Lyksicher Weg, 2. Teil – Stein, Feuer und Tayyip –

DSCN9062 DSCN9061 DSCN9056 DSCN9054 DSCN9046 DSCN9043 DSCN9038 DSCN9037 DSCN9036 DSCN9032 DSCN9026 DSCN9025 DSCN9012 DSCN9010 DSCN8993 DSCN8989 DSCN8981 DSCN8977 DSCN8975 DSCN8974 DSCN8971 DSCN8969 DSCN8967 DSCN8964 DSCN8960 DSCN8959Entlang der Strandbucht gab es ein paar Hütten und alte Fischerboote an denen vereinzelt Menschen herum werkelten. Wären wir in der Hauptsaison hier gewesen, wäre wohl einiges mehr losgewesen. Die Sonne strahlte ungemein warm auf uns hinab, woran sich die nächsten Wandertage auch nichts ändern sollte. Nach einer kleinen Pause am Strand liefen wir noch ein gutes Stück weiter parallel zum Strand und dann einen Berg hinauf. Hier bezahlten wir einen kleinen Geldbetrag um uns die „Brennenden Steine“ oder auch Yanartaş (https://de.wikipedia.org/wiki/Chimaira_%28Lykien%29) anzuschauen und über den Flammen die dort direkt aus der Bergflanke kamen einen leckeren Eintopf zu kochen. An diesem außergewöhnlichen Ort hielten wir uns bis zur Dämmerung auf, trieben Unfug mit dem Feuerzeug und dem aus dem Gestein ausströmenden Gas, wobei Clara sich ein bisschen die Haare ansengte, und genossen die Tolle Aussicht auf das Meer. Der Eintopf schmeckte hervorragend wie immer und gut gesättigt und fasziniert von dem brennenden Berg stiegen wir wieder ins Tal um uns einen Schlafplatz zu suchen. Die Suche gestaltete sich etwas schwieriger, da doch einige bewohnte Hütten mitsamt Wachhunden rumstanden in deren unmittelbarer Nähe wir nicht schlafen wollten. Nachdem wir schon fast wieder am Strand angekommen waren entschlossen wir uns aufgrund der fortgeschrittenen Dunkelheit uns ohne Zelt unter ein paar Bäume ins Dickicht in Spuckweite zum lykischen Weg zu fläzen und am nächsten Tag direkt weiter dem Weg zu folgen. Es war nicht die bequemste Nacht, aber die Erschöpfung des Tages ließ mich trotzdem gut einschlummern. In Deutschland lag grade noch Schneematsch auf den Feldern und Straßen, während wir unter freiem Himmel und 1000 Sterne Aussicht unter belaubten Bäumen liegen konnten. Klasse. Zu allem Überfluss gönnten wir uns eine Flasche Roten und aßen einen Happen Brot, da es fürs Kochen schon zu spät war. In der Nacht gesellten sich noch zwei streunende Hunde zu uns, die weggescheucht wurden. Einer von beiden saß jedoch am morgen ein paar Meter von uns entfernt im Gras und sah aus als würde er auf seine Schafe acht geben. Da er nicht nach Essen bettelte und auch nicht bellte und ganz knuffig aussah ließen wir den Hund, Hund sein und Frühstückten, packten Sachen und los ging es auf den lykischen Weg. Der kleine Köter folgte uns auf Schritt und Tritt, ließ sich nicht abschütteln oder wegscheuchen und tat so als würde er dazu gehören. Wir entschlossen dann, dass es ja schon auch ganz geil ist son Fahrtenhund dabei zu haben und dass er ja bestimmt sowieso bald umkehren würde zu seinem Besitzer. Der Hund hatte nämlich ein Halsband an, jedoch ohne Adresse und Telefonnummer. Der Weg ging nun entlang der schroffen, kargen, wunderschönen Küste mit Blick auf ein strahlend blaues Meer, der Hund trottet mal vor mal hinter uns und passte auf seine „Herde“ auf. Nach einer Weile und hin und her, die auswahl an namen war groß, beschlossen wir den Hund den Namen Tayyip zu geben. Ein typischer türkischer Name und mit realen Personen der türkischen Regierung nicht in Verbindung zu bringen. Fortan schallte der Ruf : „Tayyip(Erdoğan) komm“ , oder „wo ist Tayyip“ des öfteren über die lykische Küste.

Lykischer Weg, 1. Teil -Anreise und Istanbul-

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Ende Februar gings mal wieder für einige Tage auf Fahrt. Diesmal trieb es uns in die Türkei. Genauer auf den Lykischen Weg, der sich 500 km an der Küste zwischen Antalya und Fetiye entlang schlängelt. Der Vorschlag zu diesem Ziel kam von Stephi die über den Winter ein Semester in Istanbul studierte und zum Abschluss ihrer Zeit in der Türkei zum gemeinsamen Wandern einlud. Der Einladung folgten Clara und ich. Zu dritt sollte also der Weg beschritten werden.

Am 28. Februar ging es für Clara und mich von Frankfurt 36 Stunden mit dem Euroliner bis Istanbul. Die vielen Stunden vergingen weniger schleppend als erwartet, aufgelockert durch interessante Busbekanntschaften. Ein älterer US Amerikaner der mit all seinem Hab und Gut von Bremen nach Istanbul zog, ein Deutscher der in Istanbul studiert hatte und auf dem Weg nach Teheran war um Freunde zu besuchen und ein Kurde aus dem Nordirak der seine Familie in der Kriegsgebeutelten Heimat besuchen wollte, lieferten interessante Gesprächspartner.

Am 2. März kamen wir morgens in Istanbul an und nach Orientierung in der 20 Millionen Einwohner Metropole waren wir bald bei Stephs Wohnung angelangt. Nach Begrüßung und Kaffee gings über den Bosporus auf die europäische Seite der Stadt um die einschlägigen Sehenswürdigkeiten, wie Hagia Sophia, Blaue Moschee und Gewürzmarkt zu bestaunen. Immer wieder musste man die Einladungen der Gewürz-, Tee-, Klamotten und Süßkramhändler abweisen, die einen meist direkt auf deutsch in ihren Marktstand geleiten wollten, dankend ablehnen. Abends wurde zusammen mit Erasmusfreunden von Steph die Kneipenkultur erkundet. Der nächste Tag war verregnet, ließ sich aber bei einem ausgedehnten türkischen Frühstück im alternativen Stadtteil Kadeköy gut aushalten. Später wurden noch die Tickets für den Bus bis Kemer gebucht wo unsere Wanderung beginnen sollte. Nach Einkauf und einigen weiteren Erledigungen stiegen wir abends in den Bus und kamen 10 Stunden später am frühen Morgen in Kemer an. Mit einem Kleinbus gings nochmal einige Kilometer aus der Stadt raus. Wir ließen uns nach einer kurzen und überteuerten Fahrt an der Hauptstraße rausschmeißen, von wo eine Schotterpiste einige Km zum Meer bergab verlief. Hier Begann die Wanderung. Strahlender Sonnenschein und gefühlte 20°C trieben uns entlang von Zitronen- und Orangenbäumen weiter zum Meer und einen fast Menschenleeren Strand.

