Das Leben unter der Sonne

Hey Leute,

Ich bin immer noch in California, Santa Cruz. Um genau zu sein, lebe und arbeite ich jetzt schon seit über 250 Tagen in der Community. Einige die gerade angefangen haben diese Zeilen zu lesen hoffen vermutlich, dass der Text die perfekte Länge hat um ihn während der Arbeit auf der Toilette lesen zu können. Manche machen sich vielleicht garnicht die Mühe alles zu lesen und genießen einfach nur den Anblick der Fotos die ich geschossen habe. Wie auch immer. Wenn ihr wissen wollt was ich so in den letzten 250 Tagen außerhalb der Bundesrepublik Deutschland getrieben habe, dann legt euch zurück und genießt die nächsten Zeilen…

Teil 1: Community Life

Um sich für so ein Jahr zu entscheiden hat man entweder gerade sein Abitur beendet, ist voller Freiheitsdrang und möchte Lebenserfahrungen sammeln oder man studiert so wie ich Soziale Arbeit, wollte schon immer nach California und wagt sich ein intensives Praktikum im Ausland.

Die ersten Monate in denen ich hier gelebt und gearbeitet habe kamen mir vor wie im Paradies. Dadurch, dass jeder einzelne Tag sehr  abwechslungsreich gestaltet ist, mit Workshops, Mahlzeiten, Art-Program und Ausflügen in die nähere Umgebung, kommt es mir nicht wie eine acht Stunden Schicht in irgendeiner sozialen Einrichtung vor. Die Arbeit hier ist mehr das Zusammenleben, Betreuen der Menschen und Mitwirken in den verschiedenen Bereichen des Alltags.

Drei Mal die Woche arbeite ich im Garten, größtenteils unter blauem Himmel und intensiven Sonnenstrahlen. Ich hätte echt nicht gedacht, dass ich so viel Freude dabei entwickle auf den Knien in der Erde Unkraut auszubuddeln, auf Leitern zu stehen und Äste zu zersägen,  Schubkarren hoch und runter zu fahren oder den Kompost zu wenden (okay das ist eher eine Aufgabe auf die ich auch verzichten könnte). Dadurch habe ich eine ganz neue Wertschätzung zur Natur entwickelt und freue mich schon darauf meine erlernten Skills in Deutschland oder Italien an wenden zu können.

Ich habe jedoch für mich nach 250 Tagen in einer solchen Community gemerkt, dass es ziemlich anstrengend sein kann wenn sich die Grenzen zwischen Arbeits- und Privatleben dermaßen überschneiden. Ein wirkliches Privatleben existiert hier so gut wie garnicht. Das bisschen Freizeit was ich hier habe ist pures Gold. Jede freie Minute die ich besitze nutze ich in vollen Zügen aus. Hinzu kommt, dass ich eine hohe Verantwortung für das Wohlergehen der Menschen hier mittrage. Jederzeit muss man auf die Bedürfnisse der Bewohner eingehen und kann sich so gut wie garnicht auf seine eigenen Bedürfnisse und Gefühle konzentrieren. Fühlst du dich mal nicht gut hast du zwei Möglichkeiten: Entweder du setzt dein Fake-Lächeln auf und überstehst irgendwie den Tag oder du bleibst im Bett liegen unter den verachtenden Blicken der Anderen, weil du nämlich so in den Tagesablauf hier eingeplant bist, dass andere deine Aufgaben übernehmen müssen und jetzt ziemlich genervt von dir sind.

Das zusammenleben mit den Klienten würde ich als sehr intensiv beschreiben. Einerseits ist es ziemlich interessant sich mit einigen Menschen hier zu unterhalten und man kann einiges vom Verhalten der Klienten für sein eigenes Leben lernen. Andererseits kann das tägliche Zusammenleben hier einem ziemlich nahe kommen und dadurch werden bei mir definitiv einige persönliche Grenzen überschritten.

Die nächsten 115 Tage, die ich in der Community noch vor mir habe, werde ich auf jeden Fall als weitere Lebenserfahrung sehen, jedoch weiß ich ganz genau, dass ich ein Arbeitsverhältnis was ich hier habe auf keinen Fall noch einmal führen werde.

