India-only

Hier ein Nachtrag zu den zuletzt eingefügten Bildern und noch ein paar allgemeine Infos.

Es tut mir leid, dass dieser Bericht erst jetzt folgt, aber es gibt und gab die letzten Wochen wieder mehr als genug zu tun und dann kommt man irgendwie doch nicht dazu etwas zu schreiben. Zu einer der vielen zeitraubenden Beschäftigungen gehört zur Zeit Henriettes und mein Tanztraining. Wir lernen einen traditionellen indischen Gebetstanz, Bharatanatyam der nicht nur gut für die Götter sondern auch für die Oberschenkel ist. Da man den ganzen Tanz in der Hocke ist. Unser Tanzlehrer, Duplay, der wie eine Frau im falschen Körper wirkt, zeigt uns also von Tag zu Tag neue Elemente wie den “ Pfau“, deren Bedeutung wir eigentlich nicht verstehen, aber trotzdem fleißig nacheifern. Abgesehen davon, dass wir natürlich stolz sind so etwas traditionell Indisches zu lernen, hat unser Tanzlehrer noch Großes mit uns vor. Denn in Bidar wird bald ein großes internationales Bharatanatyam Festival stattfinden, bei welchem nur die Besten der Besten auftreten dürfen. Nicht dass wir uns dazuzählen, nicht mal Duplay ist dafür gut genug, aber er rechnet uns aufgrund unserer Hautfarbe gewisse Vorteile aus, und so treten wir kommenden Montag beim Casting an. Leider sitzt der Tanz nur so halb, weshalb wir jetzt täglich 3h unserer Freizeit mit üben verbringen. Wenn wir nicht mit unserer Hauptfarbe punkten können, stehen unsere Chancen leider so gut wie null, aber mitmachen ist ja bekanntlich alles und ich werde euch auf dem Laufenden halten ; )
Ansonsten ist nicht nur für den Unterricht viel geplant, sondern auch für unser Privatleben. So werden Henriette und ich nächste Woche für einen Monat in eines der umliegenden Döfer in zwei verschiedene Gastfamilien ziehen. Zum einen möchten wir gerne nochmal in ein indisches Familienleben eintauchen und unser Kannada verbessern, zum anderen werden wir zu zwei Schneiderinnen aus dem CVTI ziehen die uns mehr als gerne bei sich aufnehmen und sich sehr freuen. Wir werden dann mit dem Fahrrad zur Arbeit kommen, was mich ganz besonders freut und natürlich auch auf unsere westliche Toilette oder fließend Wasser verzichten und uns mit der Familie ihre zwei Zimmer teilen. Was mich persönlich aber nicht stört da wir so noch viel besser ins Familienleben eintauchen können.
An der Arbeit steht eine Projektwoche zu Menschenrechten an, sowie ein klassenübergreifender Lesewettbewerb. In den Wochen nach unserem Urlaub, haben wir es nun auch endlich geschafft einen Kompost im CVTI zu etablieren, nach dem Tonnensystem und den Schülerinnen gefällt es. So haben wir glaube ich auch Sister Christine dazu inspiriert eine Müllumsortierung vorzunehmen und so trennen wir jetzt nach Plastik, Papier, Restmüll und Biomüll. Nächste Woche werden wir eine weitere Freiwillige aus Neuseeland abholen, die allerdings nur für zwei Monate bleiben wird. Da sie einige unserer Klassen übernehmen wird, bleibt Henriette und mir mehr Zeit für unsere Umweltarbeit und so haben wir geplant mit den körperlich und geistig benachteiligten Kinder aus den Dörfern, sowie den “ social workers“ Tüten aus Zeitungspapier herzustellen . Wenn alles gut läuft wird es zu einer Kooperation mit einem der “ General Stores“ aus Bidar kommen, sodass wir wenigstens einen winzigen Schritt in Richtung Plastikreduzierung gehen können. Das Gute an em Plan ist, dass die social workers unsere Arbeit nach unserer Arbeit weiterführen können. Nach unserem Aufenthalt in der Gastfamilie steht dann auch schon unser zweiter Urlaub an, für den mich eine Freundin aus Deutschland besuchen kommen wird. Geplant ist ein kurzer Aufenthalt in Mumbai und in Kerala, dem Bundesstaat der Elefanten und der Ayurveda. Falls wir auf einem Elefanten reiten werden, werde ich euch natürlich davon berichten.
Wie ihr seht geht es mir mehr als gut und die Zeit rast nur so dahin und in manchem Momenten macht es mich ganz traurig, wenn ich daran denke, dass wir effektiv nur noch einen Monat im CVTI wohnen werden ( da der ganze Mai frei ist). Aber wie Pawan der kleine ( einzige) Junge der hier wohnt immer zu pflegen sagt : “ What shall we do? “ Neun Monate sind dann doch zu kurz wie ich feststellen musste, aber ich hätte es ja eigentlich vorher wissen müssen. Dafür genieße ich die Zeit hier dafür um so mehr. Ich hoffe es geht euch allen gut, wo auch immer ihr seid und ich freue mich natürlich auch darüber mal wieder etwas von euch zu hören. Anbei noch ein kurzer Bericht über unseren Urlaub in Goa.
GOA

