Spitzbergen- alias Svalbard

Spitzbergen- alias Svalbard
Hallo meine Lieben,
dank Claras Rundmail im April bin ich nun schon seit fast drei Wochen auf der arktischen Insel, Spitzbergen . Ich weiß, dass viele von uns das Angebot hier den Sommer über als Wanderguide zu arbeiten mehr als gerne wahrgenommen hätten, der Zeit aber mit Klausuren oder Arbeiten beschäftigt sind. Damit ihr alle trotzdem ein bisschen daran teilhaben könnt und ich schon mal auf eure nächste Uni/Arbeitsfreie Zeit freuen könnt, hier der erste kleine Bericht aus dem hohen Norden. (Und nur zur Beruhigung auch ich beginne im Oktober mit der Uni und spätestens dann hat es ein Ende mit der Reiserei und ich werde eure Blogs lesen).
Es 00:00 die Sonne scheint durch die Fenster des Campingplatzgebäudes in meinen Rücken und fühlt sich hier drin herrlich warm an. Die Betonung liegt auf drin =) Das sommerliche arktische Klima liegt tagsüber zwischen 2-9 Grad, kombiniert mit dauerhaftem Wind und ist für mich als Frostbeule sicherlich die größte Herausforderung hier oben. Schaue ich aus dem Fenster blicke ich direkt auf den Isfjorden, Eisfjord, mit all seinen Gletschern und spitzen Bergen welche der Insel ihren Namen gegeben haben. Es ist ein atemberaubender Anblick der sich, wie ich finde, am besten von drinnen genießen lässt. Trotz allem wird es auch in der Arktis Sommer und so lässt es sich bei Windstille und Sonnenschein durchaus auch mal ohne Jacke wandern. Der letzte Schnee in den Tälern schmilzt und verwandelt trockene Böden in kaum durchquerbare Morastfelder und Flüsse, bringt aber auch die ersten Blumen und Gräser hervor. Flora und Fauna müssen das wärmere Klima optimal nutzen um Energie für den langanhaltenden Winter zu nutzen, welcher bereits wieder Mitte September beginnt.
In den vergangen Wochen haben die anderen Guides und ich die Einführungsphase durchlaufen, welche uns auf die Arbeit mit den Gästen vorbereiten soll. Insgesamt sind wir ein sechsköpfiges bunt zusammengewürfeltes Team .Da wäre einmal ein holländisches Pärchen (Mitte 20) die ihren gesamten Jahresurlaub hier verbringen, ein deutsches Pärchen aus Hamburg (20) die wie ich kurz vor dem Studium stehen, ein 63 jähriger Schweizer- mit Abstand der fitteste von uns- und ich. In den letzten Wochen haben wir uns intensiv mit der Flora, Fauna, Geografie, Geologie und der Geschichte der Insel auseinander gesetzt. Ich hätte nie gedacht, dass ich einmal so viel Gefallen an diesen Themen finden würde, aber wenn man es auf einmal persönlich mit Permafrostböden, Gletscherspalten, Kohlekraftwerken oder seltenen Vögeln zu tun hat, ist es doch sehr viel aufregender als in jedem Reiseführer. Zur Freude meines besonders gut ausgeprägten Orientierungssinns ; ) wird das höchste Gewächs hier nur 30cm hoch und der höchste Baum sogar nur 5 cm. Wenn es also nicht gerade neblig ist, kann man sich anhand der Karte meist gut orientieren. Distanzen mit bloßem Auge einzuschätzen fällt aufgrund der ausgedehnten Landschaft eher schwer und so scheinen die meisten Ziele viel näher als sie in Wirklichkeit sind. Das kann manchmal zu sehr langen Wanderungen führen, wobei unser Rekord bei 14h liegt, aber zum größten Teil ohne Gepäck. Nachts ist das Wetter hier meist besser und so kommt es nicht selten vor, dass wir unsere Tages oder Mehrtagestouren erst gegen Abend beginnen und dann die ganze Nacht durchwandern. Das Licht gibt einem eine unbegrenzte Freiheit sich die Zeit beliebig einzuteilen und man kann ungestört nachts sein Buch lesen, ohne jemanden mit der Taschenlampe vom Schlafen abzuhalten.
Der Eisbär ist hier oben, trotz seiner sehr seltenen Anwesenheit trotzdem ein dauerhaftes Thema. Auch wenn es nicht allzu häufig vorkommt gibt es doch immer wieder Eisbären im Landesinnern oder an der Küste, die in Menschen durchaus ein gefundenes Fressen finden/gefunden haben. Es ist daher auch tagsüber unabdingbar beim Verlassen der Stadt ein Gewehr mit sich zu tragen. In den ersten Tagen haben wir deshalb ein Schießtraining gehabt, welches selbst ich mehr oder minder gut absolviert habe .Die einzige davon getragene Verletzung war der durch den Rückschlag verursachte blaue Fleck an meiner Schulter ; )Einen Eisbären darf man allerdings erst schießen, wenn alle anderen Möglichkeiten ihn zu vertreiben ausgeschöpft sind (z.B. Signalpistole) und er näher als 30m ist. Bleibt zu hoffen, dass ich in einer solchen Gefahrensituation 30m noch abschätzen kann.
Spitzbergen ist aber natürlich längst nicht so abgeschieden und einsam wie man sich einen der nördlichsten Orte der Welt vorstellt. In der Hauptstadt Longyearbyen, welche 1906 zwecks des Kohleabbaus gegründet wurde, gibt es einen Supermarkt, ein kleines Shoppingcenter, einen gratis Second-Hand-Laden, mehre Kleidungsgeschäfte und ganze vier Bars. Eine davon bietet die zweitgrößte Spirituosenauswahl Europas, vorher kommt nur noch eine Bar in Stockholm. Da Spitzbergen unter norwegischer Souveränität steht gelten hier auch norwegische „Bargesetze“ und so habe ich nicht schlecht gestaunt als mir die Barkeeperin um Punkt 2:30 das halb volle Glas aus der Hand genommen hat. Von den Preisen her ist Spitzbergen zwar teuer aber aufgrund der Steuerfreiheit in vielem um einiges billiger als Norwegen. So kostet hier das billigste Bier circa 1,20 Euro pro Dose (0.5l). Frischwaren und Post müssen aber extra eingeflogen werden und haben ihren Preis, so kosten 00 Gramm Joghurt schlappe 5 Euro.
Besonders spannend an Spitzbergen sind die Leute. Man trifft hier wirklich auf alles und jeden, vom Pfadfinder, über den Geologen der schon seit 20 Jahren hier wohnt über den Kreuzfahrtschifftouristen bis hin zum Künstler, Menschen aller Nationen. Spitzbergen gewährt jedem Bürger, unabhängig der Nationalität, ein Aufenthalts- und Arbeitsrecht und ist vllt. ein kleines und wie ich finde sehr schönes Beispiel einer wirklich „geeinten“ Welt.
Viele Leute kommen nur für einige Monate oder Wochen, sowie ich und es ist daher nicht schwer neue Leute kennenzulernen. Da wir aber auf dem einzigen Campingplatz der Insel wohnen sind es vom Zelt bis zur Stadt circa 5km. Wenn man kein Fahrrad hat, das man nie anschließen muss, findet man meist jemand freundliches der einen mitnimmt.
Unsere Einführungsphase endet morgen und je nachdem wie viel Arbeit es gibt, bleibe ich entweder bis zum 24.Juli oder komme schon vorher nach Hause. Eine kleine Tour habe ich allerdings schon hinter mir, eine Busrundfahrt durch Longyearbyen. Ein Bus voller deutscher Rentner die mit dem schönen Kreuzfahrtschiff „Mein Schiff“ ein paar Tage in die Arktis schippern. Es hat tatsächlich Spaß gemacht die Herrschaften mit meinem Wissen über Stadt und Insel zu berieseln- viel Information in kurzer Zeit war ja schon immer meine Stärke und auch mein Humor scheint anscheinend genau richtig für diese Alterklasse zu sein.
Inzwischen habe ich mich sehr gut im Nebel und gefühlten deutschen Herbst eingelebt und kann mir kaum vorstellen, dass bei euch gerade Sommer ist. Ich freue mich aber trotzdem sehr auf wärmere Temperaturen und hoffe ihr genießt die schönen Tage doppelt für mich mit, sowie ich die schöne Aussicht, Natur, Ruhe und Freiheit für euch genieße.
Viele arktische Grüße und bis bald.

Stephi

Bilder aus dem Land der Cricketweltmeister!

Der klassische, junge, moderne Inder ; )
Sai Baba und ich am Sikh Tempel
Beim "Toggeri-Säubern", eine Art Linsen
Beim "Toggeri-Säubern", eine Art Linsen
Bidar Fort beim Sonnenuntergang
v.l. nach rechts Daniel, Henriette, ich und Philipp vor dem Sikh Tempel in Bidar
v.l. nach rechts Daniel, Henriette, ich und Philipp vor dem Sikh Tempel in Bidar
Teeplantagen in Südindien
Teeplantagen in Südindien
ergebnisse unserer eigenen Holi-Farbschlacht
Ergebnisse unserer eigenen Holi-Farbschlacht
Sonnenuntergang in Mumbai
Holifarben
Holifarben

Das sollen nur ein paar Eindrücke aus den vergangenen Monaten. Da mein Internet leider zu lange braucht um Bilder auf diese Homepage zu laden, habe ich jetzt ein Picasa-Webalbum angelegt.

