Zwei Monate Indien

Zwei Monate Indien

Nach Langem gibt es auch wieder Neuigkeiten aus Indien. In den letzten Wochen ist so viel passiert, dass ich es gar nicht in Worte fassen kann, vieles davon ist aber auch schon Alltag geworden, sodass es mir vllt gar nicht mehr auffaellt und ich es deshalb vergesse zu erwaehnen.

Wo war ich stehengeblieben:
Ich bin nach wie vor im Carmel Vocational Training Institute, was mir an manchen Tagen sehr gut gefaellt und es micht nicht haette besser treffen koennen und mich gleichzeitig an anderen Tagen auch an meine persoenlichen Grenzen (ideell gesehen), aber dazu spaeter mehr.
Vorab, mein Laptop hat die vielen Stromausfaelle leider nicht unbeschadet ueberstanden und so kommt es, dass das mit dem Fotos hochladen wahrscheinlich noch ein bisschen dauern wird, da unser Schulcomputer dafuer zu langsam ist.

Was meinen Unterricht betrifft so kann ich sagen, dass ich langsam ein System entwickelt habe was von spoken English, ueber Wochendiktate bis hin zu Grammatikunterricht reicht. Es macht auf jeden Fall Spass, aber wenn man sechs Stunden pro Tag Grammatik erklaert und dann noch 50 Diktate korrigieren muss, wobei die Fehlerquote ungefaehr der Anzahl der Woerter entspricht, hat man doch einiges zu tun.
Das ganze muss ja auch noch vorbereitet werden. Umso gluecklicher macht es mich, dass jetzt endlich Verstaerkung kommt.
Henriette, die auch auf den Fotos aus meinem ersten Eintrag zu sehen ist, wechselt ihr Projekt und kommt aus der Grossstadt, Bangalore zu mir in den Norden Karnatakas ach Bidar.
Auch wenn ich hier alleine sehr gut zurechtkomme, wird es abgesehen von der netten Gesellschaft, so viel einfacher den Unterricht vorzubereiten und man kann all die Ideen die noch in meinem Kopf rumschwirren, einfach viel schneller verwirklichen.

Abgesehen vom Englischunterricht, habe ich die letzte Woche noch im Happy Hearts Holiday Camp mitgemacht. Bei diesem Camp kamen die Kinder der umliegenen Mittelstufen, also auch die die eine oeffentliche Schule besuchen, in ihre Ferien hier her um zu spielen, zu singen, zu lernen und zu basteln.
Den letzteren Part habe ich so gut es ging in meinem Freistunden uebernommen und den Kids das Armbandknuepfen beigebracht.
Das fand so grossen Anklang, dass es all die Lehrer auch gleich lernen wollten und diese sich ungeduldiger als die Kinder verhielten, was die Sache nicht gerade einfach machte.
Man muesste sich das einmal in Deutschland vorstellen: Anstelle von zehn Kindern die an einem zerren und etwas Neues lernen wollen, waren es sagen wir zwei Kinder aber zehn Erwachsene.
Diese, sagen wir etwas ungeduldige Mentalitaet, macht auch den Unterricht mit den Maedchen auesserst kompliziert. Wenn ich gerade einen Text korrigiere, haben sie keine Probleme damit mir den Stift aus der Hand zu reissen, an meinem Arm zu ziehen und so lange “Miss, Miss” zu rufen, bis ich ihnen Aufmerksamkeit schenke, wohlbemerkt sie sind zwischen 15 und 25.
Naja, auch wenn es vllt zur indischen Mentalitaet dazugehoeren mag, versuche ich gerade ihnen das abzugewoehnen, zum einen weil ich es sehr unhoeflich finde und zum anderen, weil ich sonst nicht unterrichten kann.
Am Ende des Ferienlagers gab es eine Auffuehrung und vom Tanztalent mancher Kleinen bin ich wirklich beeindruckt.

