Eine Tour ohne klaren Weg

Hallo zusammen

gerade sind wir wiedergekommen von einer wirklich unglaublichen Tour. Meiner Meinung nach eine der besten die wir bis jetzt gemacht haben, vielleicht sogar die beste ueberhaupt. Aber so etwas wirklich zu sagen ist immer schwierig, da jede Tour auf ihre eigene Art und Weise natuerlich einzigartig ist.

Um direkt im Vorfeld den Titel des Beitrags zu erklaeren: Wir hatten, wie schon angekuendigt, uns hier im Fjordland wieder eine nette Tour heraus gesucht. Hollyford und Pyke wollten wir in einem Abwasch erledigen. Hollyford eine normale Wanderroute wie es in Neuseeland hunderte gibt. Pyke – naja sagen wir ein wenig anspruchsvoller. Hoher Grad an Fitness und Erfahrung vorausgesetzt genauso wie die Faehigkeit einem Weg anhand von einer Karte und dem was einem die Natur so bietet zu folgen. (das hat man uns im Visitor Center gesagt und uns vor dem Track gewarnt…) Ganz so schlimm sollte es nicht werden aber nun wollen wir mal langsam los legen und in die genauere Beschreibung gehen….

Los ging es von Te Arnau – der Center des Fjordlands. Die beiden Touren beanspruchen eine minimale Zeit von 9-10 Tagen, da wir aber bei schlechtem Wetter mit ueberflutungen der Fluesse zu rechnen haben, hatten wir fuer weiter 4 Tage Essen eingepackt. Also alles in allem ein Essensvorat von 14(!!) Tagen. Reis und Nudeln im Ueberfluss dazu Tueten Sossen und jeden zweiten Tag eine Dose mit Nahrungsergaenzung –  den einen Tag „baked beans in tomato souce“, den anderen ein wenig Mais, Erbsen oder corned beef.

Nach nur sehr kurzer Zeit warten wurden wir von einem sehr netten Israeli augesammelt der uns direkt bis zum Start des Tracks brachte und uns somit, von der Hauptstrasse zum Beginn des Tracks, eine 18km Tour ersparte. Guter Laune und mit gutem Wetter im Ruecken ging es also los. Nach guten zwei Stunden machten wir eine kurze Rast an einer Hut um einen Muesli riegel zu essen und kurz die Trinkflaschen wieder aufzufuellen. Dort trafen wir dann auch Joshi mit dem wir spaeter noch einen weiten Teil des weges laufen sollten, aber dazu spaeter mehr.

Also weiter zur naechsten Hut. Alles in allem war dieser Tag mit gut und gerne 5-6Stunden ein relativ moderater Tag durch das Neuseelaendische Dschungelparadies im Fjordland. Der Weg erinnerte an diesem Punkt mehr einem Highway als einem wirklichen Wanderweg. Trotzdem erhielten wir einen kleinen Eindruck was uns auf dem Weg weiter erwarten sollte. Glocken klare Fluesse, wunderhuebsche Wasserfaelle und die, wie schon fast von Neuseeland bekannte, unberuehrte Natur. Am spaeten Nachmittag kamen wir dann also an der Hut an und kochten dort unser Essen. Dort kommt man dann ein wenig mit den Leuten ins Gespraech um so zu hoeren wie die Tracks sind und was so die einzelnen vor haben und schon gemacht haben. Wie es der Zufall so wolte treffen wir auf ein aelteres Ehepaar aus Auckland, die vorhaben den Pyke zu laufen und danach den Hollyford Track. Jetzt hiess es fuer uns, was tun. Eigentlich wollten wir uns auf dem Hollyford erst ein wenig einlaufen, um danach uns der grossen Herausforderung Pyke zu stellen, aber auf der anderen Seite haben wir so noch zwei Leute mehr zur Hand die uns auf dem Weg begleiten und mit Rat und Tat zur Seite stehen, wenn man sich mal nicht sicher ist wo es weiter geht mit dem Track.

Wir haben uns nach langen hin und her ueberlegen dazu entschieden mit den beiden zu  laufen, auch weil uns der Hut-Warden fuer die naechsten 3 Tage gutes Wetter vorraus gesagt hat. (nein, er kann das nicht an den Wolken lesen, sondern hat via Funk den aktuellen Wetterbericht angefordert) Wow, drei Tage, das ist genau die Zeit die man bei gutem Wetter braucht den Pyke zu bewaeltigen!!! Gute Vorraussichten das macht natuerlich die Entscheidung ein wenig einfacher.

Dem See vor der Hut folgend ging es also richtung Norden und wenn ich hier schreibe dem See folgend, dann meine ich das mehr als nur Wort woertlich. Denn der einfachste Weg auf der Route ist bei geringem Wasserlevel durchs Wasser oder an der Boeschung entlang und so kommt es direkt in der ersten halben Stunde vor, dass wir uns durch Huefthohes Wasser schlagen und ueber Stock und Stein steigen/klettern um ans Ende des Sees zu gelangen.