 

Spitzbergen- alias Svalbard

Spitzbergen- alias Svalbard
Hallo meine Lieben,
dank Claras Rundmail im April bin ich nun schon seit fast drei Wochen auf der arktischen Insel, Spitzbergen . Ich weiß, dass viele von uns das Angebot hier den Sommer über als Wanderguide zu arbeiten mehr als gerne wahrgenommen hätten, der Zeit aber mit Klausuren oder Arbeiten beschäftigt sind. Damit ihr alle trotzdem ein bisschen daran teilhaben könnt und ich schon mal auf eure nächste Uni/Arbeitsfreie Zeit freuen könnt, hier der erste kleine Bericht aus dem hohen Norden. (Und nur zur Beruhigung auch ich beginne im Oktober mit der Uni und spätestens dann hat es ein Ende mit der Reiserei und ich werde eure Blogs lesen).
Es 00:00 die Sonne scheint durch die Fenster des Campingplatzgebäudes in meinen Rücken und fühlt sich hier drin herrlich warm an. Die Betonung liegt auf drin =) Das sommerliche arktische Klima liegt tagsüber zwischen 2-9 Grad, kombiniert mit dauerhaftem Wind und ist für mich als Frostbeule sicherlich die größte Herausforderung hier oben. Schaue ich aus dem Fenster blicke ich direkt auf den Isfjorden, Eisfjord, mit all seinen Gletschern und spitzen Bergen welche der Insel ihren Namen gegeben haben. Es ist ein atemberaubender Anblick der sich, wie ich finde, am besten von drinnen genießen lässt. Trotz allem wird es auch in der Arktis Sommer und so lässt es sich bei Windstille und Sonnenschein durchaus auch mal ohne Jacke wandern. Der letzte Schnee in den Tälern schmilzt und verwandelt trockene Böden in kaum durchquerbare Morastfelder und Flüsse, bringt aber auch die ersten Blumen und Gräser hervor. Flora und Fauna müssen das wärmere Klima optimal nutzen um Energie für den langanhaltenden Winter zu nutzen, welcher bereits wieder Mitte September beginnt.
In den vergangen Wochen haben die anderen Guides und ich die Einführungsphase durchlaufen, welche uns auf die Arbeit mit den Gästen vorbereiten soll. Insgesamt sind wir ein sechsköpfiges bunt zusammengewürfeltes Team .Da wäre einmal ein holländisches Pärchen (Mitte 20) die ihren gesamten Jahresurlaub hier verbringen, ein deutsches Pärchen aus Hamburg (20) die wie ich kurz vor dem Studium stehen, ein 63 jähriger Schweizer- mit Abstand der fitteste von uns- und ich. In den letzten Wochen haben wir uns intensiv mit der Flora, Fauna, Geografie, Geologie und der Geschichte der Insel auseinander gesetzt. Ich hätte nie gedacht, dass ich einmal so viel Gefallen an diesen Themen finden würde, aber wenn man es auf einmal persönlich mit Permafrostböden, Gletscherspalten, Kohlekraftwerken oder seltenen Vögeln zu tun hat, ist es doch sehr viel aufregender als in jedem Reiseführer. Zur Freude meines besonders gut ausgeprägten Orientierungssinns ; ) wird das höchste Gewächs hier nur 30cm hoch und der höchste Baum sogar nur 5 cm. Wenn es also nicht gerade neblig ist, kann man sich anhand der Karte meist gut orientieren. Distanzen mit bloßem Auge einzuschätzen fällt aufgrund der ausgedehnten Landschaft eher schwer und so scheinen die meisten Ziele viel näher als sie in Wirklichkeit sind. Das kann manchmal zu sehr langen Wanderungen führen, wobei unser Rekord bei 14h liegt, aber zum größten Teil ohne Gepäck. Nachts ist das Wetter hier meist besser und so kommt es nicht selten vor, dass wir unsere Tages oder Mehrtagestouren erst gegen Abend beginnen und dann die ganze Nacht durchwandern. Das Licht gibt einem eine unbegrenzte Freiheit sich die Zeit beliebig einzuteilen und man kann ungestört nachts sein Buch lesen, ohne jemanden mit der Taschenlampe vom Schlafen abzuhalten.
Der Eisbär ist hier oben, trotz seiner sehr seltenen Anwesenheit trotzdem ein dauerhaftes Thema. Auch wenn es nicht allzu häufig vorkommt gibt es doch immer wieder Eisbären im Landesinnern oder an der Küste, die in Menschen durchaus ein gefundenes Fressen finden/gefunden haben. Es ist daher auch tagsüber unabdingbar beim Verlassen der Stadt ein Gewehr mit sich zu tragen. In den ersten Tagen haben wir deshalb ein Schießtraining gehabt, welches selbst ich mehr oder minder gut absolviert habe .Die einzige davon getragene Verletzung war der durch den Rückschlag verursachte blaue Fleck an meiner Schulter ; )Einen Eisbären darf man allerdings erst schießen, wenn alle anderen Möglichkeiten ihn zu vertreiben ausgeschöpft sind (z.B. Signalpistole) und er näher als 30m ist. Bleibt zu hoffen, dass ich in einer solchen Gefahrensituation 30m noch abschätzen kann.
Spitzbergen ist aber natürlich längst nicht so abgeschieden und einsam wie man sich einen der nördlichsten Orte der Welt vorstellt. In der Hauptstadt Longyearbyen, welche 1906 zwecks des Kohleabbaus gegründet wurde, gibt es einen Supermarkt, ein kleines Shoppingcenter, einen gratis Second-Hand-Laden, mehre Kleidungsgeschäfte und ganze vier Bars. Eine davon bietet die zweitgrößte Spirituosenauswahl Europas, vorher kommt nur noch eine Bar in Stockholm. Da Spitzbergen unter norwegischer Souveränität steht gelten hier auch norwegische „Bargesetze“ und so habe ich nicht schlecht gestaunt als mir die Barkeeperin um Punkt 2:30 das halb volle Glas aus der Hand genommen hat. Von den Preisen her ist Spitzbergen zwar teuer aber aufgrund der Steuerfreiheit in vielem um einiges billiger als Norwegen. So kostet hier das billigste Bier circa 1,20 Euro pro Dose (0.5l). Frischwaren und Post müssen aber extra eingeflogen werden und haben ihren Preis, so kosten 00 Gramm Joghurt schlappe 5 Euro.
Besonders spannend an Spitzbergen sind die Leute. Man trifft hier wirklich auf alles und jeden, vom Pfadfinder, über den Geologen der schon seit 20 Jahren hier wohnt über den Kreuzfahrtschifftouristen bis hin zum Künstler, Menschen aller Nationen. Spitzbergen gewährt jedem Bürger, unabhängig der Nationalität, ein Aufenthalts- und Arbeitsrecht und ist vllt. ein kleines und wie ich finde sehr schönes Beispiel einer wirklich „geeinten“ Welt.
Viele Leute kommen nur für einige Monate oder Wochen, sowie ich und es ist daher nicht schwer neue Leute kennenzulernen. Da wir aber auf dem einzigen Campingplatz der Insel wohnen sind es vom Zelt bis zur Stadt circa 5km. Wenn man kein Fahrrad hat, das man nie anschließen muss, findet man meist jemand freundliches der einen mitnimmt.
Unsere Einführungsphase endet morgen und je nachdem wie viel Arbeit es gibt, bleibe ich entweder bis zum 24.Juli oder komme schon vorher nach Hause. Eine kleine Tour habe ich allerdings schon hinter mir, eine Busrundfahrt durch Longyearbyen. Ein Bus voller deutscher Rentner die mit dem schönen Kreuzfahrtschiff „Mein Schiff“ ein paar Tage in die Arktis schippern. Es hat tatsächlich Spaß gemacht die Herrschaften mit meinem Wissen über Stadt und Insel zu berieseln- viel Information in kurzer Zeit war ja schon immer meine Stärke und auch mein Humor scheint anscheinend genau richtig für diese Alterklasse zu sein.
Inzwischen habe ich mich sehr gut im Nebel und gefühlten deutschen Herbst eingelebt und kann mir kaum vorstellen, dass bei euch gerade Sommer ist. Ich freue mich aber trotzdem sehr auf wärmere Temperaturen und hoffe ihr genießt die schönen Tage doppelt für mich mit, sowie ich die schöne Aussicht, Natur, Ruhe und Freiheit für euch genieße.
Viele arktische Grüße und bis bald.

