Eurythmie

Jedes Jahr im Sommer kommen Eva-Maria und Bonnie ins Camphill und das ganze Camphill ist schon im Vorfeld aufgeregt. Eva Maria und Bonnie sind Eurythmisten und sie kommen jedes Jahr von ihrem englischen Camphill um bei uns Eurythmietherapie zu geben. Zur gleichen Zeit kommt Christina ins Camphill auch sie ist Eurythmistin und besucht hier ihren Sohn. Doch was sollte mich das kümmern, das geht mich doch nichts an. Von wegen. Im nächsten Young-Co-Workermeeting kündet Uta uns an, dass wir von nun an abwechselnd mit Eva-Maria und Christina Eurythmie machen werden. 10 wochen lang, je eine Stunde. Soweit so gut. Ein bisschen Namen tanzen kann ja ganz lustig werden. Die erste Eurythmiestunde ist sehr verwirrend und äußerst seltsam. Wir geben Äpfel im Takt herum, tanzen Intervalle, obwohl vielleicht dreiviertel der Leute nicht weiß, was ein Intervall ist und sollen ständig eine 8 tanzen, die ich beim besten willen in der Bewegung, die wir machen, nicht nachvollziehen kann. Nächste Woche Freitag kündigt uns Hendrik an, dass uns nach dem Frühstück eine Überraschung erwartet und wieder allen Spekulationen über harte oder eklige Arbeit fährt er uns zum Therapiecenter und das Farmteam hat jetzt einmal die Woche Eurythmie. Aber der Unterschied, Farmeurythmie orientiert sich an den Residents. Wir tanzen zu Spache, lernen die Buschstaben, werfen metallstäbe rum und haben eine Menge spaß. Vorallem als wir ein Gedicht mit einer Menge südafrikanischer Tiere tanzen und alle ein Tier sind. Sogar Hendrik tanzt mit. Als ich diesen Tag nach Hause komme ruft mich Esme in ihr Zimmer, Eva-Maria hätte angerufen, ob sie mich als Unterstützung für die Eurythmieaufführung haben kann. Proben seien jeden Dienstag. Soviel also, zu Eurythmie wird mich schon nichts angehen. Inerhalb einer woche habe ich erfahren, dass ich in den nächsten wochen 3 mal wöchentlich Eurythmiestunden habe. Zweimal mit Residents, davon einmal als Vortänzer und einmal für Co-Worker. Ich lerne wie man Buchstaben, Intervalle, Töne, Stimmungen, Sprache, Gedichte, Fugen, Geometrie und, und, und tanzt. Nach dem ich bei der 4. Eurythmie immer noch nicht verstehe welche 8 wir tanzen erzählt mir Eva-Maria als sei es das selbstverständlischste der Welt, dass wir eine HARMONISCHE ACHT tanzen. Aha. Eine harmonische Acht hat ungefähr die Form einer Bohne, aber das hätte ich auch wissen können. Ab dem Moment verstehe ich etwas. Ich stolper nicht mehr ständig über meine Füße kann mich jetzt auf meine Arme konzentrieren und ich werde gut. Ich scheine ein Talent für Eurythmie zu haben und es macht mir Spaß. Es macht mir einen heiden Spaß. Ich bin richtig traurig, als wir nach vier Wochen keine Farmeurythmie mehr haben. Aber langsam wird die Aufführung die ich Dienstags vorbereite richtig gut. Wir tanzen zu Sprache ein Märchen von Engeln die ihre Augen geklaut bekommen. Es ist recht blutrünstig und ich habe 3 verschiedene Rollen. Ich habe nach jeder Stnde mehr Muskelkater in den Armen, als nach jeder Farmarbeit da ich meine Arme ungefähr eine Stunde lang, fast ununterbrochen, oben halte. Aber es macht Spaß. Mein Körper lernt die Bewegungen, ich baue Muskeln auf, bewege mich bedachter, auch im normalen Leben und meine Rückenschmerzen schrumpfen zu einem Minimum zusammen. Nach drei Monaten Probe, führen wir auf. Es ist ein Spaß. Die Residents können die Bewegungen immer noch nicht, stolpern hilflos hinter mir und johanna hinterher und versuchen unsere Bewegungen zu immitieren. Dabe haben wir alle Eurythmiekleidchen an. Es muss super süß aussehen und Johanna und ich fliegen beide ,in pinken Kitteln mit weißen Samthemdchen, unablässig über die Bühne kommen gar nicht hinterher mit dem Umkleiden und sind völlig außer Atem als beim letzten Satz Monte einen kleinen Epileptschen Anfall hat und einfach umkippt. Die Aufführung war ein voller Erfolg, man verscuht mich und Johanna zu überreden doch Eurythmie zu studieren damit wir hier zurückkommen und Therapien übers ganze Jahr halten können. Es fällt mir fast schwer, mein auf diese Frage üblisches „No ways“, zu sagen. Ich bin wirklich traurig, das Eva-Maria und Bonnie schon gehen. Eurythmie hat mir gut getan, ich werde es vermissen.

In pinken Kitteln und Eurythmieschuhen, als Rabe und Engel, über die Bühne zu fliegen, das das ist hier das Normalsteder Welt und es macht glücklich.

Die Fotos sind leider, leider alle unscharf geworden, aber ich sehe mal was ich machen kann.

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