann. Das läuft einmal durch kleinere Events in Belfast, Carrick und Bangor ab, Runa und ich wollen zb in Carrickfergus in nem Pub Quiz eine Runde über EVS gestalten und zum anderen  gibt es noch eine große Party (hoffentlich auf einem Boot) in Belfast, als Abschlussevent das die vielen kleinen Projekte zusammen führt.

EVS Promoten durfte ich heut in der Carrickfergus Grammar School. Unser Boss kennt eine Lehrerin, die hatte ihn eingeladen ein wenig darüber zu erzählen und damit es nicht nur theoretisch ist hat er dann mich als Lebendexemplar mitgenommen um über meine Erfahrungen zu erzählen.

Ja, am Anfang wurde mir mal erzählt  dass das eine Klasse sein sollte, allerdings kam es mir dann doch schon verdächtig vor das wir in einem echt großen Raum waren und nach und nach musste ich bemerken, dass da auch immer mehr und mehr Schüler reinströmten – am Ende waren es dann statt einer  5 klassen mit jeweils so um die 20 Mann in einer Art Hörsaal.

Nun gut, immerhin hatten die Schüler schonmal ne längere Aufmerksamkeitsspanne als die Jugendlichen mit denen ich normalerweise Arbeite (da ist es so gefühlte 10sec^^) und sie waren auch mehr oder minder interessiert. Bob hat ihnen dann erst mal von EVS allgemein erzählt und danach sollte ich mal von meinen Erfahrungen berichten – was mir so 15min vorher gesagt wurde, wie ihr seht war alles unglaublich geplant^^ na ja hab dann erzählt was ich überhaupt mache, inwiefern ich davon profitiere, warum Nordirland, was so Vorurteile von Deutschen auf Iren sind, wie das mit der Sprache klappt und dass es für sie ja noch viel einfacher ist, weil Englisch doch einfach viele MEnschen wenigstens ein wenig sprechen und sie sich so auf jeden Fall trauen können in ein anderes Land zu gehen auch wenn sie die Sprache nicht perfekt beherrschen. Im nachhinein war ich echt erstaunt und stolz wie gut das mit der Sprache trotz Aufregung und mal nicht nur Alltagsvokabular geklappt hat 🙂 Leider haben sie sich nicht getraut vor der Gruppe Fragen zu stellen, und leider hat auch bis jetzt noch keiner von ihnen darüber nachgedacht ein Jahr im Ausland zu verbringen (oder zumindest wollte es keiner zugeben), aber immerhin kennen jetzt alle von ihnen EVS und vielleicht überlegt sich der ein oder andere doch noch sich ein Jahr Auszeit zu gönnen. Das ist hier in Nordirland im Moment zumindest überhaupt noch nicht populär, es ist schon eine Seltenheit wenn jemand nach Schottland oder England geht um zu studieren, wobei das zum großen Teil am wirklich teurem Studium (3300 Pfund pro Jahr) liegt.

Demnächst darf ich dann in der Uni während eines Projekttages über Freiwilligendienste an nem Stand stehen (oder irgendwas ähnliches) und da was über EVS erzählen =) Außerdem ist geplant in noch mehr Schulen zu gehen und für den EVS zu werben.

viele immer frühlingshaftere Grüße aus Nordirland

Jojo

Alltag in Nordirland

Heja

(ungefähre lautschrift von der typischen Begrüßung hier, eigentlich soll es how are you heißen, ist aber weniger als wirkliche Frage nach dem Befinden, als Höflichkeitsfloskel zu verstehen.

Mir ist aufgefallen, dass ich immernoch nicht erzählt habe was ich hier überhaupt genau mache, außer auf wochenendfahrten zu gehen, also hier die Beschreibung meines „Alltages“, obwohl der sich trotz der 4 Monate die ich mittlerweile hier bin, noch nicht wirklich als Alltag anfühlt und eh immer wieder irgendwas anderes los ist  J .

Ich arbeite in Carrickfergus in drei verschiedenen Projekten in unterschiedlichen Stadtteilen. Zum einen in PAKT (Parents and Kids together) Woodburn /Sunnyland, das so circa 10-15min zu Fuß entfernt ist, dann in PAKT Glenfield /Castlemara (das so 30-35min zu Fuß entfernt ist, wobei man leider den gefühlt einzigen Berg in Carrickfergus raufsteigen muss) und Area 51 (einem Jugenzentrum)  im „Zentrum“ ( es umfasst ganze 2 Straßenzügen^^) von Carrick.

Meine Arbeitswoche beginnt  Montags sehr human um 12:3o mit einem Teammeeting in Woodburn/Sunnyland. Nach teilweise endlosen Erzählungen über Health and Safety,  Child Protection , was wir in Arts und Crafts für das nächste große Event (erst Halloween, dann Christmas) machen und was eben noch so ansteht, begebe ich mich zu Fuß weiter nach Glenfield.

Je nachdem wielange das Teammeeting mal wieder gedauert hat und wie motiviert ich war schnell zu laufen bzw ob ich glück hatte und unsere Chefin mich doch mal wie eigentlich versprochen mit dem Auto mitgenommen hat, hab ich da erstmal kurz zeit mit den Müttern, die noch vom Kaffeemorning dort sitzen nen plausch zu halten und mein Mittagessen in Form einer  mehr oder weniger gesunden Tütensuppe zu mir zu nehmen oder wie in den letzten Wochen mir einen neuen Raum zu suchen in dem Inventur gemacht werden muss. PAKT Glenfield hat nämlich das Glück, dass es ein eigenes kleines, bis in die letzte Ecke mit Fotos oder Bildern besetztes sehr gemütliches Haus besitzt.

Außer Runa und mir arbeiten dort noch Mo, mein dortiger Boss und Supervisor , ein super quirrliger, ständig simngender, lachender und offener Mensch, der keine Gelegenheit auslässt zu „slabbern“ (garstige aber nett gemeinte Kommentare^^) , Josh, der sehr lieb und zum glück geduldig ist (ich weiß nicht wie oft er mir schon irgendwelche blöden vokabeln erklären musste) und eine Vielzahl von Minileadern, dh 15-17 jähriger, die uns bei den Programmen helfen und meist schon seit Kindesalter  in PAKT mit dabei sind.