Noch kurz vorher: Die Weihnachtszeit haben wir größtenteils im CVTI verbracht, was der sehr schön da wir eine Weihnachtsfeier hatten bei der die Mädchen den Walzer-Timewarp-Remix fast fehlerfrei getanzt haben. Es gab indische Süßigkeiten die das gesamte staff-team in einer wir- lernen- backen- Einheit- von -Sister Christine, vorbereitet hat. Vor Goa sind wir dann über den 24. nach Hyderabad gefahren und haben mit anderen Freiwilligen und Indern die Hindus sind, einen schönen Weihnachtsabend verbracht. Und dann ging es los….
Für alle die es nicht wissen sollten. Goa ist der kleinste Bundesstaat Indiens aber auch gleichzeitig einer der reichsten. Er ist nicht nur reich an schönen Küstenstreifen sondern auch an Touristen. Was sich in den 60gern hauptsächlich auf Austeiger und vermeindliche Hippies beschränkte ist heute, sowie in fast allen ehemaligen Hippiemetropolen, ein Pilgerort aller derer die ein Stück Westen im teilweise sehr konservativen Indien suchen. Neben einem Haufen von Engländern und deutschen Freiwilligen, konnte man auch viele Inder finden. Gratis das zu gab es inflationäre Preise die das fünffache der Bidarpreise waren, sowie sehr viel nackte Haut was für unsere “ konservativen“ Bidaraugen fast ein Schock war. Und so kam es, dass Henriette und ich uns unglaublich „underdressed“ vorkamen in unseren langen Hosen und T-shirts. Denn auch die Einwohner Goas, die hauptsächlich portugiesischer Abstammung sind sind sehr freizügig in ihrem Kleidungsstil und so tragen Mädchen kurze Kleider mit Spaghettiträgern. Die Menschen dort sind aber wie überall in Indien sehr freundlich eben nur viel westlicher und wir hatten das große Glück ein paar Tage in einer Gastfamilie zu verbringen. Uncle Konnie ist Sister Christines Cousin und mit seinen fast 70 Jahren fast fitter als wir. So betreibt er im Hinterland Goas eine Farm und wenn er nicht auf dieser ist, dann tourt er mit seinem Motorrad durch ganz Indien. Er hat 7 Jahre in England gewohnt es aber auch nach vier Anläufen nicht geschafft die englische Rollerlizenz zu erhalten, weil er sich einfach nicht an den geregelten Verkehr gewöhnen konnte ; ) Stattdessen hat er sich dann, so seine Aussage, auf englischen „Bottleparties“ gelangweilt und bei Mc Donalds gearbeitet, was ihm auch mit 65 noch sehr viel Spaß gemacht hat. Es war wirklich schön auch in einer goanischen Familie zu sein, da wir so der touristischen Hochsaison etwas entgehen konnten und zudem noch mit Fischgerichten aller Art, sowie Käse, Honig und Brot versorgt wurden. Ganz anders als in Bidar eben ; )
In Goa haben wir uns mit drei Freiwilligen unserer Organisation getroffen, sowie mit den Leuten aus Hyderabad und sind auf eine „legendäre“ goanische Strandparty gegangen, auf welcher wir nette Südafrikaner kennengelernt haben die in Hyderabad studieren. Und so haben wir anstatt indischer Tänze einen südafrikanischen gelernt was sehr viel Spaß gemacht hat und eine gute Fluchtmöglichkeit vor betrunkenen Indern war, die tanzen wie 12 Jährige in der Kinderdisko. Ansonsten waren wir noch mit uncle Konnie auf einem Karaokeabend mit lauter in die Jahre gekommenen Engländer und Tim, ein Mitfreiwilliger, hat sie alle völlig begeistert mit seiner Mc Hammer Version von “ Can’t touch this“ ; ) Auf Onkel Konrads Farm sind wir in den Genuss von Toddy und Fenny gekommen. Fenny ist ein Schnaps der aus der Kokusnusspalme