Seit Kurzem haben wir auch die Arbeit auf dem Feld hier aufgenommen und es macht wirklich unheimlich Spass in einer vollgepackten Riksha, also zu 16., zum Feld zu fahren und sich dort zwei Studen koerperlich zu betaetigen.
Leider kann ich nur machmal mit dabei sein, weil ich bis fuenf Unterricht habe, die Maedchen aber schon um vier losfahren.
Sonst habe jetzt ein Fahrrad und bei meiner ersten Tour durch die Doerfer wurde ich gleich zwei mal zum Chai, dem indischen Schwarztee mit mehr Zucker als Milch, eingeladen, sowie zum Zuckerrohr essen. Mein persoenlicher Begleiter ist Pava, er ist 12 und der einzige Junge hier im Maedchenhostel. Er spricht sehr gut Englisch, lacht sehr viel und herzlich und erklaert mir staendig Neues ueber Indien und Bidar. Man koennte ihn als meinen neuen besten Freund oder persoenlichen Guide bezeichnen.

Vor circa drei Wochen hatte ich eine ganze Woche frei, da Sister Christine den Englischunterricht gecancelt hat. Der Grund ist, dass die Maedchen untereinander Englisch sprechen sollen und da sie dies nicht getan haben war dies quasi ihre Bestrafung.
Ich sollte in der Zeit den Unterricht vorbereiten und habe ausserdem endlich das Naehen angefangen, was sich doch als durchaus schwierig erweist, mit diesen fussbetrieben Maschinen, also nicht elektrisch, aber nach und nach komme ich dahinter. Ausserdem habe ich mich sehr gut mit den Damen in der Schneiderei sowie dem Schneider angefreundet, und abgesehen von jeder Menge Armreifen die ich geschenkt bekam und Essen, habe ich auch gleich noch mein Cannada etwas aufgebessert da in der Schneiderei keiner Englisch spricht.
Das mit dem Cannada lernen erweist sich als auesserst schwierig, nicht unbedingt weil ich keine Grammatik habe, sondern weil hier wirklich vieles oder fast alles in Englisch ablaeuft, aber ich bleibe am Ball, denn fuer den Unterricht ist es mehr als nuetzlich.
Ab Januar steht dann Hindi auf dem Programm, weil das die indische Nationalsprache ist.
Ich habe jetzt auch meinen ersten eigenen Sari, das indische Gewand und er ist wirklich schoen. Davon abgesehen hat es alle sehr gluecklich gemacht, da Inder sich sehr freuen wenn man sich so indisch wie moeglich kleidet. Das ist auch der Grund warum ich jetzt jeden Tag den obligatorischen Modepunkt zwischen meine Augen klebe. Fotos werden auf jeden Fall nachgeliefert.

Ansonsten kann man sagen, dass ich hier wirklich das wahre Indien kennenlerne da ich etwas ausserhalb Bidars lebe und die meisten Menschen hier von der Landwirtschaft leben. Um mich herum waechst also Reis, es gibt jede Menge Kuhherden und andere Pfanzen und Tiere. Mit den Lehrerinnen in der Schule verstehe ich mich nach wie vor sehr gut und ich werde auch oefters mal zu ihnen nach Hause eingeladen, zum Mittag hmmm…
Inder sind wirklich auessterst gastfreundlich, ihre beste Eigenschaft ist allerdings, dass sie alles teilen. Sie teilen ihre Freude, ihre Zimmer, ihre Kleidung, ihre Probleme und vorallem ihr Essen. Der letzte Punkt freut mich natuerlich ganz besonders. So passiert es, dass wenn man in einen Bus steigt, und sich auf eine laengere Fahrt begibt, man quasi nichts zu Essen mitnehmen muss. Denn auch wenn man noch kein Wort mit seinem Sitznachbarn gewechselt hat, wird dieser einem 100 prozentig etwas von den Keksen abgeben die er gerade isst.
Gerne werden auch Nelken angebote, die so eine Art Kaugummiersatz sind, da Inder sehr viel Wert auf einen frischen Atem legen.
Frueher oder spaeter kommt man dann aber doch mit ihnen ins Gespraech und so habe ich jetzt schon einiges ueber Land und Leute erfahren, vorallem aber ueber Religionen.