Stephi

Bilder aus dem Land der Cricketweltmeister!

Der klassische, junge, moderne Inder ; )
Sai Baba und ich am Sikh Tempel
Beim "Toggeri-Säubern", eine Art Linsen
Beim "Toggeri-Säubern", eine Art Linsen
Bidar Fort beim Sonnenuntergang
v.l. nach rechts Daniel, Henriette, ich und Philipp vor dem Sikh Tempel in Bidar
v.l. nach rechts Daniel, Henriette, ich und Philipp vor dem Sikh Tempel in Bidar
Teeplantagen in Südindien
Teeplantagen in Südindien
ergebnisse unserer eigenen Holi-Farbschlacht
Ergebnisse unserer eigenen Holi-Farbschlacht
Sonnenuntergang in Mumbai
Holifarben
Holifarben

Das sollen nur ein paar Eindrücke aus den vergangenen Monaten. Da mein Internet leider zu lange braucht um Bilder auf diese Homepage zu laden, habe ich jetzt ein Picasa-Webalbum angelegt.

Wenn ihr also mehr Bilder sehen möchtet, dann schaut auf

https://picasaweb.google.com/109629933802330675000

TII- This is India

Wenn das öffentliche Krankenhaus keine Ärzte zur Verfügung hat, die Rikshas nur die Hälfte kosten und die Nonnen ihr Gebet ausfallen lassen, dann spielt Indien im Halbfinale der Cricketweltmeisterschaft gegen Pakistan. Indien im Ausnahmezustand – und das zu Recht- denn sie haben es ins Finale geschafft, in letzer Minute gegen den großen Rivalen Pakistan. Zur Demonstration der Freude packt dann ein jeder Inder das in seinem Haus für jede Gelegenheit gelagerte Feuerwerk aus, Pataki, und lässt alle Nachbarn auch an dem freudigen Ereignis teilhaben. Eine Situation wie sie bei uns nicht mal bei der WM vorkommen würde und deshalb den Terminus TII verdient – This is India!
Nur für unsere Schülerinnen im CVTI war das Cricketspiel gestern eher Nebensache. Denn für 40 von ihnen heißt es heute Abschiednehmen. Was für die meisten von Ihnen bedeutet , dass sie sich wahrscheinlich nie mehr wiedersehen, und ihre unabhängige Schülerzeit nun vorbei ist. Viele werden jetzt arbeiten und Geld für ihre Hochzeit und die Aussteuer sparen, bevor sie dann ein von ihren Eltern geplantes Leben führen, verheiratet werden und Kinder bekommen. Diese Erkenntnis macht vielen Schülerinnen den Abschied wahrscheinlich noch viel schwerer. Trotzdem gab es gestern eine schöne Abschiedsfeier mit Tänzen, Gesang, Dankesreden, die sogar Sister Christine zu Tränen gerührt haben, sowie leckerem Essen. Henriette, Irvina und ich waren damit beschäftigt Abschiedskarten zu schreiben, Poesiealben zu füllen, die man in Indien auch noch mit 25 hat, und Fotos zu drucken. Natürlich hat uns der Abschied auch nicht unberührt gelassen, weil wir die meisten von unseren Schülerinnen wahrscheinlich nie wiedersehen werden. Aber wir hoffen auf Post aus Indien, wenn wir wieder zu Hause sind. Durch den Abgang der NTC-Students, hat sich auch unser Stundenplan geändert und so unterrichten wir jetzt nur noch 3 Klassen pro Tag anstatt 6. Dies gibt uns mehr Zeit den Unterricht und andere Dinge vorzubereiten, und lässt unsere letzten Wochen noch etwas entspannter werden.
Neben dem Abschied von Irvina, einer anderen Freiwilligen aus Neuseeland, den Schülerinnen und einer unser Lehrerinnen gibt es natürlich auch noch jede Menge freudige Sachen zu berichten. So hat mich zum Beispiel die letzten zwei Wochen eine Freundin aus Kassel besucht, und wir haben einen weiteren Teil von Südindien erkundet. Für mich ging es zu Beginn ersteinmal ein paar Tage alleine nach Mumbai, weil Henriette mit Typhus im Bett lag. Ja, auch das ist TII, man kann hier Krankheiten bekommen, die in unseren Breitengraden längst ausgerottet sind. Die Stadt ist noch besser als ich sie mir vorgestellt habe, weil sie Indisches und Westliches vereint, was sich sowohl im kulturellen Bereich als auch in der Architektur der Innenstadt widerspiegelt. Ich habe bei Freunden von Irvinas Familie gewohnt, die mir sehr viele Tipps bei der Stadterkundung geben konnten und mich obendrein noch mit sehr leckerem indischem Essen versorgt haben. Zur meiner Freude besitzen sie nämlich ein Restaurant. Neben der Besichtigung von Hauptattraktionen wie dem Taj Hotel und dem Gate of India, habe ich mich noch auf Märkten verloren, Mumbais dreckige Nebengassen erkundet, europäische Bäckereien und Kunstausstellungen besucht und so viele Tempel und Gotteshäuser verschiedener Religionen gesehen, dass ich sie gar nicht mehr alle aufzählen kann. Sehr angenehm ist auch, dass es in Mumbai eine Straßenbahn gibt und man so dem Smog und den langen Staus entgehen kann. Was für mich allerdings ungewohnt war, waren die ständigen Durchsagen, auf sein Gepäck und das Gepäck anderer zu achten und Auffälligkeiten sofort der Polizei, die an jedem Gleis sitzt, zu melden, um weitere Terroranschläge zu vermeiden. Als multikulturelles Zentrum Indiens ist Mumbai für diese natürlich sehr beliebt und so wurde in den letzten Jahren nicht nur das Taj Hotel angegriffen, sondern auch ein das Café Leopold in der Innenstadt, was sehr beliebt bei Touristen ist, und die Straßenbahn. Insgesamt eine sehr faszinierende, sehr organisierte Stadt für indische Verhältnisse, die ich immer wieder besuchen würde. Von Mumbai ging es dann mit meiner Freundin nach Bangalore, wo wir Henriette und Irvina getroffen haben, um nach Mysore, eine hinduistische Pilgerstadt in Karnataka, zu fahren. Neben Sandelholz, Seide und Räucherstäbchen ist diese auch bekannt für den legalen Konsum von Marijuhana, und dementsprechend sind nicht nur die Touristen sondern auch zum Teil die Inder. Da