Von Heli zur Luwi

Und wieder einmal gibt es einen kleinen Fahrtenbericht . Vom 5.3 bis zum 10.3 waren wir mit kurzer Unterbrechung in Witzenhausen unterwegs . Die Fahrtengruppe bestand diesmal, recht ungewöhnlich, aus drei Weibsbildern ( Winnie, Julia, Clara) und mir (Robert).

Gestartet sind wir Vier in Hessisch Lichtenau, in der Nähe von Kassel, mit dem Ziel Witzenhausen bzw. Jugendburg Ludwigstein.

Im schönsten Wetter was der März bieten konnte gings also wie so oft los am Pfadihüttchen der Silberfüchse, wo das Allgemeinmaterial zusammengesucht und aufgeteilt wurde. Weiter mit der Tram nach Heli. Dort kauften wir Proviant für die kommenden Tage und schon gings im Sonnenschein und gefühlten 20 °C raus aus dem Ort und hinaus in die hügelige Nordhessische Landschaft. Auf Feldwegen und am Waldrand entlang schoben wir uns den ersten Hügel hinauf von dem aus wir eine grandiose Aussicht auf die sonnenbeschienenen mit Schneeflecken übersähten Lande hatten . Eine kurze Pause um alles in sich aufzunehmen und weiter auf dem Feldweg über den Eisenberg zum nächsten bewaldeten Hügel. Da wir erst nachmittags gestartet waren und es gegen halb 7 schon dunkel werden würde suchten wir uns auf halber Höhe des Hügels einen Schlafplatz um die Kothe aufzustellen. Das war schnell getan. Ebenso flux entfachten wir ein Feuer außerhalb der Kothe auf dem wir uns dann eine warme Mahlzeit zubereiteten. Als die letzten Sonnenstrahlen hinter der Kothe verschwunden waren und es merklich kühler und dunkel wurde, verfrachteten wir das Feuer ins Zelt und aßen warm eingepackt unser Essen. Mit einer kleinen Singerunde und anschließendem Vorlesen aus Hesses Steppenwolf kam die erste doch recht kalte Nacht auf Fahrt.

Am nächsten Morgen wachten wir mit steifen Gliedern auf und bedauerten es keinen Tee eingepackt zu haben. So entfachten wir draußen das feuer um uns etwas aufzuwärmen und packten danach alles zusammen. Weiter gings ohne Frühstück das wir nach einiger Weile Laufen auf einer Wiese in der Sonne zu uns nahmen . Das Wetter war uns auch heute noch wohlgesonnen, sodass wir einen weiteren schönen Tag in der Sonne tippeln konnten. Ohne besondere Vorkommnisse gings gemütlich weiter über Felder, Hügel, durch Schnee, Matsch und das ein oder andere Dorf.

Wir fassten den Entschluss die heutige Nacht in einer Scheune verbringen zu wollen. Dieser Wunsch erfüllte sich allerdings nicht , aufgrund wenig gastfreundlicher Nordhessen!

So wurde also im Letzten Licht des Tages die Kothe auf einer Schafsweide im Wald ein wenig außerhalb eines Dorfes aufgeschlagen. Trockenes Feuerholz für die Nacht gab es hier glücklicherweise genug , sodass wir aufs sammeln desselben keine Zeit vergäuden mussten bevor die Nacht ganz über uns hereingebrochen war. Ein Fläschen Wein, das Feuer und ein Chilli sin carne mit Nudeln bereitete eine recht gute Grundlage für diese wieder sehr kalte Nacht. Auch die Körperwärme des neben sich liegenden ist nicht zu verachten. In der Nacht waren alle irgendwann mal wach und schürten das Feuerchen erneut an.

Die Nacht überlebten alle unbeschadet, was dazu führte das wir unseren Weg Richtung Witzenhausen fortführten konnten. Unser Plan für diesen Tag sah so aus, dass wir auf den nächsten Berg hinaufsteigen wollten auf dem sich eine Waldgasstätte befand um dort einige Stunden zu singen und das ein oder andere Getränk abzustauben.

Der Plan schlug fehl! Das Wetter war heute nicht so schön wie die letzten Tage und auf dem Weg hoch merkten wir schnell, das in höheren Lagen der Schnee noch etwas höher liegt. Hinzu kam, dass wir auf halben Weg hoch von einem holzhackenenden Menschen gesagt bekamen, dass das Gasthaus heute nicht geöffnet habe. Mit weniger Motivation wie zuvor stapften wir trotzdem weiter durch den Schnee.

Nach einer Weile verließ uns Julia, die wieder in die Welt der Verpflichtungen entschwand. Jetzt nur noch zu dritt gings weiter , den Berg wieder hinab. Vorbei an Gut Farenbach zum nächsten Dorf in dem wir uns eine Hopfenkaltschale genehmigten. Nach dem kurzen Aufwärmen im Gasthaus kam dann die letzte Etappe nach Witzenhausen in die Wg von Clara. Wir waren letztendlich einen Tag zu früh angekommen. Der Große Plan war nämlich, dass wir uns am Freitag, also einen Tag später, hier mit einem großen Teil der restlichen Truppe treffen wollten um dann am Samstag zum Beräunertreffen auf die Luwi zu tapern.

So kochten wir uns also das Essen, das wir sowiso für den letzten Abend der Fahrt gekauft hatten und machten nen Gemütlichen.

Am nächsten Tag trafen dann also Max, Mike, Zivi Nico, Schnitzel, Lukas, und Roffe ein. Mit reichlich Getränken für Bespaßung und guter Laune im Gepäck. Später am Abend stieß noch Benni aus Göttingen dazu. Ein sehr spaßiger Abend mit dem ganzen Haufen bereitete die Grundlage für den nächsten Tag auf dem Beräuner- Singewettstreit.

So wanderte also die ganze Rotte von Witzenhausen zur Burg um einen klasse Abend zwischen einem überwiegend lustigem und buntem Haufen von Leuten zu verbringen.

Dort angekommen bauten wir schnell die Kothe auf und schauten uns nach kurzem verschnaufen und einem Schoppen ( OHHHH das ist aber sau Unmeißner !!!!!!! ;-)) die Beiträge der Einzelsänger an, Die Gruppen hatten wir leider verpasst. Bei den Einzelsängern waren ein paar sehr gute Beiträge dabei. Besonders ein auf die bündische Jugend usw. bezogener selbstkritischer, satierischer Text von Malte war überaus gut!

Die auf den Singewettstreit überall auf der Burg stattfindenden Singerunden kann man nicht beschrieben. Das muss man selbst erleben! Aber wie letztes Jahr auch war es einfach nur ein heiden Spaß mit gefühlten 10 gitarren diversen anderen Instrumenten und 100 leuten in nem Gewölberaum auf ner Burg zu singen. Und obwohl alle Leute von überall aus Deutschland kommen und in den unterschiedlichsten Bünden groß geworden sind ist das Liedgut oft sehr ähnlich zu dem eigenen, sodass man aus voller Kehle mitmachen kann. Naja wie gesagt, schwer zu beschrieben.

Eins bleibt noch zu sagen : *kein Platz in unsren Kothen für völkische Idioten * !!!!!

Am nächsten Tag gings dann per Tramp zurück nach Witzenhausen und von da nach Kassel.

Mädels, war ne schöne Fahrt!

Horridoh, Robert

 

 

Zigeunerfahrt

Es ist zwar schon ein bisschen her, aber da wir dachten dieser blog könnte auch noch ein weilchen weiter existieren obwohl wir nicht mehr tausende Kilometer voneinander etnfernt sind, dachte ich, dassich euch im nachhinein mal unser fahrtenbuch vom Rennsteig abtippen kann

1. Tag

Nach einer 1 2/2 stündigen Zugfahrt kamen wir im sonnigen Hörschl an, wo wir uns sogleich auf den Rennsteig begaben. Augrund der drückenden Hitze waren wir auch allesamt nach der ersten Steigung durchnässt. Wir das sind Clara, Julia, Robert und Max, König des heutigen Tages. Die drückenden Hitze machte uns zwar zu schaffen doch trotzdem bezwangen wir die ersten Auf und Absmit einigen Pausen. Nach kurzer Rast in einem Gasthof und auffüllen der Trinkflaschen ging unsere muntere Wanderung weiter in Richtung „Hohe Sonne“ unserem Ziel.