Zum Abschluss kann ich sagen:  Die Art und Weise wie mit den „People of Special Needs“ in der Community hier umgegangen wird, schätze ich unglaublich. Der Umgang mit den Menschen hier ist stets sehr respekt-, rücksichts- und liebevoll.  Ich kann mir bis zum heutigen Tag keinen besseren Ort zum Leben für Menschen mit besonderen Bedürfnissen vorstellen als diesen.

 

img_0191Teil 2: Pures Gold 

Seit letztem August verbringen Sophie und ich eine unbeschreiblich schöne Zeit zusammen in California. Sie studiert Kunst an der University of California Santa Cruz (UCSC). Der Campus ist der schönste den ich bis her in meinem Leben gesehen habe. Auf einem bewaldeten Hügel befindet sich das riesige Universitätsgelände mit Meerblick. Riesige Redwood Bäume stehen neben den schmalen Fußwegen, welche sich durch die Wälder hin zu den Studenten Apartments, den Hörsälen und Bibliotheken bahnen. Hirsche und Truthähne laufen hier ohne scheu frei herum und es liegt ein angenehmer mediterraner Duft in der Luft. Sophie hat mir in den letzten Monate so viele coole Spots in der Umgebung gezeigt. Wir sind auf College Partys, haben Ausflüge nach San Francisco (u.a. zu einem LSD Museum mit privater Tour) und Berkley (u.a. auf einem befahrbaren Friedhof den Sonnenuntergang über der Bay beobachtet) unternommen, zusammen unzählige Nächte unter klarem Sternenhimmel am Meer verbracht und so unglaublich viel erlebt, dass es mich ziemlich traurig macht bald wieder die Koffer zu packen…

img_0071

Ludwig habe ich letztes Jahr im Juli auf dem Vorbereitungsseminar kennengelernt. Wir verstehen uns sehr gut und ich habe ihn im November in seiner Community im Bundesstaat New York besucht. In den zwei Tagen habe ich ihm bei der morgendlichen Melkung geholfen und ich sage euch: Es läuft definitiv nicht so ab wie in den Heidi Filmen, auf einer wunderschönen blühenden Wiese mit sanfter Musik im Hintergrund. Ständig musst du aufpassen, dass die Kuh dir nicht den Schwanz ins Gesicht klatscht, mit den Füßen den Milcheimer umhaut oder Kot und Urin darin landen. Nachdem wir die Kühe über die Wiese zu ihrem Tagesstandort getrieben haben nahm ich mit den anderen Co-Workern ein leckeres und kräftiges Bauernfrühstück ein (natürlich nur mit organischen Produkten aus eigener Produktion).

2017-12-26-08-27-12

Letztes Jahr im Oktober habe ich mir in einem lokalen Shop ein Surfbrett und das dazu benötigte Equipment besorgt (Damit ihr bescheid wisst: Das Wasser hier im Meer ist erbärmlich kalt. Ohne einen Wetsuit ist der Wassersport nicht zu genießen). Der Anfang war ziemlich schwer. Dadurch, dass ich immer nur 1-2 Mal die Woche ins Wasser kann und auch nicht immer Wellen vorhanden sind, mache ich nur sehr langsame Fortschritte. Ohne Lehrer_in und mit YouTube Videos schaffe ich es jetzt jedoch mit meinem Longboard Wellen abzureiten und manchmal gelingt es mir dabei sogar lässig auszusehen. Es ist ein purer Genuss bei Sonnenuntergang, rot schimmerndem Himmel und leichter Meeres Brise auf dem Surfboard im Wasser zu sitzen, ein paar Wellen zu surfen und die Atmosphäre zu genießen. Surfen macht einfach nur verdammt viel Spaß und ich hoffe diese Sportart in der Zukunft weiter auszupfeilen.

c000c6cb-e77f-4e86-9175-e5d9eba8ef8eUm nun alle Klischees meines California Lifestyles   zu erfüllen habe ich mir natürlich auch ein Skateboard besorgt. Als ich ungefähr 13/14 Jahre alt war stand ich schon für längere Zeit auf einem, habe es aber nie richtig ausgeübt. Mit dem Besitz meines Skateboards habe ich wieder das Kind in mir entdeckt. Vielleicht denkt ihr euch jetzt Bruder mit 24 Jahren ist man zu alt um so ein neues Hobby anzufangen. Aber ich sage euch, dieses Gefühl auf dem rollenden Brett zu stehen und es dahin zu steuern wo man möchte, bringt mir einfach unglaublich viel Freude. Es ist eine klasse Abwechslung zum Gym und ich kann meiner Kreativität freien lauf lassen.

