Rumpeln in der Rhön III

… wir wachten auf unserer kleinen Wetterspitze mit dem Ziel vor Augen auf: Der Kreuzberg ! An diesem Tag also sollte der Berg erklommen werden.

Nachdem wir die letzten Reste des überaus leckeren, vielfälltigen Allerleis des veganen / vegatarischen Streichshits mit ner juten Knifte runtergeschluckt hatte, stiefelten wir also los. Vorbei an Oberweißenbrunn und damit auch „Lemon’s Scheunenbrand“ zur ersten Erhebung. Obwohl wir normalerweise, egal wo wir sind, darauf verweisen, dass es ja aussähe wie am Edersee, kam uns diesmal der Dörnberg in Erinnerung: Eine beachtliche Anhöhe, ohne großen Baumbestand, dafür umso mehr Heide und Gräser. Wir folgten also dem Pfad über diese Erhebung und wurden schließlich am Fuße des Kreuzbergs von seinem Wald eingenommen. Diese steile Passage wurde zügig mit der Aussicht auf das Klostergasthaus und dem phänomenalen Ausblick in Richtung Wasserkuppe bewältigt. Die bisherige Gastfreundschaft der Nordbayern, besser Unterfranken !!!, beflügelte uns den Versuch zu wagen auf musikalische Weise den Touristen den einen oder anderen Taler aus der Tasche zu ziehen. Gesagt getan. Nach etwa einer halben Stunde wurde unser Musikantenstadl dann doch relativ schroff vom Wirt und seinen beiden Schergen im Hintergrund mit der Begründung „hier auf dem Klostergelände ist BETTELN und MUSIZIEREN verboten“ des Hofes verwiesen. Naja sei es drum. Ein paar mitleidige Passanten drückten uns rasch noch ein wenig Klimpergeld in die Taschen und wir tippelten auf dem Kamm des Kreuzberges zu einer gastfreundlicheren Lokalität. So schnell wie wir das Geld verdient hatten, war es auch direkt schon wieder in Maß investiert wurden. Zu unserem Glück fanden wir zudem unterhalb der Gaststätte einen perfekten Lagerplatz, mit Feuerstelle und Quelle. Das im Rucksack vor sich hin gärende Gemüse wurde nun endlich zu einem feinen Eintopf verwandelt und wir ließen Max’s Geburtstag gehörig ausklingen …

(Nach dem Maß ist vor dem Maß)

Rumpeln in der Rhön

Teil I

– Helges Geburtstag-

 

Unsere diesjährige, schon Tradition gewordene, Fahrt über die Geburtstagstage von Max und Helge brachte uns in die schöne Röhn im Grenzgebiet von Hessen und Bayern. Die Tippeltruppe bestand diesmal aus Clara, Winnie, Lukas, Max, Henne, Helge, Mike und Robert, wobei Mike einen Tag später anreiste.

Per Zug ging es also vom Heimathafen aus nach Gersfeld in der Hessischen Röhn wo wir abends gegen 20 Uhr im strömenden Regen ankamen. Das machte uns aber gar nüscht ! Stoisch warteten wir einige Zeit unter dem Bahnhofsvordach erkundigten uns bei Eingeborenen nach der nächsten Kaschemme und fassten den Entschluss eine solche möglichst bald aufzusuchen, da heute schließlich in Helges  Geburtstag reingefeiert werden sollte. Zapp zarapp saßen wir in einer Kneipe im Dorfkern in der die einzigen Gäste die Wirtin selbst und ne Hand voll anderer Menschen waren die grade ein fröhliches Trinklied sangen als wir durch die Tür traten. Jetzt mag man sich denken OHO uff gehts, mitgesungen und nen Bier oder ne warme Suppe abstauben. Falsch gedacht. Nach einigen Liedern unsererseits und einem getrunkenen Bier wurde uns klar gemacht, dass wir doch nicht stören und bitte nicht so laut sein sollen. ( an dieser Stelle sol lder Name dieser sehr ungastlichen Kneipe nicht unerwähnt bleiben: „Futterkiste“). Gut, dann eben nicht! Ha wäre ja gelacht wenn wir nicht ne anständige Kneipe finden in der unserer Engelsgesang gebührend belohnt wird. Rucksäcke auf und hinein in die regnerische Nacht. Nach kurzem rumirren fanden wir eine noch geöffnete loungähnliche Bar. Hier war das Personal freundlicher und die Gäste auch. Eine nette Dame, die Ihre Tuba!!! dabei hatte erklärte uns sogar wo wir für die Nacht ein ruhiges trockenes Fleckchen finden könnten. Dieses Fleckchen war eine Tunnelunterführung die wie für uns geschaffen war. An diesem Ort wurde also Helges 24. Geburtstag begossen. Einen Geburtstag an einem solchen Plätzchen zu verbringen kann man jedem kaffeekränzchenstandardgeburstag Geplagtem stark empfehlen!