Schlussendlich entschieden wir uns an einer Schutzhütte gut 2,6 km vor der „Hohen Sonne “ unser LAger aufzuschlagen. Die Zeit bis zur Dämmerung haben wir mit kochen, Singen und Ausruhen überbrückt bis wir dasnn der Erschöpfung nahe unsere Kothe aufgeschlagen haben und nach Claras Lesestunde sind wir alle in einen wohlverdienten Schlaf gefallen, froh wieder auf Fahrt zu sein.

Max

2. Tag

Am nächsten Morgen gings in aller Frische aus den Federn. In der Nacht hatte es angefangen zu Gewittern und somit waren die Kothenplanen ein wenig nass. Die bunte Truppe von Halsabschneidern, Strauchdieben und schmutzigen Dirnenraffte sich jedoch auf und packte teilweise im wiedereinsetztenden Regen ihre Sachen. Nachdem dieser morgendliche Kraftakt vollbracht war, ging es ersteinmal bis zur Ausflugsstätte “ Hohe Sonne“.  Dort frühstückten wir genüsslich unsren Proviant, bestehend aus Käse Brot und Wurst. Nachdem auch dieser morgendliche Ritus hinteruns gebracht war kamen die wichtigen Dinge an die Reihe. Die bunte Schar setzte sich bei wieder einsetztendem Regen unter einen bestuhlten Unterstand des Ausflugsbiergartens und bestellte sich Getränke. Die beiden Lumpenbrüder Max und ich, tranken 3 leckere Bier während die beiden Dirnen, Julia und Clara sich mit Kaffee begnügten.                                                                      Nach einer ganzen Weile erhoben wir uns sehr gut gelaunt und setzten unsere Tippelei fort. Es ging also lustig weiter und die Kilometer vergingen wie im Fluge. Als wir dann nach einer Weile an ein weiteres GAsthaus kamen, entschieden wir uns halbwegs demokratisch dazu die Dirnen( aufgrund besseren Aussehens und Geruchs ) trampen zu lassen um die Vorräte aufzustocken. Wir Lumpenbrüder freuten uns ungemein und genehmigten und daraufhin erst mal einen Schoppen. Nach ca. einem großen Bier tauchten Julia und Clara schon wieder mit vollständigem Einkauf zurück. Wir waren begeistert und tranken nioch ein Bier. Die Dirnen tranken Radler und O-Saft.

Noch besser gelaunt als zuvor ging es, bei sich besserndem Wetter, weiter. Spätnachmittags entdeckten wir den ultimativen Schlafplatz inmitten einer idyllisch gelegenen Felsformation, die sich als natürliches Ehrenmal der Geffallenen des Rennsteigvereins wirkten. In der Abendsonne blickten wir auf Felsen sitzend und Gitarre spielend in die Ferne und genossen den Moment. Danach gabs noch Essen ( Reis mit Luch RAhmsoße) und anschließend wieder eine Vorleserunde bei Lagerfeuer in der Kohte.

Ein gelungener Tag für die fahrenden Lumpen.

Robert

3. Tag

Nach einer geruhsamen aber doch etwas frischen Nacht am bisher idyllischtsn aller Lagerplätze , genossen wir ein ausgiebigen Frühstück auf den Felsen. Danch machten wir uns an das Erklimmen des „Großen Inselbergs“ Mit 916m ü NN die höchste Erhebung unserer Tour. Doch erst mussten wir unsere Wasservorräte auffüllen. An dem nächsten Gasthaus stoppten wir deshalb. Leider mussten wir hier erfahren, dass nicht alle Menschen denen wir auf unserer Tour begegneten freundlich und hilfsbereit sein. 50 cent pro Flasche sollten wir für das Auffüllen blechen. Und das bei sengender Hitze und steilem Anstieg. Zum Rasten genötigt machten wir daher eine Kaffeepause. Zum Dank für die nette Hilfsbereitschaft hinterließen wir reichlich Sand von unseren Schuhen im Flur und eine besonders dankbare Duftnote in der gasthöfischen sanitären Anlage.

Der Aufstieg begann und der Scheiß floss in Strömen und doch lief sich der Weg locker flockig. Max und RObert schoßen nur so den Berg hoch während Clara und ich immer etwas zurücklagen. Als ich auf 3/4 Weg nach oben über die Kuppe kam standen die beiden vor einem BAumstamm auf dem ein altes Ehepaar saß. Diese waren sehr angetan von uns jungen, wandernden Menschen und vorallem überrascht von den zwei Affen. Wie wir erfuhren, haben die beiden ihr Leben lang gewandert und auch viel in Jugendgruppen gearbeitet. Errinnert an ihre Jugendtage spielte und der Alte, der wie ein Väterchen aus einem Märchen wirkte , eine Weise auf der Mundharmonika.

Von dieser Begegnung freudig gestimmt und mit dem Gedanken im Kopf: So will ich auch mal werden, wenn ich alt bin, besiegen wir die letzten Meter bis zur Spitze des Berges, wo wir uns mit, Bier, O-saft, Bratwurst, Salat und Apfelstrudel belohnten. Während wir dort so leichtleberisch über den Kronen des Thüringer Waldes thronten kam uns die Idee, die Leute zu besingen. Vorallem auch das alte Ehepaar, was einige Zeit nach uns sein Ziel erreicht hatte. Also beschlossen wir uns, statt eine weiteres Bier zu süffeln, in eine Mauerecke zu setzten, die Affen zu drapieren, und die Gitarren und die Liederbücjer zu zücken. Mutig stellten wir Max hut auf und begannen voller Inbrunst zu singen. Wir vier zerlumpten Gaukler mit modischer Strubbelfrisur im Gypsyhemd und Kniebundhose (teilweise) voll in den eigenen gesang vertieft. Ein herrliches Bild was sogar von einigen Zuhörern fotografiert wurde. Von vielen bekamen wir anerkennung und Lob und neben dem riesen Spaß und der Freude andere mit unsren Liedern zu beglücken verdienten wir uns auch noch eine stattliche Summe von ca. 40 €. Unser altes Ehepaar lies es sich auch nicht nehmen mit uns zwei Liedchen anzuspielen und  uns dann weiterhin einer gute Fahrt zu wünschen.

Nach dem Auenthalt auf dem Inselberg ging es sehr steil bergab. Auf der Suche nach einem Lagerplatz liefen wir noch ein ganzes Stück weiter als ursprünglich gedacht bis wir  kurz vor einem Gasthaus ermattet beschlossen, dass wir nicht mehr weiterlaufen konnten, wollten. Da jedoch viel zu viele Wnderer , Radfahrer und faule Leute in Autos auf dem Weg unterwegs waren , machten wir es uns für eine lange Weile unter einem Wegweiser bequem . Von vielen vorbeifahrenden wurden wir etwas schräg angegafft was uns aber nicht von Nichts tun abhielt.

Hinter Tannen versteckt bauten wir schließlich die Kothe auf , in der wir dann auch lecker kochten und genossen uns selbst, was leider zu dem haltlosen Verzehr unserer Frühstücksvorräte führte.  Von HArtmut und ich und Uno durch den Abend begleitet genossen wir das Leben bis wir irgendwann im Lande der Träume versanken.