Montags ist so ziemlich mein Lieblingstag, da wir dann mit 3-17 Kindern zum College fahren und Kochunterricht nehmen. Ich bin dabei immer an wechselnden Tischen und muss aufpassen dass sie sich nicht die Finger abschneiden, nicht gegenseitig mit Löffeln bedrohen, irgendwann anfangen aufzuräumen und vor allem dass alle was zu tun haben. Schön ist es vor allem, dass man sich mehr oder wengier an Hand der auf dem Tisch liegenden Zutaten zusammenreimen darf, was wir genau kochen, da die Lehrerin es nicht einmal für alle erklärt, sondern sie mehr von Tisch zu Tisch geht, korrigiert und abschmeckt. Aber  mit ein wenig Abgucken bei den anderen Tischen und Kreativität war es bis jetzt immer sehr lecker und w ir hatten schon chinesische Nudeln, Scones, irisches Brot, Muffins, Irish Stew, Suppe und und und.

Ansonsten bin ich noch Mittwoch- und Freitagnachmittag in Glenfield. Mittwoch war bis jetzt immer erst die Mysterybustour, dh wir haben die Kinder einfach in einen Bus gepackt und sind an irgendeinen Ort in der Nähe von Carrick, z.B. in den Wald, zu einem Denkmal, ins McDonalds^^ (das war unser Christmas special) oder zu einem spielplatz gefahren. Im neuen Jahr läuft das aber leider aus, stattdessen kommt eine Frau und macht mit den Kiddies einen Gebärdensprachkurs, worauf ich schon sehr gespannt bin J Nach der Bustour ging es dann gleich weiter zum Fußballtraining, juhu^^ne mit den 14 Jungs und 3 Mädchen macht es schon echt spaß, auch wenn die Jungs das spiel teilweise eindeutig zu ernst nehmen, weshalb doch schon ehr als die  ein oder andere Träne geflossen ist.

Freitags haben wir erst Badmintontraining gehabt, was aber jetzt für Basketball platz macht. Es war aber unglaublich interessant und schön zu sehen, wie die Kinder von mal zu mal besser geworden sind. Z.B. ein Mädchen , mit dem ich die meiste Zeit geübt habe (irgendwie sind von den 8 die Kinder die sich da angemeldet haben häufig leider nur 3 gekommen) konnte am Anfang keinen Aufschlag und keinen Ball übers netzt bringen oder zurückspielen und jetzt am Ende hat sie den Aufschlag fast immer hinbekommen und kann super zurückschlagen wenn ich ihr zugespielt hab , außerdem war es total erstaunlich zu sehen wie sie auch immer mehr aus sich rausgekommen ist, erst war sie nämlich extrem schüchtern und mittlerweile redet sie teilweise wie ein Wasserfall.

Außerdem ist Freitags noch Schwimmenlernen im Leisure Center. Dabei steh ich am Rand, motiviere und lobe die Kinder wenns sie die Übungen machen, bzw ermahne sie der Lehrerin vielleicht doch mal zuzuhören und nicht plötzlich anzufangen gemütlich im Becken zu rumzutreiben  😉  . Hier ist es auch super  zu sehen, wie die Kinder ihre Fähigkeiten immer weiter entwickeln und immer besser  werden und sich mehr trauen 🙂

PAKT Woodburn/  Sunnyland ist dagegen sehr anders. Erstens hat es kein eigenes Gebäude sondern hat nur bestimmte Zeiten und zwei „Lagerräume“ in einem Jugenzentrum gemietet.

Morgens werden dort Kurse für Eltern angeboten, um ihren Schulabschluss zu verbessern bzw sodass sie nicht nur zu Hause mit ihren Kindern sind . Es gibt  z.B.Mathe, Englisch oder Computerkurse, aber demnächst auch Beauty oder Kunst.   In der Zeit, in der die (zu 99% )Mütter diese Kurse besuchen arbeite ich zweimal die Woche morgens in der Krippe und passe auf ihre 0-4 jährigen Kinder auf.

Da wir keine eigenen Räume haben, müssen wir die Krippe jeden Tag neu auf und abbauen. Wenn genug Kinder erwartet werden ist das meist in der Sporthalle des Zentrums, ansonsten in nem Durchgangszimmer unseres Büros und Lageraums. Die Morgende verbringe ich dann zumeist imaginären Tee mit Milch in der Spielküche schlürfend, hinter einem Spielauto herlaufend, mit wachsmalstiften malend oder rasselnd um ein Baby zu beschäftigen. Irgendwann gibt es dann einen kleinen Snack für die Kinder Pancakes oder Toast mit Butter, Obst und widerlich süßes Saftkonzentrat, dass selbst wenn man nur einen Tropfen irgendwo reingibt schon unglaublich süß und künstlich schmeckt, die Kinder aber lieben.  Und dann entweder nochmal spielzeit oder etwas besonderes, zb werden Musikinstrumente geholt (immer ein großer Spaß und Schmerz für die Ohren 😉 ) oder gemalt ect.

Nachmittags gibt es in Woodburn/ Sunnyland einen afterschoolclub für Grundschulkinder, in dem ich Dienstags und Donnerstags arbeite. Die Kinder kommen da so um 3 uhr hin, dann geht’s erstmal in den computerraum und je nachdem ob sie hausaufgaben haben ode nicht, helf ich bei denen oder beausichtige dass kindgerechte sachen im Internet spielen wie Autos zerschrotten ^^.  Wenn alle Hausaufgaben erledigt sind, bieten wir entweder Sport (Jorge unser Spanier ist dabei unser Fußballprofi weshalb die Jungs in vergöttern) oder Malen und Basteln (mehr Runas und mein Gebiet) .