-Robert-

(WER SCHREIBT DEN NÄCHSTEN TEIL???)

Eine kleine Schar in den Nebelbergen…

… oder auf dem Dörnberg.

Doch beginnen wir am Anfang !

Anfang Januar, kurz nach Winterlager und Silverstersause im Landheim mit all den guten Freunden und mächtig viel Trubel und wenig Ruhe für sich selbst, sprangen einige Unermüdliche nochmal in die Wanderstiefel um einige wenige Tage die Natur, die Kothe, das Lagerfeuer und alles weitere was zu einer Fahrt dazu gehört in sich aufnehmen zu können. Die Tippelgemeinschaft bestand diesmal aus Clara, Max, Roffe, Henner und mir.

Mit allen trafen wir uns am 3. Januar am Hüttchen des Stammes um die Kotheplanen in die Affenrollen zu integrieren, die Vorräte, die größtenteils noch vom Lager übrig geblieben waren, aufzuteilen und gemeinsam die Fahrt richtung Dörnberg zu starten. Damit sollte Maxes sehnlicher Fahrtenwunsch in Kassels Umgebung endlich gestillt werden. Aber auch wir anderen waren begeistert von dem Gedanken auf den Helfensteinen zu stehen und von dort das schöne Umland zu betrachten.

So ging es also los ohne Stock aber dafür mit Hut. Auf in den Habichtswald richtung Gaststätte Silbersee, wo wir auch nach einem kurzen stop am Erlenloch in der Dämmerung ankamen. Die Kothe wollten wir nach einer kleinen Erfrischung in dem Waldgasthaus auf dem Gelände der „Hütte“ ganz in der Nähe aufschlagen. Also rinn in die gute Stube und nen Schoppen genehmeigt. Als dann gegen 19 uhr von der Wirtin angekündigt wurde, dass wir doch langsam austrinken sollten machten wir uns auch daran.  Wir waren dann auch schon so fast am aufbrechen als der nette Wirt einen Teller nach dem anderen mit den schönsten Sahnetorten, Krebbeln und Baumkuchen vor uns hinstellte und meinte das könnten wir vor der kalten nacht draußen sicherlich gebrauchen. Stimmt, dachten wir uns bedankten uns heiter grinsend mehrmals und ließen es uns sehr schmecken. Danke Gaststätte Silbersee!

Mit angefütterten Mägen machten wir uns mit unsicherem Schritt im stockfinsteren Wald auf den kurzen Weg zur „Hütte“. Nach ca. 10 minuten kamen wir dort an, zündeten eine Kerze an legten die Sachen nieder und knüpften im schwachen Lichtschein die Kothe zusammen. Schnell war noch ein Kothenbaum im Wald abgehauen und die kothe auf dem feuchten Waldboden aufgeschlagen. Ohne viel Gerede wusste jeder was zu tun war. Der eine räumt die Ponchos und Felle eine der andere holt die Rucksäcke an den Eingang. Der Nächste sucht Steine für die Feuerstelle während der letzte sich um das Feuerholz kümmert.