So kommt es zum Beispiel, dass ich jetzt weiss, dass die meisten muslimischen Maedchen in Indien sehr stolz darauf sind, eine Burka zu tragen. Es ist eben das Zeichen ihrer Religion. Meine muslimischen Schuelerinnen haben mir sogar begeistert vorgeschlagen, ich solle doch auch mal eine tragen, die wuerde mir sehr gut stehen : )
Ausserdem haelt sie die Haut hell und schuetz vor der Sonne.
Inder sind so bestrebt weiss zu sein, dass sie sich jeden Tag so etwas wie Babypuder ins Gesicht schmieren, um die “edle Blaesse” zu erhalten.
Alsich ihnen erzaehlt habe, dass bei uns alle ins Solarium gehen, konnten sie das gar nicht nachvollziehen.
Was den Islam in Indien betrifft habe ich ausserdem erfahren, dass es hier auch unter Musilimen ein Kastensystem gibt. Was die Heiratsbedingungen betrifft ist es so, dass die zu verheiratenden Kinder der Oberschicht inzwischen so etwas wie ein Mitspracherecht erhalten haben. Das heisst sie koennen selber eine Frau oder einen Mann vorschlagen und wenn beide Familien damit einverstanden sind, wird die Hochzeit arrangiert.
Ich selbst bin evt. Im April auf einer indischen Hochzeit, allerdings wird diese nicht so pompoes ausfallen wie die der Oberschicht, da es sich um die Hochzeit einer meiner Schuelerinnen handelt. Sie wird im April mit gerade einmal 18 Jahren verheiratet. In den Doerfern ist das unter der armen bevoelkerung Gang und Gebe, viele die es koennen, beenden aber trotzdem erst die Schule, oder ihre Ausbildung.

Ich denke, das ist mehr als genug fuer den Anfang. Ich bin jedenfalls oft von diesem Land fasziniert und kann all das Erlebte, Neue gar nicht aufschreiben, da es definitiv zu viel ist.
Was das Reisen betrifft fahre ich am Wochenende oefters nach Hyderabad, auch Cyberabad genannt, und besuche einen Freund und treffe andere Freiwillige. Das indische Grossstadtleben kann auf jeden Fall eine gelungene Abwechslung sein und auch die deutsche Gesellschaft, da mir vorallem langsam das Essen anfaengt zu fehlen. Ueber Weihnachten und Sylvester fahre ich dann nach Goa, da mich Sister Christines Cousin dort auf seine Farm eingeladen hat. Ich freue mich unglaublich darauf.

Ich hoffe es geht euch gut, hier hat jetzt auch der “ Winter angefangen” bei ca. 25 Grad Celsius laesst es sich aber gut aushalten : )

Viele Gruesse in die Heimat aus Indien,

Eure Steffi

Demnaechst schreibe ich wieder oefter, damit die Beitraege nicht so lang werden.

nach der Arbeit einen Snack

Nach der Feldarbeit, de obligatorische Snack

sonneruntergang auf dem Land

Sonnenuntergang auf dem Feld

auf dem Feld

Das feldteam fuer diesen Tag

so sieht es aus wenn alle auf ein bild wollen

Im Kidscamp, so sieht es aus wenn alle auf ein Bild wollen

happy hearts holiday camp

Lunch im Kidscamp

Markt

Auf dem Markt, Chillis

Indien, CVTI-work is the best thing ever invented for killing time : )