Donnerstags und Freitag Abend von 6:15-9:30 verbringe ich dann im Area51, dem Jugenzentrum des YMCA.Die Jugendlichen können einfach kommen und gehen wie sie lustig sind, im Jugenzentrum gibt es die Möglichkeit kostenlos die Computer zu benutzen, einen Kicker, nen Billiardtisch, ne Wii, X-Box, nen schlagzeug, sehr gemütliche Sofas und und und (nur leider keine wirklich gute Heizung was im Winter leider etwas nervig ist, da man seinen eigenen Atem sehen konnte … ) Außerdem können sie sich im Tuk-shop  Getränke, Süßes und Salziges kaufen. Donnerstags ist leider meist nicht soviel los, dafür arbeiten Paddy, Ryan und Jacki da mit mir zusammen was immer einen sehr lustigen Abend mit Billiard und Tischtennis verspricht (der dann auch meist später  in unserem Stammpub bei Livemusik weitergeht J )  Freitags dagegen sind es sehr viele Jugendliche und ein ständiges Kommen und Gehen, da sind es dann aber  dafür nur Emma, Runa, Jorge und ich (da kein anderer Freitagabend arbeiten möchte- wozu hat man denn  Sklaven äh… Freiwillige 😉 )

Soviel also  zu meiner Arbeit hier in Carrickfergus. Das diese Projekte hier angeboten werden, hat vor alem damit zu tun, dass es hier viele Paramilitärische Organisationen gab und auch immernoch gibt, außerdem ist arbeitslosigkeit hier weit verbreitet und Die Projekte gibt es hier eben damit die Jugendlichen nicht auf der Straße rumhängen und aus langeweile  so vielleicht in solche Gruppen reinrutschen könnten bzw um ihnen andere Möglichkeiten der Freizeit beschäftigung als Alkohol und Drogen anzubieten.

Übrigens etwas verspätet: Ich wünsch euch allen in frohes und interessantes neues Jahr

Jojo

Belfast

Das letzte RAPP Wochenende dieses Mal in Belfast ist vorbei und es war wieder unglaublich interessant.

Los ging es wieder am Freitag nachmittag und obwohl Belfast gerade mal 20 Autominuten von Carrick entfernt ist, brauchten die Jugendlichen einen Stopp um sich mit Süßem und anderem Zeug einzudecken und als wäre das nciht genug haben sie Bob solange bequatscht zu einem McDonalds zu fahren, dass wir nach dem Einchecken wieder losgedüst sind um mehr Nahrung zu bekommen.

Freitag drehte sich das Programm dann hauptsächlich um Konflikte und Kommunikation. Eine der Übungen war z.B. das einer eine Bildvorlage bekommen hat, die er dem Partner beschreiben musste, allerdings nur mit Geometrischen Begriffen und ohne zu sagen was rauskommen soll ihr könnt euch ja wahrscheinlich vorstellen wie das am Ende aussah, vor allem bei mir, da mir manche Wörter einfach nicht eingefallen sind oder die deutsche Logik für Iren und Nordiren nicht ganz ersichtlich war^^

Samstag sind wir dann durch Belfast gefahren und haben verschiedene Murals und die „Peacewalls“ besucht. Besonders letztere war wirklich erschreckend, denn statt die Mauern und Grenzen abzubauen, werden sie sogar heutzutage immer noch weiter und höher gebaut – so groß ist immernoch das Sicherheitsbedürfnis der Menschen. Kaum vorstellbar war für mich, dass um 10 tatsächlich ganze Viertel abgeriegelt werden, dass heißt riesige Tore mit Stacheldraht obendrauf werden geschlossen und bis morgens muss man dann riesige Umwege in Kauf nehmen, um doch hinein oder hinaus zu kommen.  Welcher Richtung die Viertel folgen kann man oft tatsächlich an der Farbgebung erkennen, in Nationalistischen sieht man viel Grün und Orange, in Unionistischen Blau und Rot.

Die Murals waren wieder ganz anders als in Derry oder auch hier in Carrick (wobei ich sagen muss, dass hier mit die schrecklichsen sind… ) in den Unionistvierteln waren paramilitärische und historische Murals während die nationalistischen „einen Schritt weiter“ sind und mehr die irische Kultur propagieren oder Bezug nehmen auf „verbrüderte“ Völker z.B. die Basken. Überall kann man Gedenkstätten für „Gefallene“ sehen und das auf beiden Seiten.  Da stellt sich schon sehr die Frage wie beide Seiten ein Stück weit ihre Vergangenheit hinter sich lassen sollen, um eine gemeinsame Zukunft zu kreieren.. .

Glücklicherweise gibt es auch schon Gegenbeispiele in denen die Mauern mit Plexiglas aufgebrochen oder zum bemalen und sprayen freigegeben worden sind.

Das die Vergangenheit auch für die junge Generation noch nicht “ Geschichte ist“ hat sich dann am Nachmittag noch stärker gezeigt. Wir hatten die Möglichkeit ein (ehemaliges? ) IRA Mitglied, dass im Gefängnis war und am zweiten Hungerstreik teilgenommen hat kennenzulernen. Und manche der Jugendlichen aus Carrick haben später auch gesagt, dass es für sie sehr schwer war zuzuhören, wenn er beispielsweise über die schrecklichenHaftbedingungen geklagt hat oder allen Wächtern Grausamkeit und Sadismus vorgeworfen hat oder auch seine politischen (nationalistischen) Ansichten geäußert hat.

Aber er ist eine wirklich beeindruckende Persönlichkeit. Und es ist unglaublich bewundernswert was er für seine Überzeugungen auf sich genommen hat , dabei ist es wirklcih schwer nicht aus den Augen zu verlieren, dass er nicht ohne Grund im Gefängnis saß, wobei er über die genauen Hintergründe geschwiegen hat angedeutet war dass er wegen eines Bombenanschlags und dem Versuch Mitglieder der Armee umzubringen ins Gefängnis gekommen ist. Heute arbeitet er in einem Zentrum für ehemalige Strafgefangene, seine politischen Überzeugungen sind immernoch nationalistisch geprägt, allerdings glaubt er heute nicht mehr an eine Umsetzung durch Gewalt, sondern durch Einigung mit der Unionistfraktion.

Wie aktuell der Konflikt noch ist, zeigt sich auch darin, dass hier immernoch Anschläge von der „Real IRA“ verübt werden (der letzte in Londonderry / Derry) und auch viele andere paramilitärischen Gruppen existieren immernoch.

Aber das sind eben eine kleine Minderheit, die meisten Menschen wollen einfach nur in Frieden gemeinsam leben.