Nachdem alle ihr Plätzchen im Zelt gefunden hatten das Feuer knisterte und qualmte, die Stiefel ausgezogen waren, da viel von uns allen der Streß der letzten Tage ab. Es wurde zünftig gespeist mit Brot, welches am feuer geröstet wurde belegt mit Wurst, Käse, Avocado und vielem mehr. Dazu schlürften wir ein Weinchen. Auch ein Pfeiffchen in Ehren kann niemand verwehren! Gut gesättigt krochen wir in die Schlafsäcke. Clara hatte den „Hobbit“ mitgenommen und so wurde da ein wenig draus vorgelesen  und nach nicht allzu langer zeit schliefen wir alle ein mit dem Gedanken morgen auf den Dörnberg zu steigen, vlt sogar in Nebelschwaden oder auch im Sonnenschein. Wie auch immer. Auf jedenfall bestätigten wir uns alle darin, dass es wundervoll ist mit seinen Freunden für kurze Zeit der Hecktik und Enge des Alltags zu entfliehen und auf seine eigen gestaltet Fahrt zu gehen. Ein bisschen Abenteuer.  Ein bisschen wie die Zwerge und Herr Beutlin auf ihrer Reise zu Smaug und dem einsamen Berg.

Am nächsten Morgen ging es nicht allzu früh los. Nachdem die klammen Kothenbahnen und alle anderen Sachen eingepackt waren machten wir uns auf den Weg zum Dörnberg, aber nicht ohne zuvor noch die Trinkflaschen beim Gasthaus aufgefüllt zu haben.

Der weg führte uns in diesiger, nebliger Witterung durch den Habichtswald richtung Dörnberg (Ort) wo wir noch dies und jenes für den Abend besorgten. Auch dort wurden wir vom Ladeninhaber mit Gebäckstückchen beschenkt. Von dort gings dann stetig hinauf auf den Großen Dörnberg welcher in Nebelschwaden vor uns lag. Alle Geräusche verschluckend umwaberte auch bald uns der Nebel zwischen den alten Buchen und endlich waren wir oben. Uns erwartet natürlich keine grandiose Aussicht sondern eine dichte undurchdringliche Suppe. Doch nach einiger Zeit wehte der starke Wind die Schwaden weg und wir konnten das Umland betrachten. nach einer kurzen Rast an einer Schutzhütte begaben wir uns zu den Helfensteinen, welche aus alten Basaltgestein bestehen und durch erosion zu Tage getreten sind. Nach kurzer Lagerplatzsuche im unterhalb liegenden Waldstück fanden wir nen lauschiges Plätzchen zwischen Fichten mit wintzigem Bächlein in der nähe. So ging das abendliche wortkarge Prozedere erneut los. Holz wurde gesammelt, Kothenbahnen geknüpft…. In der langsam sich anschleichenden Nacht knisterte das Feuer in der Kothe und ein schmackhaftes Süppchen wurde zubereitet. Nach dem ersten Durchgang folgt bald darauf ein zweiter woraufhin wir alle satt waren. Ein paar Lieder gesungen ein wenig aus dem Hobbit vorgelesen und schon waren alle wieder am ratzen.  In der Nacht stürmte es ganz wacker, was zu einem mehr oder minder unruhigem Schlaf führte.

So wachten wir am Morgen auch wieder später wie geplant auf und packten deshalb relativ fix die Sachen und kehrten für nen frühschoppen und kaffee in ein nahes Gasthaus ein. Diesmal gabs keine Gebäckstücke geschenkt! nachdem alle wieder halbwegs aufgewärmt waren gings fort über die ebenen des Dörnbergs nach Zierenberg. Wieder waren wir von Nebel eingehüllt. Am Fuße des Berges angekommen noch die letzten Vorräte aufgebraucht und schon war die Fahrt am Zierenberger Bahnhof zu Ende.Sehr schön wars mal wieder !

Und da sieht man mal weider, nicht lange oder weit muss man weg um die Freiheit zu spüren.