Zum Abschluss kann ich noch folgendes hinzufügen: Das Leben hier in California ist ein absoluter Traum. Von der Natur bis zur Lebensqualität gefällt es mir sehr gut. Natürlich gibt es die ein oder anderen Dinge im alltäglichen Leben die mir doch sehr merkwürdig vorkommen, aber dafür ist ein solches Jahr da um sich einen Überblick zu verschaffen. Ich bin sehr froh, dass ich diese Möglichkeit genutzt habe und bin so unglaublich Dankbar für jeden einzelnen Moment hier, der mein Leben bereichert hat und vielleicht auch das Anderer 🙂 Hier noch ein paar Fotos…..

2017-10-17-09-36-12

California Drivers License

 

 

 

 

 

2017-11-26-11-36-44

New York

 

 

 

 

 

2017-11-14-08-27-01

Walnut Street, Santa Cruz

 

 

 

 

 

2017-12-10-15-01-18

Twin Peak, San Francisco

 

 

 

 

img_0030Oakland

 

 

 

 

Angeblich der größte Redwood 2017-11-16-16-07-51tree in North California

 

 

 

 

 

38ee7bf0-4f86-4602-af77-151f2cdb3904-2

Unterstützung einer biodynamic farm, Watsonville

 

 

 

 

 

Euer Moritz

ÜT 2017

…oder: „…und jetzt nachdem ich ausgeschlafen [und geduscht] bin könnte ich direkt wieder hinfahren“ (Helge the Schmelge Popelge aka. ich-lauf-erstmal-ne halbe-Stunde-zum-Bulli).

Tja Helge, dass wird vermutlich nicht allzu bald geschehen 🙁

Eigentlich war ich froh als ich stinkend zur Haustür reinkam und eigentlich konnten einige von uns auch der ausgiebigen Körperpflege nachgehen. Und eigentlich haben wir vermutlich alle das selbe gedacht wie Helge. Aber ich hau an dieser Stelle erstmal nur ein paar Impressionen in Form von Bildern raus, alles andere würde jetzt meinen Rahmen sprengen. Aber vielleicht sieht es jemand als Aufhänger ein paar seiner Gedanken in Worte zu fassen. Vielleicht auch ich selber, aber das braucht noch ein paar Tage. Ich fasel jetzt einfach noch ein paar Schlagworte raus die mir in den Sinn kommen und alles weitere gibt es dann fertig verdaut an anderer Stelle: Alte Heringe, die meinem Wanderschuh eine derbe Narbe zugefügt haben, 2000 andere irgendwie bündisch orientierte, Sonne – richtig heißt, Regen (REGEN!) am Tag des Abbaus – richtig scheiße, Pinte, Pinte ohne Alkohol, Pinte, Pinte, Lehmofen, Bierbrauen, Schmieden, Kochen, Kochen, Kochen, Kochen, 50 Silberfischchen, Unterlager, Lagerlied, Hamburger, Tische bauen, MARKTZELT, im Marktzelt aushelfen, Mike Essen bringen weil er oder Roffe schon wieder im Marktzelt stehen, was macht die Spinne in meinem Bierkrug, neue Schenkenkarte besorgen, Kochen, Essen, Lachen, ein bisschen Weinen, Schuhe binden, Ökotiolette besuchen, ÜTrinen bestaunen, Mädels verwundert anstarren die die Pissrinne für die ÜTrine halten und auch so behandeln, Schlafsack einpacken und mich über die um halb 8 angetrunkenen Oktoberfestmenschen am Bahnhof freuen…

Danke an Pucho für die Bilder!

