Ein Heldenbericht

Die drei Oberhelden

Offiziell machen wir hier ja einen Freiwiligendienst. Tatsächlich jedoch retten wir täglich heldenhaft die Welt. Sei es, weil das Teewasser 10 Minuten vor dem Frühstück noch nicht kocht, die Butter zu hart ist, um sie in die Butterschale zu füllen, das Handy nicht funktionieren will, weil der Akku leer ist oder der Pferdeschwanz zersaust ist. Jeder Tag hat seine eigene Katastrophe, die von den Yong Co-Workern gelöst werden will. Jeden Tag stürzen wir uns furchtlos wie Superman, selbstlos wie Mutter Theresa und stets gut gelaunt wie Horst Schlemmer auf das Leid dieser Welt.

Als ich nun gerade dabei bin meinen heldenhaften Pudding zu retten, der mir wegen einer anderen heldenhaften Unterbrechung anzubrennen droht, ruft meine Hausmutter. Feuer! Hendrik und Wim stehen tatsächlich an unserer Wasserpumpe und füllen den Wassertanker.

Ich schnelle sofort auf, gehört es doch zur Aufgabe eines Heldens bei jedem Feuer anwesend zu sein. Den Pudding vergesse ich, soll sich ein anderer Held darum kümmern.

Mit den ungünstigsten Klamotten, das Supermankostüm befand sich auf der Farm, viel zu weit weg, schwinge ich mich also auf den Wassertanker und sitze wie ein König auf dem Thron.

Wim erklärt mir am Eingangstor solle sich ein kleines Feuer befinden. Da rast der Traktor auch schon mit gnadenlosen 30km/h die Straße entlang.

30km/h, das soll schnell sein? Doch ich versichere euch, bei unseren Straßen, die eigentlich nur aus Schlaglöchern bestehen, ist 30 km/h schon fast lebensmüde. Vorallem wenn man auf einem Wassertanker trohnt.

Es ruckelt und zuckelt und ich habe es nur meinen Superheldenkräfen zu verdanken nicht sofort herunterzufallen. Das Wasser sprizt mich von hinten nass und dann sind wir auch schon am Tor. Wir finden kein Feuer und auch als wir mit gediegenen 20km/h durch das halbe Dorf zuckeln können unsere Heldenaugen kein bisschen Rauch erspähen.

Ich sage noch zu Wim, dass der Wassertanker jetzt wenigstens voll ist und wir damit im Falle eines wirklichen Heldeneinsatzes auch noch heldenhaft schnell sind.

Dann rieche ich den angebrannten Pudding.

Eine dicke Kruste verziert den Topfboden und die nächste Stunde verbringe ich heldenhaft mit schrubben.

Zwei Tage später es ist fast 5 Uhr. Ich rieche Rauch. Auch Silvia riecht Rauch. Wir gehen einmal durch die Farm, nichts raucht. Und setzten uns zum alltäglichen Heldentreff vor die Farm und chatten.

Dann ein Schrei aus dem Garten. Feuer.

Alle rennen hin. Das Altpapierlager direkt neben dem Farmgebäude steht lichteloh in Flammen. Samt Schuppen und Wellblechdach.

Meine Aufgabe war (wie doch schon so oft in meinem Leben) die gnadenlos guten Einfälle zu haben und sie dann nicht durchsetzen zu können, da ein anderer Held darauf beharrt die bessere Idee zu haben und den Ruhm zu ernten. Aber Held, der ich nunmal bin, mache ich mir da ja nichts daraus. Entschuldigt, ich schweife vom Thema ab (als Held, muss man zu jeder Zeit in alle moeglichen Richtungen gleichzeitig denken und sich doch zugleich auf das wesentliche konzentrieren. Schriftlich diesen imensen Gedankestrom festzuhalten faellt demnach aeusserst schwer, da die mehrschichtigen Ueberlegungen auf einem imaginaeren zweidimensionalen Gebilde zusammengetragen werden wollen)

Mein genialer Gedanke. Der vor drei Tagen heldenhaft gefüllte Wassertanker.

Aber nein, auf meinem Weg dorthin ruft mich Hendrik zurück, ich müsse ihm mit dem großen Wassertanker helfen. „Aber Hendrik, der kleine ist doch schon voll!!“. Er hört mich nicht. Der Traktor ist schon eingeschaltet und ich renne hinterher um den großen Wassertanker anzuhängen während Hendrik sich auf dem Traktor gemütlich eine Zigarette anzündet. Die Arbeit ist hart aber schließich ist sie heldenhaft gemeistert und wir düsen los zur Molkerei. Der heldenhafte Plan Hendriks, ist das Wasser aus der Abwasserdrain der Molkerei zu pumpen.

Doch auch Helden werden mal nervös und Hendrik ist es. Er bracht ca. 20 Anläufe um den Wassertanker vernünftig rückwärts zu manövrieren und ich raufe mir in den 10 Minuten heldenhaft das Haar und denke an den kleinen vollen Wassertanker. Von weitem sehe ich die anderen Helden. Die kleinen Helferhelden, die Wasseketten bilden und Wassereimer für Wassereimer auf das riesige Feuer zu schütten. Es scheint keinen Unterschied zu machen. Nebenbei stehen die anderen zwei Oberhelden. Ganz gechillt mit den dünnen Wasserschläuchen, beide ebenfalls mit Fluppe im Mund.

Dann endlich hat der dritte Oberheld richtig eingeparkt und ich kann mich an die Absaugarbeit machen. Weitere 3 Minuten später ist der Tanker voll und wir düsen zum Feuer. Ich heldenhaft winkend.

Die Ladung Wasser reicht. Das Feuer ist aus. Heldenhaft ziehe ich die anderen Helden, aus dem Strahl aus Abwasser.

Es qualmt nur noch ein bisschen. Die Gefahr ist heldenhaft gemeistert. Und uns bleibt nur noch, Schicht für Schicht, die glühenden Papierberge anzutragen und zu durchtränken.

Die Oberhelden sind verschwunden.

Wir arbeiten noch einer gute Stunde weiter.

Zu Hause werden wir heldenhaft empfangen. Auch die Hilfshelden und zur Feier des Tages nimmt mir mein Hausmutterheld das Abendessen machen ab und schickt mich ins Bad.

Der kleine volle Wassertanker muss wohl bis zur nächsten Baumbewässerungsaktion warten. Auch er wird, wie auch ich, wohl erstmal nicht den ofiziellen Heldenstatus bekommen. Dafür muss man ja beim Feuerlöschen nämlich rauchen.

4 Gedanken zu „Ein Heldenbericht“

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