 

Horridoh, Robert

 

 

 

 

 

Als Gummitramps zum Bodensee

GUMMITRAMPS

Für uns als Kenner von „Into the wild“ wurde für die Lumpenbrüder und Schwestern die Definition des Ledertramps immer unseren Fahrten und Touren an die verschiedensten Orte gerecht.
Doch bei dieser Tour wählten wir uns, Henner, Max, Robert und ich (Winnie) einen doch altbewährten, aber für uns neuen Weg, die Kilometer der Asphaltwüsten der deutschen Autobahn zurückzulegen. „Wir wollen TRAMPEN!“ (Gummitrampen, wie man es in amerikanischen Expertenkreisen nennt.) Erzählten wir zu anfangs noch mit stolzem Übermut. Aber das Abenteuer „Gummitramps“ wollte uns als gerade zurückgekehrte Leichtmatrosen auf die Probe stellen…

 

Mit einem guten Schluck angetrunkenen Mutes, dem ersten augustlichen Trullalla (es war der 13. August, Helges Geburtstag) und gefühlter Trueness in den Stiefeln, begaben sich die vier Gestalten auf das erste Rastplatz-, Parkplatz-, Haltebuchtmoped. (Undefinierbar!) Es war eine Ansammlung von Zwangspause-LKW-Fahrern, ein paar durchrauschenden Alleinfahrern, die uns mit typischen „Ich würd ja gerne, kann aber nicht“, oder „muss nächste Ausfahrt raus, Sorry“-Tramper-Blicken straften. Nach mehreren Versuchen, gaben die Schildwedeler auf und beschlossen am nächsten Tag die großen Kilometer gen Süden zurückzulegen. Von der Sonne und stinkender Abgase geknechtet, doch den Enthusiasmus noch immer in den Gesichtern liegend, wurde nicht lange überlegt und ein Grünstreifen zwischen LKW-Ladestation und Autobahnparkplatz zum Schlafplatz umfunktioniert. Dies alles nur wenige Kilometer von den Kasseler Betten entfernt. Nun, auf den 13. August folgt ja für gewöhnlich der 14. Und so wurde mit Pils, Radler und BurgerKing-Burgern das nächste Trullalla eingeleitet. ALLES GUTE, Max! (Bleibt sicherlich ein unvergesslicher Geburtstag! 😉 )

Am nächsten Morgen sollte es das Glück nun besser mit den jungen Weltenbummlern meinen. Zu mindestens mit zwei von ihnen. Ein herzensguter LKW-Fahrer, weichgeredet mit jungendlichem Charme, befreite Max und Winnie schließlich aus der Tramperhölle und brachte sie kurzerhand mit 30 Jahren LKW-Geschichte und Tonnen von gekühltem Blut im Ladeverdeck 20Km weiter zum nächsten Rastplatz. Von hieran hatten Wetter und PKW-Fahrer ein Herz für die müden Reisenden. Und während Team 1 (M&W) stetig vorankamen, war Team 2 (H&R) noch immer in der Hölle gefangen. Mit tramperfreundlicher Weiblichkeit gesegnet, begegnete Team 1 spannendsten Lebensgeschichten, guter Musik und schrägen Gestalten, um irgendwann die erlösende SMS zu erhalten: „Wir sind losgekommen. Sind bald in Würzburg. Robert“ Und so trafen sich die Teams und waren für einen kurzen, gemeinsamen Snack am Würzburger Rastplatz vereint. Für das erste konkrete Ziel hatten die Lumpenbrüder und Schwester Wien angepeilt, doch merken sie rechtzeitig genug, dass der Übermut und die Realität der deutschen Tramperfreunde nicht zusammenpassten. Flexibel und spontan wurde das Ziel umdisponiert und so blieb es zwar der Süden, doch immer noch auf deutscher Seite. Der BODENSEE!

Schnell wieder losgekommen, doch beide Gruppen auf verschiedenen Autobahnen Richtung Wasser transportiert, glaubten sie kaum noch an ein abendliches Wiedersehen. Doch wie es der Zufall so will und das beschißende, zum Glück von Bier spendenden portugiesischen Lastfahrern besiedelte Ulmer Autobahndreieck, ermöglichte eine Konstanzer Wiedervereinigung. So legte Team 1 die letzten zu überwindenden km per Zug nach Konstanz zurück, während Team 2 mit der Fähre den Teich nach K-town überquerte. Sie hatten es geschafft!