2017_10_02_uet-75s2017_10_02_uet-234s 2017_10_02_uet-4012017_10_02_uet-420s 2017_10_02_uet-485s 2017_uet_gj-2 2017_uet_gj-20 2017_uet_gj-27 2017_uet_gj-28 2017_uet_gj-32 2017_uet_gj-45 2017_uet_gj-47 2017_uet_gj-58 2017_uet_gj-68 2017_uet_gj-79

 

Daily Life in Camphill Community California

Hey Leute,

Ich lebe und arbeite jetzt seit über einem Monat in der Camphill Community California und wollte euch mal ein paar Dinge über mein tägliches Leben hier erzählen.

Nach den ersten Tagen zum Eingewöhnen fand für alle neuen Co-Worker eine Orientation Week statt. In dieser Woche wurde uns einiges zur Geschichte der Einrichtung, den philosophischen und pädagogischen Ansichten aber auch viel zu der Umgebung hier in Santa Cruz erzählt. Es waren sehr interessante Tage an denen ich auch die Menschen hier besser kennen lernen konnte.

Jetzt habe ich seit ein paar Wochen einen meist festen und strukturierten Tagesablauf. Mein Tag beginnt hier fast immer um 07:00 Uhr. Vor dem gemeinsamen Frühstück mit den Menschen in meinem Haus werden ein paar Verse aus dem neuen Testament vorgelesen. Ich kann dazu nur so viel sagen, dass ich meistens nichts verstehe was dort vorlesen wird. Nach einem ausgiebigen Breakfast mache ich mich fertig für den Tag und um 09:00 Uhr haben wir einen sogenannten Morning-Cirle in einer sehr großen Halle. Dort kommen alle Menschen aus den verschiedenen Häusern zusammen. Es wird in der Mitte des Kreises eine Kerze angezündet und gemeinsam ein Sprichwort gesprochen. Danach werden tägliche Termine zusammen durchgegangen und häufig zum Schluss noch ein Lied gesungen, dass mit dem Klavier begleitet wird. Nach dem morgendlichen Zusammentreffen beginnen die Workshops. Ich bin so gut wie jeden Tag in der Ishi Garden Crew. Ishi ist der Name von einem Haus hier in der Community, dass einen sehr großen Garten hat. Meine Aufgabe ist es hier sowohl die pädagogische Anleitung der Menschen, die hier im Garten arbeiten als auch das mitarbeiten und Unterstützen. Im Prinzip ist unsere Aufgabe hier, die eines Landschaftsgärtners. Wir entfernen Unkraut und abgestorbene Pflanzen, schneiden Büsche und die Äste von Bäumen, pflanzen, ernten und machen alles was zum Gärtner dazu gehört.

Nach dem Workshop gibt es Lunch in einem der sieben Häuser. Danach habe ich meistens eine Rest Hour wo ich ein kleines Schläfchen machen kann. Ab 15:00Uhr haben wir eine Stunde Art Program. Es gibt Yoga, Eurythmie, Sport, Singen etc.. Yoga macht mir sehr viel Spaß.

Das Afternoon Program ist genauso vielseitig wie das Art Program. Ich nehme einmal die Woche am Veggie Pick Up teil, wo wir frisches Obst und Gemüse aus den Gärten aber auch von einem Bio-Großhändler für unsere Häuser besorgen. Zum Essen: Es wird hier jeden Tag frisch gekocht und es ist für jeden Geschmack etwas dabei. Es ist einfach nur herrlich! Sonst unterstütze ich einen Menschen hier Nachmittags beim Säubern seines Raums und Freitags habe ich immer einen Paper-making Workshop, der mir sehr viel Spaß macht und ich meine Kreativität ausleben kann.

Um 18Uhr gibt es für gewöhnlich Dinner. Dort sitzen wir wieder mit allen Menschen in meinem Haus zusammen, essen und unterhalten uns über das tägliche Leben. Nach dem Abendessen ist in meinem Haus meistens nur noch gemeinsames entspannen angesagt.