Hallo ihr Lieben,
jetzt kommen endlich auch wieder Neuigkeiten aus dem asiatischen Teil dieser Welt, Indien. Ich bin vor zwei Wochen hier in Bidar, Nordkarnataka angekommen. Die Stadt liegt im Innern des Landes und man könnte sie schon fast als die Mitte Indiens bezeichnen. Nach 12 h Busfahrt von Bangalore, der Hauptstadt des Bundesstaates habe ich es dann auch endlich geschafft, in mein Projekt zu gelangen- das Carmel Vocational Training Institute. Die Aufgabe des Institutes ist es Mädchen aus armen Verhältnissen eine Art Berufsausbildung als Sekretärin oder Lehrerin zu bieten. Meine Aufgabe hier besteht darin, “ spoken English“ zu unterrichten. Meine Schülerinnen sind zwischen 15 und 27 Jahren alt und sehr höflich und meist auch sehr willig etwas Neues zu lernen, dazu aber später mehr. Das Carmel Vocational Training Institue liegt ca 5 km ausserhalb der Stadt im Grünen umgeben von Palmen, Kuhweiden, einem eigenen Obst und Gemüsegarten und noch fünf weiteren Schulen, Grundschule, Mittelstufe ect. Ein Gebäude, was für deutsche Verhältnisse relativ klein ist, beherbergt 140 Mädchen aus umliegenden Dörfern, zwei Schwestern ( Nonnen ) und mit mir fünf Lehrerinnen die neben ihrer Aufgabe zu unterrichten auch dafür sorgen müssen, dass er Alltag reibungslos abläuft und den Mädchen bei Problemem zur Seite stehen. Meine Mitlehrerinnen, Sunita, Chandrakala, Wilma und Reka sind alle sehr nett und auch erst 21 Jahre alt, sodass ich sehr mit ihnen auf einer Wellenlänge bin. Neben der beruflichen Vorbereitung sollen die Mädchen, die oft nur noch einen Elternteil haben, vorallem lernen Verantwortung zu übernehmen, weshalb sie in riesigen Töpfen das Essen für alle zubereiten, täglich putzen müssen, sowie sich um den Garten kümmern. Sie sind daher von morgens um 5 Uhr bis abends um 22:15 mit Lernen und Hausarbeiten beschäftigt, sodass mir leider wenig Zeit bleibt Freizeit mit ihnen zu verbringen.

Der Tag beginnt mit einer sehr lauten Glocke, direkt neben meinem Zimmer und sehr lauter indischer Musik, manchmal spielen sie auch Abba ; ), diese dauert circa eine dreiviertel Stunde an. Um 5:45 begeben sich dann alle eine halbe Stunde zum obligatorischen morgentlichen Yoga, ich immer dann wenn ich es schaffe aufzustehen oder die Glocke nicht überhöre. Da das Carmel Vocational Training Institue von einem katholischen Orden gegründet wurde, Carmel, spielt hier der Glauben eine enorme Rolle, sowie man sich das bei uns ganz sicher nicht vorstellen kann. Es gibt trotz der drei Religionen die hier vertreten sind, Hindus, Christen und Moslems einen morgentlichen Gottesdienst an dem alle teilnehmen, sowie den “ student’s prayer“ der zwischen den ersten Unterrichtsstunden kommt, gleich nach der Nationalhymne, sowie ein Dankgebet zum Anfang und zum Ende jeder Unterrichtstunde. Als wenn das unseres Erachtens nicht genug wäre, beten viele Mädchen auch noch in ihrer wenigen Freizeit von sich aus, sowie abends, bei allgemeinen Zusammentreffen. Man müsste jetzt meinen ich wäre ja am völlig falschen Ort gelandet, wir sind doch in Indien. Aber auch in Indien gibt es viele Christen, und ich würde sagen 80 % der Mädchen die hier wohnen sind christlich. Was das viele Beten und die katholische Kirche betrifft, muss ich sagen, dass ich seit ich hier bin meinen Blick auf die Dinge völlig verändert habe. Für viele Mädchen ist das Beten und die Schule die einzige Hoffnung sich und ihren Familien aus der Armut zu helfen und nimmt deshalb eine ganz andere Dimension im Alltag an. Was mich betrifft muss ich sagen, dass ich die Gottesdienste hier sogar sehr schön finde, weil sie sehr bunt und lebendig sind und hauptsächlich gesungen, geklatsch wird mit Trommeln als musikalische Unterstützung. Die Tatsache, dass der Alltag hier so streng ist und die Mädchen jeden Tag um 5 ausser sonntags um 5: 30 Uhr aufstehen, mag sehr abschreckend wirken. Aber da die Mädchen nur zwei Jahre auf dieser Schule sind und die meisten ohne jegliche Englischkenntnisse hier her kommen, haben sie dementsprechend auch viel vor, wenn sie gegen die riesige indische Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt ankommen wollen.