wäre zum Beispiel unser lieber Rikshafahrer „Master Blaster“, der nicht nur die ganze Stadt mit den Backstreet Boys, Spice Girls und Aqua-Barbiegirl beschallt( in Indien hochmodern, sowie als wären diese Lieder gerade erst auf dem Markt erschienen, aber Männern tragen auch ja auch Schnauzer und Schlaghosen, wen wundert’s also) sondern uns das Rikshafahren beigebracht hat und das beste Gras der ganzen Stadt zeigen wollte. Außerdem haben wir einen Ölmann besucht, der vor 20 Jahren mal Mr. India und Bodybuilder war, sich dann aber zu seiner Spiritualität und Naturverbundenheit bekehrt hat, und Ayurvedaarzt wurde. Wir haben den Mysore Palace besucht, den Königspalast der Stadt, der sehr orientalisch ist, und unser eigenes Holifest gefeiert. Holi ist das hinduistische Frühlingsfest, welches hauptsächlich im Norden Indiens und in Nepal gefeiert wird, da es auch nur dort einen richtigen Winter gibt. In Südindien ist das Fest leider nicht so verbreitet und wird nur unter Freunden und in der Familie gefeiert. Da wir in Mysore aber niemanden kannten, haben wir dann einfach unter uns gefeiert und wurden somit auch gleich zur Touristenattraktion Nummer eins. Nach Mysore besuchten wir die südindischen Berge und Teeplantagen in Ooty, kauften Tee und froren in der Nacht, da es wirklich kalt, aber auch angenehm europäisch in den Bergen war. Im weiteren Verlauf unserer Reise wuschen wir noch Elephanten und Wäsche im Fluss, waren am Strand und hatten dann unser zweites und letztes Zwischenseminar. Bei diesem mussten Henriette und ich feststellen, dass wir in einem ganz anderen Indien zu sein scheinen, als viele unserer Mitfreiwilligen. Diese halten Indien für ein Land voller langsamer, oberflächlicher Menschen, die einem nur freundlich begegnen, weil man weiß ist. Hierzu eine kleine Hintergrunderklärung: Wie ihr wahrscheinlich willst, spielt das Kastensystem in Indien immernoch eine große Rolle. Und da Kaste wörtlich üebersetzt Farbe bedeutet, spielt auch die Hautfarbe eine sehr große Rolle. Je weißer, desto reicher und schöner, weil man ja nicht in der prallen Sonne auf dem Feld arbeitet, und deshalb ist Indien auch voll von Bleichungscremes wie “ Fair and lovely.“ Und als wir aus dem Urlaub kamen haben unsere Schülerin unsere gebräunte Haut sehr erschrocken mit “ Became little black, Miss“, kommentiert.
Es stimmt schon, dass man in Indien somit als Weißer viele Vorteile hat, mehr dazu gleich, aber in Indien sind Gäste grundsätzlich Könige und deshalb finde ich nicht, dass einem nur freundlich begegnet wird, weil man weiß ist. Einen der Vorteile hatten wir zum Beispiel, als vor 1,5 Monaten das große Bidar Musikfest “ Bidar Utsav“ war. Mit unserem indischem Tanz haben wir es beim Casting leider nicht geschafft, uns einen Platz auf der Bühne zu sichern, was uns bei 200 000 Zuschauern aber auch ganz Recht war. Wir wollten aber das Spektakel aber auf keinen Fall verpassen und so sind wir mit ein paar Freunden aus Hyderabad in die Ruinen des Bidar Forts gegangen, um neben Wrestling und Bodybuildern( die in Indien auch noch sehr modern und beliebt sind) auch die musikalischen indischen Größen zu bewundern. Es hat keine fünf Minuten gedauert und wir haben es ohne wirklich irgendetwas dazu beizutragen von der letzen Reihe bis in die VIP Lounge geschafft, in der das Ticket sonst circa 100 Euro gekostet hätte. Die Inder hat es so sehr gefreut, dass ihr Fest vermeintlich auch internationalen Anklang gefunden hat, dass wir nicht nur im Fernsehen sondern auch in der lokalen Zeitung waren. Das war mir vor unseren Schülerinnen und Kolleginnen mehr als peinlich, weil ich nicht die “ Weiße“ sein wollte, die es nur deshalb nach ganz vorne schafft. Diese waren aber ganz begeistert und sehr stolz auf ihre ausländischen Freunde und haben mit mir geschimpft, weil ich auf dem Foto inder Zeitung nicht lächele. Am nächsten Tag wollten wir unsere Hautfarbe dann auch zum Vorteil für unsere indischen Freunde machen und haben uns als deutsche Journalisten ausgegeben, die jeder einen Übersetzer brauchen. Und siehe da, wir haben es immerhin in die Journalistenabteilung geschafft, mit den Indern die hervorragend mitgespielt haben, wenn auch nicht in die erste Reihe. T-I-I eben.
Am letzten Wochenende hatten wir dann noch das Glück, mit meiner Freundin aus Deutschland, eine hinduistische Hochzeit zu besuchen, bei der es nicht nur leckeres Essen gab, sondern am Abend auch mit lauter Musik auf der Straße getanzt und gefeiert wurde. Leider ist das Tanzen in der Öffentlichkeit eher den Männern vorbehalten, und wir kamen eher weniger dazu. Was aber auch ganz gut war, da wir so den betrunkenen, grapschenden Indern etwas entkommen konnten. Lustig anzusehen war das Ganze auch, und bei so viel lauter, guter Musik auf einem fahrenden Traktor ist mir aufgefallen, dass ich doch mal wieder gerne weggehen würde.
Die letzten 2,5 Monate sind angebrochen, auch wenn ich es noch nicht so richtig realisieren kann. Meine Zeit in der Gastfamilie, die sehr schön und entspannend war, ist auch vorbei und die indischen Sommerferien rücken immer näher. Aber heute, 3 Tage nach dem Halbfinaltag, spielt Indien im Finale der Cricketweltmeisterschaft gegen Sri Lanka, und so wie die Mädchen und alle anderen Inder heute für ihr Team gebetet haben, werde ich mich jetzt aufs Daumendrücken konzentrieren.
Viele Grüße ins frühlingshafte Deutschland,
oder wo ihr sonst so seid,