Als zweite Sprecherin ist eine Frau gekommen, deren Vater und Schwester bei einem IRA Bombenanschlag ums Leben gekommen sind und die erzählt hat wie es für sie weitergegangen ist – auch eine sehr beeindruckende Lebensgeschichte.

Was sich durch die beiden Sprecher gezeigt hat, ist auch dass Menschen auch wenn sie das gleiche Erlebnis haben, es völlig unterschiedlich erleben, weshalb die aufarbeitung der Geschichte (hier)  auch so schwierig ist.

Ansonsten ging es Samstag hauptächlich um Gruppen und Rollen in Gruppen, außerdem haben wir Sonntag (mal wieder) einen Vortrag über Child protection hören dürfen..

Insgesamt hat mir das RAPP Programm echt viel gebracht, ansonsten wäre es viel schwerer gewesen mehr über den Konflikt und die dadurch immernoch bestehende innere Einstellung zu erfahren. Außerdem hab ich die Jugendlichen mit denen ich arbeit so viel besser kennenlernen können.

Viele Grüße

Jojo

Bushmills

Hallo,

wie angekündigt war ich vom letzten Montag bis Donnerstag auf meinem on arrival Training in Bushmills, dessen Name zumindest den Whiskeykennern unter euch ein Begriff sein dürfte.

Das Training begann erstmal mit einer Busfahrt durch die traumhafte Nordirische Landschaft und das tatsächlich unglaublicherweise bei strahlendem Sonnenschein. Wegen des guten Wetters wurden dann die ersten Trainingseinheiten an den wunderschönen Strand verlegt.

Danach hatten wir die Möglichkeit einen „kleinen“ Spaziergang zum Dunluce Castle zu unternehmen.

Nach einem typisch britischen Essen: Fish´n Chips ging dann das „Training“ weiter- im Pub. In dem wir ein Quiz über Daten, Fakten und Wissenswertes über Nordirland und Großbritanien gemacht haben, während uns dort typisch Einheimische Getränke zum probieren gegeben wurden (Guinnes, ein anderes helles Bier, Magners (irischer Cider) und Bushmills Whiskey) .

Am nächsten Morgen ging es dann weiter mit der Arbeit, dafür haben wir allerdings den Nachmittag freibekommen, um uns den Giant Causeway anzusehen, der besteht aus 40.000 meistens 6 eckigen Basaltsäulen. Inmitten einer traumhaften Steilküstenlandschaft.

Außerdem gibt es eine sehr süße Geschichte dazu: der Riese Fionn mac Cumhaill soll mit diesen Steinen eine Brücke nach Schottland gebaut haben, um gegen seinen dortigen Gegner den Schotten Benandonner zu kämpfen. Als er aber in Schottland war, hat er bemerken müssen, dass der viel größer und stärker war als er selber. Aus dem Grund versuchte er so schnell wie möglich wieder nach Hause zu kommen, aber der Schotte hatte ihn schon bemerkt und folgte Fionn über die Brücke nach Nordirland. Währendessen war Fionn bereits zuhause angekommen und verzweifelt vor Angst, zum Glück hatte er aber eine kluge Frau, die ihn schnell als Baby verkleidedete. Als Benandonner nun in Irland angekommen war, traf er auf Fionns Frau mit dem verkleideteten Fionn, er schrie und fragte sie wo sich Fionn aufhalten würde. Sie sagte jedoch nur, er sollte aufpassen und das Kind nicht wecken. Da bemerkte Benandonner wie riesig das Baby war (und das es einen Bart hatte) und bekam es mit der Angst zu tun, denn er sagte sich, wenn schon das Baby so groß ist, wie schrecklich riesig und stark muss da der Vater sein. Also rannte er so schnell wie möglich wieder über die Brücke nach Schottland zurück und zerschlug sie auf seinem Weg, sodass der irische Riese ihm nicht folgen konnte. Aus dem Grund findet man in Nordirland und in Schottland diese eckigen Steine.

Die naturwissenschaftliche Erklärung ist übrigens Abkülung von Lava.

Abends habe ich dann das erste Mal selbstgemachten Irish Stew probieren können, sehr, sehr lecker, ist ein Eintopf der hauptsächlich aus Kartoffeln, Möhren und Fleisch  besteht.

Der nächste Morgen bestand dann wieder aus „Arbeit“, dafür haben wir den Nachmittag mit einer Teeparty inklusive typisch nordirischen Süßigkeiten und anderem Essen verbracht. Außerdem hat jeder ein Geschenk bekommen, zu dem unsere Leiterinnen dann immernoch etwas gesagt haben, sodass wir noch mehr über die nordirische Kultur und Lebensweise erfahren konnten. (Ich habe im übrigen zwei Kochbücher gezogen =) )

Leider war am nächsten Tag dann schon alles vorbei. Morgens haben wir noch die Bushmills Destillerie besucht, im übrigen die älteste lizensierte Destillerie weltweit.

Meine Mitbewoner und noch ein anderer Freiwilliger sind danach noch weiter zum Carrick- a- Reed eine Hängeseilbrücke, die das Festland mit zwei kleinen Steininseln verbindet. Es war unglaublich schön…

Insgesamt war mein On Arrival Training wirklich super. Man   hat zwar nicht soo viel neues erfahren, besonders den ganzen EVS Kram hatte ich schon in Deutschland gehört, aber sie haben es einfach unglaublich gut gestaltet und die Gruppe war super nett (praktischerweise kommen wir alle von einer Ecke und wir kennen jetzt zum Glück Leute in Belfast) Außerdem war die Landschaft einfach unglaublich beeindruckend und schön,  wie ihr hoffentlich auf den Bildern erahnen könnt.

Freitag konnten wir leider nicht ausschlafen, denn das Training ging gleich weiter mit einem Lingo Kurs, der uns die Feinheiten des nordirischen Dialekts näher gebracht hat, war echt witzig, zumal man viele Sachen schon gehört aber doch nicht richtig verstanden hatte. Typisch ist sowas wie what’s the craick (ungefähr : was gibts neues) oder dead on als positive Antwort für how are you  und dass man hier teilweise statt nen o laut nen a sagt, also zum beispiel shap statt shop.