gewonnen wird und Toddy quasi die noch nicht gegorene und undestillierte Version. Unser Probetrinken hatte Onkel Konrad allerdings auf 8 Uhr morgens gelegt, sodass wir noch vor dem Frühstück alle mehr als angeheitert zur Farm zurücktorkelten. Abends gab es dann leckeren aber viel zu scharfen Fisch und am nächsten Tag sind wir nach Südgoa an einen sehr entspannten Strand namens Patnem gefahren. Dort haben wir Silvester verbracht und noch ein paar entspannte Tage um dann noch eine goanische Hochzeit zu besuchen. Verglichen mit der Hochzeit in Bidar war es eine sehr reiche Hochzeit die in einem öffentlichen Garten stattfand. Es gab Bier und andere alkoholische Getränke auch für Frauen, die uns in ihren Absatzschuhen ziemlich blass aussehen lassen haben da wir nur Flip Flops hatten. Das Alkoholangebot hat dazu geführt, dass der Moderator der insgesamt sehr steifen Hochzeit (arranged marriage eben) auch schon ziemlich angeheitert war und sehr unverständlich vor sich hingebrabbelt hat.
Es gab sogar eine Live Band und nachher haben alle getanzt, Männer und Frauen zusammen im Paartanz, dass muss man sich mal vorstellen. Wir sind aber schön bei Onkel Konnie und seinem Schneiderfreund geblieben um so unserem schmierigen Tischnachbarn zu entgehen. Leider war das Styling von Onkel Konrads Freund etwas ungünstig und so lief ihm, sobald er anfing zu schwitzen die aufgepinselte schwarze Farbe aus den Haaren ; ) Anschließend haben wir ein gutes Buffet genossen um dann wieder zurückzufahren. Erst zu Konnies Familie und dann nach Bidar.
Auf dem nach Hauseweg haben wir dann noch illegalerweise 3 Liter Fenny aus Goa ausgeführt für unsere deutschen Freunde. Ich denke die indische Regierung möchte vermeiden, dass die westliche Goa-Mentalität sich auch auf den Rest Indiens auswirkt. Leider haben wir diese Regelung erst nach der Grenze erfahren und ich habe mich schon die ganze Zeit gewundert warum die Polizei so viel Zeit damit verbracht hat den gesamten Bus zu inspizieren, unter anderem auch meinen Rucksack ; ) Zurück in Bidar haben wir uns unglaublich gefreut alle wiederzusehen, wenngleich es auch etwas schwer war sich wieder auf das doch sehr einfach und konservative Bidar einzulassen, wo wir eine Woche Urlaub im inländischen “ Ausland“ gemacht haben. Im CVTI hat sich aber soweit nichts verändert, jeden Morgen um fünf klingelt die Aufstehzeit-Glocke und wenn diese es nicht tut klingelt Sister Christine mit ihrem persönlichen Tischglöckchen, weil sie mal wieder irgendetwas oder irgendwen braucht ; )
Jeden Dienstag beim meeting verbreitet sie fröhlich ihre Lebensweisheiten, wie zum Beispiel, dass wenn man dunkle Haut hat man besser kein schwarz tragen sollte und wenn man hell ist keine grellen Farbe, sowie dass man nie mehr als einen Satz Kleidung außerhalb seines Schrankes benötigt. Eine Regel die Henriette und ich uns auch mal zu Herzen nehmen sollten ; ) Und so geht das laute und bunte Leben, hier fröhlich weiter zusammen mit “ Mother Mary“ und den indischen Preisen hinter denen grundsätzlich „only“ steht. Eigentlich geht das für alle Zahlen, so steht dies zum Beispeil auch hinter der Punktzahl der indischen Abschlussexamen. Wenn mann 100 Punkte aus 100 hat, hat man trotzdem 100 only.
Deshalb jetzt ein paar Grüße only, ich hoffe es geht euch gut, wo auch immer ihr seid!

Stephi

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.