eure Stephi

PS: An alle die jetzt denken, unser Tanzcasting sei ganz umsonst gewesen. Wir hatten noch einen weiteren Auftritt im Bidar Ladies Club, für den wir sogar mit einer Rose und Schokolade honoriert wurden. Was will man mehr ; )

India-only

Hier ein Nachtrag zu den zuletzt eingefügten Bildern und noch ein paar allgemeine Infos.

Es tut mir leid, dass dieser Bericht erst jetzt folgt, aber es gibt und gab die letzten Wochen wieder mehr als genug zu tun und dann kommt man irgendwie doch nicht dazu etwas zu schreiben. Zu einer der vielen zeitraubenden Beschäftigungen gehört zur Zeit Henriettes und mein Tanztraining. Wir lernen einen traditionellen indischen Gebetstanz, Bharatanatyam der nicht nur gut für die Götter sondern auch für die Oberschenkel ist. Da man den ganzen Tanz in der Hocke ist. Unser Tanzlehrer, Duplay, der wie eine Frau im falschen Körper wirkt, zeigt uns also von Tag zu Tag neue Elemente wie den “ Pfau“, deren Bedeutung wir eigentlich nicht verstehen, aber trotzdem fleißig nacheifern. Abgesehen davon, dass wir natürlich stolz sind so etwas traditionell Indisches zu lernen, hat unser Tanzlehrer noch Großes mit uns vor. Denn in Bidar wird bald ein großes internationales Bharatanatyam Festival stattfinden, bei welchem nur die Besten der Besten auftreten dürfen. Nicht dass wir uns dazuzählen, nicht mal Duplay ist dafür gut genug, aber er rechnet uns aufgrund unserer Hautfarbe gewisse Vorteile aus, und so treten wir kommenden Montag beim Casting an. Leider sitzt der Tanz nur so halb, weshalb wir jetzt täglich 3h unserer Freizeit mit üben verbringen. Wenn wir nicht mit unserer Hauptfarbe punkten können, stehen unsere Chancen leider so gut wie null, aber mitmachen ist ja bekanntlich alles und ich werde euch auf dem Laufenden halten ; )
Ansonsten ist nicht nur für den Unterricht viel geplant, sondern auch für unser Privatleben. So werden Henriette und ich nächste Woche für einen Monat in eines der umliegenden Döfer in zwei verschiedene Gastfamilien ziehen. Zum einen möchten wir gerne nochmal in ein indisches Familienleben eintauchen und unser Kannada verbessern, zum anderen werden wir zu zwei Schneiderinnen aus dem CVTI ziehen die uns mehr als gerne bei sich aufnehmen und sich sehr freuen. Wir werden dann mit dem Fahrrad zur Arbeit kommen, was mich ganz besonders freut und natürlich auch auf unsere westliche Toilette oder fließend Wasser verzichten und uns mit der Familie ihre zwei Zimmer teilen. Was mich persönlich aber nicht stört da wir so noch viel besser ins Familienleben eintauchen können.
An der Arbeit steht eine Projektwoche zu Menschenrechten an, sowie ein klassenübergreifender Lesewettbewerb. In den Wochen nach unserem Urlaub, haben wir es nun auch endlich geschafft einen Kompost im CVTI zu etablieren, nach dem Tonnensystem und den Schülerinnen gefällt es. So haben wir glaube ich auch Sister Christine dazu inspiriert eine Müllumsortierung vorzunehmen und so trennen wir jetzt nach Plastik, Papier, Restmüll und Biomüll. Nächste Woche werden wir eine weitere Freiwillige aus Neuseeland abholen, die allerdings nur für zwei Monate bleiben wird. Da sie einige unserer Klassen übernehmen wird, bleibt Henriette und mir mehr Zeit für unsere Umweltarbeit und so haben wir geplant mit den körperlich und geistig benachteiligten Kinder aus den Dörfern, sowie den “ social workers“ Tüten aus Zeitungspapier herzustellen . Wenn alles gut läuft wird es zu einer Kooperation mit einem der “ General Stores“ aus Bidar kommen, sodass wir wenigstens einen winzigen Schritt in Richtung Plastikreduzierung gehen können. Das Gute an em Plan ist, dass die social workers unsere Arbeit nach unserer Arbeit weiterführen können. Nach unserem Aufenthalt in der Gastfamilie steht dann auch schon unser zweiter Urlaub an, für den mich eine Freundin aus Deutschland besuchen kommen wird. Geplant ist ein kurzer Aufenthalt in Mumbai und in Kerala, dem Bundesstaat der Elefanten und der Ayurveda. Falls wir auf einem Elefanten reiten werden, werde ich euch natürlich davon berichten.
Wie ihr seht geht es mir mehr als gut und die Zeit rast nur so dahin und in manchem Momenten macht es mich ganz traurig, wenn ich daran denke, dass wir effektiv nur noch einen Monat im CVTI wohnen werden ( da der ganze Mai frei ist). Aber wie Pawan der kleine ( einzige) Junge der hier wohnt immer zu pflegen sagt : “ What shall we do? “ Neun Monate sind dann doch zu kurz wie ich feststellen musste, aber ich hätte es ja eigentlich vorher wissen müssen. Dafür genieße ich die Zeit hier dafür um so mehr. Ich hoffe es geht euch allen gut, wo auch immer ihr seid und ich freue mich natürlich auch darüber mal wieder etwas von euch zu hören. Anbei noch ein kurzer Bericht über unseren Urlaub in Goa.
GOA