Julia

Tag 4

Nach einer langen Nahct und langem Schlaf wachten wir um ca. 10 Uhr nicht 100% erfrischt auf. Wir beschlossen unser Frühstück bei der GAststätte einzunehmen , brachen das Zelt ab und liefen los. DAs Wetter war angenehm und so leifen sich die ersten 5 km wie von selbst. Gerade als wir am Gasthaus ankamen fing es ein wenig an zu tröpfeln . Eine äußerst höfliche Kellnerin scheuchte alle Gäste ins Innere und wir beschlossen unser Frühstück lieber unter einem nahe gelegenen Baum einzunehemen. Es tröpfelte etwas, das Frühstück war gut und wir hatten nur noch ca 5 km Tagesetappe vor uns so beschlossen wir erstmal einzukehren und bestellten das Übliche. Bier für die Herren, Radler und Saft für die Damen. Leider war das Wetter zu schlecht für Straßenmusik, so tranken die Jungs noch ein Bier udn Julia und ich machten uns über das Kleid der bedienung lustig, grün mit rosa Hirschen.

Wir hatten eine längere Diskussion ob wir noch 500 m Umweg über einen Begsee machen sollte. Die Frauen gewannen, und so machtenwir uns trotz Nieselregen auf zum nahegelegenen See. Die Jungs erklärten uns für verrückt und Julia und ich sprangen sofort in den See, während ein nahe gelegener Kiosk Robert und MAx mit dem deutschen Grundnahrungsmittel versorgte. DAs Wasser war scheißkalt und herrlich erfrischend. Wir schwammen ein wenig und wuschen unsere Haare und gesellten uns zu den Jungs auf einen großen Stein. Es gab Bier und heißen Grog auch Max und Robert zu etwas Körperhygiene und danach leifen wir weiter.An einer Pommesbude stellten wir fest, dass es schon 4.30 Uhr war und aßen erst mal mittag. Danach führte uns der Weg bergauf und bergab Vorbei an einer unglcublich grünen Wiese und die Sonne kan heraus und tacuhte alles in ein wunderschönes Abendlicht. Es lief sich gut und nsch einem weiteren recht steilen Berg fanden wir einen netten, geraden und weichen Lagerplatz in ein wenig Abendsonne. Die Kothe sand wie eine eins und wir kochten Nudelln mit Tomatensoße und Zuccini und Robert klimperte im Hintergrund. Als die Sonne untergegengen war begaben wir uns ins Zelt zu einer kleinen aber feinen Singerunde und schliefen danach über „Hartmut und ich“ sanft weg.

Clara

So  zum letzten Tag gibt es keinen FAhrtenbericht mehr, aber ich glaube es ist sowiso ein bisschen zu viel zu Lesen. Viel Spaß dabei

Midsommar Teil 2 – wie ich Midsommar feierte

Wie gesagt, standen die Midsommarfeierlichkeiten direkt nach der Jugendreise an. Das bedeutete Donnerstagabend zuhause ankommen, Rucksack auspacken und kleineren Rucksack gleich wieder einpacken. Dann Freitag morgen viel zu früh, als das man sich bereits erholen konnte, wieder aufstehen und den Zug nach Kalmar nehmen, wo ich dann die anderen treffen sollte.

Am Bahnhof angekommen und mit allen glücklich vereint, teilte sich die Gruppe auf, in diejenigen, die bequem mit dem Auto fahren durften (unter den Glückspilzen ausnahmsweise mal ich ^^) und den anderen, die in den schon längst viel zu überfüllten Bus steigen sollten, letztlich aber doch auf den nächsten Bus warten mussten.

Unser Ziel war der Ort Köpingsvik. Bis wir allerdings dies im Vorfeld einmal entschieden hatten sind wirklich zwei Wochen vergangen. Immer wieder waren wir unsicher, ob dies wirklich der richtige Ort für unser erstes Midsommar sei. Jeder von uns, hatte sich ausführlichst erkundigt, bei schwedischen Bekannten und Kollegen, welcher Ort wohl der Beste sei.

Die Antwort, dass man in der Region Dalarna wohl die traditionellsten und schönsten Feiern miterleben kann, war uns allen zwar einleuchtend, allerdings brachte uns der Gedanke an eine 10 Std Anreise mit Bus und Zug wieder davon ab.
Öland kam sehr schnell zur Sprache. Viele Schweden feiern auf einem der vielen Campingplätze auf Öland, zusammen mit Freunden und Familie. Klingt ja auch gut, aber das sind ja dann eher geschlossenen Feiern.
DAS Midsommarfest, zu dem viele junge Schweden im Alter von 18-25 hinströmen, findet jährlich in Köpingsvik statt, hieß es. Das klang gut. Jedoch, so warnten uns viele, sei es sehr sehr gefährlich dort. Vor zwei Jahren, hätten zwei Jugendliche dort einen abgestochen…Wir malten uns schon die schlimmsten Szenarien aus, konnten uns allerdings doch nicht so richtig vorstellen, dass die sonst so ruhigen, ja fast schon trägen und langweiligen Schweden, den Elan haben, agressiv zu sein.
Wir haben wirklich lange überlegt. Uns dann aber davon überzeugt, dass die Sicherheitsmaßnahmen erhöht wurden und beschloßen nicht zuviel zu trinken und aufzupassen.

In Köpingsvik angekommen musste die Gruppe „Auto“ eine halbe Ewigkeit auf die anderen warten, die in ihre Spinnereien vertieft, natürlich die Bushaltestelle verpasst haben und 3km weiter erst ausgestiegen waren. Das hätte uns eigentlich nichts ausgemacht (ein wenig schadenfroh waren wir auch), allerdings sollten die typischen, traditionellen Tänze schon um 15 Uhr losgehen. Und in sowas sind die Schweden ja doch dann immer sehr punktgenau.
Um 15.10 Uhr waren wir dann alle auf dem Festgelände. Der Baum stand bereits in seiner vollen Birken und Blumenpracht und wurde umtanzt von einer Horde Mütter mit Kleinkindern und einiger Campingbewohnern in unserem Alter, die sich wohl schon seit dem voherigen Abend in einem Dauerrausch befanden. Den Tanz „små grodorna“ der soo typisch sein soll und den ich unbedingt sehen wollte, dachte ich zumindest, konnten wir wohl noch nicht verpasst haben…
Zwar etwas geknickt, dass wir es nicht mehr geschafft hatten, uns einen so wunderschönen Blumenkranz zu binden, aber doch angesteckt von der Freude über den so lang ersehnten Sommer, tanzten wir einige Tänze mit um den Baum. Ein Dansband (das ist eine Art schwedischer Country) spielte Traditionelles, sowie Sommerhits. Eigentlich sind wir ständig nur im Kreis um den Baum gelaufen, manchmal gehoppst und haben geklatscht. Nach 50 min war dann alles vorbei..einfach so…und den Tanz „små grodorna“ den haben sie wohl doch zum Anfang direkt gespielt gehabt. Sowas auch. Wer bringt den schon das Highlight gleich am Anfang?!!

Nachdem sich dann der Großteil der Gäste über die kostenlose Erdbeer-Sahne-Torte hergemacht haben, haben wir heimlich ein paar Birkenzweige und Blumen des geschmückten Maibaumes „geliehen“ und uns dann doch noch herrliche (unsere ersten, deswegen herrlich, auch wenn nicht sonderlich schön) Kränze gebunden.
Danach ging es für uns zum Strand, wo wir zusammen gepicknickt und die wunderschöne Sicht auf den Kalmarsund genoßen haben.

Nach einigen Rangeleien und Sumokämpfen im Sand, machten wir uns zum Campingplatz, ohne genau zu wissen, was uns jetzt eigentlich erwarten würde, und was wir eigentlich vorhaben.

Zunächst einmal war ich wirklich geschockt. Schweden ist sehr sauber. Man sieht kaum Müll irgendwo rumliegen, und es wird auch kaum welcher auf die Straße geworfen. Die Schweden sind sehr korrekt. Was ich dort auf dem Campingplatz sah erschütterte mich in meinem Bild des reinlichen Schwedens. Überall Bierdosen, Müll ohne Ende, Essensreste, dazwischen betrunkene, schlafende Schweden, daneben lauthals lallende Schweden,… Die selbe Situation in Deutschland, wäre nicht im geringsten so grotesk gewesen. Hier hat sich wieder einmal bestätigt, dass betrunkene Schweden, das Gegenteil „ihrer-selbst“ sind. Versuchen sie sonst, so wenig wie möglich aufzufallen, durch Lautstärke, „unpassendes“ Verhalten, Vulgarität, so sind sie es im betrunkenen Zustand eben umso stärker.
Das ganze schien eine riesen Orgie.

