Indien Ankunft

Die erste Rundmail- Grüße aus Indien

Hallo Ihr alle- Namaste
Viele Grüße aus Indien. Hier ein kurzer Überblick über die letzten Tage im Land der heiligen Kühe. Wie ihr seht, sind ich und die anderen 5 Freiwilligen meiner Organisation gut in Bangalore, Südindien gelandet. Nach großer Freude darüber, dass all unser Gepäck angekommen war, haben wir es geschafft eines der Taxis zu nehmen die uns einen halbwegs fairen Preis anboten um in unser Hotel in Bangalore zu finden. Dort habe ich fast den ganzen Tag mit schlafen verbracht, um meine vorher eingefangene Erkältung auszukurieren.
Zu Bangalore, welches ich am nächsten Tag etwas näher zu Gesicht bekam lässt sich sagen, dass es was sein äußeres Stadtbild betrifft doch nicht so europäisch ist, wie man es in den Reiseführern lesen kann. Costa Rica sei Dank, habe ich bis jetzt keinen wirklichen Kulturschock erlitten. In einer indischen Stadt ist es, wie man sich das so vorstellt, sehr laut, schmutzig und voll. Das haben wir erst recht zu spüren bekommen, als wir die „ commercial street“ aufsuchten um uns mit indischer Kleidung einzudecken. Man stelle sich eine kleine enge Fußgängerzone vor, die voll mit Menschen ist und leider keine Fußgängerzone ist. Es ist äußerst schwierig vom einen Ende ans andere zu kommen, wenn man von hinten und vorne von Rikshas, Motorrädern und Kleinlastern gedrückt wird. Nachdem wir uns mehrmals verlaufen hatten und in dubiosen aber dennoch interessanten indischen Nebenstraßen gelandet sind, wo kleine Inder in riesigen(1x1m) Kochtöpfen Essen zubereiteten, haben wir es endlich geschafft den Landen zu finden in dem wir unsere neue indische Kleidung erstehen wollten.
Wie Henriette und ich damit aussehen, seht Ihr im Foto im Anhang. Nach unserer kleinen Shoppingtour, waren wir alle etwas müde und erschlagen vom indischen Städteleben und freuten uns unglaublich auf unsere 12h Fahrt nach Kundapur, eine kleine indische Stadt im Süden Indiens. Hier haben wir eine Woche unser Orientierungsseminar( mit noch mehr Freiwilligen) bevor es dann in unsere Projekte geht. Kundapur, oder auch Kundapura genannt, ist im Gegensatz zu Bangalore sehr schwül und fühlt sich and wie der costaricanische Dschungel. Es gibt ebenfalls ein vielfältiges Angebot an Obst und Fruchtsäften und immer noch sehr viel Verkehr. Die Feuchtigkeit führt dazu, dass unsere Kleidung nicht trocknet und eigentlich alles nass ist.
Wir, Henriette und ich, wohnen mit den anderen Mädchen unserer Organisation, in dem „ Girls House“. Dieses ist pink und sieht inzwischen aus wie eine kleine Hippiekommune, weil überall Moskitonetze hängen und bunte Laken, sowie jede Menge nasse Kleidung.
Der Strom, sowie das Wasser bleibt auch gerne mal für 1-2 Tage weg, was der Grund ist warum ich euch erst jetzt schreibe. Der Wasserausfall hat uns dazu gebracht uns mit Regenwasser zu duschen, da Inder sehr reinlich sind und zur Monsunzeit ein- bis zweimal am Tag duschen. Was die indische Toilette betrifft, zähren wir zur Zeit noch von unsern Toilettenpapiervorräten, deren Ende immer näher kommt und wir uns wohl oder übel an die indische Art des Toilettengangs gewöhnen müssen.
Dieser besteht kurz gesagt darin, dass man sich mit Wasser und der linken Hand reinigt, wie und ob man dann wieder trocken wird haben wir noch nicht verstanden.
„The Indian way of toilet“ führt dazu, dass man nie die linke Hand zum Essen nehmen darf. Inder haben so viele Gesellschaftsnormen, dass wir sie nur schwer behalten können. Grundsätzlich isst man hier nur mit der rechten Hand und ohne Besteck. Das Essen besteht hauptsächlich aus Reis mit scharfen Soßen und fettigen Dosas ( ähnlich wie Pfannkuchen).