 

BODENSEE

Nach der Ankunft und freundlichen Geistern aus der Vergangenheit (Marie und Vanny, zwei Freunde von mir, begrüßten uns spontan am Bahnhof) begann unsere Tour und endete Max‘ Geburtstag mit einem Wumms. Der Hafen bot an diesem sommerlichen Abend nicht nur touristisches Sonnenuntergangsambiente, sondern eine musikalische Darbietung, die passender hätte nicht sein können. Sechs bis sieben junge Leute aus den verschiedensten Nationen, mit Instrumenten, Feuerpois und den schönsten Singstimmen gesegnet, hatten unsere ganze Aufmerksamkeit. Sie verkörperten, dass was wir alle lieben: Musik machen, frei und immer unterwegs sein. Nach dem offiziellen Auftritt beschnupperten wir uns alle ein bisschen und es entstand plötzlich eine verrückte Runde aus unsern Gipsy-Musikern, einer Hippi-Lady, zwei stadtbekannten Straßenbummlern und uns dazwischen, als „so was ähnliches wie Pfadfinder, aber ohne Kinder, joa so wandern und so. Ja, und true, halt, ne?!“ Es wurde gesungen, und erzählt, philosophiert und sich ausgetauscht. Was für ein schöner Abend!

Unser Nachtasyl wurde das Ufer des Bodensees. Ein Meter vor dem Wasser breiteten wir unsere Sachen aus und sanken nach kurzer Zeit in einen beseelten Schlaf, wenn da nicht der nächtliche Besuch des Fuchses gewesen wäre, nicht wahr, Robert? 😉

Die Sonne weckte uns mit ihrer warmen Güte und nach aaliger Morgengrüße genossen wir die großartige Lage des Schlafplatzes und waren nach nur drei Schritten und erfrischenden Ausrufen mit Kopf und Fuss im Wasser.

Von der Hitze und der Schönheit Konstanz‘ betäubt, blieben wir an unserem naja, mäßig abgelegenen Örtchen noch einen Tag, bewegten uns nur wenn wir eine Abkühlung brauchten, und krochen dann auf allen Vieren in den klaren und doch von urindurchsetzten See. Es hätte nicht schöner sein können. Doch dann des Nachts, nach einer gepflegten Runde Bier mit alten und neuen Freunden, versetzte ein doch nicht vorbeiziehender Regen die Szenerie in einen sehr nassen Albtraum. Ja, es wollte kein Ende nehmen, und dann ergoss sich gefühlt der gesamte Inhalt des Bodensees über unsere Klamotten, Felle, Kothenplanen… Doch es dauerte eine Weile bis wir uns eingestanden: Hier können wir nicht bleiben! Also rasch die Sachen zusammengepackt und noch rascher den Weg zurück in die Stadt gelaufen, fanden wir uns im Trockenen und mit einer Tasse Kaffee wieder. Wir nahmen den nächsten Zug und machten uns auf die andere Seite des Sees. Nach Lindau. Kaum waren wir dort angekommen, unsere Gemüter noch von Regen durchnässt, grinste uns die Sonne wieder schadenfreudig entgegen. Die Sachen schnell getrocknet und das Nötigste besorgt, verließen wir das Touristenparadies und kehrten in einem Waldstück ein. Gut gegessen und mit trockenen Planen über unseren Köpfen endete der dritte Tag.

Der vierte Tag kündigte das Ende einer bisher sehr entspannten Tour an. Schon am frühen Morgen machten wir uns auf den Weg. Und bald befanden wir Wanderer uns in den Feldern der deutschen Obstlieferanten. Rechts und links vom Weg standen Apfel-, Trauben- und Birnenbäume. Am Horizont erstreckten sich die Alpen, zu ihren Füßen lag still der Bodensee, um den es wimmelte. Was für ein Panorama! Zwar von der Sonne verlangsamt, denn der Schweiß trieb uns nur langsam voran, verbrachten wir auch die nächsten Tage zwischen Apfelplantagen und Waldgebieten. Wir genossen die Aussichten und tippten hin und wieder unsere Zehen in das große Nass, das Zentrum unserer Reise.