Von irgendwoher kam noch lautere Musik, als von den anderen Zelten. Wir suchten den Ort nicht lange. Und fanden einen Campingwagen, vor dessen Eingang eine Anlage aufgebaut war. Da wir ja eh nicht wussten wohin, blieben wir einfach dort, stellten unsere Sachen ab, und begannen zu tanzen. Etliche Versuche Vorbeigehende zum Mittanzen zu motivieren, scheiterten jedoch. Vielleicht daran, dass die Vorbeigehenden einfach schon zu betrunken waren und gerade noch knapp vorbeigehen konnten. Die Gruppe Schweden, denen die Anlage gehörten, störte sich jedoch nicht an uns. Wir wurden sogar nach Musikwünschen gefragt und es schien ihnen zu gefallen, dass die Party bei ihnen stattfand.

Wie immer blödelten wir beim Tanzen rum. Was dann dazu führte, dass ich umknickte, irgendwie. Naja wie das ebenso ist, wenn man nicht mehr ganz so alle Sinne beisammen hat. Leider schwoll mein Knöchel dann auf Ei-Größe an. Machte aber auch nichts (erstmal). Ich bin dann noch irgendwie über den Campingplatz gehumpelt, habe mich mit allen möglichen Leuten unterhalten, ungefähr 10 mal Bier abgelehnt und auf einem Campinwagen getanzt (wie auch immer ich da hochgekommen bin).
Irgendwann sind wir dann nach Kalmar zurück mit dem Auto. Und ich war einfach nur froh, dass ich schlafen konnte. Davon, dass die anderen noch Ewigkeiten in der Wohnung rumgesprungen und geblödelt haben, habe ich absolut gar nichts mehr mitbekommen.

Der Knöchel war noch eine ganze Woche angeschwollen, und das Laufen war zunächst eine Qual. Danach folgte ein Bluterguss einmal rund um die Ferse. Aber da ich ja gleich nach Midsommar mit der Schwimmschule angefangen habe, hatte ich keine Zeit mich in meinem Leiden zu sulen, und hab das ganze ignoriert. Ein Freund hier meinte, es sähe nach Bänderriss aus. Habe ich aber eh nicht geglaubt. Und jetzt funktionniert alles wieder prima ^^

Und drüber schmunzeln kann ich auch.

Und ja, Midsommar ist wirklich wie 1. Mai. Nur ohne Wandern und noch eine Nummer extremer.
Vielleicht sollten wir das nächste mal auch einen Maibaum aufstellen?!! 😉

Midsommar Teil 1 – wie „die Schweden“ Midsommar feiern

Nach der Gotlandsreise stand dann auch direkt das nächste große Event statt. Und zwar Schwedens größte Feier überhaupt: MIDSOMMAR!!!

Hier nun ersteinmal ein grober Bericht darüber, wie Midsommar allgemein in Schweden gefeiert wird, und wie die Schweden selber Midsommar beschreiben.

Midsommar wird traditionell an dem Wochende gefeiert, das zwischen dem 20. und 26. Juni liegt. Die astronomische Sommersonnenwende findet am 21. ganz selten am 20. Juni statt, aber das wissen wir ja alle 🙂

Am Freitag des Midsommarfestes, der Midsommarafton heißt, werden früh am morgen Wildblumen gepflückt, aus denen dann die typischen Kränze gebunden werden. Frauen und Kinder (und in der heutigen Zeit bestimmt auch die Männer) schmücken die „majstång“ mit Blumen und Birkenzweigen. Je nach Region sieht die Maistange, die auch als Maibaum bezeichnet wird, anders aus. Die Silbe „maj“ stammt von dem Wort „maja“ ab, was soviel heißt, wie „mit Blumen geschmückt“.
Begonnen werden die Feierlichkeiten, die meist mit Verwandten und Freunden in gemütlicher Runde auf dem Land stattfinden, mit dem Mittagessen. Gegessen wird dann traditionell „Sill“ (meist säuerlich eingelegter Fisch(Matjes, Hering)) mit „Potatis“ (Kartoffeln). Knäckebrot darf natürlich auch nicht fehlen.

Und dort beginnen dann auch die ersten Trinkspiele. Für jeden Fisch, den man isst, wird ein Schnaps getrunken. Nicht selten kommt der Heimgebrannte in Benzinkanistern auf den Tisch. Danach folgen ein paar Spiele für die Kinder (Kubb u.ä.). Und natürlich weitere Trinkspiele..So zum Beispiel eins bei dem eine Flasche Wasser oder Cola, oder was eben da ist, aufgestellt wird und dann wird aus 4-5 m Entfernung ein Ball mit einem Schlagholz geschlagen. Wird die Flasche getroffen und fällt um, muss die gegnerische Mannschaft trinken. Derjenige der geschlagen hat, muss die Flasche schnell wieder aufstellen. Der nächste aus der eigenen Mannschaft ist an der Reihe den Ball zu schlagen. Jedes Team hat eine gewisse Zeit (1-2 min) um die Flasche so oft wie nur möglich umzukegeln.

Am Nachmittag, während der Alkoholpegel ganz langsam sinkt, wird dann die Majstång aufgerichtet und es wird sowohl zu traditionellen Weisen, sowie zu aktuellen Sommerhits, um den Baum getanzt. Besonders lustig und beliebt ist der Tanz „små grodorna“, bei dem die Schweden wie „kleine Frösche“ um den Baum hüpfen und Quaken.

Wenn dann gegen Abend, der Alkholspiegel soweit gesunken ist, dass man so langsam wieder anfängt klar zu denken, wird gegrillt. Und während des Essens beginnt man dann wieder zu trinken. Und dann wird beisammen gesessen, gefeiert, getanzt und getrunken, bis zum nächsten Morgen.

Die Sonne geht in den meisten Regionen in Schweden gar nicht unter. Und in Südschweden, wo sie für eine Zeit lang nicht zu sehen ist am Horizont, dämmert es die ganze Nacht hindurch.

Ein alter Midsommarbrauch ist es, dass unverheiratete Mädchen, in der Nacht der Midsommarfeier, Blumen von sieben verschiedenen Wiesen pflücken und sie unter ihr Kopfkissen legen. In der Nacht, so der Volksglaube, träumen sie von ihrem zukünftigen Ehemann.

Der Samstag – und das erklärt sich in gewisser Weise von selbst – besteht aus Ausnüchtern.

P.S.: „Midsommar Teil 2 – wie ich Midsommar feierte“ folgt demnächst

Gotlandsäventyret – eine Jugendreise

Gotland, die zweitgrößte Insel der Ostsee, liegt nordöstlich von der Insel Öland, und ist mit seiner atemberaubenden Landschaft und seiner Artenvielfalt an Wildblumen und Vögeln, sowie der Weltkulturerbe-Stadt Visby, mehr als nur einen Besuch wert.

Die Insel, die sich nach der letzten Eiszeit zu ihrer heutigen Form entwickelt hat, besteht hauptsächlich aus einem Kalksteinplateau. Ursprünglich einmal Meeresgrund zu Zeiten des Superkontinenten Pangäa (vor etwa 300-150 Mio Jahren), birgt der Kalkstein unzählige Fossilien. Man braucht sich wortwörtlich nur danach zu bücken.
Die höchste Erhebung misst 82 m. Dies sowie ein gut ausgebautes Netz an Radwegen, und natürlich die herrliche Landschaft, machen Gotland zu einem Paradis für Fahrradfahrer.