Dennoch sind alle sehr sehr freundlich und hilfsbereit, wenn sich zum Beispiel die blonde Europäerin etwas ungeschickt anstellt beim waschen der Wäsche auf Waschsteinen. “ I can help you, Miss.- “ I want to wash your clothes, Miss“… Und noch nie zuvor habe ich so oft gesagt bekommen wie schön ich doch meine Teller abwasche. “ Miss you clean your plates sooo nicely, Miss… sooo nicely I want to clean like you ; ) “ Ja, irgendwas muss man ja auch können.

Was meinen Alltag betrifft, gebe ich  sechs Unterrichtseinheiten a 45 min pro und muss doch zugeben, dass 10 h las Schüler nicht halb so anstrengend sind. Das Englisch der Mädchen ist sehr unterschiedlich und es ist wirklich nicht einfach die einen nicht zu überfordern ohne die anderen zu unterfordern. ( Ja, alle ehemaligen Lehrer die das jetzt lesen sollten, werden sicher zu Recht grinsen ; ). Am schwierigsten ist es mit der letzten Klasse die ich habe, weil diese Mädchen eigentlich gar kein Englisch können, sie aber auch nicht mehr so klein sind, dass ich sie mit Bildchenausmalen zum Englisch lernen bringen kann. Des Weiteren fällt mir immer wieder auf, dass die Auffassungsgabe bei älteren Menschen doch erstaunlich abnimmt, da die Kinder aus der Grundschule nebenan, die auch erst seit einem halben Jahr Englisch haben so viel schneller lernen und bereits viel mehr beherrschen. Nach dem Unterricht der um 17 Uhr für mich endet, bin ich meistens etwas kaputt und versuche einen Ausgleich durch das Joggen auf dem Schulgelände zu finden. Des Weiteren ist um 5:30 dann Indian Teatime und ich sitze mit den Lehrerinnen meist in unserer Hutzelküche, während wir das Abendessen vorbereiten und trinke schwarzen Tee. Gegen Abend, wenn wir das Kochen erledigt haben lese ich meist ein bisschen, oder schreibe E-Mails, kümmer mich um meine Haarpflege, auf welche in Indien sehr großen Wert gelegt wird oder wasche meine Wäsche, was bei meinem Tempo ca 2h dauert, während die Inder nur 30 min brauchen. Dann gibt es Abendessen und manchmal bin ich dann noch bei den Lehrerinnen im Zimmer und versuche ihnen das Gitarrespielen beizubringen oder genieße die Ruhe, wenn die stille Lernphase eingeläutet wird. Denn auf die Dauer ist es doch etwas anstrengend mit so vielen Mädchen in einem Haus zu wohnen. Wenn ich aus meinem Fenster blicke, blicke ich direkt auf die Moschee, und freue mich jeden Morgen und Abend den Moezin singen zu hören. Die Wochenenden vorallem der Sonntag sind ein klein wenig entspannter und ich habe die Möglichkeit mit den Mädchen Sport zu machen und abends organisieren sie immer eine Runde in der alle draußen zusammensitzen und sich gegenseitig etwas vorsingen oder Witze erzählen, letzten Sonntag war ich auch dran.