Dienstags ist mein Day Off, an dem ich meistens nach Santa Cruz fahre und dort eine schöne Zeit in einem Café, Buchshop oder am Strand verbringe. Alle Menschen die hier arbeiten haben das Recht auf eine bezahlte Gym Membership, so kann man mich auch vier mal die Woche in diesem klasse Oldschool Gym mit Swimming Pool, Sauna und Hot Tub antreffen. Sonntags haben wir immer ein Outing. Dort machen wir mit den Menschen in meinem Haus einen Ausflug in die nähere Umgebung der Community und krönen das ganze mit einem Lunch in einem Restaurant. Wir waren u.a. schon in einem Waldstück mit einem buddhistischen Zentrum, haben von den Klippen aus Wale beobachtet, haben am Strand gesessen, Spaziergänge durch Santa Cruz Downtown gemacht oder waren im Freizeitpark, dem Beachboardwalk. Zum Lunch gab es bisher schon Fish and Fries, unglaublich gute Burger and Fries, mexikanischen Burrito und vieles mehr.

Natürlich gehört zu meinem täglichen Leben hier noch viel mehr von dem ich euch aber mal wann anders erzählen werde. Nach einem Monat kann ich sagen: Das Leben was ich hier führe ist schöner als jeder Traum…

Sonnige Grüße aus California,

euer Moritz

dsc_0046dsc_0038dsc_0096dsc_0041

First Day’s In Cali

Hey Leute,

Am 20.06.2017 bin ich von Frankfurt über Manchester nach San Francisco geflogen. Der Flug verlief ziemlich reibungslos, jedoch konnte ich in den 17 Stunden im Flugzeug so gut wie überhaupt nicht schlafen. Kurz bevor ich dann amerikanischen Boden unter den Füßen hatte wurde ich in der US Costom and Border Protection für fast drei Stunden festgehalten, befragt und musste nach der ersten Kontrolle noch zu einer Weiteren gehen und dort gefühlte Ewigkeiten warten um mein Visa anerkennen zu lassen.

Nach dem der bürokratische Teil des Tages erledigt war, hat mich ein sehr netter junger Co-Worker am Flughafen abgeholt. Und was macht man als erstes wenn man in Cali gelandet ist? Natürlich erstmal zu Starbucks gehen und einen Iced Coffee bestellen. Serviert wird das ganze im durchsichten Plastikbecher mit Strohalm und dann ganz lässig in der einen Hand den Koffer hinterher ziehen und in der Anderen das kalte schwarze Getränk halten.

Nach dem wir unseren silbernen SUV auf dem Parkdeck, zwischen den anderen riesigen Autos gefunden haben, haben wir uns dann auf den Highway begeben Richtung Soquel. Der Highway führt vorbei an grünbewachsenen Hügeln mit mediterranen Pflanzen, riesigen Seen und Bäumen, die über die breite Straße ragen. Mein erster Eindruck: Es sieht hier genauso aus wie in Italien nur mit größeren Autos.

Als wir in Santa Cruz angekommen sind (Fun Fact: Hier hat bis zu seinem Tod vor ein paar Wochen der Surfer Jack O’Neill gelebt, welcher der Gründer der gleichnamigen Marke ist) haben wir erstmal bei einem Five Guys gehalten. Dort habe ich mir um alle Klischees zu erfüllen einen ziemlich leckeren Cheeseburger mit spiced Fries besorgt. Dazu kann man sich noch eine Schale Erdnüsse mitnehmen. Geschmacklich einfach nur ein absoluter Traum.

Abends sind wir dann in meinem neuen Zuhause angekommen. Hier Leben Co-Worker, Friends (People With Special Needs) und ein Householder zusammen. Das Haus ist sehr groß und jeder hat sein eigenes Zimmer um sich zurückziehen zu können. Es gibt ein sehr großes Wohnzimmer mit Kamin und offener Küche. Wir haben einen Garten mit Hängematte und BBQ-Grill und dazu noch Anbauflächen für Obst und Gemüse. Chrysalis, das Haus in dem ich lebe, ist eins von fünf Häusern, die am Fairwaydrive entlang verteilt sind. Es gibt z.B. noch ein größeres Haus mit einer großen Halle für Festivitäten und einer riesigen Anbaufläche, sowie einem Vineyard und einem Swimming Pool.