Und dies – langes drumherum, kurzer Sinn – war die Mission unserer Jugendreise „Gotlandsäventyret 2011“. Auf ging es von Oskarshamn mit der Fähre Richtung Ferne (naja 3 Std). Für vier Tage machte sich unsere gemütliche Gruppe von vier Betreuern (darunter ich ^^) und 18 Jugendlichen, die sehr zu loben sind, da sie sich alle vorbildlichst verhalten haben, auf Richtung Gotland.

Jeden Tag hatten wir mehrere Aktionen auf unserem Programm stehen. So zum Beispiel ein Robinsonäventyr am Strand, bei dem es in verschiedenen Teams verschiedene Aufgaben zu lösen gab.
Oder auch „Kneipbyn“, was zum einen ein super Erlebnisbad ist mit etwa 15 verschiedenen Wasserrutschen, wovon es einige echt in sich haben, und zum anderen auch ein Freizeitpark (zugegebener Maßen eher für kleinere Kinder). Allerdings steht dort DIE Villa Kunterbunt, in der die weltberühmten Pippi-Filme gedreht wurden. Schon beim Betreten des Eingangs kommt in einem der Entdecker- und Abenteuerdrang hervor und man wird wild wie Pippi und freut sich über jedes Detail der Inneneinrichtung. Mitten im Wohnzimmer steht dann ein lebensgroßes Hartplastpferd. Bei meinem Versuch auf „kleinen Onkel“ aufzuspringen, bin ich natürlich mit einem Platscher gegen den Bauch rücklängs abgeprallt. So klein ist der nämlich gar nicht…

Eine andere Superaktion, die ich nur aus Schweden kenne, nennt sich „Boda Borg“. Hier arbeitet man im Team. Man kann sich das Ganze so wie eine harmlose Variante von „Cube“ vorstellen. Natürlich ohne Sterben..aber teils mit nervenzerreibenden Aufgaben. Es geht in verschiedene Räume, die nach drei verschiedenen Schwierigkeitsgraden eingeteilt sind (grün, rot und schwarz, wobei schwarz viel Körpereinsatz erfordert). Die Räume haben Namen wie McDonalds, Piratenschatz und Spielplatz. Sobald man einen Raum betritt verbleiben einem 2 min Zeit um zusammen ersteinmal herauszufinden, was zum Teufel man eigentlich in diesem Raum tun soll, und um es dann so schnell wie möglich und so smart wie möglich durchzuführen. Dabei gibt es in manchen Räumen Denkaufgaben, in anderen darf man den Boden nicht berühren, sonst tritt man in eine Lichtschranke und muss von vorne beginnen. Ziel ist es, innerhalb der Zeit die Aufgabe zu lösen, sodass sich eine weitere Tür, zu einem weiteren Raum öffnet. Wieviele solcher einzelnen Räume eine Strecke hat, weiß man vorher nicht. Wobei es zwischen 2 bis 8 Räumen variieren kann. Und manchmal findet man sich aufeinmal ein Stockwerk höher wieder…Versagt man in einem Raum, so muss man zum ersten Raum zurückkehren und von Neuem beginnen. Im letzten Raum öffnet sich statt einer Tür ein Stempelkasten und man kann, als Beweis für den lang erkämpften Erfolg, sein Kärtchen stempeln.

Visby ist zwar ziemlich touristisch, aber auf alle Fälle sehenswert. Nicht ohne Grund gehört die Stadt zum Weltkulturerbe. Die meisten Häuser, der, von einer Efeu bewucherten, Stadtmauer umgebenen Stadt aus dem Mittelalter, sind in einem ausgezeichneten Zustand und beherbergen eine Vielzahl an unterschiedlichen Kunsthandwerken und gemütlichen Cafés, vor denen Musikanten Konzerte geben. Auch der botanische Garten ist eine Pracht. Das ganze Ambiente Visbys erinnert mehr an eine Stadt des Mediteranée als eine schwedische Provinzstadt.

Die lange Abgeschottetheit der „Gotländningar“ ist noch heute in dem gotländischen Dialekt zu hören. Oder eigentlich kann man sagen, die Anpassung an das Amtsschwedisch, hat sich in der Gotländischen Sprache, dem „Gutniska“ niedergeschlagen. Jedenfalls klingt das ganze sehr lustig.

Der Wind weht sturmartig und der Wellengang der Ostsee gleicht dem eines leicht unruhigen Tages am Atlantik. Ein paar Schnepfen stolzieren durch die Anlage, in der wir Ferienhütten gemietet haben. Im Vorbeifahren freue ich mich an der Vielzahl an Orchideen und Wildblumen die am Wegesrand wachsen, und auf den Weideflächen, der für Gotland typischen langlockigen, schwarzen Schafe. Die habe ich allerdings nicht gesehen.

Insgesamt sind wir in den 4 Tagen unseres Aufenthalten, 106 km Rad gefahren (und das meistens mit typisch gotländischen Gegenwind, der dazu führt, dass man gefühlt immer aufwärts fährt, und das bei fast null Steigung), 40 km gelaufen, haben Massen Aktivitäten gehabt, und eine Menge Spaß.

Und eins steht für mich fest: ich werde zurückkehren, zu dieser Insel, die mich schon nach so kurzer Zeit voll in ihren Bann gezogen hat.

Helsingfors

Das letzte Maiwochenende stand unser Trip nach Helsingfors an. So wird die Stadt, die geprägt ist von schwedischen sowie vorallem russischen Einflüssen, auf Schwedisch genannt. In den meisten anderen Sprachen heißt sie wohl einfach Helsinki.

In einer Gruppe von 10 Freiwilligen ging es mit der Fähre über Nacht, die Scherengärten vor Stockholm durchstreifend, übers Meer an der Insel Aland vorbei, von deren Existens ich bis dahin nie gehört hatte, gen Osten. Dort verbrachten wir einen herrlichen Tag voller Überraschungen, eine Nacht im Hostel und einem Vormittag mit einem langen Spaziergang durch die Stadt, bevor es dann wieder zurück auf das Schiff ging, was uns zurück in die „Heimat“ brachte.

Soviel um das ganze mal grob zu umreißen. Ich hatte die Ehre Robert kennenzulernen (siehe Bericht: So klein ist doch die Welt…), der, wie ich sagen muss, ein viel besserer Schreiber ist, als ich es bin. Und da ich zurzeit ohnehin viel um die Ohren habe, dachte ich mir, ich verweise hier an dieser Stelle mal auf seinen Bloq. Dort findet ihr einen herrlichen Bericht über unser gemeinsames Wochenende. Und viele, viele andere spannende Berichte über seine Abenteuer hier in Schweden.

http://schwedischegardinen.wordpress.com/2011/06/01/helsinki-i-an-bord-einer-festung-mit-unterhaltungszwang/

http://schwedischegardinen.wordpress.com/2011/06/01/helsinki-i-an-bord-einer-festung-mit-unterhaltungszwang/

http://schwedischegardinen.wordpress.com/2011/06/07/helsinki-iii-planlos-durch-die-stadt/

my favourite volunteer

Die Motivation zum Schreiben kommt und geht in Schüben und manchmal hat man zwar Lust zu berichten, aber man findet nichts, von dem man sich denken kann, dass es erwähnenswert genug ist, um darüber zu schreiben.

Nun geht die Zeit hier in Schweden aufs Ende zu und mein Kopf ist voller unvergesslicher Momente, mein Herz voller Gefühle und Freude.

Und jetzt, vor zwei Wochen, als ich endlich einmal zur Ruhe gekommen bin, und draußen in der herrlichen Natur Schwedens Energie tanken konnte, habe ich mir gedacht, es wäre doch schön, diese Momente mit euch zu teilen. Und auch ein wenig zu berichten, von den Leuten die ich hier in mein Herz geschloßen habe.