Außerdem war Freitag abend ein stay awake im Area51. dass hieß die Zeit von 6 uhr abends bis 9 uhr morgens mit 20 quirrligen, extrem lauten und überhaupt nicht an Schlaf interessierten Teenagern zu verbringen. Netterweise hat unser Chef uns das erst am Donnerstag abend erzählt, wahrscheinlch aus Angst, dass wir uns ansonsten lieber an der friedlichen Küste bleiben^^

Na ja auch diese Nacht haben wir überlebt und es wird nicht langweilig, nächstes Wochenende ist schon das dritte RAPP  Wochenende in Belfast.

viele liebe Grüße

Jojo

Legenderry

Hello,

bin gerade vom zweiten RAPP wochenende aus Londonderry zurückgekommen.Dieses Mal drehte sich alles um die  Geschichte und der besonders um den Nordirland Konflikt.

Schon die Nennung der Stadt ist dabei ein Konfliktpunkt und kann zeigen welcher politischen Ausrichtung man angehörst: Londonderry oder doch nur Derry. Protestand oder Katholik, Unionist oder Nationalist.

Auf Karten steht  eindeutig Londonderry allerdings hat die Stadt ein ersuchen an die Queen gestellt, um ihren Namen auf Derry zu verkürzen, dem ist jedoch noch nicht stattgegeben. Dass es immernoch nicht egal ist ob man die Stadt Londonderry oder Derry nennt, zeigt sich in den Medien, die immer darauf achten nicht nur eine Bezeichnung zu verwenden sondern es ausgewogen zu halten (natürlich außer es handelt sich um eindeutige unionistische oder nationalistische Blätter). Aber dank ihrer Geschichte hat die Stadt auch noch andere Namen wie beispielsweise Wall City oder Maiden City. unser Stadtführer hat vorgeschlagen sich doch einfach auf Legenderry zu einigen was ihrer Geschichte sicherlich gerecht werden würde.

Das Programm startete Freitag abend mit der Frage was Geschichte überhaupt ist, warum sie uns heute noch kümmern sollte inwiefern wir von ihr lernen können und so weiter.

Samstag morgen sind wir dann zunächst ins Free Derry museum gegangen. Hier wurde die Geschichte des Konflikts in Derry nachgezeichnet und mir erst richtig bewusst gemacht wie sehr die Katholiken Bürger zweiter Klasse waren und kleingehalten wurden. Traurige Berühmtheit hat  Londonderry durch  den Blutsonntag 1972 erlangt, als 13 unbewaffnete Demonstranten getötet und 13 weitere verletzt wurden. Besonders beeindruckend war der Bericht der Museumsführerin, deren nicht mal 20 jähriger Bruder dabei ums Leben gekommen ist.   Danach sind wir an verschiedenen Murals (riesige Wandgemälde) entlanggegangen.

Besonders traurig und gleichzeitig ermutigend ist die Geschichte von diesem:

Das abgebildetet Mädchen, Annette McGavigan lebte in Derry und war 14 Jahre alt als sie 1971 von einem britischen Soldaten erschossen wurde, als sie einfach auf der Straße stand in der sie lebte. Das Mural ist 1999 entstanden und als eines der wenigen (oder sogar einziges) 2001 verändert worden. Früher war der Schmetterling schwarz, genauso die jetzt zerbrochene Waffe. Die Veränderungen sollen als Zeichen des Wandels und des Neubeginns dienen.

und auch dieses:

es wurde von Kindern gestaltet

Samstag NAchmittags sind wir dann auf der Stadtmauer entlanggeführt worden. Übrigens wurden die Mauern von Londonderry niemals durchbrochen und die Stadt ist noch nie eingenommen worden, aus dem Grund wird sie auch die Maiden City genannt, dh die Unberührte.

Abens ging es dann noch mehr um die Hintergründe und Daten und Fakten zum Nordirland Konflikt. Wer noch mehr erfahren möchte : http://www.sorsch.de/Nordirlandkonflikt.html (ist allerdins ein wenig Katholisch geprägt)

Sonntag kamen wir dann auf die Aktuelle Politik zu sprechen. Gerade das Thema Nationalgefühl war nicht besonders einfach. Dabei war es auch ziemlich geteilt, die Skala ging von 10 von 10 Punkten Nationalstolz bis 0 von 10 Punkten.Die jungen Nordiren haben das Gefühl, dass viele Ausländer Nordirland immernoch als Krisengebiet und absolut geteiltes Land ansehen. Obwohl das nun einmal nicht mehr ihrer Realität entspricht. Andererseits sind da eben noch die Murals und es gibt immernoch paramilitärische Gruppen (obwohl auch die nicht nur negativ sind, sondern es durchaus auch Gruppen gibt, die mit für den Frieden arbeiten) und Hetzer. In Zusammenhang damit wird es nächstes Jahr interessant, da Wahlen anstehen und erstmals eine Katholische Partei die Mehrheit bekommen könnte und es durchaus noch Leute gibt, die das als nicht hinnehmbar ansehen.

Genauso unterschiedlich waren die Meinungen über die Frage wie „irisch“ sie sich fühlen. Manche denken durchaus, dass sie Iren sind, auch wenn sie aus Nordirland kommen, andere sagen ganz klar, ich habe einen britischen Pass und ich komme nicht aus Irland sondern Nordirland.

Auf jeden Fall hab ich dieses Wochenende extrem viel über die Nordirische Geschichte und den Umgang der Iren und Nordiren mit ihr mitbekommen und wie schwer es im Moment noch ist mit der aktuellen Geschichte zu leben.

Eine weitre Erfahrung war das Ulster Fry. Dieses Frühstück besteht aus gebratenem Speck, kleinen Bratwürstchen, Bohnen, Toast mit Butter, Spiegelei, Rührei, Hash Browns (irisches Kartoffelbrot), noch etwas dessen Namen ich leider nicht kenne, dass aber wie dickes leich gesüßtes und in Fett gebackenes Toastbrot schmeckt -habe den Namen doch noch rausgefunden: Harl, ist ein Sodabrot. Dann noch Cornflakes mit Jogurt oder Milch. Und als Getränk Fruchtsaftkonzentrat mit Wasser (viel, viel viel zu süß!) und natürlich Tee mit Milch – für den gesunden Start in den Tag^^ . Damit wir auch sonst nicht hungern mussten gab es noch zwei weitere warme Mahlzeiten am Samstag, zweimal wurden Kekse und Tee mit Milch gereicht und um Mitternacht nochmal Toast und Pancakes für die Nacht.

