BOSNA!

                                   Älterenfahrt Bosnien

 

Der folgende Fahrtenbericht beschreibt eine Fahrt im weniger herkömmlichen Sinne.

Zuerst muss ich ein wenig ausholen. Max und Roffes Eltern sind gut mit einer bosnischen Familie befreundet welche  vor dem Krieg in Ex- Jugoslawien geflohen war und deshalb einige Jahre in Deutschland lebte. Nach Ende des Konflikts kehrte die Familie zurück nach Bosnien.

Nun ist es so, dass einige Menschen im Stamm Silberfuchs schon seit geraumer Zeit wild auf eine Fahrt im Großraum Balkan waren und sich mit der bosnischen Familie nun ein guter Anlaufpunkt bot. Max nahm Kontakt auf und nach einer Weile hatte sich ein Plan entwickelt der so aussah, dass wir im kleinen Kreise Ende September nach Bosnien aufbrachen mit dem Ziel einige Tage bei der Familie zu verbringen um die Kultur und das normale Leben aus erster Hand zu erfahren. Anschließend sollten noch weitere Tage mit der Erkundung des Una Nationalparks verbracht werden.

So startete also die kleine aber feine Gefährtenschaft bestehend aus Max, Roffe, Winnie und mir am 22. September per Zug richtung Zenica im Herzen Bosnien und Herzegowinas auf. Erstes Etappenziel war München von wo es nach einigem warten im Oktoberfesttrubel mit dem Euroliner zum Ziel ging.

Ziemlich übermüdet aber guter Dinge kamen wir also in Zenica an. Jetzt stellt euch vor Ihr steigt früh morgens  völlig zerknetscht aus dem Reisebus und es ist neblig, kühl, der Blick fällt auf graue Gebäude, Plattenbauten und den Busbahnhof. Einige Menschen laufen die Straße auf und ab und Rudel von wilden Hunden durchstöbern die  Straßenzüge nach jedem bisschen Essen das sie ergattern können. So war der Erste Eindruck.

Etwas eingeschüchtert kontaktierten wir die Familie, dass wir angekommen waren und das ca. 4 Stunden früher als geplant. Wir dachten wir müssten jetzt noch warten an diesem ungemütlichen Ort, aber da hatten wir uns getäuscht! Nach 10 Minuten kam Almira, die Mutter der Familie, mit einem eigens für die Abholung geliehenen Auto angedüst und da begann für uns mit einer herzlichen Umarmung die Fahrt im Land der Gastfreundschaft und des Sliwowitz.

Im Haus der Familie angekommen gab es erstmal leckeren türkischen Kaffee und eine noch leckerere bosnische Suppe. Nach und nach trafen die drei Töchter ein die noch in der Schule gewesen waren und man lernte sich näher kennen. Da wir noch fertig waren von der Anreise ruhten wir uns dann erstmal ne weile aus. Wir fragten nach einem Platz für die Kothe, aber das wurde sozusagen mit einem Lächeln abgetan, denn die Gesamte Familie war für den Zeitraum unseres Besuchs in das benachbarte Haus der Großeltern umgezogen. Wir konnten es fast nicht glauben, dass uns da so ohne weiteres, das gesamte Haus zur Verfügung gestellt wurde. Dieses zuvorkommende und selbstverständlich gastfreundliche Verhalten sollte auch bis zur Abreise nicht aufhören. Im Haushalt durfte man nur nach wehementem Bitten und mit starkem Durchsetzungsvermögen helfen, auch wurde uns zweimal am Tag ein warmes bosnisches Gericht zubereitet was dann zusammen eingenommen wurde. Um nochmal auf den ersten Eindruck am Busbahnhof zurück zu kommen. Dieser war nach sehr kurzer Zeit von einem Gefühl des Willkommen seins  und guter Laune abgelöst.   In den weiteren Tagen lernten wir die Stadt kennen, schauten uns die allgegenwertigen Moscheen mit den Minaretten an,hörten den Muezzin beten und tranken viel guten türkischen Kaffee.

Roffe war relativ stark  erkältet und so entschlossen wir uns einen Tag verschiedenen Aktivitäten zu unternehmen während Roffe zu Hause blieb und von Almira mit frischer Hühnerbrühe und Tee gesund  gepflegt wurde. Max und ich machten eine kleine Wanderung auf einen nahen Berg und erkundeten so die umliegende Natur während Winnie mit der jüngsten Tochter das Kino besuchte.