Nach einem gediegenen Abschlussessen und einer strapazenreichen Heimfahrt, erreichten wir nach acht Tagen Sonne (und einer Nacht im Regen) unser Kassel. Schweißgebadet und doch von Freiheit und Natur beflügelt, nahmen wir gedanklich Abschied vom Bodensee, und von einander…

 

Die Harzer Hexe …

Nach langem Hin und Her, wo denn die nächste Tippelei der Lumpen hin gehen möge, tätigte Moge einen weisen Vorschlag: „Der Harzer Hexenstieg“

Los ging es also am 4.4. in Osterode, wobei sich die verschieden Lumpenfetzen zunächst erst einmal dort bündeln mussten, da sie von überall her kamen.

Schnell die nötigen Einkäufe im lokalen Netto-Markendiscount erledigt, war unsere Gruppe heiß drauf endlich wieder, in einer neuen Besetzung, auf Fahrt zu gehen.

Alt eingesessene Vagabundenbrüder wie Max und Robert (ab Torfhaus) führten die noch weitesgehend unerfahren Lumpenlehrlinge Clara, Moge, Henner und meine Wenigkeit in die Kunst des unbeschwerten, freien, fröhlichen, angeheiterten, aber sowie immer chronisch unterhopften Tippelns ein …

Osterode zeigte sich von einer sehr urtümlichen Art und Weise, gespickt mit allerlei schönem Fachwerk, wobei der Weg natürlich möglichst schnell aus dieser regionalen Metropole hinein in den Wunderwald Harz führte.

Erschöpft von langer Anfahrt und der Blick auf die Uhr zwangen uns bereits nach wenigen Kilometern eine Köte mit dem herrlichen Namen: „Oberförster“ als nächtliche Behausung aufzusuchen.

Schnaps, Hopfenkaltschale und ein warmes Abendessen ließen uns gut und lange razzen, bis am nächsten Morgen, ein Förster uns relativ deutlich klar machte, dass die Übernachtung geduldet wurde, aber es doch besser sein würde, sich bald wieder auf zu machen …

Sodann kämpften wir uns weiter bergauf voran und lernten in einem anderen Holzunterstand, wo eine Brotzeit mit Meisterschütz als flüssige Beilage, uns sättigte, zwei Wanderer kennen, welche uns noch die ganze Tour über immer wieder begegnen sollten.

Der Weg zeigte nach und nach was er an Vielfältigkeit zu bieten hatte und nach einem ordentlichen Marsch schlugen wir schließlich unweit von Altenau das erste Mal die gute alte Kothe auf und heizten uns mit einem geselligen Kothenlagerfeuer (den Schnaps nicht zu vergessen, Wodka und Irish Whiskey waren auch in der Minibar verfügbar) zur kleinen Singrunde ordentlich an.

Der nächste Tag deutete bereits einen kälteren Wetterumschwung an und die müden Knochen knackten als wir die Kothe zusammenlegten und uns auf nach Altenau machten, um das Frühstück einzunehmen und die sich bedrohlich leerende Minibar wieder aufzufüllen.

Nachdem wir aus einem Gasthaus verwiesen wurden, wo wir lediglich zu einem heißen Tee unsere Brotzeit einnehmen wollten (es sollte nicht das erste und letzte Mal gewesen sein), wurde uns das Kurzentrum als warmer Unterstand empfohlen.

Moge und ich besorgten ein paar lecker Brötchen und nen heißen Kaffee to – Mitnehmen und schon war die erste Mahlzeit des Tages gerettet.

Nach dem Frühstück musste Clara leider feststellen, dass die Hufte nicht ganz mitspielen wollte uns so trennten wir uns schmerzhaft auf dem Weg nach Torfhaus, unsere nächste Station, wo Robert dazu stoßen sollte.

Auf drei verschiedenen Wegen, Clara als Tramperin, Robert sehnsüchtig in Bahn und Bus aus Münster anreisend und der Rest der glorreichen Halunken im Wald stolzierend, trafen wir fast zur gleichen Zeit an der „Bavaria Alm“ in Torfhaus ein.

