Das Leben unter der Sonne

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Hey Leute,

Ich bin immer noch in California, Santa Cruz. Um genau zu sein, lebe und arbeite ich jetzt schon seit über 250 Tagen in der Community. Einige die gerade angefangen haben diese Zeilen zu lesen hoffen vermutlich, dass der Text die perfekte Länge hat um ihn während der Arbeit auf der Toilette lesen zu können. Manche machen sich vielleicht garnicht die Mühe alles zu lesen und genießen einfach nur den Anblick der Fotos die ich geschossen habe. Wie auch immer. Wenn ihr wissen wollt was ich so in den letzten 250 Tagen außerhalb der Bundesrepublik Deutschland getrieben habe, dann legt euch zurück und genießt die nächsten Zeilen…

Teil 1: Community Life

Um sich für so ein Jahr zu entscheiden hat man entweder gerade sein Abitur beendet, ist voller Freiheitsdrang und möchte Lebenserfahrungen sammeln oder man studiert so wie ich Soziale Arbeit, wollte schon immer nach California und wagt sich ein intensives Praktikum im Ausland.

Die ersten Monate in denen ich hier gelebt und gearbeitet habe kamen mir vor wie im Paradies. Dadurch, dass jeder einzelne Tag sehr  abwechslungsreich gestaltet ist, mit Workshops, Mahlzeiten, Art-Program und Ausflügen in die nähere Umgebung, kommt es mir nicht wie eine acht Stunden Schicht in irgendeiner sozialen Einrichtung vor. Die Arbeit hier ist mehr das Zusammenleben, Betreuen der Menschen und Mitwirken in den verschiedenen Bereichen des Alltags.

Drei Mal die Woche arbeite ich im Garten, größtenteils unter blauem Himmel und intensiven Sonnenstrahlen. Ich hätte echt nicht gedacht, dass ich so viel Freude dabei entwickle auf den Knien in der Erde Unkraut auszubuddeln, auf Leitern zu stehen und Äste zu zersägen,  Schubkarren hoch und runter zu fahren oder den Kompost zu wenden (okay das ist eher eine Aufgabe auf die ich auch verzichten könnte). Dadurch habe ich eine ganz neue Wertschätzung zur Natur entwickelt und freue mich schon darauf meine erlernten Skills in Deutschland oder Italien an wenden zu können.

Ich habe jedoch für mich nach 250 Tagen in einer solchen Community gemerkt, dass es ziemlich anstrengend sein kann wenn sich die Grenzen zwischen Arbeits- und Privatleben dermaßen überschneiden. Ein wirkliches Privatleben existiert hier so gut wie garnicht. Das bisschen Freizeit was ich hier habe ist pures Gold. Jede freie Minute die ich besitze nutze ich in vollen Zügen aus. Hinzu kommt, dass ich eine hohe Verantwortung für das Wohlergehen der Menschen hier mittrage. Jederzeit muss man auf die Bedürfnisse der Bewohner eingehen und kann sich so gut wie garnicht auf seine eigenen Bedürfnisse und Gefühle konzentrieren. Fühlst du dich mal nicht gut hast du zwei Möglichkeiten: Entweder du setzt dein Fake-Lächeln auf und überstehst irgendwie den Tag oder du bleibst im Bett liegen unter den verachtenden Blicken der Anderen, weil du nämlich so in den Tagesablauf hier eingeplant bist, dass andere deine Aufgaben übernehmen müssen und jetzt ziemlich genervt von dir sind.

Das zusammenleben mit den Klienten würde ich als sehr intensiv beschreiben. Einerseits ist es ziemlich interessant sich mit einigen Menschen hier zu unterhalten und man kann einiges vom Verhalten der Klienten für sein eigenes Leben lernen. Andererseits kann das tägliche Zusammenleben hier einem ziemlich nahe kommen und dadurch werden bei mir definitiv einige persönliche Grenzen überschritten.

Die nächsten 115 Tage, die ich in der Community noch vor mir habe, werde ich auf jeden Fall als weitere Lebenserfahrung sehen, jedoch weiß ich ganz genau, dass ich ein Arbeitsverhältnis was ich hier habe auf keinen Fall noch einmal führen werde.

Zum Abschluss kann ich sagen:  Die Art und Weise wie mit den „People of Special Needs“ in der Community hier umgegangen wird, schätze ich unglaublich. Der Umgang mit den Menschen hier ist stets sehr respekt-, rücksichts- und liebevoll.  Ich kann mir bis zum heutigen Tag keinen besseren Ort zum Leben für Menschen mit besonderen Bedürfnissen vorstellen als diesen.