Die wohl wichtigste Person hier in Schweden für mich ist ohne Zweifel Viki. Viktoria ist Ungarin und kommt aus Budapest. Sie arbeitet in Budapest in einem Projekt zur Reintegration von Langzeitarbeitslosen. Hier in Schweden arbeitet sie mit Recycling, sowie im Jugendzentrum. Emmaboda ist ,ebenso wie Högsby, ein Kaff. Doch auch ihr gefällt das Leben in Mitten der Natur.

Ihr absolutes Lieblingsausdrücke sind „favourite“ und „it’s soooo cute!!“. Lustig ist das immer besonders dann, wenn wir Musik hören, da das ihre größte Passion ist. Ich persönlich habe ja nie eine Ahnung wie Interpret, Song geschweige denn Album heißen, aber Viki ist ein einziges Fachlexikon. Bei jedem neuen Lied hört man nur ein „OHHH!!! That’s my favourite song!!“. Bei jedem wohlgemerkt 🙂 Ist ja auch schön, wenn man immer den Geschmack trifft!!

Mit Viktoria kann ich über alles reden. Besonders gut natürlich über die typischen Frauenthemen ^^
Den Altersnterschied von 9 Jahren merkt man nur manchmal, und auch nur gering. Denn Viki macht ebenso gerne wie ich die verrücktesten Sachen und zusammen lachen wir die ganze Zeit! Ob wir gerade auf der Tanzfläche Dirty Dancing nachtanzen, noch im Halbschlaf Karaokeversionen auf Youtube singen und alle damit wecken, oder aber kichernd auf einer Bank in der Innenstadt sitzen und den Fashion-Stil der männlichen Bevölkerung begutachten. Denn da sind die soo schüchternen Schweden (und die sind wirklich unglaublich schüchtern und verklemmt) ganz schön gewagt. Und ich habe wohl schon jegliche Hosenfarbe gesehen…

Sie ist nicht nur die wichtigste Freundin hier in Schweden für mich, sondern auch eine gute Freundin fürs Leben geworden, und einen Besuch in Budapest steht schon fest in meiner Planung fürs nächste Frühjahr.

So klein ist doch die Welt…

Nur schnell eine kleine Anekdote am Rande…

Hier in Schweden sind zurzeit etwa 80-90 Freiwillige, die in EVS-Projekten überall in Schweden arbeiten. Zur besseren Kommunikation und zum Austausch untereinander hat sich auf Facebook eine Gruppe gegründet, in der diskutiert, sich ausgetauscht und Reisen geplant werden.

Über diese Gruppe habe ich vor einiger Zeit auch einem Freiwilligen aus Deutschland, der in Stockholms Umgebung wohnt und arbeitet kennengelernt mit dem ich mich seither ab und zu austausche und mit dem ich am Planen bin für ein Treffen einiger Stockholmer und der Leute hier aus der Umgebung in Kalmar.

Als ich mir neulich Fotos auf seiner Seite angeschaut habe, habe ich festgestellt, dass er in einer Band spielt, was ich schon sehr spannend fand, als ich dann auf den Namen der Band gestoßen bin, konnte ich gar nicht fassen, wie klein doch die Welt ist.

Da kommt der Gute doch aus Hamburg und spielt doch tatsächlich in der Band 20vor8 (das war diese super Klezmer Band, zu der wir so wunderbar und ausdauernd getanzt haben), die ich noch letzten Sommer, nach dem Hammerkonzert in Kanin, so verzweifelt im Internet gesucht habe!!! 😀 😀 😀

Nie hätte ich gedacht, dass ich jemanden hier in Schweden treffe, der ebenfalls letzten Sommer in Kanin war!!! Das beweist mal wieder, dass die Welt doch furchtbar klein ist! Und an Zufall kann ich kaum noch glauben 😉

Norden, Högsby, weiter im Norden, Abisko

Einigen habe ich ja bereits vor meiner Reise nach Abisko von meinem Vorhaben erzählt, für den Rest hier eine kurze Erklärung:
Zusammen mit einer Gruppe von insgesamt 12 Freiwilligen, hieß es Anfang März den hohen Norden erkunden. Genauer Abisko, welches nochmal eine Stunde nördlich von Kiruna liegt. Abisko ist ein kleiner Ort mit 200 Einwohnern (von denen ich maximal 10 gesehen habe während der 4 Tage in denen ich dort war). Abisko ist nicht nur der Vorort eines großen und bekannten Nationalparks, sondern gilt auch als mit einer der besten Plätze in der Welt, um die Nordlichter zu sehen. Und genau das war unser Plan. Abenteuerurlaub in Lappland!!!

Und das war wirklich ein Abenteuer!! Das fing schon mit der Hinfahrt an. Nach Lappland dauert es von Högsby aus aber so seine 25 Stunden Zugfahrt. Schliesslich sind es ja auch 1.700km, also noch weiter, als von Högsby aus mit dem Auto nach Kassel. Und das im Zug! Ohne große Pausen ging es also dann ab Stockholm im Nachtzug, leider auf der Hinfahrt ohne Bettreservierung, was doch etwas ungemütlich war und für Verspannungen gesorgt hat, nach Abisko.
Die Zeit haben wir uns mit einem total bescheuertem Kartenspiel vertrieben, bei dem es darum geht dass zwei Spieler die Regeln kennen, während alle anderen diese herausfinden müssen. Die Regeln, von denen ich immer noch keinen blassen Schimmer habe, entsprechen ungefähr dem Niveau von Max&Mikes-Spiel, oder dem Spiel mit den Eskimos, Fischen und Eisbären.

Wir kamen Freitag Nachmittag an und habe gleich am ersten Tag eine Menge fantastischer Erlebnisse gehabt. Nachdem wir eine gefühlte Ewigkeit im Supermarkt verbracht hatten, mit der üblichen Diskussion, was soll es zu essen geben und „ich mag dies..ich mag das nicht“-Einrufen, und der wohl einzigen simplen immer funktionnierenden Lösung „Pasta & Tomatensoße“, haben wir den Abend mit einer typischen schwedischen Holzfeuersaune, mit anschließendem Bad im Schnee begonnen. Bei einer typischen schwedischen Sauna wäscht man sich in der Sauna mit warmen Wasser und Seife, bevor es ans Schwitzen geht. Ist der Punkt erreicht, an dem man das Gefühl hat, innerlich zu verbrennen, wird gemeinschaftlich, im Adams und Evaskostüm aus der Sauna gerannt, sich in den Schnee geschmissen und einmal hin und hergewälzt. Herrlich!! Nicht nur lustig zum Anschauen! Danach fühlt man sich herrlich frisch, erholt und voller Energie.
Diese Energie setzten wir gleich in einen Spaziergang hinunter See, welcher wirklich eine betrachtliche Größe hat und vollends zugefroren war, um. Zu unserer größten Freude konnten wir bereits auf dem Weg nach unten das beobachten, was wir uns zu sehen so sehr gewünscht hatten. Ein NORDLICHT!!!
Auf dem zugefrorenen See liegend, den Blick gen Himmel gerichtet, tanzte das blau-türkisgrüne Nordlicht über unsere Köpfe hinweg. Und es war wirklich atemberaubend schön. In dem Moment machte sich Glückseligkeit und vollkommene Harmonie in mir breit. Das ganze Universum schien im Gleichgewicht zu sein und um uns herum herrschte eine endlose Stille..ein unvergesslicher Moment.

