Indien, CVTI-work is the best thing ever invented for killing time : )

Hallo ihr Lieben,
jetzt kommen endlich auch wieder Neuigkeiten aus dem asiatischen Teil dieser Welt, Indien. Ich bin vor zwei Wochen hier in Bidar, Nordkarnataka angekommen. Die Stadt liegt im Innern des Landes und man könnte sie schon fast als die Mitte Indiens bezeichnen. Nach 12 h Busfahrt von Bangalore, der Hauptstadt des Bundesstaates habe ich es dann auch endlich geschafft, in mein Projekt zu gelangen- das Carmel Vocational Training Institute. Die Aufgabe des Institutes ist es Mädchen aus armen Verhältnissen eine Art Berufsausbildung als Sekretärin oder Lehrerin zu bieten. Meine Aufgabe hier besteht darin, “ spoken English“ zu unterrichten. Meine Schülerinnen sind zwischen 15 und 27 Jahren alt und sehr höflich und meist auch sehr willig etwas Neues zu lernen, dazu aber später mehr. Das Carmel Vocational Training Institue liegt ca 5 km ausserhalb der Stadt im Grünen umgeben von Palmen, Kuhweiden, einem eigenen Obst und Gemüsegarten und noch fünf weiteren Schulen, Grundschule, Mittelstufe ect. Ein Gebäude, was für deutsche Verhältnisse relativ klein ist, beherbergt 140 Mädchen aus umliegenden Dörfern, zwei Schwestern ( Nonnen ) und mit mir fünf Lehrerinnen die neben ihrer Aufgabe zu unterrichten auch dafür sorgen müssen, dass er Alltag reibungslos abläuft und den Mädchen bei Problemem zur Seite stehen. Meine Mitlehrerinnen, Sunita, Chandrakala, Wilma und Reka sind alle sehr nett und auch erst 21 Jahre alt, sodass ich sehr mit ihnen auf einer Wellenlänge bin. Neben der beruflichen Vorbereitung sollen die Mädchen, die oft nur noch einen Elternteil haben, vorallem lernen Verantwortung zu übernehmen, weshalb sie in riesigen Töpfen das Essen für alle zubereiten, täglich putzen müssen, sowie sich um den Garten kümmern. Sie sind daher von morgens um 5 Uhr bis abends um 22:15 mit Lernen und Hausarbeiten beschäftigt, sodass mir leider wenig Zeit bleibt Freizeit mit ihnen zu verbringen.

Der Tag beginnt mit einer sehr lauten Glocke, direkt neben meinem Zimmer und sehr lauter indischer Musik, manchmal spielen sie auch Abba ; ), diese dauert circa eine dreiviertel Stunde an. Um 5:45 begeben sich dann alle eine halbe Stunde zum obligatorischen morgentlichen Yoga, ich immer dann wenn ich es schaffe aufzustehen oder die Glocke nicht überhöre. Da das Carmel Vocational Training Institue von einem katholischen Orden gegründet wurde, Carmel, spielt hier der Glauben eine enorme Rolle, sowie man sich das bei uns ganz sicher nicht vorstellen kann. Es gibt trotz der drei Religionen die hier vertreten sind, Hindus, Christen und Moslems einen morgentlichen Gottesdienst an dem alle teilnehmen, sowie den “ student’s prayer“ der zwischen den ersten Unterrichtsstunden kommt, gleich nach der Nationalhymne, sowie ein Dankgebet zum Anfang und zum Ende jeder Unterrichtstunde. Als wenn das unseres Erachtens nicht genug wäre, beten viele Mädchen auch noch in ihrer wenigen Freizeit von sich aus, sowie abends, bei allgemeinen Zusammentreffen. Man müsste jetzt meinen ich wäre ja am völlig falschen Ort gelandet, wir sind doch in Indien. Aber auch in Indien gibt es viele Christen, und ich würde sagen 80 % der Mädchen die hier wohnen sind christlich. Was das viele Beten und die katholische Kirche betrifft, muss ich sagen, dass ich seit ich hier bin meinen Blick auf die Dinge völlig verändert habe. Für viele Mädchen ist das Beten und die Schule die einzige Hoffnung sich und ihren Familien aus der Armut zu helfen und nimmt deshalb eine ganz andere Dimension im Alltag an. Was mich betrifft muss ich sagen, dass ich die Gottesdienste hier sogar sehr schön finde, weil sie sehr bunt und lebendig sind und hauptsächlich gesungen, geklatsch wird mit Trommeln als musikalische Unterstützung. Die Tatsache, dass der Alltag hier so streng ist und die Mädchen jeden Tag um 5 ausser sonntags um 5: 30 Uhr aufstehen, mag sehr abschreckend wirken. Aber da die Mädchen nur zwei Jahre auf dieser Schule sind und die meisten ohne jegliche Englischkenntnisse hier her kommen, haben sie dementsprechend auch viel vor, wenn sie gegen die riesige indische Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt ankommen wollen.