Es ist auf jeden Fall immer sehr schön und eine kleine Entlastung des vollgepackten Alltags. Letzten Sonntag habe ich mit den Lehrerinnen einen Ausflug in die Umgebung unternommen und wir haben uns das berühmte Fort in Bidar angeschaut, sowie einen Sikh Tempel. Es handelt sich hierbei um eine sehr verbreite Religion in Indien, in der die Männer ihre Haare nicht zeigen dürfen und deshalb viele bunte Turbäne tragen. Was die Stadt an sich betrifft, von der ich nicht allzu viel mitkriege, da ich sie nicht alleine besuchen darf, weil ich die einzige Weiße im Umkreis vonn 100 km bin oder so, kann man sagen, dass in Bidar alles sehr ländlich und dementsprechend auch sehr sehr arm ist. Überall sieht man Leute mit ihrem Reis zum Markt ziehen und an jeder Ecke gibt es Tschai und jede Menge Essen zu kaufen. Frauen hüten die Kuhherden zusammen und sitzen dabei auf den Bahnschienen und es ist zumindest tagsüber immer überall etwas los, was ich sehr schön finde. Auf der anderen Seite, leben die Menschen hier zu 7 in einem 10 Quadratmeterzimmer und es wimmelt nur so von Ziegen, Kühen, Schweinen, Hunden und Hühnern in den Straßen die wie im Mittelalter aussehen. Im ländlicheren Indien wird so gut wie alles mit der Hand gemacht und die Nähmaschine die bei uns als Antiquität genutzt wird, ist hier Alltagsgegenstadt. Wobei ich noch erwähnen möchte, dass wir hier unseren eigenen Schneider haben und ein eigenes Rikshamobil, mit dem ich manchmal in die Stadt gebracht werde und die Grundschulkinder nach Hause gefahren werden. Erschreckend fand ich auch den Zustand der Aidshilfe, die eher so aussah als würde man sich dort mit Aids anstecken als davon geheilt zu werden.

Im zwei Wochen hat die Grundschule nebenan Ferien und deshalb organisieren wir dort ein Kidscamp indem wir mit den Kindern singen, spielen und tanzen worauf ich mich schon sehr freue. Grundschulkinder können auch mal eine angenehme Abwechslungs sein. Ansonsten gibt es hier noch jede Menge Mücken, worunter meine Füße die in Indien barfuß sind immer gewaschen werden. An das Essen mit der Hand habe ich mich schon so sehr gewöhnt, dass ich Angst habe es mir nicht mehr abgewöhnen zu können. Die indische Küche gefällt mir immer besser und besonders gut finde ich auch die Art Wasser zu trinken, nämlich so, dass man den Becher oder die Flasche nicht mit dem Mund berührt sondern es sich in diesen gießt. So kommt es, dass wir mit 140 Leuten mit zwei Bechern auskommen. Was jede Menge Wasser und Zeit spart.

Und zu allerguter Letzt, muss ich noch sagen, dass ich die glückliche Nutzerin einer westlichen Toilette bin und sogar Klopapier gestellt bekomme. Alle sind hier sehr herzlich und in der näheren Zukunft haben wir vor die Lehrerküche zu renovieren  und ich bekomme hoffentlich persönlichen indischen Nähunterricht, und versuche eine indische Tanzschule in Bidar zu besuchen. Ach und ich lernen noch Cannadá die Sprache hier im Bundesstaat. Sehr kompliziert aber im Unterricht mehr als nütztlich.

Ich denke, das war erstmal genug zum Lesen, da ich jetzt Internet habe kommt sicher bald Nachschub,

viele Grüße aus dem bunten Land der vielen Gewürze, deren Namen ich mir einfach nicht merken kann,

Steffi

so wirds gemacht, teacher ; )

Waschen in Indien, so wird es richtig gemacht ; )