Wenn ihr also mehr Bilder sehen möchtet, dann schaut auf

https://picasaweb.google.com/109629933802330675000

TII- This is India

Wenn das öffentliche Krankenhaus keine Ärzte zur Verfügung hat, die Rikshas nur die Hälfte kosten und die Nonnen ihr Gebet ausfallen lassen, dann spielt Indien im Halbfinale der Cricketweltmeisterschaft gegen Pakistan. Indien im Ausnahmezustand – und das zu Recht- denn sie haben es ins Finale geschafft, in letzer Minute gegen den großen Rivalen Pakistan. Zur Demonstration der Freude packt dann ein jeder Inder das in seinem Haus für jede Gelegenheit gelagerte Feuerwerk aus, Pataki, und lässt alle Nachbarn auch an dem freudigen Ereignis teilhaben. Eine Situation wie sie bei uns nicht mal bei der WM vorkommen würde und deshalb den Terminus TII verdient – This is India!
Nur für unsere Schülerinnen im CVTI war das Cricketspiel gestern eher Nebensache. Denn für 40 von ihnen heißt es heute Abschiednehmen. Was für die meisten von Ihnen bedeutet , dass sie sich wahrscheinlich nie mehr wiedersehen, und ihre unabhängige Schülerzeit nun vorbei ist. Viele werden jetzt arbeiten und Geld für ihre Hochzeit und die Aussteuer sparen, bevor sie dann ein von ihren Eltern geplantes Leben führen, verheiratet werden und Kinder bekommen. Diese Erkenntnis macht vielen Schülerinnen den Abschied wahrscheinlich noch viel schwerer. Trotzdem gab es gestern eine schöne Abschiedsfeier mit Tänzen, Gesang, Dankesreden, die sogar Sister Christine zu Tränen gerührt haben, sowie leckerem Essen. Henriette, Irvina und ich waren damit beschäftigt Abschiedskarten zu schreiben, Poesiealben zu füllen, die man in Indien auch noch mit 25 hat, und Fotos zu drucken. Natürlich hat uns der Abschied auch nicht unberührt gelassen, weil wir die meisten von unseren Schülerinnen wahrscheinlich nie wiedersehen werden. Aber wir hoffen auf Post aus Indien, wenn wir wieder zu Hause sind. Durch den Abgang der NTC-Students, hat sich auch unser Stundenplan geändert und so unterrichten wir jetzt nur noch 3 Klassen pro Tag anstatt 6. Dies gibt uns mehr Zeit den Unterricht und andere Dinge vorzubereiten, und lässt unsere letzten Wochen noch etwas entspannter werden.
Neben dem Abschied von Irvina, einer anderen Freiwilligen aus Neuseeland, den Schülerinnen und einer unser Lehrerinnen gibt es natürlich auch noch jede Menge freudige Sachen zu berichten. So hat mich zum Beispiel die letzten zwei Wochen eine Freundin aus Kassel besucht, und wir haben einen weiteren Teil von Südindien erkundet. Für mich ging es zu Beginn ersteinmal ein paar Tage alleine nach Mumbai, weil Henriette mit Typhus im Bett lag. Ja, auch das ist TII, man kann hier Krankheiten bekommen, die in unseren Breitengraden längst ausgerottet sind. Die Stadt ist noch besser als ich sie mir vorgestellt habe, weil sie Indisches und Westliches vereint, was sich sowohl im kulturellen Bereich als auch in der Architektur der Innenstadt widerspiegelt. Ich habe bei Freunden von Irvinas Familie gewohnt, die mir sehr viele Tipps bei der Stadterkundung geben konnten und mich obendrein noch mit sehr leckerem indischem Essen versorgt haben. Zur meiner Freude besitzen sie nämlich ein Restaurant. Neben der Besichtigung von Hauptattraktionen wie dem Taj Hotel und dem Gate of India, habe ich mich noch auf Märkten verloren, Mumbais dreckige Nebengassen erkundet, europäische Bäckereien und Kunstausstellungen besucht und so viele Tempel und Gotteshäuser verschiedener Religionen gesehen, dass ich sie gar nicht mehr alle aufzählen kann. Sehr angenehm ist auch, dass es in Mumbai eine Straßenbahn gibt und man so dem Smog und den langen Staus entgehen kann. Was für mich allerdings ungewohnt war, waren die ständigen Durchsagen, auf sein Gepäck und das Gepäck anderer zu achten und Auffälligkeiten sofort der Polizei, die an jedem Gleis sitzt, zu melden, um weitere Terroranschläge zu vermeiden. Als multikulturelles Zentrum Indiens ist Mumbai für diese natürlich sehr beliebt und so wurde in den letzten Jahren nicht nur das Taj Hotel angegriffen, sondern auch ein das Café Leopold in der Innenstadt, was sehr beliebt bei Touristen ist, und die Straßenbahn. Insgesamt eine sehr faszinierende, sehr organisierte Stadt für indische Verhältnisse, die ich immer wieder besuchen würde. Von Mumbai ging es dann mit meiner Freundin nach Bangalore, wo wir Henriette und Irvina getroffen haben, um nach Mysore, eine hinduistische Pilgerstadt in Karnataka, zu fahren. Neben Sandelholz, Seide und Räucherstäbchen ist diese auch bekannt für den legalen Konsum von Marijuhana, und dementsprechend sind nicht nur die Touristen sondern auch zum Teil die Inder. Da wäre zum Beispiel unser lieber Rikshafahrer „Master Blaster“, der nicht nur die ganze Stadt mit den Backstreet Boys, Spice Girls und Aqua-Barbiegirl beschallt( in Indien hochmodern, sowie als wären diese Lieder gerade erst auf dem Markt erschienen, aber Männern tragen auch ja auch Schnauzer und Schlaghosen, wen wundert’s also) sondern uns das Rikshafahren beigebracht hat und das beste Gras der ganzen Stadt zeigen wollte. Außerdem haben wir einen Ölmann besucht, der vor 20 Jahren mal Mr. India und Bodybuilder war, sich dann aber zu seiner Spiritualität und Naturverbundenheit bekehrt hat, und Ayurvedaarzt wurde. Wir haben den Mysore Palace besucht, den Königspalast der Stadt, der sehr orientalisch ist, und unser eigenes Holifest gefeiert. Holi ist das hinduistische Frühlingsfest, welches hauptsächlich im Norden Indiens und in Nepal gefeiert wird, da es auch nur dort einen richtigen Winter gibt. In Südindien ist das Fest leider nicht so verbreitet und wird nur unter Freunden und in der Familie gefeiert. Da wir in Mysore aber niemanden kannten, haben wir dann einfach unter uns gefeiert und wurden somit auch gleich zur Touristenattraktion Nummer eins. Nach Mysore besuchten wir die südindischen Berge und Teeplantagen in Ooty, kauften Tee und froren in der Nacht, da es wirklich kalt, aber auch angenehm europäisch in den Bergen war. Im weiteren Verlauf unserer Reise wuschen wir noch Elephanten und Wäsche im Fluss, waren am Strand und hatten dann unser zweites und letztes Zwischenseminar. Bei diesem mussten Henriette und ich feststellen, dass wir in einem ganz anderen Indien zu sein scheinen, als viele unserer Mitfreiwilligen. Diese halten Indien für ein Land voller langsamer, oberflächlicher Menschen, die einem nur freundlich begegnen, weil man weiß ist. Hierzu eine kleine Hintergrunderklärung: Wie ihr wahrscheinlich willst, spielt das Kastensystem in Indien immernoch eine große Rolle. Und da Kaste wörtlich üebersetzt Farbe bedeutet, spielt auch die Hautfarbe eine sehr große Rolle. Je weißer, desto reicher und schöner, weil man ja nicht in der prallen Sonne auf dem Feld arbeitet, und deshalb ist Indien auch voll von Bleichungscremes wie “ Fair and lovely.“ Und als wir aus dem Urlaub kamen haben unsere Schülerin unsere gebräunte Haut sehr erschrocken mit “ Became little black, Miss“, kommentiert.
Es stimmt schon, dass man in Indien somit als Weißer viele Vorteile hat, mehr dazu gleich, aber in Indien sind Gäste grundsätzlich Könige und deshalb finde ich nicht, dass einem nur freundlich begegnet wird, weil man weiß ist. Einen der Vorteile hatten wir zum Beispiel, als vor 1,5 Monaten das große Bidar Musikfest “ Bidar Utsav“ war. Mit unserem indischem Tanz haben wir es beim Casting leider nicht geschafft, uns einen Platz auf der Bühne zu sichern, was uns bei 200 000 Zuschauern aber auch ganz Recht war. Wir wollten aber das Spektakel aber auf keinen Fall verpassen und so sind wir mit ein paar Freunden aus Hyderabad in die Ruinen des Bidar Forts gegangen, um neben Wrestling und Bodybuildern( die in Indien auch noch sehr modern und beliebt sind) auch die musikalischen indischen Größen zu bewundern. Es hat keine fünf Minuten gedauert und wir haben es ohne wirklich irgendetwas dazu beizutragen von der letzen Reihe bis in die VIP Lounge geschafft, in der das Ticket sonst circa 100 Euro gekostet hätte. Die Inder hat es so sehr gefreut, dass ihr Fest vermeintlich auch internationalen Anklang gefunden hat, dass wir nicht nur im Fernsehen sondern auch in der lokalen Zeitung waren. Das war mir vor unseren Schülerinnen und Kolleginnen mehr als peinlich, weil ich nicht die “ Weiße“ sein wollte, die es nur deshalb nach ganz vorne schafft. Diese waren aber ganz begeistert und sehr stolz auf ihre ausländischen Freunde und haben mit mir geschimpft, weil ich auf dem Foto inder Zeitung nicht lächele. Am nächsten Tag wollten wir unsere Hautfarbe dann auch zum Vorteil für unsere indischen Freunde machen und haben uns als deutsche Journalisten ausgegeben, die jeder einen Übersetzer brauchen. Und siehe da, wir haben es immerhin in die Journalistenabteilung geschafft, mit den Indern die hervorragend mitgespielt haben, wenn auch nicht in die erste Reihe. T-I-I eben.
Am letzten Wochenende hatten wir dann noch das Glück, mit meiner Freundin aus Deutschland, eine hinduistische Hochzeit zu besuchen, bei der es nicht nur leckeres Essen gab, sondern am Abend auch mit lauter Musik auf der Straße getanzt und gefeiert wurde. Leider ist das Tanzen in der Öffentlichkeit eher den Männern vorbehalten, und wir kamen eher weniger dazu. Was aber auch ganz gut war, da wir so den betrunkenen, grapschenden Indern etwas entkommen konnten. Lustig anzusehen war das Ganze auch, und bei so viel lauter, guter Musik auf einem fahrenden Traktor ist mir aufgefallen, dass ich doch mal wieder gerne weggehen würde.
Die letzten 2,5 Monate sind angebrochen, auch wenn ich es noch nicht so richtig realisieren kann. Meine Zeit in der Gastfamilie, die sehr schön und entspannend war, ist auch vorbei und die indischen Sommerferien rücken immer näher. Aber heute, 3 Tage nach dem Halbfinaltag, spielt Indien im Finale der Cricketweltmeisterschaft gegen Sri Lanka, und so wie die Mädchen und alle anderen Inder heute für ihr Team gebetet haben, werde ich mich jetzt aufs Daumendrücken konzentrieren.
Viele Grüße ins frühlingshafte Deutschland,
oder wo ihr sonst so seid,