Man sitzt als Frau nicht mit überkreuzten Beinen und schüttelt keine Hände. Des Weiteren darf man Personen die älter als man selber sind nicht beim Namen nennen und wenn man in der Öffentlichkeit nach einer Toilette fragen will hebt man dazu den kleinen Finger. Zeichensprache ist ein sehr beliebtes Mittel der Kommunikation, es gibt für alles wirklich für alles ein Zeichen. Des Weiteren ist Lächeln unabdingbar und wenn es noch so aufgesetzt ist und manchmal auf beängstigend. So sagte zum Beispiel der Mann im „Foreign Registration Office“ zu uns, als wir unseren Aufenthalt registrieren wollten: „ hehe You know that we are preparing for the war with China, you sure you wanna stay in India?“ Wenn man dabei ein Dauergrinsen auf den Lippen hat, fällt es sehr schwer diesen Satz zu deuten.
Das Englisch ist hier auch noch so eine Sache, wenn man sich nicht konzentriert klingt es für einen selbst wie eine völlig andere Sprache.
In unserer Orientierungswoche lernen wir also etwas über das Verhalten, besonders der Frauen, in Indien, sowie ein bisschen Kannada, was die typische Sprache in meinem Bundesstaar Karnataka ist. Wir haben eine Gastfamilie und eine muslimische Grundschule besucht, welche zum Teil von der Regierung und hauptsächlich von Scheichs aus Dubai gesponsert wird, in welcher es ziemlich laut und ziemlich voll war, die Kinder aber sehr interessiert und neugierig. Dennoch war es für mich erstaunlich zu sehen, wie achtjährige Mädchen selbständig Lieder aus dem Koran üben und dabei beten. Sie haben dabei allerdings mehr gelacht als wirklich bei der Sache zu sein, was mich sehr beruhigt hat, da sie doch noch sehr jung waren.
Was für mich persönlich sehr gewöhnungsbedürftig ist, ist zum einen der Anblick völlig verschleierten Frauen auf der Straße, bei denen man nur die Augen sieht und zum anderen die indische Mentalität was Schule betrifft. In Indien wird grundsätzlich davon ausgegangen, dass Kinder laut sind und nicht zuhören und man ihnen Disziplin anerziehen muss. So erzählte zum Beispiel meine Projektkoordinatorin, dass man sehr streng sein müsste und wir einen Schlagstock mit in die Klasse nehmen sollen um uns Respekt zu verschaffen. Ihre vierjährige Tochter geht bereits zur Schule und kann das ABC und sie ist nicht mit ihr zufrieden weil sie die neun falsch herum schreibt. Der Grund für diese strenge Mentalität ist, dass die Konkurrenz für den „ Arbeitsmarkt“ hier sehr groß ist und deshalb haben die Kinder hier weniger Zeit Kinder zu sein, was ich sehr schade finde.
Am Sonntag gehen dann alle in ihre Projekte nur ich darf noch mal nach Bangalore um mich zu registrieren und werde dann 24h mit dem Bus nach Bidar, in mein Projekt fahren.
Zu Zeit geht es mir ganz gut, aber ich muss zugeben, dass es mir doch Angst macht alleine mit unter 240 Inderinnen die alle zwischen 14- 20 sind in einem Internat zu wohnen und Englisch zu unterrichten. Ich habe mir zwar jede Menge Material mitgenommen ( danke Frau Eichner ; ) ), aber wie gut es dann wirklich klappen wird, werde ich erst vor Ort sehen.
Heute Nachmittag werden wir den Strand besuchen und ich bin glücklich, dass Inderinnen wenn sie baden vollbekleidet gehen, da ich mir dann keinen Sonnenbrand hole.
In meinem Projekt und auch auf der Straße werde ich Kleidung, wie sie auf dem Foto ist tragen, da man hier weder Ausschnitt noch Knie der Schultern sehen darf.

Das war es zunächst, es gibt noch viel mehr zu erzählen über das indische Leben und indische Normen, aber das schreibe ich in den nächsten Rundmails da Ihr mit dieser sicher genug zu tun habt. Viele Grüße aus Karnataka , heute scheint zum ersten Mal die Sonne,

eure Steffi

PS: Grundsätzlich sagen Inder nur das Nötigste und das immer zweimal.
„ cheap, cheap“ ; )

PPS: Ich war auch schon beim „ Sonnenaufgangsyoga“ im Tempel und habe heute schrecklichen Muskelkater im Rücken und deshalb geht es damit erst Morgen weiter ; )

Henriette und ich : )