Waschen in Indien

Bidar Fort mit meinen Kolleginnen Chandrakala, Sunita und Reka

Kochen in Indien, für 130 Leute

Shiva, Hinduistischer Gott, ist auch nur schlappe 80 m hoch

Shiva, Gott der Zerstörung, Erhaltung und des Aufbaus, als 80 m hohe Statue

Indien Ankunft

Die erste Rundmail- Grüße aus Indien

Hallo Ihr alle- Namaste
Viele Grüße aus Indien. Hier ein kurzer Überblick über die letzten Tage im Land der heiligen Kühe. Wie ihr seht, sind ich und die anderen 5 Freiwilligen meiner Organisation gut in Bangalore, Südindien gelandet. Nach großer Freude darüber, dass all unser Gepäck angekommen war, haben wir es geschafft eines der Taxis zu nehmen die uns einen halbwegs fairen Preis anboten um in unser Hotel in Bangalore zu finden. Dort habe ich fast den ganzen Tag mit schlafen verbracht, um meine vorher eingefangene Erkältung auszukurieren.
Zu Bangalore, welches ich am nächsten Tag etwas näher zu Gesicht bekam lässt sich sagen, dass es was sein äußeres Stadtbild betrifft doch nicht so europäisch ist, wie man es in den Reiseführern lesen kann. Costa Rica sei Dank, habe ich bis jetzt keinen wirklichen Kulturschock erlitten. In einer indischen Stadt ist es, wie man sich das so vorstellt, sehr laut, schmutzig und voll. Das haben wir erst recht zu spüren bekommen, als wir die „ commercial street“ aufsuchten um uns mit indischer Kleidung einzudecken. Man stelle sich eine kleine enge Fußgängerzone vor, die voll mit Menschen ist und leider keine Fußgängerzone ist. Es ist äußerst schwierig vom einen Ende ans andere zu kommen, wenn man von hinten und vorne von Rikshas, Motorrädern und Kleinlastern gedrückt wird. Nachdem wir uns mehrmals verlaufen hatten und in dubiosen aber dennoch interessanten indischen Nebenstraßen gelandet sind, wo kleine Inder in riesigen(1x1m) Kochtöpfen Essen zubereiteten, haben wir es endlich geschafft den Landen zu finden in dem wir unsere neue indische Kleidung erstehen wollten.
Wie Henriette und ich damit aussehen, seht Ihr im Foto im Anhang. Nach unserer kleinen Shoppingtour, waren wir alle etwas müde und erschlagen vom indischen Städteleben und freuten uns unglaublich auf unsere 12h Fahrt nach Kundapur, eine kleine indische Stadt im Süden Indiens. Hier haben wir eine Woche unser Orientierungsseminar( mit noch mehr Freiwilligen) bevor es dann in unsere Projekte geht. Kundapur, oder auch Kundapura genannt, ist im Gegensatz zu Bangalore sehr schwül und fühlt sich and wie der costaricanische Dschungel. Es gibt ebenfalls ein vielfältiges Angebot an Obst und Fruchtsäften und immer noch sehr viel Verkehr. Die Feuchtigkeit führt dazu, dass unsere Kleidung nicht trocknet und eigentlich alles nass ist.
Wir, Henriette und ich, wohnen mit den anderen Mädchen unserer Organisation, in dem „ Girls House“. Dieses ist pink und sieht inzwischen aus wie eine kleine Hippiekommune, weil überall Moskitonetze hängen und bunte Laken, sowie jede Menge nasse Kleidung.
Der Strom, sowie das Wasser bleibt auch gerne mal für 1-2 Tage weg, was der Grund ist warum ich euch erst jetzt schreibe. Der Wasserausfall hat uns dazu gebracht uns mit Regenwasser zu duschen, da Inder sehr reinlich sind und zur Monsunzeit ein- bis zweimal am Tag duschen. Was die indische Toilette betrifft, zähren wir zur Zeit noch von unsern Toilettenpapiervorräten, deren Ende immer näher kommt und wir uns wohl oder übel an die indische Art des Toilettengangs gewöhnen müssen.
Dieser besteht kurz gesagt darin, dass man sich mit Wasser und der linken Hand reinigt, wie und ob man dann wieder trocken wird haben wir noch nicht verstanden.
„The Indian way of toilet“ führt dazu, dass man nie die linke Hand zum Essen nehmen darf. Inder haben so viele Gesellschaftsnormen, dass wir sie nur schwer behalten können. Grundsätzlich isst man hier nur mit der rechten Hand und ohne Besteck. Das Essen besteht hauptsächlich aus Reis mit scharfen Soßen und fettigen Dosas ( ähnlich wie Pfannkuchen).