eure Stephi

PS: An alle die jetzt denken, unser Tanzcasting sei ganz umsonst gewesen. Wir hatten noch einen weiteren Auftritt im Bidar Ladies Club, für den wir sogar mit einer Rose und Schokolade honoriert wurden. Was will man mehr ; )

India-only

Hier ein Nachtrag zu den zuletzt eingefügten Bildern und noch ein paar allgemeine Infos.

Es tut mir leid, dass dieser Bericht erst jetzt folgt, aber es gibt und gab die letzten Wochen wieder mehr als genug zu tun und dann kommt man irgendwie doch nicht dazu etwas zu schreiben. Zu einer der vielen zeitraubenden Beschäftigungen gehört zur Zeit Henriettes und mein Tanztraining. Wir lernen einen traditionellen indischen Gebetstanz, Bharatanatyam der nicht nur gut für die Götter sondern auch für die Oberschenkel ist. Da man den ganzen Tanz in der Hocke ist. Unser Tanzlehrer, Duplay, der wie eine Frau im falschen Körper wirkt, zeigt uns also von Tag zu Tag neue Elemente wie den “ Pfau“, deren Bedeutung wir eigentlich nicht verstehen, aber trotzdem fleißig nacheifern. Abgesehen davon, dass wir natürlich stolz sind so etwas traditionell Indisches zu lernen, hat unser Tanzlehrer noch Großes mit uns vor. Denn in Bidar wird bald ein großes internationales Bharatanatyam Festival stattfinden, bei welchem nur die Besten der Besten auftreten dürfen. Nicht dass wir uns dazuzählen, nicht mal Duplay ist dafür gut genug, aber er rechnet uns aufgrund unserer Hautfarbe gewisse Vorteile aus, und so treten wir kommenden Montag beim Casting an. Leider sitzt der Tanz nur so halb, weshalb wir jetzt täglich 3h unserer Freizeit mit üben verbringen. Wenn wir nicht mit unserer Hauptfarbe punkten können, stehen unsere Chancen leider so gut wie null, aber mitmachen ist ja bekanntlich alles und ich werde euch auf dem Laufenden halten ; )
Ansonsten ist nicht nur für den Unterricht viel geplant, sondern auch für unser Privatleben. So werden Henriette und ich nächste Woche für einen Monat in eines der umliegenden Döfer in zwei verschiedene Gastfamilien ziehen. Zum einen möchten wir gerne nochmal in ein indisches Familienleben eintauchen und unser Kannada verbessern, zum anderen werden wir zu zwei Schneiderinnen aus dem CVTI ziehen die uns mehr als gerne bei sich aufnehmen und sich sehr freuen. Wir werden dann mit dem Fahrrad zur Arbeit kommen, was mich ganz besonders freut und natürlich auch auf unsere westliche Toilette oder fließend Wasser verzichten und uns mit der Familie ihre zwei Zimmer teilen. Was mich persönlich aber nicht stört da wir so noch viel besser ins Familienleben eintauchen können.
An der Arbeit steht eine Projektwoche zu Menschenrechten an, sowie ein klassenübergreifender Lesewettbewerb. In den Wochen nach unserem Urlaub, haben wir es nun auch endlich geschafft einen Kompost im CVTI zu etablieren, nach dem Tonnensystem und den Schülerinnen gefällt es. So haben wir glaube ich auch Sister Christine dazu inspiriert eine Müllumsortierung vorzunehmen und so trennen wir jetzt nach Plastik, Papier, Restmüll und Biomüll. Nächste Woche werden wir eine weitere Freiwillige aus Neuseeland abholen, die allerdings nur für zwei Monate bleiben wird. Da sie einige unserer Klassen übernehmen wird, bleibt Henriette und mir mehr Zeit für unsere Umweltarbeit und so haben wir geplant mit den körperlich und geistig benachteiligten Kinder aus den Dörfern, sowie den “ social workers“ Tüten aus Zeitungspapier herzustellen . Wenn alles gut läuft wird es zu einer Kooperation mit einem der “ General Stores“ aus Bidar kommen, sodass wir wenigstens einen winzigen Schritt in Richtung Plastikreduzierung gehen können. Das Gute an em Plan ist, dass die social workers unsere Arbeit nach unserer Arbeit weiterführen können. Nach unserem Aufenthalt in der Gastfamilie steht dann auch schon unser zweiter Urlaub an, für den mich eine Freundin aus Deutschland besuchen kommen wird. Geplant ist ein kurzer Aufenthalt in Mumbai und in Kerala, dem Bundesstaat der Elefanten und der Ayurveda. Falls wir auf einem Elefanten reiten werden, werde ich euch natürlich davon berichten.
Wie ihr seht geht es mir mehr als gut und die Zeit rast nur so dahin und in manchem Momenten macht es mich ganz traurig, wenn ich daran denke, dass wir effektiv nur noch einen Monat im CVTI wohnen werden ( da der ganze Mai frei ist). Aber wie Pawan der kleine ( einzige) Junge der hier wohnt immer zu pflegen sagt : “ What shall we do? “ Neun Monate sind dann doch zu kurz wie ich feststellen musste, aber ich hätte es ja eigentlich vorher wissen müssen. Dafür genieße ich die Zeit hier dafür um so mehr. Ich hoffe es geht euch allen gut, wo auch immer ihr seid und ich freue mich natürlich auch darüber mal wieder etwas von euch zu hören. Anbei noch ein kurzer Bericht über unseren Urlaub in Goa.
GOA