So nun kann ich auch direkt wieder anfangen zu packen, da ich ab Montag in Bushmill beim EVS on arrival training bin.

viele liebe Grüße

Jojo

Pfadfinder auf Nordirisch

Hallo,

diesen Freitag habe ich endlich die lokalen Pfadfinder kennengelernt. Ein ziemlicher Kulturschock…

Erst war es eigentlich wie bei uns. Im Gemeindesaal einer der vielen Kirchen (Carrickfergus besteht hauptsächlich aus Kirchen, Pubs und Fastfood restaurants…) sind viele Kinder möglichst laut und möglichst chaotisch durcheinander gerannt ^^

Aber dann ging es richtig los.  Alle haben sich in ihren Gruppen im Rechteck um die englische Fahne versammelt, nach drei Befehlen wie alle zu stehen haben (erst Füße zusammen und Hände auf dem Rücken, dann Füße auseinander und Arme zur Seite dann drehen zur Fahne) wurde die Fahne dann feierlich gehisst. Natürlich haben alle während des  hissens salutiert. (eigentlich war ich nur verwundert, dass nicht noch die englische Nationalhymne gesungen wurde…)

Ich dachte erst das wäre es erstmal gewesen, allerdings kam dann noch die „Inspektion“. Das bedeutete, dass einer der Leiter von Gruppe zu Gruppe gegangen ist und kontrolliert hat, ob alle ordentlich angezogen sind (ordentlich angezogen bedeutete schwarze hose, grünes Hemd und schwarze geputzte Schuhe). Wenn alle ordentlich waren, hat die Gruppe Punkte bekommen, wobei ich noch nicht rausgefunden habe, was diese Punkte genau bringen…

Die Gruppen sind hier nach Alter sortiert, erst ist man Beaver(6-8) , dann cub (8-10  1/2) , später dann scout (10 1/2 – 14), explorer (14-18) und dann später Leiter. Wobei scheinbar die wenigsten bleiben nachdem sie Explorer waren, denn es gibt nur zwei jüngere Leiter. Die anderen sind um die 50 Jahre (grob geschätzt). Insgesamt sind es bestimmt um die 100 Pfadfinder, wobei zu der Uhrzeit nur noch die scouts und explorer da waren vielleicht so 40 Leute.

Nach der Eingangszeremonie durften sich die Gruppen zusammen setzten und überlegen was sie im nächsten Jahr alles machen wollen. Hier gibt es nur sehr wenige Wochenendfahrten (leider ist gerade nächses Wochenende eine und da bin ich  in Londonderry) Was hier auch sehr extrem ist, ist die staatliche Regulierung und Gesetzgebung. die Kleineren dürfen nur eine Nacht über wegfahren; die Eltern müssen ihre Einverständniserklärung abgeben, dass Fotos gemacht werden dürfen ect.

Später hab ich mich dann mit Anne (sowas wie die Geschäftsführerin ) in die Küche gesetzt und uns über unsere Pfadfinder ausgetauscht.

Währenddessen haben die scouts Hockey gespielt und die Explorer mit (gekauften!) Ästen eine Art Kochnische gebaut (sah sehr interessant aus) .

Am Ende des Abens haben sich wieder alle um die englische Fahne versammelt. Es wurden wieder die gleichen „Stehbefehle“ gegeben und wieder haben alle salutiert während die Fahne herabgenommen wurde.

War wirklich ein Interessanter Abend.  Aber die Pfadfinder sind im Gegensatz zu uns doch sehr, sehr formal…was natürlich auch daran liegt, dass sie in einer viel größeren Organisation eingebunden sind. die Leute an sich waren aber alle super nett und herzlich und ich denke dass ich auf jeden Fall nochmal hingehen werde.

viele grüße von der grünen Insel

Jojo

Wochenende in Dún nan nGall

Dia duit,

wie ihr seht hab ich endlich jemanden gefunden der mir ein paar gälische Wörter beibringen konnte =) Mein Wochenende hab ich nämlich in der Republik mitten in der Pampa in Dún nan nGall direkt an einem Log verbracht. Grund war eins von drei Rapp Wochenenden an denen Runa und ich dankenswerter Weise als Leiterinnen und gleichzeitig Teilnehmer teilnehmen dürfen. Rapp (Reconciliation and Peace Peer) beschäftigt sich mit der Aussöhnung von jungen Iren und Nordiren, Ziel ist es Vorurteile und Diskriminierung und den Irlandkonflikt zu verstehen  und Wege zu finden damit besser umzugehen. Wobei dieses Wochenende hauptsächlich darauß bestand die Gruppe, die aus Iren und Nordiren im Alter von 15-17 bestand, kennenzulernen.

Freitag sind wir in einem Minibus 2  St nach Dún nan nGall gefahren, was mich doch überrascht hat war, dass es für gar nicht soviele der Jugendlichen das erste Mal war, dass sie in der Republik Irland waren. Interessant war die Beobachtung der Jugendlichen, dass es dort soviele Flaggen und Zeichen des Nationalismus geben würde, als Außenstehender kann ich nämlich sagen, dass es hier in Nordirland mindestens genauso viele England und Nordirland Flaggen gibt!

Abens haben wir dann die Leiter kennengelernt, ein paar Namensspiele gespielt und einfach die Gruppe bessser kennengelernt. Die meisten der Jugendlichen aus Carrick kommen auch in den YMCA, sodass es schön war endlich diejenigen zu sehen mit denen wir auch im nächsten Jahr arbeiten werden.

NAch viel zuwenig schlaf ging es dann Samstag damit los, dass wir uns und unser Leben und was uns ausmacht reflektieren sollten. Was mir dabei aufgefallen ist, dass viele der Jugendlichen aus Carrick gesagt haben, sie seien Britisch, aber eben auch ein paar, sie seien Irisch.