Man sitzt als Frau nicht mit überkreuzten Beinen und schüttelt keine Hände. Des Weiteren darf man Personen die älter als man selber sind nicht beim Namen nennen und wenn man in der Öffentlichkeit nach einer Toilette fragen will hebt man dazu den kleinen Finger. Zeichensprache ist ein sehr beliebtes Mittel der Kommunikation, es gibt für alles wirklich für alles ein Zeichen. Des Weiteren ist Lächeln unabdingbar und wenn es noch so aufgesetzt ist und manchmal auf beängstigend. So sagte zum Beispiel der Mann im „Foreign Registration Office“ zu uns, als wir unseren Aufenthalt registrieren wollten: „ hehe You know that we are preparing for the war with China, you sure you wanna stay in India?“ Wenn man dabei ein Dauergrinsen auf den Lippen hat, fällt es sehr schwer diesen Satz zu deuten.
Das Englisch ist hier auch noch so eine Sache, wenn man sich nicht konzentriert klingt es für einen selbst wie eine völlig andere Sprache.
In unserer Orientierungswoche lernen wir also etwas über das Verhalten, besonders der Frauen, in Indien, sowie ein bisschen Kannada, was die typische Sprache in meinem Bundesstaar Karnataka ist. Wir haben eine Gastfamilie und eine muslimische Grundschule besucht, welche zum Teil von der Regierung und hauptsächlich von Scheichs aus Dubai gesponsert wird, in welcher es ziemlich laut und ziemlich voll war, die Kinder aber sehr interessiert und neugierig. Dennoch war es für mich erstaunlich zu sehen, wie achtjährige Mädchen selbständig Lieder aus dem Koran üben und dabei beten. Sie haben dabei allerdings mehr gelacht als wirklich bei der Sache zu sein, was mich sehr beruhigt hat, da sie doch noch sehr jung waren.
Was für mich persönlich sehr gewöhnungsbedürftig ist, ist zum einen der Anblick völlig verschleierten Frauen auf der Straße, bei denen man nur die Augen sieht und zum anderen die indische Mentalität was Schule betrifft. In Indien wird grundsätzlich davon ausgegangen, dass Kinder laut sind und nicht zuhören und man ihnen Disziplin anerziehen muss. So erzählte zum Beispiel meine Projektkoordinatorin, dass man sehr streng sein müsste und wir einen Schlagstock mit in die Klasse nehmen sollen um uns Respekt zu verschaffen. Ihre vierjährige Tochter geht bereits zur Schule und kann das ABC und sie ist nicht mit ihr zufrieden weil sie die neun falsch herum schreibt. Der Grund für diese strenge Mentalität ist, dass die Konkurrenz für den „ Arbeitsmarkt“ hier sehr groß ist und deshalb haben die Kinder hier weniger Zeit Kinder zu sein, was ich sehr schade finde.
Am Sonntag gehen dann alle in ihre Projekte nur ich darf noch mal nach Bangalore um mich zu registrieren und werde dann 24h mit dem Bus nach Bidar, in mein Projekt fahren.
Zu Zeit geht es mir ganz gut, aber ich muss zugeben, dass es mir doch Angst macht alleine mit unter 240 Inderinnen die alle zwischen 14- 20 sind in einem Internat zu wohnen und Englisch zu unterrichten. Ich habe mir zwar jede Menge Material mitgenommen ( danke Frau Eichner ; ) ), aber wie gut es dann wirklich klappen wird, werde ich erst vor Ort sehen.
Heute Nachmittag werden wir den Strand besuchen und ich bin glücklich, dass Inderinnen wenn sie baden vollbekleidet gehen, da ich mir dann keinen Sonnenbrand hole.
In meinem Projekt und auch auf der Straße werde ich Kleidung, wie sie auf dem Foto ist tragen, da man hier weder Ausschnitt noch Knie der Schultern sehen darf.

Das war es zunächst, es gibt noch viel mehr zu erzählen über das indische Leben und indische Normen, aber das schreibe ich in den nächsten Rundmails da Ihr mit dieser sicher genug zu tun habt. Viele Grüße aus Karnataka , heute scheint zum ersten Mal die Sonne,

eure Steffi

PS: Grundsätzlich sagen Inder nur das Nötigste und das immer zweimal.
„ cheap, cheap“ ; )

PPS: Ich war auch schon beim „ Sonnenaufgangsyoga“ im Tempel und habe heute schrecklichen Muskelkater im Rücken und deshalb geht es damit erst Morgen weiter ; )

Henriette und ich : )