Noch kurz vorher: Die Weihnachtszeit haben wir größtenteils im CVTI verbracht, was der sehr schön da wir eine Weihnachtsfeier hatten bei der die Mädchen den Walzer-Timewarp-Remix fast fehlerfrei getanzt haben. Es gab indische Süßigkeiten die das gesamte staff-team in einer wir- lernen- backen- Einheit- von -Sister Christine, vorbereitet hat. Vor Goa sind wir dann über den 24. nach Hyderabad gefahren und haben mit anderen Freiwilligen und Indern die Hindus sind, einen schönen Weihnachtsabend verbracht. Und dann ging es los….
Für alle die es nicht wissen sollten. Goa ist der kleinste Bundesstaat Indiens aber auch gleichzeitig einer der reichsten. Er ist nicht nur reich an schönen Küstenstreifen sondern auch an Touristen. Was sich in den 60gern hauptsächlich auf Austeiger und vermeindliche Hippies beschränkte ist heute, sowie in fast allen ehemaligen Hippiemetropolen, ein Pilgerort aller derer die ein Stück Westen im teilweise sehr konservativen Indien suchen. Neben einem Haufen von Engländern und deutschen Freiwilligen, konnte man auch viele Inder finden. Gratis das zu gab es inflationäre Preise die das fünffache der Bidarpreise waren, sowie sehr viel nackte Haut was für unsere “ konservativen“ Bidaraugen fast ein Schock war. Und so kam es, dass Henriette und ich uns unglaublich „underdressed“ vorkamen in unseren langen Hosen und T-shirts. Denn auch die Einwohner Goas, die hauptsächlich portugiesischer Abstammung sind sind sehr freizügig in ihrem Kleidungsstil und so tragen Mädchen kurze Kleider mit Spaghettiträgern. Die Menschen dort sind aber wie überall in Indien sehr freundlich eben nur viel westlicher und wir hatten das große Glück ein paar Tage in einer Gastfamilie zu verbringen. Uncle Konnie ist Sister Christines Cousin und mit seinen fast 70 Jahren fast fitter als wir. So betreibt er im Hinterland Goas eine Farm und wenn er nicht auf dieser ist, dann tourt er mit seinem Motorrad durch ganz Indien. Er hat 7 Jahre in England gewohnt es aber auch nach vier Anläufen nicht geschafft die englische Rollerlizenz zu erhalten, weil er sich einfach nicht an den geregelten Verkehr gewöhnen konnte ; ) Stattdessen hat er sich dann, so seine Aussage, auf englischen „Bottleparties“ gelangweilt und bei Mc Donalds gearbeitet, was ihm auch mit 65 noch sehr viel Spaß gemacht hat. Es war wirklich schön auch in einer goanischen Familie zu sein, da wir so der touristischen Hochsaison etwas entgehen konnten und zudem noch mit Fischgerichten aller Art, sowie Käse, Honig und Brot versorgt wurden. Ganz anders als in Bidar eben ; )
In Goa haben wir uns mit drei Freiwilligen unserer Organisation getroffen, sowie mit den Leuten aus Hyderabad und sind auf eine „legendäre“ goanische Strandparty gegangen, auf welcher wir nette Südafrikaner kennengelernt haben die in Hyderabad studieren. Und so haben wir anstatt indischer Tänze einen südafrikanischen gelernt was sehr viel Spaß gemacht hat und eine gute Fluchtmöglichkeit vor betrunkenen Indern war, die tanzen wie 12 Jährige in der Kinderdisko. Ansonsten waren wir noch mit uncle Konnie auf einem Karaokeabend mit lauter in die Jahre gekommenen Engländer und Tim, ein Mitfreiwilliger, hat sie alle völlig begeistert mit seiner Mc Hammer Version von “ Can’t touch this“ ; ) Auf Onkel Konrads Farm sind wir in den Genuss von Toddy und Fenny gekommen. Fenny ist ein Schnaps der aus der Kokusnusspalme gewonnen wird und Toddy quasi die noch nicht gegorene und undestillierte Version. Unser Probetrinken hatte Onkel Konrad allerdings auf 8 Uhr morgens gelegt, sodass wir noch vor dem Frühstück alle mehr als angeheitert zur Farm zurücktorkelten. Abends gab es dann leckeren aber viel zu scharfen Fisch und am nächsten Tag sind wir nach Südgoa an einen sehr entspannten Strand namens Patnem gefahren. Dort haben wir Silvester verbracht und noch ein paar entspannte Tage um dann noch eine goanische Hochzeit zu besuchen. Verglichen mit der Hochzeit in Bidar war es eine sehr reiche Hochzeit die in einem öffentlichen Garten stattfand. Es gab Bier und andere alkoholische Getränke auch für Frauen, die uns in ihren Absatzschuhen ziemlich blass aussehen lassen haben da wir nur Flip Flops hatten. Das Alkoholangebot hat dazu geführt, dass der Moderator der insgesamt sehr steifen Hochzeit (arranged marriage eben) auch schon ziemlich angeheitert war und sehr unverständlich vor sich hingebrabbelt hat.
Es gab sogar eine Live Band und nachher haben alle getanzt, Männer und Frauen zusammen im Paartanz, dass muss man sich mal vorstellen. Wir sind aber schön bei Onkel Konnie und seinem Schneiderfreund geblieben um so unserem schmierigen Tischnachbarn zu entgehen. Leider war das Styling von Onkel Konrads Freund etwas ungünstig und so lief ihm, sobald er anfing zu schwitzen die aufgepinselte schwarze Farbe aus den Haaren ; ) Anschließend haben wir ein gutes Buffet genossen um dann wieder zurückzufahren. Erst zu Konnies Familie und dann nach Bidar.
Auf dem nach Hauseweg haben wir dann noch illegalerweise 3 Liter Fenny aus Goa ausgeführt für unsere deutschen Freunde. Ich denke die indische Regierung möchte vermeiden, dass die westliche Goa-Mentalität sich auch auf den Rest Indiens auswirkt. Leider haben wir diese Regelung erst nach der Grenze erfahren und ich habe mich schon die ganze Zeit gewundert warum die Polizei so viel Zeit damit verbracht hat den gesamten Bus zu inspizieren, unter anderem auch meinen Rucksack ; ) Zurück in Bidar haben wir uns unglaublich gefreut alle wiederzusehen, wenngleich es auch etwas schwer war sich wieder auf das doch sehr einfach und konservative Bidar einzulassen, wo wir eine Woche Urlaub im inländischen “ Ausland“ gemacht haben. Im CVTI hat sich aber soweit nichts verändert, jeden Morgen um fünf klingelt die Aufstehzeit-Glocke und wenn diese es nicht tut klingelt Sister Christine mit ihrem persönlichen Tischglöckchen, weil sie mal wieder irgendetwas oder irgendwen braucht ; )
Jeden Dienstag beim meeting verbreitet sie fröhlich ihre Lebensweisheiten, wie zum Beispiel, dass wenn man dunkle Haut hat man besser kein schwarz tragen sollte und wenn man hell ist keine grellen Farbe, sowie dass man nie mehr als einen Satz Kleidung außerhalb seines Schrankes benötigt. Eine Regel die Henriette und ich uns auch mal zu Herzen nehmen sollten ; ) Und so geht das laute und bunte Leben, hier fröhlich weiter zusammen mit “ Mother Mary“ und den indischen Preisen hinter denen grundsätzlich „only“ steht. Eigentlich geht das für alle Zahlen, so steht dies zum Beispeil auch hinter der Punktzahl der indischen Abschlussexamen. Wenn mann 100 Punkte aus 100 hat, hat man trotzdem 100 only.
Deshalb jetzt ein paar Grüße only, ich hoffe es geht euch gut, wo auch immer ihr seid!

Stephi

Ein paar Bilder

Goanische Kirche in Goas Hauptstadt Panaji, erbaut von den PortugiesenAuf der PalmenfarmAm Busbahnhof, man achte auf : Two seats per bus reserved for...ein indischer Destillierer zum Erzeugen von Kokusnusspalmenschnaps, auch " Fenny" genanntPatnem Beach

wer

Hier ein paar Bilder aus unserem Goa Urlaub. Bilder aus Bidar und der Weihnachtsfeier im CVTI folgen noch.

Oben links, eine goanische Krippe, daneben eine Kriche erbaut von den Portugiesen und daneben wir mit Onkel Konrad, dem Cousin von Sister Christine unserem Gastgeber.

Zweite Reihe: Leider nicht gut zu erkennen, ein Schild was besagt, dass im Bus stets zwei Sitzplätze für Freiheitskämpfer freizuhalten sind, in der Mitte ein indischer Destillierer zum Herstellen von Fenny, Palmenschnaps,ganz rechts Patnem Beach.

Dritte Reihe: Strand, Strand, indischer Lampenstand am Hippiestrand

Vierte Reihe: Henriette und ich, eine kleine Showeinlage für die Touristen, indische Kuh in traditioneller Kleidung