Dennoch sind alle sehr sehr freundlich und hilfsbereit, wenn sich zum Beispiel die blonde Europäerin etwas ungeschickt anstellt beim waschen der Wäsche auf Waschsteinen. “ I can help you, Miss.- “ I want to wash your clothes, Miss“… Und noch nie zuvor habe ich so oft gesagt bekommen wie schön ich doch meine Teller abwasche. “ Miss you clean your plates sooo nicely, Miss… sooo nicely I want to clean like you ; ) “ Ja, irgendwas muss man ja auch können.

Was meinen Alltag betrifft, gebe ich  sechs Unterrichtseinheiten a 45 min pro und muss doch zugeben, dass 10 h las Schüler nicht halb so anstrengend sind. Das Englisch der Mädchen ist sehr unterschiedlich und es ist wirklich nicht einfach die einen nicht zu überfordern ohne die anderen zu unterfordern. ( Ja, alle ehemaligen Lehrer die das jetzt lesen sollten, werden sicher zu Recht grinsen ; ). Am schwierigsten ist es mit der letzten Klasse die ich habe, weil diese Mädchen eigentlich gar kein Englisch können, sie aber auch nicht mehr so klein sind, dass ich sie mit Bildchenausmalen zum Englisch lernen bringen kann. Des Weiteren fällt mir immer wieder auf, dass die Auffassungsgabe bei älteren Menschen doch erstaunlich abnimmt, da die Kinder aus der Grundschule nebenan, die auch erst seit einem halben Jahr Englisch haben so viel schneller lernen und bereits viel mehr beherrschen. Nach dem Unterricht der um 17 Uhr für mich endet, bin ich meistens etwas kaputt und versuche einen Ausgleich durch das Joggen auf dem Schulgelände zu finden. Des Weiteren ist um 5:30 dann Indian Teatime und ich sitze mit den Lehrerinnen meist in unserer Hutzelküche, während wir das Abendessen vorbereiten und trinke schwarzen Tee. Gegen Abend, wenn wir das Kochen erledigt haben lese ich meist ein bisschen, oder schreibe E-Mails, kümmer mich um meine Haarpflege, auf welche in Indien sehr großen Wert gelegt wird oder wasche meine Wäsche, was bei meinem Tempo ca 2h dauert, während die Inder nur 30 min brauchen. Dann gibt es Abendessen und manchmal bin ich dann noch bei den Lehrerinnen im Zimmer und versuche ihnen das Gitarrespielen beizubringen oder genieße die Ruhe, wenn die stille Lernphase eingeläutet wird. Denn auf die Dauer ist es doch etwas anstrengend mit so vielen Mädchen in einem Haus zu wohnen. Wenn ich aus meinem Fenster blicke, blicke ich direkt auf die Moschee, und freue mich jeden Morgen und Abend den Moezin singen zu hören. Die Wochenenden vorallem der Sonntag sind ein klein wenig entspannter und ich habe die Möglichkeit mit den Mädchen Sport zu machen und abends organisieren sie immer eine Runde in der alle draußen zusammensitzen und sich gegenseitig etwas vorsingen oder Witze erzählen, letzten Sonntag war ich auch dran.