Dann ging das Sportprogramm los. In zwei Gruppen aufgeteilt, durften wir erst Klettern und dann Bogenschießen, es hat so spaß gemacht.

Dann gab es das erste mal irisch/nordirisches Essen bestehend aus echt leckerer Suppe und selbstzumachenden Sandwiches, was Runa und ich erst nicht richtig verstanden haben^^ es wurde einfach ne Schüssel mit Schinken und ne  Platte mit Salat, Tomaten, Krautsalat und Käseraspeln auf den Tisch gestellt und natürlich Toast und wir haben das zuerst als Salatbeilage identifizert, als jedoch die anderen damit begonnen haben sich damit sehr leckere Sandwichs zu machen wurde uns dann klar was das sollte. Nebenbei Toastbrot ist hier Grundnahrungsmittel Nummer eins, es wird scheinbar wirklich immer dazugereicht, zum Frühstück, Mittag (Sonntag konnten wir Beobachten wie manche der Jugendlichen ihre. Toastbrote mit Pommes belegt haben) und Dinner. Grundgetränk ist im) übrigen schwarzer Tee mit Milch, den man auch einfach ständig trinkt (am liebsten mit einer Scheibe Toast und Marmelade) und den ich mittlerweile auch gar nicht mehr missen möchte, sieht zumindest aus wie Kaffee, den es hier leider wenn überhaupt nur als Instantpulver kennt…

Und dann hat erst der richtige Spaß begonnen, nämlich der Outdoorsport. Fing auch erst ganz harmlos an, wir sollten in unseren Teams aus ein paar Plastiktonnen,  Holzlatten  und Seilen ein Floss bauen, um später ein Wettrennen zu starten.

Dann sind wir in den Wald geführt worden zu einem Parcour den wir im Team gemeinsam meistern sollten. Wir waren schon vorher aufgefordert worden Wechselklamotten zusammenzupacken, weil wir nach den Outdooraktivitäten nicht direkt ins Haus dürften, weil wir schlammig wären, aber uns war nicht gesagt worden wie schlammig^^ Der ganze Parcour bestand nur aus Schlamm, und aus schlammigen Hindernissen, man ist ständig ausgerutscht und im Schlamm steckengeblieben , der an manchen Stellen Hüfthoch war(eins der Mädchen hat einen Schuh verloren und wir haben ihn einfach nicht wiedergefunden, weil er zu tief im Schlamm war). Ihr könnt euch also vorstellen, dass das ganze einfach einen irren Spaß gemacht hat =) –  !

Später kam dann noch das vorher erwähnte Flosswettrennen.

Am Abend und am nächsten Morgen ging es dann weiter damit darüber zu sprechen was Vorurteile, Stereotypen, Racismus, Homophobie ect beruhen, eigene Erfahrungen damit und wie man bei anderen, aber auch bei sich selber damit umgehen kann. Es ist wirklich gut gemacht, anstatt mit Vorträgen sind es Selbstexperimente, zb. wen man bei sich in der Straße wohnen lassen würde und wen nicht und aus welchen Gründen und worauf diese Gründe letztendlich beruhen. Ich freu mich schon total auf das nächste Wochenende, das findet nämlich in Londonderry statt und wird sich mehr auf den Nordirlandkonflikt beziehen, dh wir besuchen  die Schauplätze des Konflikts, schaun auf die Hintergründe, was heute davon noch in dieser Generation zu spüren ist und wie man damit umgehen kann. Das letzte Wochenende des Kurses findet dann in Belfast statt.

Das Wochenende war auch deshalb super, weil ich mehr vom Land entdecken konnte. Dún nan nGall ist wunderschön (habt ihr euch eigentlich schonmal überlegt nicht die nächste Großfahrt in Irland zu machen ;)? )

Das war der Blick aus unserem zimmerfenster direkt auf den Log:

Es war wirklich ein wunderbares Wochenende, am Sonntag gabs dann einen super gesunden Lunch bestehend aus den kleinen Würstchen, ungesalzenen Pommes,Bohnen und Toast. Ihr solltet übrigens unbedingt mal Pommes in Essig gemischt mit Salz getunkt probieren, schmeckt gar nicht schlecht. Ich hab wirklich auf diesem Wochenende viel mehr von der irischen und nordirischen Lebensweise und Ansichten kennengelernt.

Außerdem ist seit Freitag auch unser Haus komplett, der Spanier ist wohlbehalten angekommen und hat unsere Abwesenheit dazugenutzt sich einzuleben und alles umzuräumen^^.

Morgen beginnt dann meine erste Arbeitswoche- mit einem 40min Marsch einen Berg rauf zum Glennfield Projekt, nur um während meiner Mittagspause wieder runterzumarschieren um in Woodburn zu arbeiten^^

Slán

Jojo


Mäusealarm

Hallo,

heute haben wir es tatsächlich geschafft die Plätzchen an unsere Nachbarn zu verteilen. Ein nettes älteres Ehepaar haben wir dadurch auch kennengelernt  =), hoffentlich sind auch diejenigen dabei, die uns so nett begrüßt haben…

Leider haben wir danach feststellen müssen, dass in unserem Haus nicht nur wir, sondern auch ein paar Mäuse oder Ratten wohnen… plötzlich haben wir nämlich ein Kratzen,  Schaben und Tippeln  in der Wand in Runas Zimmer gehört, dass Dank der Dünne der Wände extrem laut war (wahrscheinlcih waren sie gerade dabei einen neuen Ausgang zu graben)

Na ja wir hoffen dass wir unsere Hausbewohner bald wieder los sind… obwohl das wahrscheinlich etwas schwierig wird, wenn sie sich in der Wand verstecken, an unserem Essen waren sie auf jeden Fall noch nicht, irgendwelche klugen Ideen?