Indien die Vierte- oder “ Mary“ Christmas

Seit meinem letzten Bericht ist schon wieder so viel Zeit vergangen, dass in Europa der Winter eingekehrt ist und auch in Indien die Weihnachtszeit. Deshalb hier ein Rückblick auf die vergangenen Wochen:
Vor circa einem Monat ist Henriette, ebenfalls eine deutsche Freiwillige, im CVTI angekommen. Eine Tatsache die mich zum einem natürlich persönlich erfreut, besonders weil man sich zu zweit als weiße Frauen doch besser in der Stadt bewegen kann, aber auch für das Projekt sehr nützlich ist, weil man zu zweit einfach mehr Ideen in die Tat umsetzen kann. Ich bin trotzdem sehr dankbar, dass ich die ersten zwei Monate alleine unter all den herzlichen Inderinnen gehwohnt habe, weil man sich so einfach viel schneller einleben kann.
Wir werden jeden Tag aufs Neue von der Herzlichkeit der Inder überrascht und so wurden wir innerhalb kurzer Zeit nicht nur auf unsere erste indische Hochzeit, sondern auch in einen Ashram, sowie zu mehreren Indern nach Hause eingeladen.
Was die Hochzeit betrifft kann man sagen, dass es eine wirklich interessante Erfahrung war, auch wenn zu unserer Enttäuschung nicht wie in all den schönen Bollywoodfilmen getanzt wurde. Am besagten Tag, verließen Henriette und ich früher den Unterricht, nachdem wir von unseren Schülerinnen nicht nur frisiert und geschminkt wurden, sondern auch noch mit allem möglichen Schmuck behangen wurden, welcher wahrscheinlich dank all des Glitzers nicht ganz den deutschen Geschmack treffen würde. Wir sind dann also quasi “ perfekt“ gestylt im Hause von Teacher Rebecca angekommen, deren Schwager heiraten sollte. Schon bei unserer Ankuft fiel uns auf, dass noch keiner der anwesenden Gäste in irgendeiner Art und Weise feierlich aussah, im Gegenteil: Die Frauen liefen in Nachthemdem, welche bis zum Boden reichen, herum, während die Männer noch ihre Unterhemden trugen. Den Grund dafür würden wir aber bald erfahren.
Indische Hochzeiten verlaufen grundsätzlich in mehreren Teilen ab, die die Verlobung im Hauses der Frau sowie des Mannes beinhalten, sowie eine Art Segnung der Braut und des Bräutigams. Die Segnung des Bräutigams , welche bei allen indischen Hochzeiten egal ob christlich oder hinduistisch gleichermaßen stattfindet, wird am Tage der Hochezeit direkt vor der Trauung durchgeführt. Der Bräutigam wird von Kopf bis Fuß mit gelbem Tamarikpuder eingerieben während von den weiblichen Verwandten Segnungen ausgesprochen werden. Am Ende dieser Zeremonie findet soetwas wie eine Farbschlacht statt, das heißt alle Anwesenden werden im Gesicht, sowie in den Haaren mit dem selben Puder eingerieben, sodass am Ende alle gelb sind. Auch wir wurden freundlicherweise Teil dieser Tradition, was zur Folge hatte, dass all unsere Bemühungen und die unserer Schülerinnen uns so schon wie möglich herzurichten quasi umsonst waren, da alle Schminke verlaufen war und auch der Sari und alles etwas von dem kräftigen Gelb abbekommen hatte. Naja immerhin fiel uns dann wie Schuppen von den Augen, warum noch keiner der Anwesenden in Hochzeitsrobe anzutreffen war : ) Im zweiten Teil der Feierlichkeiten werden beide Families des Paares mit unglaublich viel Kleidung beschänkt, bis zu drei neue Saris für Schwester und Cousinen, sowie Hemden und Hosen für die Männer. An sich eine sehr schöne Tradition da alle etwas zu feiern haben. In Indien muss die Familie der Frau aber für alle Kosten der Hochzeit, sowie das neue Haus und die Einrichtung aufkommen, und somit ist dies wie ich finde eine sehr kostspielige Tradition. Diese Tatsache ist auch der Grund dafür, dass es den Ärzten untersagt ist schwangeren Frauen mitzuteilen, ob sie ein Mädchen oder einen Jungen bekommen, da die Rate der Abtreibungen von Mädchen traurigerweise natürlich viel höher ist. Dieses Problem tritt allerdings vermehrt im Norden des Landes auf, wo es jetzt schon wie in China zu einem Mangel an Frauen kommt und sich manchmal zwei Brüder eine Frau teilen. Nach den Feierlichkeiten im Hause des Bräutigams, gingen wir in die Kirche in welcher eine Trauung im Schnelldurchlauf abgehalten wurde und die Hälfte der Inder auch eigentlich nicht zugehört hat und geredet hat. Nach der Trauung schmissen wir Unmengen von Reis, es gab ebenfalls welchen zu Essen und das Paar musste stundenlang auf der Bühne stehen bis alle 400 Gäste gratuliert und ein Foto gemacht hatten. In Indien ist es ebenfalls Gang und Gebe Geld zu schenken, wobei man sich hier nicht die Mühe macht und erst aufwendige Karten schreibt, sondern direkt bei der Familie des Mannes “ bezahlt“. Wir haben jedenfalls viele nette neue Leute kennengelernt, mehrere Babies halten dürfen, da Inder ihre Kinder weiterreichen sie einen Brotkorb, damit sich jeder an ihnen erfreuen kann. Was auch dazuführt, dass indische Kinder viel unkomplizierter sind und sogut wie nie weinen. Außer die die der Anblick meines weißen Gesichtes erschreckt, sowie die Tochter von Teacher Rebecca die bei meinem Anblick immer in lautes Schreien verfällt ; )
Auch im CVTI standen einige Feste an und so haben wir über drei Wochenenden ein Fest der katholischen Kirche “ Infant Jesus“ ( Christuskind) gefeiert, wobei wir 46 km in die nächste Stadt pilgerten. An sich war diese Strecke gut zu bewältigen, da die Landschaft hier nicht bergig sondern nur hügelig ist, aber nach der Hälfte taten mir allmählich doch die Füße weh und ich habe im Gegensatz zu meinen Schülerinnen feste Schuhe getragen. Diese sind nämlich in Flip Flops oder gar barfuß gepilgert. Barfuß- 46 km über heißen Asphalt oder spitze Steine. Die Anstrengungen haben die meisten Inder auch dazu gebracht sauf der Hälte der Strecke einfach ein paar Schmerztabletten zu nehmen oder gar ein paar Spritzen verpassen zu lassen. Von wegen Ayurveda und so, die ist zwar bekannt dauert ja laut den Indern aber viel länger bis sie wirkt und deshalb greift man dann eben zu den chemischen Produkten. Ein sehr trauriges Resultat des mächtigen Einflusses der Pharmaindustrie, die die Menschen natürlich nicht über die Folgen des hohen Medikamentenkonsums aufklärt, da nicht mal Beipackzettel mitgegeben werden müssen, geschweigedenn existieren.
In den selben Monat fiel auch das größte indische Fest,nämlich Diwali. Im hinduistischen Kalender ist es der Beginn des neuen Jahres, wird auch Lichterfest genannt und mit vielen Kerzen und noch mehr Böllern gefeiert. Auch im CVTI haben wir das Fest gefeiert und sind erst morgens mit unserern hinduistischen Schülerinnen in den Tempel gegangen und haben abends einen Kerzentanz aufgeführt, bei dem Henriette und ich auch mittanzen durften. Leider war dieses Fest obwohl es en hinduistisches ist auch vom Katholizimus geprägt und so hat Sister René am selben Abend noch aus der Bibel vorgelesen und alle haben christliche Gebte gesprochen. Es war trotzdem ein schöner Tag, besonders weil es die Schülerinnen bei lauter Musik auch noch geschafft haben die Nonnen zum Tanzen zu bringen.
Sonst hatten wir noch unser erstes Zwischenseminar in den Bergen Kundapurs, ein sehr schön gelegener Ort. Für meinen persönlichen Austausch hat mir das Seminar nicht so viel gebracht, aber es war schön mal wieder aus Bidar rauszukommen und es gab unglaublich gutes Essen. Außerdem waren wir, was in Indien nicht so einfach ist, mal richtig weg in einem indischen Club, in der kleinen Studentenstadt Manipal. Es hat wirklich gut getan mal wieder wegzugehen, leider war die Musik etwas zum amerikanisch und der Tanzstil der dort vertretenen Inder, es waren hauptsächlich Männer, ähnelte einer deutschen Kinderdisko und der Kleidungsstil der wenigen Frauen die da waren, dem der Wolfhagerstraße ( alle Kasseler werden wissen was ich damit meine).

Inzwischen stehen die Weihnachtsferien kurz vor der Tür und wir haben für all unsere Schülerinnen Adventskalender gebastelt und das Weihnachtsprogramm mitgestaltet. Für dieses haben wir den Mädchen ein deutsches Weihnachtslied beigebracht( Stern über Bethlehem) und einen langsamen Walzer in Kombination mit dem Time Warp der Rocky Horror Picture Show. Wir haben viele Eltern unserer Schülerinnen kennengelernt die sehr herzlich waren und so kam es, dass wir mit jeder Familie die wir begrüßten auch etwas essen mussten und am Ende des Nachmittages ziemlich voll waren.Alles in allem ein sehr gelungener Tag, der nur noch vom Student’s Day, welchen wir am Montag feierten, übertroffen werden konnte.
Bei diesem haben Lehrer und Nonnen, Spiele organisiert( wobei ich mit den typischen Pfadisilvesterspielen wirklich punkten konnte) vorgesungen, Theater gespielt und sogar getanzt. Den besagten Aerobictanz hat und Sister Rennie beigebracht, wobei sie dabei wirklich am besten von uns allen aussah. Ein Teil der sogenannten „Christmasmessage“ haben wir dann auch noch im hiesigen Gefängnis präsentiert, wobei man sagen muss, dass die Sicherheitsvorkehrungen sehr locker sind und es wahrscheinlich schwieriger ist, das Haus meiner costaricanischen Gastfamilie zu verlassen, als dieses Gefängnis. Die Wärter haben keine Waffen sondern lediglich einen Schlagstock aus Plastik und die Insassen saßen still und gemütlich direkt vor uns und haben sich die Tänze angeschaut. Viele sahen leider sehr teilnahmslos und traurig aus. Meines Erachtens sind die Gründe für ihre Verhaftung oftmals auch sehr fragwürdig, so lebt zum Beispiel eine Großmutter mit ihrem Enkel im Gefängnis, die des Mordes an ihrer eigenen Tochter beschuldigt wird. Das Kleinkind war aber wohlauf, da es rund um die Uhr von sechs anderen Frauen, die ebenfalls Gefangene sind, beschäftigt und versorgt wid. Gegen Ende haben wir dann noch Essen und Seife verschenkt, immerhin keine Bibeln, und ich glaube die Insassen egal ob Hindus, Christen oder Moslems haben sich darüber gefreut.
Jetzt steht der erste Urlaub in Goa an, den wir auf der Farm von Sister Christines Cousin, Uncle Konrad, verbringen werden. Mal sehen wie es mir unter all den Althippies gefällt. Ich sende euch viele Weihnachtsgrüße aus dem zeitweise auch etwas kalten Bidar.
Kommt gut ins neue Jahr,
Stephi

Zwei Monate Indien

Zwei Monate Indien

Nach Langem gibt es auch wieder Neuigkeiten aus Indien. In den letzten Wochen ist so viel passiert, dass ich es gar nicht in Worte fassen kann, vieles davon ist aber auch schon Alltag geworden, sodass es mir vllt gar nicht mehr auffaellt und ich es deshalb vergesse zu erwaehnen.

Wo war ich stehengeblieben:
Ich bin nach wie vor im Carmel Vocational Training Institute, was mir an manchen Tagen sehr gut gefaellt und es micht nicht haette besser treffen koennen und mich gleichzeitig an anderen Tagen auch an meine persoenlichen Grenzen (ideell gesehen), aber dazu spaeter mehr.
Vorab, mein Laptop hat die vielen Stromausfaelle leider nicht unbeschadet ueberstanden und so kommt es, dass das mit dem Fotos hochladen wahrscheinlich noch ein bisschen dauern wird, da unser Schulcomputer dafuer zu langsam ist.

Was meinen Unterricht betrifft so kann ich sagen, dass ich langsam ein System entwickelt habe was von spoken English, ueber Wochendiktate bis hin zu Grammatikunterricht reicht. Es macht auf jeden Fall Spass, aber wenn man sechs Stunden pro Tag Grammatik erklaert und dann noch 50 Diktate korrigieren muss, wobei die Fehlerquote ungefaehr der Anzahl der Woerter entspricht, hat man doch einiges zu tun.
Das ganze muss ja auch noch vorbereitet werden. Umso gluecklicher macht es mich, dass jetzt endlich Verstaerkung kommt.
Henriette, die auch auf den Fotos aus meinem ersten Eintrag zu sehen ist, wechselt ihr Projekt und kommt aus der Grossstadt, Bangalore zu mir in den Norden Karnatakas ach Bidar.
Auch wenn ich hier alleine sehr gut zurechtkomme, wird es abgesehen von der netten Gesellschaft, so viel einfacher den Unterricht vorzubereiten und man kann all die Ideen die noch in meinem Kopf rumschwirren, einfach viel schneller verwirklichen.

