Die Harzer Hexe …

Nach langem Hin und Her, wo denn die nächste Tippelei der Lumpen hin gehen möge, tätigte Moge einen weisen Vorschlag: „Der Harzer Hexenstieg“

Los ging es also am 4.4. in Osterode, wobei sich die verschieden Lumpenfetzen zunächst erst einmal dort bündeln mussten, da sie von überall her kamen.

Schnell die nötigen Einkäufe im lokalen Netto-Markendiscount erledigt, war unsere Gruppe heiß drauf endlich wieder, in einer neuen Besetzung, auf Fahrt zu gehen.

Alt eingesessene Vagabundenbrüder wie Max und Robert (ab Torfhaus) führten die noch weitesgehend unerfahren Lumpenlehrlinge Clara, Moge, Henner und meine Wenigkeit in die Kunst des unbeschwerten, freien, fröhlichen, angeheiterten, aber sowie immer chronisch unterhopften Tippelns ein …

Osterode zeigte sich von einer sehr urtümlichen Art und Weise, gespickt mit allerlei schönem Fachwerk, wobei der Weg natürlich möglichst schnell aus dieser regionalen Metropole hinein in den Wunderwald Harz führte.

Erschöpft von langer Anfahrt und der Blick auf die Uhr zwangen uns bereits nach wenigen Kilometern eine Köte mit dem herrlichen Namen: „Oberförster“ als nächtliche Behausung aufzusuchen.

Schnaps, Hopfenkaltschale und ein warmes Abendessen ließen uns gut und lange razzen, bis am nächsten Morgen, ein Förster uns relativ deutlich klar machte, dass die Übernachtung geduldet wurde, aber es doch besser sein würde, sich bald wieder auf zu machen …

Sodann kämpften wir uns weiter bergauf voran und lernten in einem anderen Holzunterstand, wo eine Brotzeit mit Meisterschütz als flüssige Beilage, uns sättigte, zwei Wanderer kennen, welche uns noch die ganze Tour über immer wieder begegnen sollten.

Der Weg zeigte nach und nach was er an Vielfältigkeit zu bieten hatte und nach einem ordentlichen Marsch schlugen wir schließlich unweit von Altenau das erste Mal die gute alte Kothe auf und heizten uns mit einem geselligen Kothenlagerfeuer (den Schnaps nicht zu vergessen, Wodka und Irish Whiskey waren auch in der Minibar verfügbar) zur kleinen Singrunde ordentlich an.

Der nächste Tag deutete bereits einen kälteren Wetterumschwung an und die müden Knochen knackten als wir die Kothe zusammenlegten und uns auf nach Altenau machten, um das Frühstück einzunehmen und die sich bedrohlich leerende Minibar wieder aufzufüllen.

Nachdem wir aus einem Gasthaus verwiesen wurden, wo wir lediglich zu einem heißen Tee unsere Brotzeit einnehmen wollten (es sollte nicht das erste und letzte Mal gewesen sein), wurde uns das Kurzentrum als warmer Unterstand empfohlen.

Moge und ich besorgten ein paar lecker Brötchen und nen heißen Kaffee to – Mitnehmen und schon war die erste Mahlzeit des Tages gerettet.

Nach dem Frühstück musste Clara leider feststellen, dass die Hufte nicht ganz mitspielen wollte uns so trennten wir uns schmerzhaft auf dem Weg nach Torfhaus, unsere nächste Station, wo Robert dazu stoßen sollte.

Auf drei verschiedenen Wegen, Clara als Tramperin, Robert sehnsüchtig in Bahn und Bus aus Münster anreisend und der Rest der glorreichen Halunken im Wald stolzierend, trafen wir fast zur gleichen Zeit an der „Bavaria Alm“ in Torfhaus ein.

Der Weg von Altenau nach Torfhaus sollte sich nach anfänglichem unspektakulärem Anstieg, als einer der schönsten Strecken der ganzen Tour herausstellen.

Ein bisschen was von Schweden, Norwegen und der Slowakei war dort zu finden und es tauchten bereits die ersten Schneefelder auf, während die Temperaturen immer weiter sanken, Torfhaus lag bereits auf knapp 800m Höhe.

Gestärkt mit einem Liter eiskaltem Löwenbräu liefen wir von nun an zu sechst weiter und die Landschaft verwandelte sich zunehmend zu einem Abbild Skandinaviens. Seen taten sich hinter den Kieferwäldern auf und wir hatten teilweise Probleme nicht zu stolpern, da der Blick in die Ferne ragte, aber die wackligen Beine teilweise nicht gehorchen wollten. Wir waren allesamt schlichtweg besoffen von dem Bier auf nüchternem Magen. Auch die ein oder andere Schnapspause konnte an dem Zustand nichts ändern ; )

Ausgezehrt und vor allem hungrig fanden wir schließlich in der Nähe eines weiteren Unterstands im Wald ein lauschiges Plätzen. Routiniert wurde die Kothe hochgezogen, Feuerholz gesammelt und in handliche Stückchen gebrochen, das Nudelwasser aufgesetzt und der ein oder andere Kurze getrunken.

Wir beschlossen eine Nachtwache einzuführen um die Kothe die ganze Nacht über heizen zu können, die Temperaturen waren mittlerweile unter null gefallen.

Mitten in der Nacht fielen dann die ersten weißen Kristalle durchs Kothendach und ein Blick nach draußen bestätigte unsere Vermutung, es fing richtig an zu schneien, am nächsten Morgen lagen 10 – 15 cm Neuschnee, das war für mich persönlich und für die meisten anderen die erste Nacht mit einer Kothe im absoluten Weiß.

Von nun an wechselten wir immer 2 Stunden wandern und 2 Stunden Einkehr in Wirtshäusern entlang des Weges ab, um wieder Wärme aufzutanken.

Es war wirklich ein Genuss im verschneiten Harz zu wandern, allerdings durfte man nicht stehen bleiben, die Kälte setzte uns schon ordentlich zu …

Der Ostersonntag wurde trotz Kälte standesgemäß mit dem Suchen bunter Genussmittel angegangen. Wir schafften es endlich den uralten Plan umzusetzen Klopfer im Wald zu suchen. Clara als legitimierte Osterfee bemühte sich gute Verstecke zu finden, aber Robert und Max, angelockt von vorgegaukelter Wärme der Miniaturschnäpse, jagten aus der Kothe raus und macht sich unverzüglich auf die Suche. Bevor Moge, Henner und Ich lange überlegen konnten sprangen auch wir in unsere Stiefel und fielen aus der Kothe. Es wurde ein kurzes aber lustiges Besäufnis, morgens gegen 11.

Wir einigten uns darauf am letzten Tag ein urtümliches Gasthaus aufzusuchen und original Harzer Küche zu kosten. Diese Gelegenheit ergab sich also in Braunlage.

Nachdem ein freundlicher alter Mann mit den Worten „isch komme jedes Johr hier her und esse stets, usser montags, hier“ uns die Entscheidung abnahm und auch noch extra mit dem Satz „herzhafte Küche für acht Mark neunzig, kann man nix sagen“ zurückkam, betraten wir also dieses Gasthaus, nass geschwitzt und nach Feuer stinkend („ach deshalb riecht ihr wie unsere Köhler“).

Wir Lumpen ließen uns überhaupt nicht lumpen und bestellten Schmaus und Trank für ca. 30 Takken pro Kopf, ohne uns daran zu stören.

Dieses Essen setzte den Schlusspunkt einer sehr gelungenen, abwechslungsreichen, einzigartigen Fahrt in den Harz und ich ahne, dass wir im Balde wiederkommen werden …

Horridoh,

Helge