Noch kurz vorher: Die Weihnachtszeit haben wir größtenteils im CVTI verbracht, was der sehr schön da wir eine Weihnachtsfeier hatten bei der die Mädchen den Walzer-Timewarp-Remix fast fehlerfrei getanzt haben. Es gab indische Süßigkeiten die das gesamte staff-team in einer wir- lernen- backen- Einheit- von -Sister Christine, vorbereitet hat. Vor Goa sind wir dann über den 24. nach Hyderabad gefahren und haben mit anderen Freiwilligen und Indern die Hindus sind, einen schönen Weihnachtsabend verbracht. Und dann ging es los….
Für alle die es nicht wissen sollten. Goa ist der kleinste Bundesstaat Indiens aber auch gleichzeitig einer der reichsten. Er ist nicht nur reich an schönen Küstenstreifen sondern auch an Touristen. Was sich in den 60gern hauptsächlich auf Austeiger und vermeindliche Hippies beschränkte ist heute, sowie in fast allen ehemaligen Hippiemetropolen, ein Pilgerort aller derer die ein Stück Westen im teilweise sehr konservativen Indien suchen. Neben einem Haufen von Engländern und deutschen Freiwilligen, konnte man auch viele Inder finden. Gratis das zu gab es inflationäre Preise die das fünffache der Bidarpreise waren, sowie sehr viel nackte Haut was für unsere “ konservativen“ Bidaraugen fast ein Schock war. Und so kam es, dass Henriette und ich uns unglaublich „underdressed“ vorkamen in unseren langen Hosen und T-shirts. Denn auch die Einwohner Goas, die hauptsächlich portugiesischer Abstammung sind sind sehr freizügig in ihrem Kleidungsstil und so tragen Mädchen kurze Kleider mit Spaghettiträgern. Die Menschen dort sind aber wie überall in Indien sehr freundlich eben nur viel westlicher und wir hatten das große Glück ein paar Tage in einer Gastfamilie zu verbringen. Uncle Konnie ist Sister Christines Cousin und mit seinen fast 70 Jahren fast fitter als wir. So betreibt er im Hinterland Goas eine Farm und wenn er nicht auf dieser ist, dann tourt er mit seinem Motorrad durch ganz Indien. Er hat 7 Jahre in England gewohnt es aber auch nach vier Anläufen nicht geschafft die englische Rollerlizenz zu erhalten, weil er sich einfach nicht an den geregelten Verkehr gewöhnen konnte ; ) Stattdessen hat er sich dann, so seine Aussage, auf englischen „Bottleparties“ gelangweilt und bei Mc Donalds gearbeitet, was ihm auch mit 65 noch sehr viel Spaß gemacht hat. Es war wirklich schön auch in einer goanischen Familie zu sein, da wir so der touristischen Hochsaison etwas entgehen konnten und zudem noch mit Fischgerichten aller Art, sowie Käse, Honig und Brot versorgt wurden. Ganz anders als in Bidar eben ; )
In Goa haben wir uns mit drei Freiwilligen unserer Organisation getroffen, sowie mit den Leuten aus Hyderabad und sind auf eine „legendäre“ goanische Strandparty gegangen, auf welcher wir nette Südafrikaner kennengelernt haben die in Hyderabad studieren. Und so haben wir anstatt indischer Tänze einen südafrikanischen gelernt was sehr viel Spaß gemacht hat und eine gute Fluchtmöglichkeit vor betrunkenen Indern war, die tanzen wie 12 Jährige in der Kinderdisko. Ansonsten waren wir noch mit uncle Konnie auf einem Karaokeabend mit lauter in die Jahre gekommenen Engländer und Tim, ein Mitfreiwilliger, hat sie alle völlig begeistert mit seiner Mc Hammer Version von “ Can’t touch this“ ; ) Auf Onkel Konrads Farm sind wir in den Genuss von Toddy und Fenny gekommen. Fenny ist ein Schnaps der aus der Kokusnusspalme gewonnen wird und Toddy quasi die noch nicht gegorene und undestillierte Version. Unser Probetrinken hatte Onkel Konrad allerdings auf 8 Uhr morgens gelegt, sodass wir noch vor dem Frühstück alle mehr als angeheitert zur Farm zurücktorkelten. Abends gab es dann leckeren aber viel zu scharfen Fisch und am nächsten Tag sind wir nach Südgoa an einen sehr entspannten Strand namens Patnem gefahren. Dort haben wir Silvester verbracht und noch ein paar entspannte Tage um dann noch eine goanische Hochzeit zu besuchen. Verglichen mit der Hochzeit in Bidar war es eine sehr reiche Hochzeit die in einem öffentlichen Garten stattfand. Es gab Bier und andere alkoholische Getränke auch für Frauen, die uns in ihren Absatzschuhen ziemlich blass aussehen lassen haben da wir nur Flip Flops hatten. Das Alkoholangebot hat dazu geführt, dass der Moderator der insgesamt sehr steifen Hochzeit (arranged marriage eben) auch schon ziemlich angeheitert war und sehr unverständlich vor sich hingebrabbelt hat.
Es gab sogar eine Live Band und nachher haben alle getanzt, Männer und Frauen zusammen im Paartanz, dass muss man sich mal vorstellen. Wir sind aber schön bei Onkel Konnie und seinem Schneiderfreund geblieben um so unserem schmierigen Tischnachbarn zu entgehen. Leider war das Styling von Onkel Konrads Freund etwas ungünstig und so lief ihm, sobald er anfing zu schwitzen die aufgepinselte schwarze Farbe aus den Haaren ; ) Anschließend haben wir ein gutes Buffet genossen um dann wieder zurückzufahren. Erst zu Konnies Familie und dann nach Bidar.
Auf dem nach Hauseweg haben wir dann noch illegalerweise 3 Liter Fenny aus Goa ausgeführt für unsere deutschen Freunde. Ich denke die indische Regierung möchte vermeiden, dass die westliche Goa-Mentalität sich auch auf den Rest Indiens auswirkt. Leider haben wir diese Regelung erst nach der Grenze erfahren und ich habe mich schon die ganze Zeit gewundert warum die Polizei so viel Zeit damit verbracht hat den gesamten Bus zu inspizieren, unter anderem auch meinen Rucksack ; ) Zurück in Bidar haben wir uns unglaublich gefreut alle wiederzusehen, wenngleich es auch etwas schwer war sich wieder auf das doch sehr einfach und konservative Bidar einzulassen, wo wir eine Woche Urlaub im inländischen “ Ausland“ gemacht haben. Im CVTI hat sich aber soweit nichts verändert, jeden Morgen um fünf klingelt die Aufstehzeit-Glocke und wenn diese es nicht tut klingelt Sister Christine mit ihrem persönlichen Tischglöckchen, weil sie mal wieder irgendetwas oder irgendwen braucht ; )
Jeden Dienstag beim meeting verbreitet sie fröhlich ihre Lebensweisheiten, wie zum Beispiel, dass wenn man dunkle Haut hat man besser kein schwarz tragen sollte und wenn man hell ist keine grellen Farbe, sowie dass man nie mehr als einen Satz Kleidung außerhalb seines Schrankes benötigt. Eine Regel die Henriette und ich uns auch mal zu Herzen nehmen sollten ; ) Und so geht das laute und bunte Leben, hier fröhlich weiter zusammen mit “ Mother Mary“ und den indischen Preisen hinter denen grundsätzlich „only“ steht. Eigentlich geht das für alle Zahlen, so steht dies zum Beispeil auch hinter der Punktzahl der indischen Abschlussexamen. Wenn mann 100 Punkte aus 100 hat, hat man trotzdem 100 only.
Deshalb jetzt ein paar Grüße only, ich hoffe es geht euch gut, wo auch immer ihr seid!