In den letzten Tagen habe ich schon sehr viele neue Menschen kennengelernt, die auch in meinem Alter sind und hier die Community unterstützen. Ich bin schon sehr gespannt was die Zeit hier noch bringt und werde ab und zu hier den ein oder anderen Beitrag veröffentlichen. Eins sei schon mal gesagt: Die Umgebung hier ist ein absoluter Traum.

Euer Moritz

 

2017-07-21-14-14-432017-07-21-14-13-552017-07-21-14-14-042017-07-21-14-13-14
2017-07-21-14-11-54
2017-07-22-12-30-292017-07-22-12-40-002017-07-22-12-44-01

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Lyksicher Weg, 2. Teil – Stein, Feuer und Tayyip –

DSCN9062 DSCN9061 DSCN9056 DSCN9054 DSCN9046 DSCN9043 DSCN9038 DSCN9037 DSCN9036 DSCN9032 DSCN9026 DSCN9025 DSCN9012 DSCN9010 DSCN8993 DSCN8989 DSCN8981 DSCN8977 DSCN8975 DSCN8974 DSCN8971 DSCN8969 DSCN8967 DSCN8964 DSCN8960 DSCN8959Entlang der Strandbucht gab es ein paar Hütten und alte Fischerboote an denen vereinzelt Menschen herum werkelten. Wären wir in der Hauptsaison hier gewesen, wäre wohl einiges mehr losgewesen. Die Sonne strahlte ungemein warm auf uns hinab, woran sich die nächsten Wandertage auch nichts ändern sollte. Nach einer kleinen Pause am Strand liefen wir noch ein gutes Stück weiter parallel zum Strand und dann einen Berg hinauf. Hier bezahlten wir einen kleinen Geldbetrag um uns die „Brennenden Steine“ oder auch Yanartaş (https://de.wikipedia.org/wiki/Chimaira_%28Lykien%29) anzuschauen und über den Flammen die dort direkt aus der Bergflanke kamen einen leckeren Eintopf zu kochen. An diesem außergewöhnlichen Ort hielten wir uns bis zur Dämmerung auf, trieben Unfug mit dem Feuerzeug und dem aus dem Gestein ausströmenden Gas, wobei Clara sich ein bisschen die Haare ansengte, und genossen die Tolle Aussicht auf das Meer. Der Eintopf schmeckte hervorragend wie immer und gut gesättigt und fasziniert von dem brennenden Berg stiegen wir wieder ins Tal um uns einen Schlafplatz zu suchen. Die Suche gestaltete sich etwas schwieriger, da doch einige bewohnte Hütten mitsamt Wachhunden rumstanden in deren unmittelbarer Nähe wir nicht schlafen wollten. Nachdem wir schon fast wieder am Strand angekommen waren entschlossen wir uns aufgrund der fortgeschrittenen Dunkelheit uns ohne Zelt unter ein paar Bäume ins Dickicht in Spuckweite zum lykischen Weg zu fläzen und am nächsten Tag direkt weiter dem Weg zu folgen. Es war nicht die bequemste Nacht, aber die Erschöpfung des Tages ließ mich trotzdem gut einschlummern. In Deutschland lag grade noch Schneematsch auf den Feldern und Straßen, während wir unter freiem Himmel und 1000 Sterne Aussicht unter belaubten Bäumen liegen konnten. Klasse. Zu allem Überfluss gönnten wir uns eine Flasche Roten und aßen einen Happen Brot, da es fürs Kochen schon zu spät war. In der Nacht gesellten sich noch zwei streunende Hunde zu uns, die weggescheucht wurden. Einer von beiden saß jedoch am morgen ein paar Meter von uns entfernt im Gras und sah aus als würde er auf seine Schafe acht geben. Da er nicht nach Essen bettelte und auch nicht bellte und ganz knuffig aussah ließen wir den Hund, Hund sein und Frühstückten, packten Sachen und los ging es auf den lykischen Weg. Der kleine Köter folgte uns auf Schritt und Tritt, ließ sich nicht abschütteln oder wegscheuchen und tat so als würde er dazu gehören. Wir entschlossen dann, dass es ja schon auch ganz geil ist son Fahrtenhund dabei zu haben und dass er ja bestimmt sowieso bald umkehren würde zu seinem Besitzer. Der Hund hatte nämlich ein Halsband an, jedoch ohne Adresse und Telefonnummer. Der Weg ging nun entlang der schroffen, kargen, wunderschönen Küste mit Blick auf ein strahlend blaues Meer, der Hund trottet mal vor mal hinter uns und passte auf seine „Herde“ auf. Nach einer Weile und hin und her, die auswahl an namen war groß, beschlossen wir den Hund den Namen Tayyip zu geben. Ein typischer türkischer Name und mit realen Personen der türkischen Regierung nicht in Verbindung zu bringen. Fortan schallte der Ruf : „Tayyip(Erdoğan) komm“ , oder „wo ist Tayyip“ des öfteren über die lykische Küste.