Den Samstag fuhren wir mit dem Zug nach Kiruna, um dort eigentlich eine Minentour mitzumachen, bei der man durch enge Gänge kriechen und tolle Grotten sehen sollte. Leider war diese Tour für genau den Tag schon ausgebucht, aber wir könnten gerne an einem anderen Tag kommen. Da das Eishotel uns auch zu teuer war, da man ersteinmal ein Taxi und dann auch noch Eintritt hätte bezahlen sollen, war der Plan ersteinmal die Holzkirche, welche durchaus sehenswert war, anzuschauen und später 45min zu einem Aussichtspunkt zu laufen, das ganze dann mit einem regionaltypischen Mal abzurunden, bevor es dann mit dem Taxi wieder zurückgeht nach Abisko (Nach Abisko gibt es pro Tag genau 3 Züge, wovon der letzte um 14 Uhr fährt).
Natürlich kam alles dann anders als geplant. Die Kirche war schon nett. Allerdings eben auch schnell gesehen. Zwei der anderen Freiwilligen, die so oder so für jeden Preis zum Ice hotel gefahren wären, hatten jedoch durch Glück sich eine kostenlose Mitfahrgelegenheit in einem Rentnertouribus ergattert und fuhren dann doch zum Ice Hotel, wo sie sich dann unverschämter Weise auch noch reingeschmugelt haben….clever die beiden 😉
Wir anderen hatten dann doch keine Zeit mehr zu dem Aussichtspunkt zu laufen, da wir für die nächsten zwei Tage noch einkaufen mussten und die Geschäfte schon um 16 Uhr schlossen. Also dann statt Vergnügen Verantwortung für die Gruppe. Auch ok.
Das Abendessen in dem Restaurant in Kiruna hat dann für den recht öden, enttäuschenden Tag in Kiruna, entschädigt. Zwar waren die Preise sehr teuer mit fast 30€ für eine Hauptmahlzeit und ein Glas Wasser, aber geschmeckt hat es…und es war schließlich auch keine normale Kost. Auf dem Programm standen Rengeschnetzeltes in Champignonsoße mit Dillkroketten, Elchsteak in Lingolnsoße mit Kartoffelgratin (oder gratäng – wie es auf schwedisch heißt) und Rödingfilet in Chablisoße mit Mohrüben und ebenfalls Dillkroketten. Meine Wahl viel auf letzteres, wobei ich gestehen muss, dass ich wenigstens einmal Elch und Ren probieren wollte, trotz meiner Abneigung gegen Fleisch…allerdings hat es mich dann doch eher geekelt davor, als dass ich mich auf den Geschmack konzentrieren hätte können. Röding ist übrigens eine Fischart, die nur in Gewässern dort im hohen Norden zu fangen ist..und sehr deliziös 😀
Das Taxi musste dann erst aus Luleå kommen und lies ganze 2 Stunden auf sich warten…sehr schlechte Infrastruktur dort im hohen hohen Norden. Aber schließlich ist es ja auch ein Stückweit das, was man dort oben sucht. Ursprünglichkeit, Ruhe, Wildnis, Natur!!!

Für den Sonntag war eine Reise über die Grenze in die nächste Stadt auf norwegischer Seite geplant. Dafür waren wir extra früh aufgestanden um den ersten Zug zu erwischen, um genug Zeit zu haben. Der Zug kam nicht. Der Ersatzbus auch nicht. Nach einer Stunde warten am Bahnsteig, in der wir die ersten Schritte eines Hannah Montana Tanzes eingeübt hatten (ich sag nur Jugendarbeit), genoßen wir ein zweites Frühstück und entschieden uns, den Tag mit cross country skiing zu verbringen. Dazu ist zu sagen, dass vielleicht 4 aus der Gruppe, überhaupt schoneinmal auf Skiern standen. Ein herrlicher Tag. Wir haben die ganzen 5 Stunden, die wir im Nationalpark, bei schönstem Sonnenschein und herrlichen Landschaften, unterwegs waren, nur gelacht. Für einen Abhang haben wir geschlagene 30 min gebraucht, da alle zwei Meter jemand hingefallen ist. Die Frage war eigentlich immer nur, wie lange es dauert, bis der nächste fällt. 😀 😀 😀

Am Schluss hat sich die Gruppe geteilt. Einige fuhren zurück zum Hostel und ein kleinerer Teil (mich eingeschlossen) wollte zu „dem Canyon“ fahren, der ja eigentlich gar nicht mehr „so weit weg“ sein sollte. Wir also los und erstmal keine Ahnung wie weit das eigentlich ist und wo’s genau lang geht. Also habe ich dann mal einen der wenigen Einwohner gefragt, die mir begegnet sind. Dieser meinte, ach das sei nicht weit, zu Fuß bräuchte er 10/15 min und wir würden ja flott und schnell aussehen, wir wären bestimmt schnell da. Aha. Ok. Nach einer halben Stunde ständigen Auf und Abs waren nicht nur meine Energie, sondern eindeutig auch meine Nerven am Ende. Da uns dann noch jemand übern Weg lief, frug ich auch diesen netten, schwedischen Herren, der uns bestätigte, nein nein es sei nicht mehr weit, nur noch so etwa 10 min zu Fuß!!! An diesem Punkt habe ich dann die Tour zum Canyon abgebrochen und bin zurück zu denen, die schon gemütlich mit einem Tee im Hostel saßen. Diejenigen, die weitergefahren waren, kamen 2 Stunden nach mir im Hostel an. Die jämmerlichen Fotos vom Canyonchen haben mich dann in meiner Entscheidung nur bestätigt.

Bevor es dann wieder zurück nach Högsby ging, stand am Montag noch ein weiteres Abenteuer an: die HUNDESCHLITTENTOUR!!!
Zu der gebuchten Tour zählte sogar das Spannen der Hundeschlitten. Danach hat alles nach Hund gerochen… Nach einer sehr genauen Erklärung, wie man sich während der Fahrt, bei welchen Terrain, wie hin und herlehnen muss, und wie man ja nicht bremsen sollte, wie man das Geschirr anlegt und worauf es generell zu achten gilt, hatte ich das Gefühl, Hundeschlittenfahren ist zu schwer, als dass irgend ein Laie das je schaffen könnte. Aber ich muss sagen, wir haben uns doch alle recht gut geschlagen. Und ziemlich cool fühlt man sich auch, wenn man im Schneeanzug auf einem Hundeschlittengespann steht und sich von wildkläffenden Huskeys mit blauen Augen durch die beeindruckende Wüste aus Schnee und kleinwüchsigen Birken ziehen lässt.

Nach drei Tagen voller Spaß, frischer Luft, beeindruckender Landschaft und unvergesslicher Erlebnisse, ging es dann von Montag bis Dienstag 25 Stunden zurück im Zug. Ich glaube das war vorerst die letzte ewiglange Zugfahrt.
Zwar fahre ich dieses Wochenende nach Göteborg, aber die 4 Stunden im Zug kommen mir nun so unglaublich kurz vor.
Ein wirkliches Abenteuer, und hoffentlich nicht das letzte hier in Schweden!

viele liebe Grüße raus in die Welt,
Julia

PS: ich vermisse euch!

Krank -.-

Na toll! Jetzt scheint das erste mal seit langem die Sonne und der Himmel ist strahlend blau, bis türkisfarben, und ich bin KRANK!!! Doof. Ok zugegebenermaßen ist es mit -10°C draußen auch nicht so angenehm, aber den ganzen Tag rumsitzen, schlafen und nichtstun war noch nie mein Ding.
Dabei hätte ich jetzt eigentlich soviel zu tun im Jugendzentrum. Schließlich wollte ich ja eigentlich im Januar mit den Arbeiten an der Personaltoilette abschliessen. Nun gut. Dann eben erst Anfang Februar. Aber ich kann ja ein wenig berichten, was ich so nach den drei Wochen Urlaub daheim, feines gemacht habe…

Zuerst einmal muss ich sagen, dass es eine sehr spannende Erfahrung war „Urlaub“ zuhause zu machen. Auf einmal war man einfach wieder in seinem so lange gewohnten Umfeld, mit der Familie, all den Freunden, und es war so vertraut, als wäre man nie weg gewesen. Als wäre Schweden nur ein langer Tagtraum gewesen. Schon die Fahrt vom Flughafen nach Kassel kam mir eher so vor, als wären wir nur gerade zu Besuch bei meinen Großeltern gewesen. Weihnachten mit der Familie war herrlich, und ich hätte mir auch nicht vorstellen können, stattdessen ohne Familie in Schweden zu sein. Nicht wegen dem Weihnachtstrubel, sondern einfach, weil Weihnachten immer die ganze Familie zusammenkommt.
Während der Zeit habe ich gemerkt, wie sehr ihr mir doch alle fehlt! Ich habe die Zeit wirklich genossen. Aber ich habe auch Momente gehabt, in denen ich gezweifelt habe, ob es so eine gute Idee war nachhause zukommen zwischendurch, eben weil ich erst dadurch wieder richtig gemerkt habe wie sehr ich alle vermisse. Nicht, dass es mir in Schweden nicht gefällt. Ich habe hier ja auch super nette Freunde. Aber es fehlt eben dieses besondere etwas.