Stephi

Ein paar Bilder

Goanische Kirche in Goas Hauptstadt Panaji, erbaut von den PortugiesenAuf der PalmenfarmAm Busbahnhof, man achte auf : Two seats per bus reserved for...ein indischer Destillierer zum Erzeugen von Kokusnusspalmenschnaps, auch " Fenny" genanntPatnem Beach

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Hier ein paar Bilder aus unserem Goa Urlaub. Bilder aus Bidar und der Weihnachtsfeier im CVTI folgen noch.

Oben links, eine goanische Krippe, daneben eine Kriche erbaut von den Portugiesen und daneben wir mit Onkel Konrad, dem Cousin von Sister Christine unserem Gastgeber.

Zweite Reihe: Leider nicht gut zu erkennen, ein Schild was besagt, dass im Bus stets zwei Sitzplätze für Freiheitskämpfer freizuhalten sind, in der Mitte ein indischer Destillierer zum Herstellen von Fenny, Palmenschnaps,ganz rechts Patnem Beach.

Dritte Reihe: Strand, Strand, indischer Lampenstand am Hippiestrand

Vierte Reihe: Henriette und ich, eine kleine Showeinlage für die Touristen, indische Kuh in traditioneller Kleidung

Indien die Vierte- oder “ Mary“ Christmas

Seit meinem letzten Bericht ist schon wieder so viel Zeit vergangen, dass in Europa der Winter eingekehrt ist und auch in Indien die Weihnachtszeit. Deshalb hier ein Rückblick auf die vergangenen Wochen:
Vor circa einem Monat ist Henriette, ebenfalls eine deutsche Freiwillige, im CVTI angekommen. Eine Tatsache die mich zum einem natürlich persönlich erfreut, besonders weil man sich zu zweit als weiße Frauen doch besser in der Stadt bewegen kann, aber auch für das Projekt sehr nützlich ist, weil man zu zweit einfach mehr Ideen in die Tat umsetzen kann. Ich bin trotzdem sehr dankbar, dass ich die ersten zwei Monate alleine unter all den herzlichen Inderinnen gehwohnt habe, weil man sich so einfach viel schneller einleben kann.
Wir werden jeden Tag aufs Neue von der Herzlichkeit der Inder überrascht und so wurden wir innerhalb kurzer Zeit nicht nur auf unsere erste indische Hochzeit, sondern auch in einen Ashram, sowie zu mehreren Indern nach Hause eingeladen.
Was die Hochzeit betrifft kann man sagen, dass es eine wirklich interessante Erfahrung war, auch wenn zu unserer Enttäuschung nicht wie in all den schönen Bollywoodfilmen getanzt wurde. Am besagten Tag, verließen Henriette und ich früher den Unterricht, nachdem wir von unseren Schülerinnen nicht nur frisiert und geschminkt wurden, sondern auch noch mit allem möglichen Schmuck behangen wurden, welcher wahrscheinlich dank all des Glitzers nicht ganz den deutschen Geschmack treffen würde. Wir sind dann also quasi “ perfekt“ gestylt im Hause von Teacher Rebecca angekommen, deren Schwager heiraten sollte. Schon bei unserer Ankuft fiel uns auf, dass noch keiner der anwesenden Gäste in irgendeiner Art und Weise feierlich aussah, im Gegenteil: Die Frauen liefen in Nachthemdem, welche bis zum Boden reichen, herum, während die Männer noch ihre Unterhemden trugen. Den Grund dafür würden wir aber bald erfahren.
Indische Hochzeiten verlaufen grundsätzlich in mehreren Teilen ab, die die Verlobung im Hauses der Frau sowie des Mannes beinhalten, sowie eine Art Segnung der Braut und des Bräutigams. Die Segnung des Bräutigams , welche bei allen indischen Hochzeiten egal ob christlich oder hinduistisch gleichermaßen stattfindet, wird am Tage der Hochezeit direkt vor der Trauung durchgeführt. Der Bräutigam wird von Kopf bis Fuß mit gelbem Tamarikpuder eingerieben während von den weiblichen Verwandten Segnungen ausgesprochen werden. Am Ende dieser Zeremonie findet soetwas wie eine Farbschlacht statt, das heißt alle Anwesenden werden im Gesicht, sowie in den Haaren mit dem selben Puder eingerieben, sodass am Ende alle gelb sind. Auch wir wurden freundlicherweise Teil dieser Tradition, was zur Folge hatte, dass all unsere Bemühungen und die unserer Schülerinnen uns so schon wie möglich herzurichten quasi umsonst waren, da alle Schminke verlaufen war und auch der Sari und alles etwas von dem kräftigen Gelb abbekommen hatte. Naja immerhin fiel uns dann wie Schuppen von den Augen, warum noch keiner der Anwesenden in Hochzeitsrobe anzutreffen war : ) Im zweiten Teil der Feierlichkeiten werden beide Families des Paares mit unglaublich viel Kleidung beschänkt, bis zu drei neue Saris für Schwester und Cousinen, sowie Hemden und Hosen für die Männer. An sich eine sehr schöne Tradition da alle etwas zu feiern haben. In Indien muss die Familie der Frau aber für alle Kosten der Hochzeit, sowie das neue Haus und die Einrichtung aufkommen, und somit ist dies wie ich finde eine sehr kostspielige Tradition. Diese Tatsache ist auch der Grund dafür, dass es den Ärzten untersagt ist schwangeren Frauen mitzuteilen, ob sie ein Mädchen oder einen Jungen bekommen, da die Rate der Abtreibungen von Mädchen traurigerweise natürlich viel höher ist. Dieses Problem tritt allerdings vermehrt im Norden des Landes auf, wo es jetzt schon wie in China zu einem Mangel an Frauen kommt und sich manchmal zwei Brüder eine Frau teilen. Nach den Feierlichkeiten im Hause des Bräutigams, gingen wir in die Kirche in welcher eine Trauung im Schnelldurchlauf abgehalten wurde und die Hälfte der Inder auch eigentlich nicht zugehört hat und geredet hat. Nach der Trauung schmissen wir Unmengen von Reis, es gab ebenfalls welchen zu Essen und das Paar musste stundenlang auf der Bühne stehen bis alle 400 Gäste gratuliert und ein Foto gemacht hatten. In Indien ist es ebenfalls Gang und Gebe Geld zu schenken, wobei man sich hier nicht die Mühe macht und erst aufwendige Karten schreibt, sondern direkt bei der Familie des Mannes “ bezahlt“. Wir haben jedenfalls viele nette neue Leute kennengelernt, mehrere Babies halten dürfen, da Inder ihre Kinder weiterreichen sie einen Brotkorb, damit sich jeder an ihnen erfreuen kann. Was auch dazuführt, dass indische Kinder viel unkomplizierter sind und sogut wie nie weinen. Außer die die der Anblick meines weißen Gesichtes erschreckt, sowie die Tochter von Teacher Rebecca die bei meinem Anblick immer in lautes Schreien verfällt ; )
Auch im CVTI standen einige Feste an und so haben wir über drei Wochenenden ein Fest der katholischen Kirche “ Infant Jesus“ ( Christuskind) gefeiert, wobei wir 46 km in die nächste Stadt pilgerten. An sich war diese Strecke gut zu bewältigen, da die Landschaft hier nicht bergig sondern nur hügelig ist, aber nach der Hälfte taten mir allmählich doch die Füße weh und ich habe im Gegensatz zu meinen Schülerinnen feste Schuhe getragen. Diese sind nämlich in Flip Flops oder gar barfuß gepilgert. Barfuß- 46 km über heißen Asphalt oder spitze Steine. Die Anstrengungen haben die meisten Inder auch dazu gebracht sauf der Hälte der Strecke einfach ein paar Schmerztabletten zu nehmen oder gar ein paar Spritzen verpassen zu lassen. Von wegen Ayurveda und so, die ist zwar bekannt dauert ja laut den Indern aber viel länger bis sie wirkt und deshalb greift man dann eben zu den chemischen Produkten. Ein sehr trauriges Resultat des mächtigen Einflusses der Pharmaindustrie, die die Menschen natürlich nicht über die Folgen des hohen Medikamentenkonsums aufklärt, da nicht mal Beipackzettel mitgegeben werden müssen, geschweigedenn existieren.
In den selben Monat fiel auch das größte indische Fest,nämlich Diwali. Im hinduistischen Kalender ist es der Beginn des neuen Jahres, wird auch Lichterfest genannt und mit vielen Kerzen und noch mehr Böllern gefeiert. Auch im CVTI haben wir das Fest gefeiert und sind erst morgens mit unserern hinduistischen Schülerinnen in den Tempel gegangen und haben abends einen Kerzentanz aufgeführt, bei dem Henriette und ich auch mittanzen durften. Leider war dieses Fest obwohl es en hinduistisches ist auch vom Katholizimus geprägt und so hat Sister René am selben Abend noch aus der Bibel vorgelesen und alle haben christliche Gebte gesprochen. Es war trotzdem ein schöner Tag, besonders weil es die Schülerinnen bei lauter Musik auch noch geschafft haben die Nonnen zum Tanzen zu bringen.
Sonst hatten wir noch unser erstes Zwischenseminar in den Bergen Kundapurs, ein sehr schön gelegener Ort. Für meinen persönlichen Austausch hat mir das Seminar nicht so viel gebracht, aber es war schön mal wieder aus Bidar rauszukommen und es gab unglaublich gutes Essen. Außerdem waren wir, was in Indien nicht so einfach ist, mal richtig weg in einem indischen Club, in der kleinen Studentenstadt Manipal. Es hat wirklich gut getan mal wieder wegzugehen, leider war die Musik etwas zum amerikanisch und der Tanzstil der dort vertretenen Inder, es waren hauptsächlich Männer, ähnelte einer deutschen Kinderdisko und der Kleidungsstil der wenigen Frauen die da waren, dem der Wolfhagerstraße ( alle Kasseler werden wissen was ich damit meine).