Einen Abend wurde draußen im Kupferkessel überm Feuer ein leckerer Eintopf geköchelt und wir gaben einige unserer Lieder zum Besten. Am nächsten Tag fuhren Max, Winnie und ich mit dem Bus nach Sarajewo. Diese Stadt ließ mit dem alten orientalisch stark geprägten Marktviertel einen starken Eindruck bei mir zurück, sodass ich gedenke durchaus nochmal dorthin zurück zu kehren.

Am letzten Abend kam noch der Vater der Familie nach Hause, sodass wir auch die Ehre hatten ihn kennenlernen zu dürfen.

Auch die schönste Zeit geht mal vorbei und am nächsten  Tag mussten wir uns von unserer grandiosen Gastfamilie verabschieden, in Richtung Una Nationalpark. Dieser war ca 200 km entfernt und unsere Pläne dort mit dem Bus hinzu tuckern wurde von unserer lieben Familie vereitelt indem alle Hebel in Bewegung gesetzt wurden und Freunde, Geschwister, Cousins, und Freunde von Cousins angerufen wurden mit der Bitte uns mit einem Auto dort hin zu chauffieren. So geschah es dann auch und wir wurden für einen sehr geringen Geldbetrag plus 15 Euro Aufwandsentschädigung für den Fahrer bis in den Nationalpark kutschiert. Der Abschied war nach nur 5 Tagen des Kennenlernens tränenreich, was doch wirklich außergewöhnlich ist, oder ?

Wir kamen also nach einigem Hin und Hergegurke auf einem kleinen Camp  an. Ein älterer Mann mit freundlichem Grinsen und einer Zigarette im Mundwinkel begrüßte uns und führte uns auf dem eigentlich schon geschlossenen Camp rum und zeigte uns wo wir das Zelt aufbauen konnten. Als nächstes wurden wir zu einer Runde Sliwowitz eingeladen und dann zu noch einer. Dann begannen wir zu Kochen was allerdings überflüssig gewesen wäre, da der gute Mann nach einer Weile mit einer guten warmen bosnisch, deftigen Suppe angeschlurft kam die wir aufzuessen hatten.  Das Camp befand sich direkt am wunderschönen und klaren Fluss Una um den herum sich der Nationalpark erstreckt. Wir hatten eine Feuerstelle, trockenes Holz, und die Aussicht auf eine alte Burgruine. Weiterhin waren wir über die Tage dort die einzigen Gäste. Da Roffe immer noch nicht gesund war entschlossen wir uns die nächsten Tage nur Tagestouren zu machen und nicht wie geplant durch den Nationalpark zu wandern. Auch spielte das Wetter nicht so ganz mit und einen Tag Dauerregen harrten wir am Feuer in der Kothe aus. Unsere ständigen Gäste, eine kleiner ausgewachsener streunender Hund, Wurst genannt, eine noch viel kleinerer Hundewelpe, Schorsche genannt, eine Katzenmama, Muschka gennant und ihr junges Kätzchen, Mischka getauft  ließen es nie langweilig werden und brachten uns große Erheiterung. Eine Tagestour führte uns auf den Gipfel des Berges mit der Burgruine die wir vom Camp aus sahen, eine weitere zu einem imposanten Wasserfall im Herzen des Parks. Wir erlebten einige schöne Tage in denen viele Einladungen Sliwowitz zu trinken nicht ausgeschlagen werden konnten. Am 2. Oktober machten wir uns auf den Rückweg mit Bus und Bahn und kamen am 3. Oktober mit vielen neuen, ausschließlich schönen Eindrücken zurück. Eine andere Kultur hatte sich uns geöffnet und fordert einen erneuten Besuch heraus der garantiert folgen wird!

In Deutschland angekommen ging es nach einigen Stunden des Ausruhens aufs Meißnerlager.

Ahoi und Horridoh ,Robert

( Den Artikel habe ich für die Sternschnuppe geschrieben. wenn jemand der beteiligten was gegen den abdruck oder änderungsvorschläge hat, melden und rumheulen 😉 )