 

img_0191Teil 2: Pures Gold 

Seit letztem August verbringen Sophie und ich eine unbeschreiblich schöne Zeit zusammen in California. Sie studiert Kunst an der University of California Santa Cruz (UCSC). Der Campus ist der schönste den ich bis her in meinem Leben gesehen habe. Auf einem bewaldeten Hügel befindet sich das riesige Universitätsgelände mit Meerblick. Riesige Redwood Bäume stehen neben den schmalen Fußwegen, welche sich durch die Wälder hin zu den Studenten Apartments, den Hörsälen und Bibliotheken bahnen. Hirsche und Truthähne laufen hier ohne scheu frei herum und es liegt ein angenehmer mediterraner Duft in der Luft. Sophie hat mir in den letzten Monate so viele coole Spots in der Umgebung gezeigt. Wir sind auf College Partys, haben Ausflüge nach San Francisco (u.a. zu einem LSD Museum mit privater Tour) und Berkley (u.a. auf einem befahrbaren Friedhof den Sonnenuntergang über der Bay beobachtet) unternommen, zusammen unzählige Nächte unter klarem Sternenhimmel am Meer verbracht und so unglaublich viel erlebt, dass es mich ziemlich traurig macht bald wieder die Koffer zu packen…

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Ludwig habe ich letztes Jahr im Juli auf dem Vorbereitungsseminar kennengelernt. Wir verstehen uns sehr gut und ich habe ihn im November in seiner Community im Bundesstaat New York besucht. In den zwei Tagen habe ich ihm bei der morgendlichen Melkung geholfen und ich sage euch: Es läuft definitiv nicht so ab wie in den Heidi Filmen, auf einer wunderschönen blühenden Wiese mit sanfter Musik im Hintergrund. Ständig musst du aufpassen, dass die Kuh dir nicht den Schwanz ins Gesicht klatscht, mit den Füßen den Milcheimer umhaut oder Kot und Urin darin landen. Nachdem wir die Kühe über die Wiese zu ihrem Tagesstandort getrieben haben nahm ich mit den anderen Co-Workern ein leckeres und kräftiges Bauernfrühstück ein (natürlich nur mit organischen Produkten aus eigener Produktion).

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Letztes Jahr im Oktober habe ich mir in einem lokalen Shop ein Surfbrett und das dazu benötigte Equipment besorgt (Damit ihr bescheid wisst: Das Wasser hier im Meer ist erbärmlich kalt. Ohne einen Wetsuit ist der Wassersport nicht zu genießen). Der Anfang war ziemlich schwer. Dadurch, dass ich immer nur 1-2 Mal die Woche ins Wasser kann und auch nicht immer Wellen vorhanden sind, mache ich nur sehr langsame Fortschritte. Ohne Lehrer_in und mit YouTube Videos schaffe ich es jetzt jedoch mit meinem Longboard Wellen abzureiten und manchmal gelingt es mir dabei sogar lässig auszusehen. Es ist ein purer Genuss bei Sonnenuntergang, rot schimmerndem Himmel und leichter Meeres Brise auf dem Surfboard im Wasser zu sitzen, ein paar Wellen zu surfen und die Atmosphäre zu genießen. Surfen macht einfach nur verdammt viel Spaß und ich hoffe diese Sportart in der Zukunft weiter auszupfeilen.

c000c6cb-e77f-4e86-9175-e5d9eba8ef8eUm nun alle Klischees meines California Lifestyles   zu erfüllen habe ich mir natürlich auch ein Skateboard besorgt. Als ich ungefähr 13/14 Jahre alt war stand ich schon für längere Zeit auf einem, habe es aber nie richtig ausgeübt. Mit dem Besitz meines Skateboards habe ich wieder das Kind in mir entdeckt. Vielleicht denkt ihr euch jetzt Bruder mit 24 Jahren ist man zu alt um so ein neues Hobby anzufangen. Aber ich sage euch, dieses Gefühl auf dem rollenden Brett zu stehen und es dahin zu steuern wo man möchte, bringt mir einfach unglaublich viel Freude. Es ist eine klasse Abwechslung zum Gym und ich kann meiner Kreativität freien lauf lassen.

Zum Abschluss kann ich noch folgendes hinzufügen: Das Leben hier in California ist ein absoluter Traum. Von der Natur bis zur Lebensqualität gefällt es mir sehr gut. Natürlich gibt es die ein oder anderen Dinge im alltäglichen Leben die mir doch sehr merkwürdig vorkommen, aber dafür ist ein solches Jahr da um sich einen Überblick zu verschaffen. Ich bin sehr froh, dass ich diese Möglichkeit genutzt habe und bin so unglaublich Dankbar für jeden einzelnen Moment hier, der mein Leben bereichert hat und vielleicht auch das Anderer 🙂 Hier noch ein paar Fotos…..

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California Drivers License

 

 

 

 

 

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New York

 

 

 

 

 

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Walnut Street, Santa Cruz

 

 

 

 

 

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Twin Peak, San Francisco

 

 

 

 

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Angeblich der größte Redwood 2017-11-16-16-07-51tree in North California

 

 

 

 

 

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Unterstützung einer biodynamic farm, Watsonville

 

 

 

 

 

Euer Moritz

3 Gedanken zu „Das Leben unter der Sonne“

  1. „LSD Museum mit privater Tour“ : D
    Danke für den tollen Bericht Moritz, beim Lesen taucht man ein wenig in das Kalifornien ein, das man sich im Kopf sowieso schon immer zusammen gebraut hat.
    Genieß es! : )

  2. Auch von mir nur die besten Grüße nach California.
    Klingt nach einer starken Zeit. Freu mich für dich. Mach weiter so und genieß es du fresher sk8erboi! 😀

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