Inzwischen stehen die Weihnachtsferien kurz vor der Tür und wir haben für all unsere Schülerinnen Adventskalender gebastelt und das Weihnachtsprogramm mitgestaltet. Für dieses haben wir den Mädchen ein deutsches Weihnachtslied beigebracht( Stern über Bethlehem) und einen langsamen Walzer in Kombination mit dem Time Warp der Rocky Horror Picture Show. Wir haben viele Eltern unserer Schülerinnen kennengelernt die sehr herzlich waren und so kam es, dass wir mit jeder Familie die wir begrüßten auch etwas essen mussten und am Ende des Nachmittages ziemlich voll waren.Alles in allem ein sehr gelungener Tag, der nur noch vom Student’s Day, welchen wir am Montag feierten, übertroffen werden konnte.
Bei diesem haben Lehrer und Nonnen, Spiele organisiert( wobei ich mit den typischen Pfadisilvesterspielen wirklich punkten konnte) vorgesungen, Theater gespielt und sogar getanzt. Den besagten Aerobictanz hat und Sister Rennie beigebracht, wobei sie dabei wirklich am besten von uns allen aussah. Ein Teil der sogenannten „Christmasmessage“ haben wir dann auch noch im hiesigen Gefängnis präsentiert, wobei man sagen muss, dass die Sicherheitsvorkehrungen sehr locker sind und es wahrscheinlich schwieriger ist, das Haus meiner costaricanischen Gastfamilie zu verlassen, als dieses Gefängnis. Die Wärter haben keine Waffen sondern lediglich einen Schlagstock aus Plastik und die Insassen saßen still und gemütlich direkt vor uns und haben sich die Tänze angeschaut. Viele sahen leider sehr teilnahmslos und traurig aus. Meines Erachtens sind die Gründe für ihre Verhaftung oftmals auch sehr fragwürdig, so lebt zum Beispiel eine Großmutter mit ihrem Enkel im Gefängnis, die des Mordes an ihrer eigenen Tochter beschuldigt wird. Das Kleinkind war aber wohlauf, da es rund um die Uhr von sechs anderen Frauen, die ebenfalls Gefangene sind, beschäftigt und versorgt wid. Gegen Ende haben wir dann noch Essen und Seife verschenkt, immerhin keine Bibeln, und ich glaube die Insassen egal ob Hindus, Christen oder Moslems haben sich darüber gefreut.
Jetzt steht der erste Urlaub in Goa an, den wir auf der Farm von Sister Christines Cousin, Uncle Konrad, verbringen werden. Mal sehen wie es mir unter all den Althippies gefällt. Ich sende euch viele Weihnachtsgrüße aus dem zeitweise auch etwas kalten Bidar.
Kommt gut ins neue Jahr,
Stephi