Unser erwarteter neuer Hausbewohner aus Spanien kommt morgen an. Wir sind schon sehr gespannt wie es dann zu dritt im Haus ist.

viele liebe Grüße

Jojo

Ein paar Eindrücke aus Carrickfergus

viele regnerisch graue Grüße an euch alle,

so jetzt ist sind das erste Wochenende und die ersten zwei „Arbeitstage“ rum. Das gute Wetter hatte sich seit Freitag auch nicht nochmal blicken lassen und in einen grauen Himmel und verschiedenste Arten von Regen gewandelt 😉

Am Wochenende haben wir hauptsächlich die nähere Umgebung erkundet, bzw Samstag fast ausschließlich den riesigen Einkaufsmarkt Teso. Von der Größe her gefühlt ungefähr so groß wie die Metro hat er uns erstmal vollkommen erschlagen. Es gibt dort auch wirklich so ziemlich alles, von Essen über Kleidung zu Pflanzen, Küchenartikeln, Elektrogeräte und und und. Herausragend ist die große Auswahl an jeglichen Arten von Fertiggerichten und verschiedenste Sorten von Kuchen, Plätzchen und vielem weiteren Süßkrams.

Sonntag konnten wir dann mal wieder die Freundlichkeit der Iren kennenlernen: wir waren eine Stunde zu früh in der(einzigen Katholischen Kirche in Carrickfergus und statt uns wegzuschicken, haben uns die Leute die dort alles für die Messe vorbereitet haben erstmal durch die  Kirche geführt, zu dem alten Friedhof gebracht und und und. Außerdem hat uns der Pfarrer während des Gottesdienstes extra begrüßt.

Danach sind wir erstmal blindlings durch die Gegend gelaufen:

und haben uns das beeindurckende Castel direkt am Meer angesehen :

übrigens das ist unser Haus – und Runa meine Mitbewohnerin – und ja wir haben genau die gleiche Haarfarbe^^ :

Montag haben wir dann verschiedenste Einführungen über Child protection (immer wieder interessant zu sehen was wir alles „falsch“ machen^^) und den YMCA allgemein erhalten. Außerdem das Glennfield Projekt und vor allem Moe dessen Manager kennengelernt. Moe ist genial, er redet die die ganze Zeit und das in einem extremen Tempo, das er dankenswerter Weise für uns ein wenig gedrosselt hat , außerdem „slabbert“ er ständig, hmm im deutschen könnte man wohl nett gemeintes aufziehen sagen.

Heute morgen haben wir dann plötzlich vor unserer Tür eine große Tüte mit Blumen, Naschkram, Dosen mit Bohnen und weiteres Essen gefunden, außerdem eine total Süße Karte auf der stand dass sie von unseren Nachbarn sei.  Iren sind einfach so nett!! Blöderweise wissen wir noch nicht von welchen  Nachbarn das Geschenk war, weshalb wir morgen einfach mehrere kleine Kuchen backen und uns damit vorstellen und revangieren.

viele liebe Grüße

Jojo

Von wegen Regen…

Hallo,

nach 2 Stunden Flug bin ich gestern auf der grünen Insel gelandet und das bei strahlendem Sonnenschein, von wegen es regnet hier nur^^.

Nach zwei weiteren Stunden Busfahrt von Dublin nach Belfast – Linksverkehr ist ganz schön merkwürdig- wurden wir (meine Mitbewohnerin Runa und ich) von Bob unserem Chef abgeholt und nach Carrickfergus in unser Haus gebracht das tatsächlich vielleicht 4min Fußweg vom Meer und der Burg entfernt ist. Es ist total süß, schon ein wenig älter, von außen mit braunen Backstein verkleidet, und innen mit einer total wohnlichen Küche, superbequemen Sofas im Wohnzimmer und drei netten Schlafzimmern ausgestattet. Die Zimmeraufteilung ging sogar ohne Kampf vorüber, nur der arme Spanier muss sich jetzt mit dem begnügen was übrig ist, aber immerhin hat er einen Fernsehr in seinem Zimmer^^ Was das Haus besonders niedlich macht, sind so die kleinen Eigenheiten, z.b schließt man die Tür nach Links auf, also umgekehrt, was unser Chef nach 10min ausprobieren und fluchen herausgefunden hat.

Später hat uns dann Emma abgeholt- aus deutscher Sicht eine „Bilderbuch Irin“ mit roten Haaren (bis jetzt haben wir gerade mal 7 Rothaarige gezählt, Emma meinte auch typisch wäre helle Haut, blaue Augen und schwarze Haare) und total lieb und aufgedreht- und uns zu einer unserer Arbeitsstellen, dem Area 51 gebracht. Sieht echt nett aus, mit Kicker, Billiard,  DVD player ect  und ganz vielen Sofas, uns dürfte nicht langweilig werden, selbst wenn die Kinder wegen zu gutem Wetter nicht kommen^^

Auf dem Weg nach Hause haben wir dann einen größeren Volksauflauf gesehen und uns einfach mal dazugestellt.  Es war (wie wir später im Internet nachgelesen haben, da wir den Ire,den den wir gefragt haben auch beim zweiten Mal wiederholen nicht verstanden haben – er hatte einen wirklich schrecklicher Akzent drauf, der klang als hätten er nen Korken im Mund!!!  )offenbar eine der traditionellen last (oder black) saturday demonstration organisiert von der Royal Black Institution, einer protestantischen Gruppe.

Die Demonstration bestand aus vielen in Abstand  marschierenden Gruppen,  alle mit eigener Uniform, die mit Trommeln und Flöten  Marschmusik hören ließen (ungefähr wie ein Schützenumzug, nur statt mit Feuerwaffe z.T mit Säbel oder sowas ähnlichem oder ganz ohne) und vorneweg   Flaggen mit den Emblems der Gruppen, meist mit biblischen Motiven, außerdem relativ häufig die Englandflaggen.

Im Internet stand noch, dass sie an einer Stelle des Marsches für ein zehnminütiges Gebet am Kriegsdenkmal anhalten würden und es  noch eine Glaubens, eine Loyalitäts und eine Gesetztes Resolution geben würde außerdem noch Redner.

Zuhause haben wir nur noch ausgepackt uns sind ins Bett gefallen, noch ist es total unwirklich hier zu sein und der Gedanke dass man hier ein Jahr verbringt ist unglaublich =) aber bis jetzt sieht es auf jeden Fall so aus als ließe es sich gut aushalten 😉

Das Wochenende haben wir jetzt frei, um die Stadt zu erkunden.

viele Grüße

Jojo