Abgesehen vom Englischunterricht, habe ich die letzte Woche noch im Happy Hearts Holiday Camp mitgemacht. Bei diesem Camp kamen die Kinder der umliegenen Mittelstufen, also auch die die eine oeffentliche Schule besuchen, in ihre Ferien hier her um zu spielen, zu singen, zu lernen und zu basteln.
Den letzteren Part habe ich so gut es ging in meinem Freistunden uebernommen und den Kids das Armbandknuepfen beigebracht.
Das fand so grossen Anklang, dass es all die Lehrer auch gleich lernen wollten und diese sich ungeduldiger als die Kinder verhielten, was die Sache nicht gerade einfach machte.
Man muesste sich das einmal in Deutschland vorstellen: Anstelle von zehn Kindern die an einem zerren und etwas Neues lernen wollen, waren es sagen wir zwei Kinder aber zehn Erwachsene.
Diese, sagen wir etwas ungeduldige Mentalitaet, macht auch den Unterricht mit den Maedchen auesserst kompliziert. Wenn ich gerade einen Text korrigiere, haben sie keine Probleme damit mir den Stift aus der Hand zu reissen, an meinem Arm zu ziehen und so lange “Miss, Miss” zu rufen, bis ich ihnen Aufmerksamkeit schenke, wohlbemerkt sie sind zwischen 15 und 25.
Naja, auch wenn es vllt zur indischen Mentalitaet dazugehoeren mag, versuche ich gerade ihnen das abzugewoehnen, zum einen weil ich es sehr unhoeflich finde und zum anderen, weil ich sonst nicht unterrichten kann.
Am Ende des Ferienlagers gab es eine Auffuehrung und vom Tanztalent mancher Kleinen bin ich wirklich beeindruckt.

Seit Kurzem haben wir auch die Arbeit auf dem Feld hier aufgenommen und es macht wirklich unheimlich Spass in einer vollgepackten Riksha, also zu 16., zum Feld zu fahren und sich dort zwei Studen koerperlich zu betaetigen.
Leider kann ich nur machmal mit dabei sein, weil ich bis fuenf Unterricht habe, die Maedchen aber schon um vier losfahren.
Sonst habe jetzt ein Fahrrad und bei meiner ersten Tour durch die Doerfer wurde ich gleich zwei mal zum Chai, dem indischen Schwarztee mit mehr Zucker als Milch, eingeladen, sowie zum Zuckerrohr essen. Mein persoenlicher Begleiter ist Pava, er ist 12 und der einzige Junge hier im Maedchenhostel. Er spricht sehr gut Englisch, lacht sehr viel und herzlich und erklaert mir staendig Neues ueber Indien und Bidar. Man koennte ihn als meinen neuen besten Freund oder persoenlichen Guide bezeichnen.

Vor circa drei Wochen hatte ich eine ganze Woche frei, da Sister Christine den Englischunterricht gecancelt hat. Der Grund ist, dass die Maedchen untereinander Englisch sprechen sollen und da sie dies nicht getan haben war dies quasi ihre Bestrafung.
Ich sollte in der Zeit den Unterricht vorbereiten und habe ausserdem endlich das Naehen angefangen, was sich doch als durchaus schwierig erweist, mit diesen fussbetrieben Maschinen, also nicht elektrisch, aber nach und nach komme ich dahinter. Ausserdem habe ich mich sehr gut mit den Damen in der Schneiderei sowie dem Schneider angefreundet, und abgesehen von jeder Menge Armreifen die ich geschenkt bekam und Essen, habe ich auch gleich noch mein Cannada etwas aufgebessert da in der Schneiderei keiner Englisch spricht.
Das mit dem Cannada lernen erweist sich als auesserst schwierig, nicht unbedingt weil ich keine Grammatik habe, sondern weil hier wirklich vieles oder fast alles in Englisch ablaeuft, aber ich bleibe am Ball, denn fuer den Unterricht ist es mehr als nuetzlich.
Ab Januar steht dann Hindi auf dem Programm, weil das die indische Nationalsprache ist.
Ich habe jetzt auch meinen ersten eigenen Sari, das indische Gewand und er ist wirklich schoen. Davon abgesehen hat es alle sehr gluecklich gemacht, da Inder sich sehr freuen wenn man sich so indisch wie moeglich kleidet. Das ist auch der Grund warum ich jetzt jeden Tag den obligatorischen Modepunkt zwischen meine Augen klebe. Fotos werden auf jeden Fall nachgeliefert.

Ansonsten kann man sagen, dass ich hier wirklich das wahre Indien kennenlerne da ich etwas ausserhalb Bidars lebe und die meisten Menschen hier von der Landwirtschaft leben. Um mich herum waechst also Reis, es gibt jede Menge Kuhherden und andere Pfanzen und Tiere. Mit den Lehrerinnen in der Schule verstehe ich mich nach wie vor sehr gut und ich werde auch oefters mal zu ihnen nach Hause eingeladen, zum Mittag hmmm…
Inder sind wirklich auessterst gastfreundlich, ihre beste Eigenschaft ist allerdings, dass sie alles teilen. Sie teilen ihre Freude, ihre Zimmer, ihre Kleidung, ihre Probleme und vorallem ihr Essen. Der letzte Punkt freut mich natuerlich ganz besonders. So passiert es, dass wenn man in einen Bus steigt, und sich auf eine laengere Fahrt begibt, man quasi nichts zu Essen mitnehmen muss. Denn auch wenn man noch kein Wort mit seinem Sitznachbarn gewechselt hat, wird dieser einem 100 prozentig etwas von den Keksen abgeben die er gerade isst.
Gerne werden auch Nelken angebote, die so eine Art Kaugummiersatz sind, da Inder sehr viel Wert auf einen frischen Atem legen.
Frueher oder spaeter kommt man dann aber doch mit ihnen ins Gespraech und so habe ich jetzt schon einiges ueber Land und Leute erfahren, vorallem aber ueber Religionen.

So kommt es zum Beispiel, dass ich jetzt weiss, dass die meisten muslimischen Maedchen in Indien sehr stolz darauf sind, eine Burka zu tragen. Es ist eben das Zeichen ihrer Religion. Meine muslimischen Schuelerinnen haben mir sogar begeistert vorgeschlagen, ich solle doch auch mal eine tragen, die wuerde mir sehr gut stehen : )
Ausserdem haelt sie die Haut hell und schuetz vor der Sonne.
Inder sind so bestrebt weiss zu sein, dass sie sich jeden Tag so etwas wie Babypuder ins Gesicht schmieren, um die “edle Blaesse” zu erhalten.
Alsich ihnen erzaehlt habe, dass bei uns alle ins Solarium gehen, konnten sie das gar nicht nachvollziehen.
Was den Islam in Indien betrifft habe ich ausserdem erfahren, dass es hier auch unter Musilimen ein Kastensystem gibt. Was die Heiratsbedingungen betrifft ist es so, dass die zu verheiratenden Kinder der Oberschicht inzwischen so etwas wie ein Mitspracherecht erhalten haben. Das heisst sie koennen selber eine Frau oder einen Mann vorschlagen und wenn beide Familien damit einverstanden sind, wird die Hochzeit arrangiert.
Ich selbst bin evt. Im April auf einer indischen Hochzeit, allerdings wird diese nicht so pompoes ausfallen wie die der Oberschicht, da es sich um die Hochzeit einer meiner Schuelerinnen handelt. Sie wird im April mit gerade einmal 18 Jahren verheiratet. In den Doerfern ist das unter der armen bevoelkerung Gang und Gebe, viele die es koennen, beenden aber trotzdem erst die Schule, oder ihre Ausbildung.

Ich denke, das ist mehr als genug fuer den Anfang. Ich bin jedenfalls oft von diesem Land fasziniert und kann all das Erlebte, Neue gar nicht aufschreiben, da es definitiv zu viel ist.
Was das Reisen betrifft fahre ich am Wochenende oefters nach Hyderabad, auch Cyberabad genannt, und besuche einen Freund und treffe andere Freiwillige. Das indische Grossstadtleben kann auf jeden Fall eine gelungene Abwechslung sein und auch die deutsche Gesellschaft, da mir vorallem langsam das Essen anfaengt zu fehlen. Ueber Weihnachten und Sylvester fahre ich dann nach Goa, da mich Sister Christines Cousin dort auf seine Farm eingeladen hat. Ich freue mich unglaublich darauf.

Ich hoffe es geht euch gut, hier hat jetzt auch der “ Winter angefangen” bei ca. 25 Grad Celsius laesst es sich aber gut aushalten : )

Viele Gruesse in die Heimat aus Indien,

Eure Steffi

Demnaechst schreibe ich wieder oefter, damit die Beitraege nicht so lang werden.

nach der Arbeit einen Snack

Nach der Feldarbeit, de obligatorische Snack

sonneruntergang auf dem Land

Sonnenuntergang auf dem Feld

auf dem Feld

Das feldteam fuer diesen Tag

so sieht es aus wenn alle auf ein bild wollen

Im Kidscamp, so sieht es aus wenn alle auf ein Bild wollen

happy hearts holiday camp

Lunch im Kidscamp

Markt

Auf dem Markt, Chillis

Indien, CVTI-work is the best thing ever invented for killing time : )

Hallo ihr Lieben,
jetzt kommen endlich auch wieder Neuigkeiten aus dem asiatischen Teil dieser Welt, Indien. Ich bin vor zwei Wochen hier in Bidar, Nordkarnataka angekommen. Die Stadt liegt im Innern des Landes und man könnte sie schon fast als die Mitte Indiens bezeichnen. Nach 12 h Busfahrt von Bangalore, der Hauptstadt des Bundesstaates habe ich es dann auch endlich geschafft, in mein Projekt zu gelangen- das Carmel Vocational Training Institute. Die Aufgabe des Institutes ist es Mädchen aus armen Verhältnissen eine Art Berufsausbildung als Sekretärin oder Lehrerin zu bieten. Meine Aufgabe hier besteht darin, “ spoken English“ zu unterrichten. Meine Schülerinnen sind zwischen 15 und 27 Jahren alt und sehr höflich und meist auch sehr willig etwas Neues zu lernen, dazu aber später mehr. Das Carmel Vocational Training Institue liegt ca 5 km ausserhalb der Stadt im Grünen umgeben von Palmen, Kuhweiden, einem eigenen Obst und Gemüsegarten und noch fünf weiteren Schulen, Grundschule, Mittelstufe ect. Ein Gebäude, was für deutsche Verhältnisse relativ klein ist, beherbergt 140 Mädchen aus umliegenden Dörfern, zwei Schwestern ( Nonnen ) und mit mir fünf Lehrerinnen die neben ihrer Aufgabe zu unterrichten auch dafür sorgen müssen, dass er Alltag reibungslos abläuft und den Mädchen bei Problemem zur Seite stehen. Meine Mitlehrerinnen, Sunita, Chandrakala, Wilma und Reka sind alle sehr nett und auch erst 21 Jahre alt, sodass ich sehr mit ihnen auf einer Wellenlänge bin. Neben der beruflichen Vorbereitung sollen die Mädchen, die oft nur noch einen Elternteil haben, vorallem lernen Verantwortung zu übernehmen, weshalb sie in riesigen Töpfen das Essen für alle zubereiten, täglich putzen müssen, sowie sich um den Garten kümmern. Sie sind daher von morgens um 5 Uhr bis abends um 22:15 mit Lernen und Hausarbeiten beschäftigt, sodass mir leider wenig Zeit bleibt Freizeit mit ihnen zu verbringen.