Es ist auf jeden Fall immer sehr schön und eine kleine Entlastung des vollgepackten Alltags. Letzten Sonntag habe ich mit den Lehrerinnen einen Ausflug in die Umgebung unternommen und wir haben uns das berühmte Fort in Bidar angeschaut, sowie einen Sikh Tempel. Es handelt sich hierbei um eine sehr verbreite Religion in Indien, in der die Männer ihre Haare nicht zeigen dürfen und deshalb viele bunte Turbäne tragen. Was die Stadt an sich betrifft, von der ich nicht allzu viel mitkriege, da ich sie nicht alleine besuchen darf, weil ich die einzige Weiße im Umkreis vonn 100 km bin oder so, kann man sagen, dass in Bidar alles sehr ländlich und dementsprechend auch sehr sehr arm ist. Überall sieht man Leute mit ihrem Reis zum Markt ziehen und an jeder Ecke gibt es Tschai und jede Menge Essen zu kaufen. Frauen hüten die Kuhherden zusammen und sitzen dabei auf den Bahnschienen und es ist zumindest tagsüber immer überall etwas los, was ich sehr schön finde. Auf der anderen Seite, leben die Menschen hier zu 7 in einem 10 Quadratmeterzimmer und es wimmelt nur so von Ziegen, Kühen, Schweinen, Hunden und Hühnern in den Straßen die wie im Mittelalter aussehen. Im ländlicheren Indien wird so gut wie alles mit der Hand gemacht und die Nähmaschine die bei uns als Antiquität genutzt wird, ist hier Alltagsgegenstadt. Wobei ich noch erwähnen möchte, dass wir hier unseren eigenen Schneider haben und ein eigenes Rikshamobil, mit dem ich manchmal in die Stadt gebracht werde und die Grundschulkinder nach Hause gefahren werden. Erschreckend fand ich auch den Zustand der Aidshilfe, die eher so aussah als würde man sich dort mit Aids anstecken als davon geheilt zu werden.

Im zwei Wochen hat die Grundschule nebenan Ferien und deshalb organisieren wir dort ein Kidscamp indem wir mit den Kindern singen, spielen und tanzen worauf ich mich schon sehr freue. Grundschulkinder können auch mal eine angenehme Abwechslungs sein. Ansonsten gibt es hier noch jede Menge Mücken, worunter meine Füße die in Indien barfuß sind immer gewaschen werden. An das Essen mit der Hand habe ich mich schon so sehr gewöhnt, dass ich Angst habe es mir nicht mehr abgewöhnen zu können. Die indische Küche gefällt mir immer besser und besonders gut finde ich auch die Art Wasser zu trinken, nämlich so, dass man den Becher oder die Flasche nicht mit dem Mund berührt sondern es sich in diesen gießt. So kommt es, dass wir mit 140 Leuten mit zwei Bechern auskommen. Was jede Menge Wasser und Zeit spart.

Und zu allerguter Letzt, muss ich noch sagen, dass ich die glückliche Nutzerin einer westlichen Toilette bin und sogar Klopapier gestellt bekomme. Alle sind hier sehr herzlich und in der näheren Zukunft haben wir vor die Lehrerküche zu renovieren  und ich bekomme hoffentlich persönlichen indischen Nähunterricht, und versuche eine indische Tanzschule in Bidar zu besuchen. Ach und ich lernen noch Cannadá die Sprache hier im Bundesstaat. Sehr kompliziert aber im Unterricht mehr als nütztlich.

Ich denke, das war erstmal genug zum Lesen, da ich jetzt Internet habe kommt sicher bald Nachschub,

viele Grüße aus dem bunten Land der vielen Gewürze, deren Namen ich mir einfach nicht merken kann,

Steffi

so wirds gemacht, teacher ; )

Waschen in Indien, so wird es richtig gemacht ; )

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Bidar Fort mit meinen Kolleginnen Chandrakala, Sunita und Reka

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Shiva, Hinduistischer Gott, ist auch nur schlappe 80 m hoch

Shiva, Gott der Zerstörung, Erhaltung und des Aufbaus, als 80 m hohe Statue