Von da ging es dann weiter einem maerchenhaft schoenen Pfad folgend, der manchmal auch mehr oder weniger frei Schnauze war, bis man das naechste orangene Dreieck irgendwo an einem Baum entdeckte(orangenes Dreieck ist hier in Neusseeland so das Symbol fuer Wanderwege. Die haben das eigentlich alle als „Wegweiser“) Von dort ging es dann weiter durch sogenanntes Black Swamp Land frei uebersetzt schwarzes Sumpf Land. Naja wieder ueber Kniehohes Wasser, aber diesmal mit Schlamm und Sumpf gefuellt. Ein Jump’n’Run von einem Flachs Bueschel zum naechsten. Leider schneiden einem diese Pflanzen teilweise ein wenig in die Finger, aber man lebt nur einmal und was einen nicht umbringt macht einen nur haerter. (nein, keine Sorge keine tiefen Schnitte nur kleine Kratzer – klingt wahrscheinlich schlimmer als es wirklich war). Tja, der Rest der Strecke waren mehr oder weniger trockene Flussbette und weiterer Matsch sowie Wald in seiner natuerlichsten Formen mit unzaehligen Farnen und einem Anblick, dass man alle zehn Meter stehenbleiben moechte um noch mehr von allem in sich aufzunehmen.

Der naechste Tag fuehrte als aller erstes ueber einen Fluss. Dieser wurde aber nicht durchwahrtet sonder ueberbrueckt. Nein nicht mit einer Bruecke, nicht mal mit einer Haengebruecke sondern mit einer Kiste die an einigen Stahlseilen haengt und mit einer Kurbel bewegt wird… Absolut abgefahrenes Teil und einfach ein grosser Spass am fruehen morgen.

Und danach ging es wieder weiter durch schon mehr oder weniger bekanntes Hinterland. Teils durch Waelder, teils durch historische Weidegruende… (vermutlich hat die letzte Kuh da gute 50 Jahre zuvor gegrast, was beim alter Neuseelands seitdem Europaer hier wandeln schon relativ alt ist…) Auch die ein oder andere kleine Querung eines Fluesschens stand wieder auf dem Programm. Uebrigens haben wir uns die neuseelaendische Methode angewohnt einen river zu Crossen. Tevas sind von gestern. Wanderschuhe trocknen wieder, also mittendurch statt nur dabei – oder so 😀

Das Highlight sollte dann am Ende des Tages kommen die Querung des Pyke Rivers an einer Stelle die bekannt dafuer ist bei Regen unpassierbar zu sein (so wie schon einige Teile zuvor, aber egal) Also diese Stelle passiert und dort dann unsere Zelte aufgeschlagen. Das Ehe Paar aus Auckland ist noch weiter zur naechsten Hut gewandert. Alles in allem hatten die Beiden wohl einen etwa 11 Stunden Tag(Hut ab davor, dass sie das durchgezogen haben). wir haben uns mit unseren etwa 8,5 begnuegt. Die Zelte sollten ja schliesslich auch nicht umsonst eingepackt sein. Und eine schon so gut wie vorbereitete Feuerstelle, eine Holzbank + Tisch will schliesslich auch genutzt werden und nicht nur eines sehnsuechtigen Blickes gewuerdigt werden.

Der naechste Tag war dann im Vergleich zu den vorherigen schon fast langweillig. Wir folgten einer alten Strasse, durch den Wald, wo Rinder und Kuehe und sicherlich auch eine Quads drueber gebraust sind. Zumindest waren die „Fahrrinnen“ fuer uns sehr deutlich im Boden zu erkennen, womit wir auch recht wenig auf die Dreiecke achteten und trotzdem an der naechsten Hut ankamen. Dort trafen wir dann auch unsere Reisegefaehrten, das Ehepaar, wieder und im Laufe des Nachmittags tauchte auch Joschi dort auf, der den Hollyford laufen wollte und sich dann mit uns an der Hut treffen. Voller Freude den Pyke geschafft zu haben beschlossen wir dort eine weiter Nacht zu bleiben. Diese Entscheidung hat sich wieder als sehr gut herrausgestellt und wir hatten eine wahnsinnig tolle Zeit, bestehend aus Aale fangen, Muscheln sammeln und ein wenig auszuspannen.

Aber irgendwann muss es weiter gehen also auf Richtung Hollyford Track. Diesmal ohne Aucklaender, dafuer mit Wuerzburger. Auf dem Weg zur naechsten Hut machten wir dann an ein paar Felsen halt um uns einen kleinen aber sehr, sehr, sehr, sehr, sehr schmackhaften Imbiss zu kochen bestehend aus Paua Muscheln in Knoblauch und Oel gebraten. Danach liefen wir noch an einer Robben Kolonie vorbei und konnten einige Baby Robben sehen. Trotzdem versuchten wir moeglichst einen gewissen Abstand zu halten um die Tiere nicht mehr zu stoeren als unbedingt noetig.

Naechste Hut neues Glueck. Kochen, schlafen, wandern, kochen und schlafen. Zwischendurch wieder wunderbare Landschaft. Das naechste Highlight sollte eine Hut sein, die auf einer kleinen Insel liegt, am Fusse eines Sees. Natuerlich auch nur bei gutem Wetter zu betreten und moeglichst schnell wieder zu verlassen ehe die Fluesse wieder steigen.