Der Weg von Altenau nach Torfhaus sollte sich nach anfänglichem unspektakulärem Anstieg, als einer der schönsten Strecken der ganzen Tour herausstellen.

Ein bisschen was von Schweden, Norwegen und der Slowakei war dort zu finden und es tauchten bereits die ersten Schneefelder auf, während die Temperaturen immer weiter sanken, Torfhaus lag bereits auf knapp 800m Höhe.

Gestärkt mit einem Liter eiskaltem Löwenbräu liefen wir von nun an zu sechst weiter und die Landschaft verwandelte sich zunehmend zu einem Abbild Skandinaviens. Seen taten sich hinter den Kieferwäldern auf und wir hatten teilweise Probleme nicht zu stolpern, da der Blick in die Ferne ragte, aber die wackligen Beine teilweise nicht gehorchen wollten. Wir waren allesamt schlichtweg besoffen von dem Bier auf nüchternem Magen. Auch die ein oder andere Schnapspause konnte an dem Zustand nichts ändern ; )

Ausgezehrt und vor allem hungrig fanden wir schließlich in der Nähe eines weiteren Unterstands im Wald ein lauschiges Plätzen. Routiniert wurde die Kothe hochgezogen, Feuerholz gesammelt und in handliche Stückchen gebrochen, das Nudelwasser aufgesetzt und der ein oder andere Kurze getrunken.

Wir beschlossen eine Nachtwache einzuführen um die Kothe die ganze Nacht über heizen zu können, die Temperaturen waren mittlerweile unter null gefallen.

Mitten in der Nacht fielen dann die ersten weißen Kristalle durchs Kothendach und ein Blick nach draußen bestätigte unsere Vermutung, es fing richtig an zu schneien, am nächsten Morgen lagen 10 – 15 cm Neuschnee, das war für mich persönlich und für die meisten anderen die erste Nacht mit einer Kothe im absoluten Weiß.

Von nun an wechselten wir immer 2 Stunden wandern und 2 Stunden Einkehr in Wirtshäusern entlang des Weges ab, um wieder Wärme aufzutanken.

Es war wirklich ein Genuss im verschneiten Harz zu wandern, allerdings durfte man nicht stehen bleiben, die Kälte setzte uns schon ordentlich zu …

Der Ostersonntag wurde trotz Kälte standesgemäß mit dem Suchen bunter Genussmittel angegangen. Wir schafften es endlich den uralten Plan umzusetzen Klopfer im Wald zu suchen. Clara als legitimierte Osterfee bemühte sich gute Verstecke zu finden, aber Robert und Max, angelockt von vorgegaukelter Wärme der Miniaturschnäpse, jagten aus der Kothe raus und macht sich unverzüglich auf die Suche. Bevor Moge, Henner und Ich lange überlegen konnten sprangen auch wir in unsere Stiefel und fielen aus der Kothe. Es wurde ein kurzes aber lustiges Besäufnis, morgens gegen 11.

Wir einigten uns darauf am letzten Tag ein urtümliches Gasthaus aufzusuchen und original Harzer Küche zu kosten. Diese Gelegenheit ergab sich also in Braunlage.

Nachdem ein freundlicher alter Mann mit den Worten „isch komme jedes Johr hier her und esse stets, usser montags, hier“ uns die Entscheidung abnahm und auch noch extra mit dem Satz „herzhafte Küche für acht Mark neunzig, kann man nix sagen“ zurückkam, betraten wir also dieses Gasthaus, nass geschwitzt und nach Feuer stinkend („ach deshalb riecht ihr wie unsere Köhler“).

Wir Lumpen ließen uns überhaupt nicht lumpen und bestellten Schmaus und Trank für ca. 30 Takken pro Kopf, ohne uns daran zu stören.

Dieses Essen setzte den Schlusspunkt einer sehr gelungenen, abwechslungsreichen, einzigartigen Fahrt in den Harz und ich ahne, dass wir im Balde wiederkommen werden …

Horridoh,

Helge