Jedenfalls war es ein sehr komisches Gefühl wieder hier in Schweden zu sein. Auf der einen Seite wieder fort von allen und auf der anderen Seite habe ich aber auch das Gefühl gehabt, dass ich doch schon ein bisschen zuhause bin hier. Vorallem meine eigene kleine Wohnung zu betreten war herrlich. Wobei das erste Wochenende doch sehr einsam war, da ich nicht einfach mal schnell mit meiner Schwester quatschen, mit meiner Mutter einkaufen gehen konnte, oder der Helge einfach mal spontan zum Kaffeetrinken vorbeigekommen ist.
Das erste Wochenende war also geprägt von Langeweile, Heimweh und totalem Schlappheitsgefühl. Zum Glück fing dann Dienstag wieder die Arbeit an. Ich habe dann auch, da zu Beginn noch nicht so viele Jugendliche spitz gekriegt hatten, dass das Jugendzentrum wieder offen ist, endlich mal konsequent an meinem Projekt ‚Personal sieht rot‘ weitergearbeitet…(zugegebenermaßen ist mir der Name gerade erst eingefallen, aber er gefällt mir und er passt 😀 ) Und ich weiß jetzt, wieviel Arbeit es ist, eine 2m² große Fläche mit vorher in viele tausende kleine Scherben zerbrochenen Fliesen und Spiegeln zu bekleben, oder wie auch immer man das mit dem Mosaik an die Wand pappen nennt. Eigentlich wollte ich das Kunstwerk Personal sieht rot diese Woche ja dann beenden..Schliesslich sind noch ein paar Ausbesserungsarbeiten fällig..aber nun gut..
Nachdem ich dann gottseidank mit dem Mosaik fertig war (ich bin nur knapp einem Fliesentrauma entkommen), habe ich dann erstmal mitgearbeitet an den ersten Veränderungen außerhalb der Personaltoilette.
Wir, also Detlef, meine Kollegin und ich, haben uns nämlich überlegt, das Jugendhaus in einer großen Aktion umzugestalten. Das hängt auch damit zusammen, dass wir umräumen mussten, weil wir zusätzlich zu einem neuen Projektor, einem riesen Flachbildfernseher, einem zweiten Billiardtisch und einer xBox auch noch einen Airhockeytisch bekommen haben. (Soviele tolle neue Sachen – Wo kommt all das Geld für sowas her? Ich dachte die Kommune sei mit eine der ärmsten in Schweden??)
Und da wir schonmal am Umräumen waren und für dieses Jahr zusätzliche Gelder bezuschusst bekommen haben, haben wir uns gedacht, ein Café muss her, wo die Eltern gemütlich ihren Kaffe (aus einem Kaffeeautomaten mit frisch gemahlenen Bohnen) trinken und auf ihre Kinder warten können, die zum Beispiel gerade Ballettunterricht haben. Die ersten Veränderungen haben wir schon bewirkt. So haben wir nun an zwei Wänden eine herrliche schwarz-weiße Fototapete mit Hochhäusern in New York. Wobei wahrscheinlich alle Einwohner Högsbys in einem solchen Gebäude Platz hätten, und sich womöglich nicht einmal über den Weg laufen würden. 😀 😀 😀 Ich liebe „lilla Högsby“

Vor zwei Wochen fing dann auch die Schule an. Ich hatte ja schon im Dezember mit dem Sprachkurs erfolgreich abgeschlossen. Da ich aber schon geahnt habe, wie sehr es mich langweilen würde, meine Vormittage zu verschlafen, habe ich mich zum GRUV -Kurs angemeldet. Grundlegende Erwachsenen Ausbildung. Sehr weise Entscheidung. Nicht nur dass es sinnvoll ist, weiter an meinem schwedisch zu feilen und das Niveau etwas anzuheben, es macht richtig Spaß und meine alten Klassenkameraten aus dem Sprachkurs sehe ich dort auch wieder. Neben Schwedisch im GRUV-Kurs, habe ich auch Kunst und Chemie auf gymnasialen Niveau belegt. Wobei man das mit dem Gymnasium, wie wir es kennen nicht vergleichen kann. Es ist mehr eine Art Berufsschule aber gleichzeitig gibt es auch einen Gymnasiumzweig, der dann den Zugang zu Hochschulen ermöglicht. Ich bin sehr froh dass ich durch den Kunstunterricht nun einen festen Zeitraum habe, indem ich mich ausschließlich mit verschiedenen Techniken beschäftigen kann. Und Chemie, das macht einfach Spaß! (ok mir zumindest 😛 ) Und so unterschiedlich sind die Begriffe ja gar nicht im Schwedischen. Das Niveau ist allerdings noch sehr niedrig und es werden eigentlich nur Grundlagen gepaukt. Richtiges Verstehen, so mein Eindruck, wird von den Schülern nicht gefordert. Das finde ich etwas enttäuschend. Aber vielleicht sind zwei mal drei Stunden Chemie noch nicht genug um eine Aussage zu treffen.

Ansonsten waren die letzten Wochenenden geprägt von Partys und Reisen. So war vor zwei Wochen Geburtstagsfeier von unser Spanierin in der Truppe. Da sie in Mörbylanga auf Öland wohnt, bedeutete das 2 Std Hinreise. Ist in Schweden aber eigentich ganz normal. Fast so, als würde ich in Kassel mal eben nach Kaufungen fahren. Dort waren dann auch Freiwillige aus Göteborg und Malmö zu Besuch, die ich teilweise schon vom Seminar in Stockholm und teilweise noch nicht kannte. Da Rosa in einem Studentenheim wohnt, haben sich unserer Feier noch eine Truppe Seeschiffskapitänstudenten angeschlossen, die gerade erst von einer zweimonatigen Tour in Afrika wiedergekehrt waren. Sehr international also 😀
Und da eine Feier keine Feier ist und wir sowieso mal die Freiwilligen Anna (Österreicherin) und Owen (Engländer) in Linköping besuchen wollten, und die beiden auch noch um die selbe Zeit Geburtstag hatten, sind wir letztes Wochenende also nach Linköping gefahren. Für mich ebenfalls 2 Std entfernt. Auch hier waren wieder die Göteborger dabei (dabei müssen die ja jedesmal 4-5 Std reisen o.O). Von Linköping, übrigens mit ca. 97.500 Einwohnern 7.größte Stadt in Schweden, habe ich leider nur die Innenstadt gesehen. Allerdings hat die auch einige sehr schöne Gebäude zu bieten, teilweise noch aus dem 12. Jahrhundert, wie zum Beispiel die ältesten Teile des Doms.

Kein Wunder das mein Körper, bei dem nun wieder regelmäßig frühem Aufstehen und den häufigen Feiern am Wochenende nun gesagt hat „jetzt ist erstmal Pause angesagt“. Nagut dann hör ich mal auf meinen Körper und lieg den ganzen Tag faul rum. Wie langweilig!! Dabei könnte ich soviel tun. Zum Beispiel endlich mal die Feuerpois mit Feuer ausprobieren!! Wobei da wohl besser jemand dabei sein sollte zum eventuellen Löschen..

Soviel erstmal dazu! Ich stell euch mal ein paar Fotos von der Toilette rein 😛

Grüße aus dem mal wieder kälteren Schweden (aktuelle Ortstemperatur -8°C),
Julia