Lykischer Weg, 1. Teil -Anreise und Istanbul-

DSCN8955 DSCN8953 DSCN8948 DSCN8937 DSCN8915 DSCN8904 DSCN8902 DSCN8894 DSCN8893 DSCN8889 DSCN8887 DSCN8881 Türkei 1 800px-The_Lycian_Way_Overview

Ende Februar gings mal wieder für einige Tage auf Fahrt. Diesmal trieb es uns in die Türkei. Genauer auf den Lykischen Weg, der sich 500 km an der Küste zwischen Antalya und Fetiye entlang schlängelt. Der Vorschlag zu diesem Ziel kam von Stephi die über den Winter ein Semester in Istanbul studierte und zum Abschluss ihrer Zeit in der Türkei zum gemeinsamen Wandern einlud. Der Einladung folgten Clara und ich. Zu dritt sollte also der Weg beschritten werden.

Am 28. Februar ging es für Clara und mich von Frankfurt 36 Stunden mit dem Euroliner bis Istanbul. Die vielen Stunden vergingen weniger schleppend als erwartet, aufgelockert durch interessante Busbekanntschaften. Ein älterer US Amerikaner der mit all seinem Hab und Gut von Bremen nach Istanbul zog, ein Deutscher der in Istanbul studiert hatte und auf dem Weg nach Teheran war um Freunde zu besuchen und ein Kurde aus dem Nordirak der seine Familie in der Kriegsgebeutelten Heimat besuchen wollte, lieferten interessante Gesprächspartner.

Am 2. März kamen wir morgens in Istanbul an und nach Orientierung in der 20 Millionen Einwohner Metropole waren wir bald bei Stephs Wohnung angelangt. Nach Begrüßung und Kaffee gings über den Bosporus auf die europäische Seite der Stadt um die einschlägigen Sehenswürdigkeiten, wie Hagia Sophia, Blaue Moschee und Gewürzmarkt zu bestaunen. Immer wieder musste man die Einladungen der Gewürz-, Tee-, Klamotten und Süßkramhändler abweisen, die einen meist direkt auf deutsch in ihren Marktstand geleiten wollten, dankend ablehnen. Abends wurde zusammen mit Erasmusfreunden von Steph die Kneipenkultur erkundet. Der nächste Tag war verregnet, ließ sich aber bei einem ausgedehnten türkischen Frühstück im alternativen Stadtteil Kadeköy gut aushalten. Später wurden noch die Tickets für den Bus bis Kemer gebucht wo unsere Wanderung beginnen sollte. Nach Einkauf und einigen weiteren Erledigungen stiegen wir abends in den Bus und kamen 10 Stunden später am frühen Morgen in Kemer an. Mit einem Kleinbus gings nochmal einige Kilometer aus der Stadt raus. Wir ließen uns nach einer kurzen und überteuerten Fahrt an der Hauptstraße rausschmeißen, von wo eine Schotterpiste einige Km zum Meer bergab verlief. Hier Begann die Wanderung. Strahlender Sonnenschein und gefühlte 20°C trieben uns entlang von Zitronen- und Orangenbäumen weiter zum Meer und einen fast Menschenleeren Strand.