Ehm, Nein! Wir hatten uns vorgenommen da wieder 2 Naechte zu verbringen und vielleicht wieder ein wenig Fisch zu fangen oder einfach nur eine gemuetliche Kugel zu schieben.

Aber es kommt halt alles anders als man eigentlich denkt. Der erste Abend war noch relativ ruhig. Zwischendurch kamen ploetzlich einige Jaeger herein die sich, nachdem sie erfuhren, dass wir auch noch den gesammten naechsten Tag da bleiben wuerden, fuer den naechsten Abend ankuendigten.

Also der naechste Tag kam und die Jaeger auch. Mit Sack und Pack wie man so schoen sagt. genauer gesagt waren sie einige der Knalltueten, die diese Idylle mit der Lautstaerke ihrer Jetboote zu zerstoeren drohten. Aber alles in allem echt super Jungs. Am Abend tauchte dann auch noch eine weiter Truppe Jaeger auf und ein etwas verwirrt scheinender aelterer Wanderer.

Das Resumee des Abends: Wir hatten koestlichstes frisches Reh, frisch gereucherte Forelle und eine sehr amuesannte Jetboot Tour um die Insel fuer umsonst, bei der das Boot alles andere als geschohnt wurde. Aber SaftyFirst natuerlich Rettungswesten angehabt und das einzige was dann ein wenig schief ging war der Versuch das Boot ueber ein Kiesbett zu „schiessen“, aber schieben hilft! Haetten wir das ganze ueber einen richtigen Veranstalter gemacht, haette das vermutlich einige viele Dollars gekostet… Alles in allem war es am Ende eine sehr witzige kleine Party, die wir so absolutes nicht erwartet haetten.

Als wir dann weiter wollten bekamen wir sogar noch eine Mitfahrgelegenheit auf den Jetboots – ersparte uns ein klein wenig Strecke durch noch mehr Schlamm. Und wir erhielten dafuer einen etwas anderer Blick auf den Fluss und die Berge drum herum.

Tja und das soll eigentlich auch schon unsere Tour im grossen und ganzen gewesen sein. Noch einmal eine weitere Nacht in einer Hut und dann der heutige Tag mit verdammt viel laufen zur Strasse. Erst gute 2 Stunden auf dem Wanderweg und dann noch einmal 18km vom Strassenende zur Hauptstrasse. Summa sumarum etwas mehr wie 25km.

Aber nun sind wir wieder  gut in Te Arnau angekommen und nach einem guten Essen haben wir den Abend ausklingen lassen und freuen uns darauf, was uns noch hier in Neuseeland erwartet, ehe es dann irgendwann im April heisst: Segel setzen Richtung heimischer Hafen…

Also bis dahin

Gruesse vom anderen Ende der Welt

Robert und Timo

PS: Ist spaet, also wer grobe Rechtschreib und oder sonstige Fehler findet darf sie behalten!

12 Gedanken zu „Eine Tour ohne klaren Weg“

  1. Danke für das fleißige Informieren. Können uns das richtig gut vorstellen. Möchtest du lieber draußen schlafen Timo? Wir könnten den hinteren Teil fluten, damit’s auch schön matschig wird;) Freuen uns auf deine/eure Rückkehr. Aber erstmal auf neue Fotos. Sind bestimmt wieder klasse. GLG an euch beiden und NZ.

  2. Klasse Bericht und spannend zu lesen, und noch mal vielen Dank für den Anruf…
    Lieber Gruß aus Lauterbach an euch beide von Sigrun und Reinhard

  3. yeah! schade, dass ihr die bilder nur so klein hochladen konntet.
    aber ich hoffe ja, dass, wenn ihr wieder da seid, man die dann auch noch mal in groß bei dem einen oder anderen hopfenkaltgetränk betrachten

    jedenfalls bin ich, mal wieder, tierisch neidisch auf euch.

    macht weiter so!

    1. Jo, denke das wird sich sicherlich alles ergeben…
      Aber die sind eigentlich nicht kleiner wie die anderen Bilder die wir sonst auch hochgeladen haben. einfach auf nem groesseren Bildschirm anschauen 😉

    2. „jedenfalls bin ich, mal wieder, tierisch neidisch auf euch“

      das kann ich von mir auch sagen, nach meinem langen Wochenende habe ich richtig Lust auf Urlaub bekommen…

      …und die Nächte mit den Bildern werden bestimmt laaang(:

      trotzdem weiterhin erstmal alles Gute für euch!

  4. Jehaaa klingt ja so als ware ich fast ganz dabei gewesen… aber den Pyke heb ich mir fuer ein andermal auf!
    Macht weiter so Jungs seit ein duftes Team, werd euch vermissen… bis denne dann auf Festival saison oder ma in Kassel und so…

    1. Es ging. Halt son bissel fischig. war nicht zu schlimm – oder vielleicht haben wir auch, nach 8 Tagen durch die Pampa streifen, schon selbst zu sehr gestunken. das jaulen wenn man den Babyrobben zu nahe kam war schlimmer.

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