Der Tag beginnt mit einer sehr lauten Glocke, direkt neben meinem Zimmer und sehr lauter indischer Musik, manchmal spielen sie auch Abba ; ), diese dauert circa eine dreiviertel Stunde an. Um 5:45 begeben sich dann alle eine halbe Stunde zum obligatorischen morgentlichen Yoga, ich immer dann wenn ich es schaffe aufzustehen oder die Glocke nicht überhöre. Da das Carmel Vocational Training Institue von einem katholischen Orden gegründet wurde, Carmel, spielt hier der Glauben eine enorme Rolle, sowie man sich das bei uns ganz sicher nicht vorstellen kann. Es gibt trotz der drei Religionen die hier vertreten sind, Hindus, Christen und Moslems einen morgentlichen Gottesdienst an dem alle teilnehmen, sowie den “ student’s prayer“ der zwischen den ersten Unterrichtsstunden kommt, gleich nach der Nationalhymne, sowie ein Dankgebet zum Anfang und zum Ende jeder Unterrichtstunde. Als wenn das unseres Erachtens nicht genug wäre, beten viele Mädchen auch noch in ihrer wenigen Freizeit von sich aus, sowie abends, bei allgemeinen Zusammentreffen. Man müsste jetzt meinen ich wäre ja am völlig falschen Ort gelandet, wir sind doch in Indien. Aber auch in Indien gibt es viele Christen, und ich würde sagen 80 % der Mädchen die hier wohnen sind christlich. Was das viele Beten und die katholische Kirche betrifft, muss ich sagen, dass ich seit ich hier bin meinen Blick auf die Dinge völlig verändert habe. Für viele Mädchen ist das Beten und die Schule die einzige Hoffnung sich und ihren Familien aus der Armut zu helfen und nimmt deshalb eine ganz andere Dimension im Alltag an. Was mich betrifft muss ich sagen, dass ich die Gottesdienste hier sogar sehr schön finde, weil sie sehr bunt und lebendig sind und hauptsächlich gesungen, geklatsch wird mit Trommeln als musikalische Unterstützung. Die Tatsache, dass der Alltag hier so streng ist und die Mädchen jeden Tag um 5 ausser sonntags um 5: 30 Uhr aufstehen, mag sehr abschreckend wirken. Aber da die Mädchen nur zwei Jahre auf dieser Schule sind und die meisten ohne jegliche Englischkenntnisse hier her kommen, haben sie dementsprechend auch viel vor, wenn sie gegen die riesige indische Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt ankommen wollen.

Dennoch sind alle sehr sehr freundlich und hilfsbereit, wenn sich zum Beispiel die blonde Europäerin etwas ungeschickt anstellt beim waschen der Wäsche auf Waschsteinen. “ I can help you, Miss.- “ I want to wash your clothes, Miss“… Und noch nie zuvor habe ich so oft gesagt bekommen wie schön ich doch meine Teller abwasche. “ Miss you clean your plates sooo nicely, Miss… sooo nicely I want to clean like you ; ) “ Ja, irgendwas muss man ja auch können.

Was meinen Alltag betrifft, gebe ich  sechs Unterrichtseinheiten a 45 min pro und muss doch zugeben, dass 10 h las Schüler nicht halb so anstrengend sind. Das Englisch der Mädchen ist sehr unterschiedlich und es ist wirklich nicht einfach die einen nicht zu überfordern ohne die anderen zu unterfordern. ( Ja, alle ehemaligen Lehrer die das jetzt lesen sollten, werden sicher zu Recht grinsen ; ). Am schwierigsten ist es mit der letzten Klasse die ich habe, weil diese Mädchen eigentlich gar kein Englisch können, sie aber auch nicht mehr so klein sind, dass ich sie mit Bildchenausmalen zum Englisch lernen bringen kann. Des Weiteren fällt mir immer wieder auf, dass die Auffassungsgabe bei älteren Menschen doch erstaunlich abnimmt, da die Kinder aus der Grundschule nebenan, die auch erst seit einem halben Jahr Englisch haben so viel schneller lernen und bereits viel mehr beherrschen. Nach dem Unterricht der um 17 Uhr für mich endet, bin ich meistens etwas kaputt und versuche einen Ausgleich durch das Joggen auf dem Schulgelände zu finden. Des Weiteren ist um 5:30 dann Indian Teatime und ich sitze mit den Lehrerinnen meist in unserer Hutzelküche, während wir das Abendessen vorbereiten und trinke schwarzen Tee. Gegen Abend, wenn wir das Kochen erledigt haben lese ich meist ein bisschen, oder schreibe E-Mails, kümmer mich um meine Haarpflege, auf welche in Indien sehr großen Wert gelegt wird oder wasche meine Wäsche, was bei meinem Tempo ca 2h dauert, während die Inder nur 30 min brauchen. Dann gibt es Abendessen und manchmal bin ich dann noch bei den Lehrerinnen im Zimmer und versuche ihnen das Gitarrespielen beizubringen oder genieße die Ruhe, wenn die stille Lernphase eingeläutet wird. Denn auf die Dauer ist es doch etwas anstrengend mit so vielen Mädchen in einem Haus zu wohnen. Wenn ich aus meinem Fenster blicke, blicke ich direkt auf die Moschee, und freue mich jeden Morgen und Abend den Moezin singen zu hören. Die Wochenenden vorallem der Sonntag sind ein klein wenig entspannter und ich habe die Möglichkeit mit den Mädchen Sport zu machen und abends organisieren sie immer eine Runde in der alle draußen zusammensitzen und sich gegenseitig etwas vorsingen oder Witze erzählen, letzten Sonntag war ich auch dran.

Es ist auf jeden Fall immer sehr schön und eine kleine Entlastung des vollgepackten Alltags. Letzten Sonntag habe ich mit den Lehrerinnen einen Ausflug in die Umgebung unternommen und wir haben uns das berühmte Fort in Bidar angeschaut, sowie einen Sikh Tempel. Es handelt sich hierbei um eine sehr verbreite Religion in Indien, in der die Männer ihre Haare nicht zeigen dürfen und deshalb viele bunte Turbäne tragen. Was die Stadt an sich betrifft, von der ich nicht allzu viel mitkriege, da ich sie nicht alleine besuchen darf, weil ich die einzige Weiße im Umkreis vonn 100 km bin oder so, kann man sagen, dass in Bidar alles sehr ländlich und dementsprechend auch sehr sehr arm ist. Überall sieht man Leute mit ihrem Reis zum Markt ziehen und an jeder Ecke gibt es Tschai und jede Menge Essen zu kaufen. Frauen hüten die Kuhherden zusammen und sitzen dabei auf den Bahnschienen und es ist zumindest tagsüber immer überall etwas los, was ich sehr schön finde. Auf der anderen Seite, leben die Menschen hier zu 7 in einem 10 Quadratmeterzimmer und es wimmelt nur so von Ziegen, Kühen, Schweinen, Hunden und Hühnern in den Straßen die wie im Mittelalter aussehen. Im ländlicheren Indien wird so gut wie alles mit der Hand gemacht und die Nähmaschine die bei uns als Antiquität genutzt wird, ist hier Alltagsgegenstadt. Wobei ich noch erwähnen möchte, dass wir hier unseren eigenen Schneider haben und ein eigenes Rikshamobil, mit dem ich manchmal in die Stadt gebracht werde und die Grundschulkinder nach Hause gefahren werden. Erschreckend fand ich auch den Zustand der Aidshilfe, die eher so aussah als würde man sich dort mit Aids anstecken als davon geheilt zu werden.

Im zwei Wochen hat die Grundschule nebenan Ferien und deshalb organisieren wir dort ein Kidscamp indem wir mit den Kindern singen, spielen und tanzen worauf ich mich schon sehr freue. Grundschulkinder können auch mal eine angenehme Abwechslungs sein. Ansonsten gibt es hier noch jede Menge Mücken, worunter meine Füße die in Indien barfuß sind immer gewaschen werden. An das Essen mit der Hand habe ich mich schon so sehr gewöhnt, dass ich Angst habe es mir nicht mehr abgewöhnen zu können. Die indische Küche gefällt mir immer besser und besonders gut finde ich auch die Art Wasser zu trinken, nämlich so, dass man den Becher oder die Flasche nicht mit dem Mund berührt sondern es sich in diesen gießt. So kommt es, dass wir mit 140 Leuten mit zwei Bechern auskommen. Was jede Menge Wasser und Zeit spart.

Und zu allerguter Letzt, muss ich noch sagen, dass ich die glückliche Nutzerin einer westlichen Toilette bin und sogar Klopapier gestellt bekomme. Alle sind hier sehr herzlich und in der näheren Zukunft haben wir vor die Lehrerküche zu renovieren  und ich bekomme hoffentlich persönlichen indischen Nähunterricht, und versuche eine indische Tanzschule in Bidar zu besuchen. Ach und ich lernen noch Cannadá die Sprache hier im Bundesstaat. Sehr kompliziert aber im Unterricht mehr als nütztlich.

Ich denke, das war erstmal genug zum Lesen, da ich jetzt Internet habe kommt sicher bald Nachschub,

viele Grüße aus dem bunten Land der vielen Gewürze, deren Namen ich mir einfach nicht merken kann,

Steffi

so wirds gemacht, teacher ; )

Waschen in Indien, so wird es richtig gemacht ; )

Waschen in Indien

Bidar Fort mit meinen Kolleginnen Chandrakala, Sunita und Reka

Kochen in Indien, für 130 Leute

Shiva, Hinduistischer Gott, ist auch nur schlappe 80 m hoch

Shiva, Gott der Zerstörung, Erhaltung und des Aufbaus, als 80 m hohe Statue

Indien Ankunft

Die erste Rundmail- Grüße aus Indien

Hallo Ihr alle- Namaste
Viele Grüße aus Indien. Hier ein kurzer Überblick über die letzten Tage im Land der heiligen Kühe. Wie ihr seht, sind ich und die anderen 5 Freiwilligen meiner Organisation gut in Bangalore, Südindien gelandet. Nach großer Freude darüber, dass all unser Gepäck angekommen war, haben wir es geschafft eines der Taxis zu nehmen die uns einen halbwegs fairen Preis anboten um in unser Hotel in Bangalore zu finden. Dort habe ich fast den ganzen Tag mit schlafen verbracht, um meine vorher eingefangene Erkältung auszukurieren.
Zu Bangalore, welches ich am nächsten Tag etwas näher zu Gesicht bekam lässt sich sagen, dass es was sein äußeres Stadtbild betrifft doch nicht so europäisch ist, wie man es in den Reiseführern lesen kann. Costa Rica sei Dank, habe ich bis jetzt keinen wirklichen Kulturschock erlitten. In einer indischen Stadt ist es, wie man sich das so vorstellt, sehr laut, schmutzig und voll. Das haben wir erst recht zu spüren bekommen, als wir die „ commercial street“ aufsuchten um uns mit indischer Kleidung einzudecken. Man stelle sich eine kleine enge Fußgängerzone vor, die voll mit Menschen ist und leider keine Fußgängerzone ist. Es ist äußerst schwierig vom einen Ende ans andere zu kommen, wenn man von hinten und vorne von Rikshas, Motorrädern und Kleinlastern gedrückt wird. Nachdem wir uns mehrmals verlaufen hatten und in dubiosen aber dennoch interessanten indischen Nebenstraßen gelandet sind, wo kleine Inder in riesigen(1x1m) Kochtöpfen Essen zubereiteten, haben wir es endlich geschafft den Landen zu finden in dem wir unsere neue indische Kleidung erstehen wollten.
Wie Henriette und ich damit aussehen, seht Ihr im Foto im Anhang. Nach unserer kleinen Shoppingtour, waren wir alle etwas müde und erschlagen vom indischen Städteleben und freuten uns unglaublich auf unsere 12h Fahrt nach Kundapur, eine kleine indische Stadt im Süden Indiens. Hier haben wir eine Woche unser Orientierungsseminar( mit noch mehr Freiwilligen) bevor es dann in unsere Projekte geht. Kundapur, oder auch Kundapura genannt, ist im Gegensatz zu Bangalore sehr schwül und fühlt sich and wie der costaricanische Dschungel. Es gibt ebenfalls ein vielfältiges Angebot an Obst und Fruchtsäften und immer noch sehr viel Verkehr. Die Feuchtigkeit führt dazu, dass unsere Kleidung nicht trocknet und eigentlich alles nass ist.
Wir, Henriette und ich, wohnen mit den anderen Mädchen unserer Organisation, in dem „ Girls House“. Dieses ist pink und sieht inzwischen aus wie eine kleine Hippiekommune, weil überall Moskitonetze hängen und bunte Laken, sowie jede Menge nasse Kleidung.
Der Strom, sowie das Wasser bleibt auch gerne mal für 1-2 Tage weg, was der Grund ist warum ich euch erst jetzt schreibe. Der Wasserausfall hat uns dazu gebracht uns mit Regenwasser zu duschen, da Inder sehr reinlich sind und zur Monsunzeit ein- bis zweimal am Tag duschen. Was die indische Toilette betrifft, zähren wir zur Zeit noch von unsern Toilettenpapiervorräten, deren Ende immer näher kommt und wir uns wohl oder übel an die indische Art des Toilettengangs gewöhnen müssen.
Dieser besteht kurz gesagt darin, dass man sich mit Wasser und der linken Hand reinigt, wie und ob man dann wieder trocken wird haben wir noch nicht verstanden.
„The Indian way of toilet“ führt dazu, dass man nie die linke Hand zum Essen nehmen darf. Inder haben so viele Gesellschaftsnormen, dass wir sie nur schwer behalten können. Grundsätzlich isst man hier nur mit der rechten Hand und ohne Besteck. Das Essen besteht hauptsächlich aus Reis mit scharfen Soßen und fettigen Dosas ( ähnlich wie Pfannkuchen).
Man sitzt als Frau nicht mit überkreuzten Beinen und schüttelt keine Hände. Des Weiteren darf man Personen die älter als man selber sind nicht beim Namen nennen und wenn man in der Öffentlichkeit nach einer Toilette fragen will hebt man dazu den kleinen Finger. Zeichensprache ist ein sehr beliebtes Mittel der Kommunikation, es gibt für alles wirklich für alles ein Zeichen. Des Weiteren ist Lächeln unabdingbar und wenn es noch so aufgesetzt ist und manchmal auf beängstigend. So sagte zum Beispiel der Mann im „Foreign Registration Office“ zu uns, als wir unseren Aufenthalt registrieren wollten: „ hehe You know that we are preparing for the war with China, you sure you wanna stay in India?“ Wenn man dabei ein Dauergrinsen auf den Lippen hat, fällt es sehr schwer diesen Satz zu deuten.
Das Englisch ist hier auch noch so eine Sache, wenn man sich nicht konzentriert klingt es für einen selbst wie eine völlig andere Sprache.
In unserer Orientierungswoche lernen wir also etwas über das Verhalten, besonders der Frauen, in Indien, sowie ein bisschen Kannada, was die typische Sprache in meinem Bundesstaar Karnataka ist. Wir haben eine Gastfamilie und eine muslimische Grundschule besucht, welche zum Teil von der Regierung und hauptsächlich von Scheichs aus Dubai gesponsert wird, in welcher es ziemlich laut und ziemlich voll war, die Kinder aber sehr interessiert und neugierig. Dennoch war es für mich erstaunlich zu sehen, wie achtjährige Mädchen selbständig Lieder aus dem Koran üben und dabei beten. Sie haben dabei allerdings mehr gelacht als wirklich bei der Sache zu sein, was mich sehr beruhigt hat, da sie doch noch sehr jung waren.
Was für mich persönlich sehr gewöhnungsbedürftig ist, ist zum einen der Anblick völlig verschleierten Frauen auf der Straße, bei denen man nur die Augen sieht und zum anderen die indische Mentalität was Schule betrifft. In Indien wird grundsätzlich davon ausgegangen, dass Kinder laut sind und nicht zuhören und man ihnen Disziplin anerziehen muss. So erzählte zum Beispiel meine Projektkoordinatorin, dass man sehr streng sein müsste und wir einen Schlagstock mit in die Klasse nehmen sollen um uns Respekt zu verschaffen. Ihre vierjährige Tochter geht bereits zur Schule und kann das ABC und sie ist nicht mit ihr zufrieden weil sie die neun falsch herum schreibt. Der Grund für diese strenge Mentalität ist, dass die Konkurrenz für den „ Arbeitsmarkt“ hier sehr groß ist und deshalb haben die Kinder hier weniger Zeit Kinder zu sein, was ich sehr schade finde.
Am Sonntag gehen dann alle in ihre Projekte nur ich darf noch mal nach Bangalore um mich zu registrieren und werde dann 24h mit dem Bus nach Bidar, in mein Projekt fahren.
Zu Zeit geht es mir ganz gut, aber ich muss zugeben, dass es mir doch Angst macht alleine mit unter 240 Inderinnen die alle zwischen 14- 20 sind in einem Internat zu wohnen und Englisch zu unterrichten. Ich habe mir zwar jede Menge Material mitgenommen ( danke Frau Eichner ; ) ), aber wie gut es dann wirklich klappen wird, werde ich erst vor Ort sehen.
Heute Nachmittag werden wir den Strand besuchen und ich bin glücklich, dass Inderinnen wenn sie baden vollbekleidet gehen, da ich mir dann keinen Sonnenbrand hole.
In meinem Projekt und auch auf der Straße werde ich Kleidung, wie sie auf dem Foto ist tragen, da man hier weder Ausschnitt noch Knie der Schultern sehen darf.

Das war es zunächst, es gibt noch viel mehr zu erzählen über das indische Leben und indische Normen, aber das schreibe ich in den nächsten Rundmails da Ihr mit dieser sicher genug zu tun habt. Viele Grüße aus Karnataka , heute scheint zum ersten Mal die Sonne,

eure Steffi

PS: Grundsätzlich sagen Inder nur das Nötigste und das immer zweimal.
„ cheap, cheap“ ; )

PPS: Ich war auch schon beim „ Sonnenaufgangsyoga“ im Tempel und habe heute schrecklichen Muskelkater im Rücken und deshalb geht es damit erst Morgen weiter ; )

Henriette und ich : )